Wir leben in einer Zeit voller Herausforderungen für die
Kirche, die Jesus gründete. Ideen, die in der Kirche zur Zeit die Runde machen,
haben größere Bedeutung, als die meisten begreifen! Die schleichende
Rückkehr zu traditionell „christlichen" Lehren, die Begeisterung für neue Formen
der Kirchenverwaltung, der Wunsch, ohne eine Predigerschaft auszukommen und sich
über eine Hierarchie hinaus weiterzuentwickeln, und lieber zu debattieren, als
zu lernen - all dies sind ernüchternde Entwicklungen, die man beachten muss!
Manche fragen sich, was mit Gottes Volk in unserer Zeit
geschieht. Warum gibt es so viel Zwiespalt, Streit und Meinungsunterschiede? Ist
dieser Zuwachs an Vielfalt ein Zeichen von geistlicher Reife? Bedeutet das wahre
Christentum, zu lernen, wie man besser mit Meinungsverschiedenheiten auskommt?
Wenn ja, was wurde dann aus der Einheit, um die Jesus für seine Jünger betete
(Johannes 17, 11)? Was wurde aus der Einheit im Glauben, die die Apostel
betonten (1. Korinther 1, 10; Epheser 4, 1-6.13-16)? Können Sie an alles
glauben, was Ihnen angenehm ist, und dennoch ein wahrer Christ sein? Werden Sie
ein Christ mit einer Einstellung der Philadelphia-Ära, indem Sie einer Kirche
Ihrer Wahl beitreten - oder gibt es da noch mehr zu beachten? Warum sind diese
Fragen für uns heute so bedeutsam?
Für manche ist dieses Aufkeimen von Vielfalt Anzeichen für
einen Fortschritt, während es andere als Zeichen geistlicher Verwirrung ansehen.
Für viele ist der Abbau der Pyramide einer Kirchenverwaltung ein befreiender
Schritt, doch andere sind der Meinung, dass damit ein Chaos vorprogrammiert ist!
Manche sind begeistert angesichts der Veränderungen, die in den Gemeinden
stattfinden, aber viele sind auch besorgt und verwirrt. Manche haben aufgegeben
und die Kirche verlassen. Aber was bedeuten all diese Veränderungen? Wohin
führen sie? Gibt es irgendwelche Richtlinien, die uns helfen können, uns in
diesen turbulenten Zeiten zurechtzufinden?
Die Antworten, die wir jetzt brauchen, finden wir in
den Bibelprophezeiungen, die vor fast 2000 Jahren in einem Buch festgehalten
wurden, das sehr wenige Theologen verstehen. Obwohl die Kirchen dazu angehalten
werden, die „Sucht der Vorhersage" zu bereuen, ist das, was wir studieren und
verstehen müssen, in Prophezeiungen geschrieben, die unsere heutige Zeit
beschreiben. Die ersten paar Kapitel im Buch der Offenbarung liefern uns
wertvolle Einblicke in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kirche
Gottes. Die Sendschreiben an die sieben Gemeinden enthalten nicht nur einen
Abriss der Geschichte der Kirche, sondern auch wichtige Lektionen, die
uns in dieser Zeit der Bedrängnis helfen können. Diese Lektionen erklären auch
gleichzeitig, was mit der Kirche zur Zeit passiert. Sie können es sich nicht
leisten, diese wichtigen Informationen zu ignorieren.
Der Zweck des Buches der Offenbarung
Das Buch der Offenbarung wird oft als seltsames Buch voller
mysteriöser Symbole angesehen, das zu verstehen schwierig oder sogar unmöglich
ist. Doch die Bibel sagt das genaue Gegenteil! Der Begriff „offenbaren" bedeutet
„aufdecken" oder „erklären." Schon im ersten Vers lesen wir, das Gott dieses
Buch der Offenbarung inspirierte, um „seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze
geschehen soll" (Offenbarung 1, 1). Gott sagt weiter: „Selig [glücklich,
beneidenswert] ist, der da liest und die da hören die Worte der
Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit [der
Erfüllung] ist nahe" (Offenbarung 1, 3). Es war beabsichtigt, dass die
Prophezeiungen in Buch der Offenbarung - einschließlich der Sendschreiben an die
sieben Gemeinden - verstanden werden sollten - insbesondere von Christen
heute! Johannes schrieb über Ereignisse, die zum Ende dieses Zeitalters führen
würden. Das Bindeglied - zwischen der Zeit, in der Johannes lebte und der
Zeit von Christi Rückkehr - ist die prophetische Zeitspanne, die durch die
sieben Kirchenzeitalter im Buch der Offenbarung beschrieben wird (Kapitel 2
und 3).
Die Sendschreiben an die sieben Gemeinden haben einen
dreifachen Zweck. Sie beschreiben die tatsächlichen Zustände in den einzelnen
Gemeinden am Ende des ersten Jahrhunderts. Die ersten Lektionen - Empfehlungen
und Ermahnungen - waren für die Gemeinden in dieser Zeit gedacht. Aber außerdem
sind diese Sendschreiben Teil eines Buches über Prophezeiungen für die Zukunft.
Die sieben Gemeinden waren geografisch auf einer Postroute in Kleinasien
(heutige Türkei) angeordnet. Gelehrte haben auch erkannt, dass diese
Aufeinanderfolge sieben Zeitalter der Kirche Gottes von den Tagen der
Apostel bis in die Endzeit versinnbildlicht. Die Zustände in den Gemeinden, wie
sie in den Sendschreiben dargestellt sind, beschreiben auch prophetisch die
Zustände, die in jeder der aufeinander folgenden Zeitalter vorherrschen würden -
und auf die dann dieselben Lektionen anwendbar wären. Johannes richtete das Buch
der Offenbarung „an die sieben Gemeinden" (Offenbarung 1, 4) und deutete damit
an, dass alle Briefe an die einzelnen Gemeinden in allen Gemeinden vorgelesen
werden sollten. Also war der dritte Zweck dieser Sendschreiben, allgemeine
Lektionen zu vermitteln, die allgegenwärtige, menschliche Tendenzen beschreiben
und auf diese anwendbar sind. Dieser Artikel befasst sich damit, was diese
Sendschreiben über die verschiedenen Kirchenzeitalter offenbaren - insbesondere
über unser modernes Zeitalter - und wie sich deren Lektionen auf uns heute
anwenden lassen.
Ephesus: Verlust der ersten Liebe
Ephesus war die führende Stadt in Kleinasien - aber sie
befand sich in einem Zustand des Verfalls. Die Gemeinde in Ephesus steht
symbolisch für das apostolische Zeitalter des ersten und zweiten Jahrhunderts n.
Chr. Diese Gemeinde wird für ihre Werke gelobt - das Predigen, Leiden, Dienen,
Umherreisen und die Schriften der frühen Apostel (Offenbarung 2, 1-3). Sogar sie
mussten bereits zwischen falschen Lehrern und wahren Dienern Christi
unterscheiden. Doch entsprechend dem schwindenden Ruhm von Ephesus wurde über
die Gemeinde am Ende des ersten Jahrhunderts gesagt, dass sie die „erste Liebe
verlässt" (Offenbarung 2, 4). Gott warnte sie, dass er aufhören müsste, sie für
seinen Zweck zu gebrauchen, wenn sie nicht bereuen würde (Offenbarung 2, 5).
Aber was bedeutet es, die erste Liebe zu verlassen
oder zu verlieren? Andere Schriften des Apostels Johannes erklären dies.
Der Apostel setzt Liebe damit gleich, in der Wahrheit zu wandeln und die Gebote
zu halten (2. Johannes 6). Im Bezug auf die Wirkung falscher Lehrer warnte er:
„Seht euch vor, dass ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben"
einschließlich unseres Lohnes (2. Johannes 7-8). Im 3. Johannesbrief ermahnt er
die Gemeinde, den Geschwistern zu dienen und „Gehilfen der Wahrheit" zu werden
(Verse 4-8). Obwohl Jesus Demut (Matthäus 5, 5) und Nächstenliebe (Johannes 15,
12) betonte, gab es in der Kirche am Ende des ersten Jahrhunderts Individuen,
die es liebten, höher als andere gestellt zu sein - sie liebten ihre Position -
ein Zustand, den die Bibel böse nennt (3. Johannes 9-11).
Die Gemeinde in Ephesus - das apostolische Zeitalter - hatte
ihre erste Liebe für Gott, für die Wahrheit, für die Durchführung eines Werkes
und für die Geschwister verloren. An die Stelle dieser wichtigen Grundlagen
traten verführerische Lehren (wahrscheinlich gnostischen Ursprungs - siehe
Offenbarung 2, 6). Für manche war es wichtiger, eine Position zu behalten,
als an der Wahrheit festzuhalten. Auch heute noch sind manche mehr auf ihre
Position bedacht - vielleicht als Ältester oder Diakon, als jemand, der die
Gesangbücher verteilt oder als Chorleiter - als darauf, das Werk Gottes zu tun.
Die Lektion des Zeitalters von Ephesus ist klar: Kommt zurück auf den
richtigen Weg - tut das Werk - predigt mit Hingabe das Evangelium - liebt die
Wahrheit - liebt einander.
In einer erstaunlichen Parallele zu unserem modernen
Zeitalter sehen wir, dass die neutestamentliche Kirche, die in den 30er Jahren
begann, sich in den 90er Jahren aufspaltete - als Johannes seine Briefe und das
Buch der Offenbarung niederschrieb. Der Apostel Paulus lässt erkennen, dass
diese Meinungsvielfalt bereits seit einiger Zeit verbreitet war ( 1. Korinther
1, 10-13) und dass diese dazu führte, dass Leute vom Glauben abfielen (2.
Timotheus 1, 15). Innerhalb von nur etwas über 60 Jahren wurde die Kirche, die
Jesus Christus gegründet hatte, von Spaltungen und doktrinären Streitfragen
erschüttert. Dies sollte für uns heute eine ernüchternde Lektion sein!
Smyrna: Treu in Bedrängnis
Die Gemeinde von Smyrna gibt uns eine weitere, wichtige und
zeitlose Lektion. Smyrna war eine wohlhabende, pulsierende und schön angelegte
Hafenstadt, doch Christen sahen sich dort starker Verfolgung ausgesetzt. Das
Zeitalter von Smyrna erstreckte sich etwa über das dritte und vierte Jahrhundert
nach Christus - eine Zeit intensiver Verfolgung der Kirche durch die Römer.
Während das Zeitalter von Smyrna für seine Werke und für seinen Reichtum an
Glauben gelobt wird (Offenbarung 2, 9), wird es auch ermahnt, „getreu bis an den
Tod" zu sein (Offenbarung 2, 10), damit es einen Lohn erhält. Die Gemeinde von
Smyrna illustriert, wie wichtig Ausdauer ist - auch während
schwieriger Zeiten an seinem Glauben festzuhalten. Jesus sagte: „Wer aber
ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden" (Matthäus 24, 13;
Schlachter-Übersetzung). Der Apostel Paulus beschrieb, dass nur diejenigen einen
Preis erhalten, die das Rennen vollenden (1. Korinther 9, 24-27). Ein
Ältester wird ermahnt: „Er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiss ist"
(Titus 1, 9). Wenn Ihr Fundament solide ist (Matthäus 7, 24-29) und Sie sich die
Zeit nehmen, zu „prüfen," was die Wahrheit ist (1. Thessalonicher 5, 21), so
werden Sie darauf vorbereitet sein, durchzuhalten, wenn die Zeiten härter
werden.
Historische Quellen zeigen, dass die Christen des Zeitalters
von Smyrna an das Millennium - die tausendjährige Herrschaft Christi und der
Heiligen auf Erden - glaubten. Sie hatten keinen Anteil an den römischen
Feierlichkeiten der Saturnalien und Brumalien (Ursprünge moderner, christlicher
Bräuche). Sie gaben den Zehnten und glaubten nicht an die Unsterblichkeit der
Seele. Sie hielten den Sabbat und die heiligen Tage, und sie befolgten die
Speisegebote der heiligen Schrift (siehe Edward Gibbons: The Decline and Fall
of the Roman Empire [Abstieg und Fall des Römischen Reiches], Kapitel 15).
Es wundert einen nicht, dass sie Verfolgung ausgesetzt waren - sie befolgten
nicht die vorherrschenden sozialen und religiösen Bräuche. Smyrna ist eine von
nur zwei Gemeinden, die keine Zurechtweisung erhielten. Die Lektion des
Zeitalters von Smyrna ist einfach, aber ebenso wesentlich wie zeitlos:
Bleibt treu in Bedrängnis - haltet aus bis ans Ende - resigniert nicht - gebt
nicht auf! Wir können es uns nicht leisten, diese Lektion zu vergessen!
Pergamon: Die Gemeinde, die Kompromisse eingeht
Pergamon war die Hauptstadt der Provinz Kleinasien und hatte
imposante Tempel, die Zeus, Apollo, Athena, Äskulap (dem Heilskult) und Cäsar
geweiht waren. Ihre Bürger waren weltoffen und gebildet. Die Gemeinde von
Pergamon wird dafür zurechtgewiesen, dass sie es zuließ, dass falsche Lehrer
Gläubige verführten (Offenbarung 2, 14). Obwohl viele nicht sofort falsche
Lehren glauben, führt eine Duldung der Verbreitung verführerischer Ideen
doch dazu, dass früher oder später viele einen Kompromiss mit den Lehren des
wahren, apostolischen Christentums eingehen und geistlich zu Fall kommen. Die
Bibel zeigt, dass nicht nur falsche Lehrer, sondern auch Prüfungen, Bedrängnis
und Verfolgung (Matthäus 13, 21) sowie ein schlechtes Beispiel (1. Korinther 8,
9) Menschen zu Fall bringen kann. Manche stoßen sich sogar am Wort Gottes und an
den Lehren Jesu Christi (Maleachi 2, 8; 1. Korinther 1, 23).
Das Zeitalter von Pergamon dürfte etwa die Zeit von 500 bis
1000 n.Chr. umfasst haben. Während dieser Zeit - dem „finsteren Mittelalter,"
als die Kirche von Rom Europa beherrschte - wurden Ostern, Weihnachten,
Halloween und die philosophischen Ideen der Dreieinigkeit und der unsterblichen
Seele vom Heidentum in diese dominierende Kirche übernommen. Intellektuelle
Weltoffenheit, ein rein vernunftorientiertes Denken und der Drang,
fortschrittlich zu sein führen oft zu einer Abkehr von grundlegenden, biblischen
Wahrheiten. Die Lektion von Pergamon ist deutlich: Toleriert keine falschen
Lehren oder Leute, die diese verbreiten - wer Kompromisse eingeht, bringt
Menschen zu Fall - Christen müssen für die Wahrheit einstehen. Dieser Rat
ist für die Kirche heute besonders angemessen!
Thyatira: Die korrupte Gemeinde
Thyatira war eine Stadt, die im Landesinnern an einer
wichtigen Handelsroute lag. Sie war ein Handelszentrum mit vielen Handelsgilden
und der Sitz einer militärischen Garnison. Ihr Schutzpatron war eine
Kriegsgöttin. Um am örtlichen Wirtschaftsleben teilnehmen zu können, musste man
Mitglied einer Handelsgilde sein, die jährliche Feierlichkeiten zum Götzendienst
mitfinanzierte - wodurch ein Zwang entstand, Kompromisse einzugehen, um
sich anzupassen. Das Zeitalter von Thyatira erstreckte sich wohl etwa vom elften
bis zum sechzehnten Jahrhundert und schloss das Zeitalter der Reformation und
der Gegenreformation mit ein, in dem eine Vielzahl von Menschen die etablierte
Kirche von Rom verließ. In dieser Zeit tauchten christliche Gruppierungen in
Mittel- und Südeuropa auf, die an den Sabbat, an manche heilige Tage, an das
Zehnten, die Erwachsenentaufe und die Speisegesetze glaubten, und auf der
anderen Seite die Lehren über Dreieinigkeit, die unsterbliche Seele, das
Fegefeuer und sogar die populären Vorstellungen über Himmel und Hölle ablehnten.
Dennoch drifteten viele mit der Zeit und unter dem Druck der
Gegenreformation zurück in die vorherrschenden Praktiken, indem sie an
Sonntagsgottesdiensten teilnahmen, heidnische Feiertage einhielten und
Militärdienst leisteten, um Verfolgung zu entgehen. Viele litten und starben
durch Verfolgung (siehe Encyclopaedia Britannica, 11. Ausgabe,
„Waldenser").
Die Lektion von Thyatira ist direkt: Gebt nicht vor,
falschen Lehren zuzustimmen, um den Schein zu wahren - geht keine Kompromisse
mit der Wahrheit ein - kehrt nicht zurück zu Praktiken, aus denen ihr
herausberufen worden seid, sonst werdet ihr Trübsal erleiden. Die Bibel
enthält sehr anschauliche Warnungen darüber (siehe 5. Mose 12, 29-31; Jeremia
10, 2; 2. Korinther 6, 14-18; 2. Petrus 2, 18-22). Insbesondere wird uns gesagt,
dass am Ende dieses Zeitalters viele, die sich zum Christentum bekennen, dazu
„verleitet" werden, falsche aber populäre religiöse Ideen zu akzeptieren, weil
sie die Wahrheit, die sie einst gekannt hatten, nicht verstanden oder bereit
waren, Kompromisse einzugehen (2. Thessalonicher 2, 1-13). Heute, wo so viele
wieder zu früheren Glaubensvorstellungen zurückkehren, gilt die Warnung des
Apostels Paulus umso mehr: „So steht nun fest, liebe Brüder, und haltet euch an
die Lehre, in der ihr durch uns unterwiesen worden seid" (2. Thessalonicher 2,
15). Geistliche Kompromisse führen zu geistlicher Korruption. Dies geschah zuvor
- und es kann heute passieren, wenn wir nicht auf der Hut sind!
Sardes: Die tote Gemeinde
Nur wenige Anmerkungen werden über Sardes gemacht, eine
Stadt, die einst berühmt war für ihre Kunstfertigkeit, ihr Handwerk und
ihren Reichtum. Sardes scheint mit dem Kirchenzeitalter von etwa dem sechzehnten
bis zum frühen zwanzigsten Jahrhundert übereinzustimmen. Die Hauptbeschreibung
des Zeitalters von Sardes ist, dass es eine tote Gemeinde war
(Offenbarung 3, 1). Obwohl sie einen erkennbaren Namen und Bruchstücke der
Wahrheit hatte, tat sie nie viel mit diesen kostbaren Informationen. In dieser
Zeitperiode erschienen in England, Amerika und anderen Teilen der Welt einige
kleine Gemeinden, die den Sabbat und andere Lehren des apostolischen
Christentums hielten (manche von ihnen benutzten sogar den Namen „Kirche Gottes"
oder „Kirche Christi"). Dennoch waren und blieben die meisten von ihnen winzige,
bedeutungslose Gruppierungen, von denen die Menschen nie etwas gehört haben. Die
Gemeinde von Sardes wird auch ermahnt, wachsam zu sein - aber, wie wir
sehen werden, wussten sie nicht, auf was sie Acht haben sollten! Ihnen fehlte
ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis von Bibelprophezeiungen.
Die Lektion von Sardes ist ernüchternd: Lasst die
Wahrheit nicht sterben - haltet an der Wahrheit fest, die euch anvertraut ist -
bringt Früchte mit dieser kostbaren Wahrheit hervor, oder ihr werdet aus dem
Buch des Lebens ausgetilgt! Unglücklicherweise prophezeit die Bibel trotz
dieser deutlichen Warnung, dass am Ende dieses Zeitalters Gläubige „die Ohren
von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren" werden (2. Timotheus 4,
4). Jesaja spricht von einer Zeit vor Christi Rückkehr, wenn „die Wahrheit [...]
auf der Gasse zu Fall gekommen [ist]" (Jesaja 59, 14). Der Preis ist hoch, wenn
wir die Wahrheit sterben lassen - besonders dann, wenn wir es versäumen, aus den
Lehren der Geschichte zu lernen!
Philadelphia: Klein aber treu
Im Gegensatz zu den anderen Gemeinden auf der Postroute war
Philadelphia keine wohlhabende, weltoffene oder bedeutsame Stadt. Mit ihrer Lage
auf einem leicht zu verteidigenden Hügel nahe einer wichtigen Verkehrsverbindung
fungierte sie als Außenposten für die Verbreitung der griechischen und römischen
Kultur, und später des Christentums, in die angrenzenden Regionen. Die Stadt
wurde mehrmals durch Erdbeben zerstört, wurde aber jedes Mal wieder aufgebaut.
Sie existiert sogar heute noch. Ihr Name bedeutet „brüderliche Liebe." Das
Zeitalter von Philadelphia scheint etwa in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts
begonnen zu haben - etwa zu der Zeit, als das Radio populär wurde und kurz vor
dem Anbruch des Fernsehzeitalters. In den vergangenen 60 Jahren hat die Kirche
die Massenmedien genutzt, um Millionen von Menschen zu erreichen - um das
Evangelium vom kommenden Reich Gottes zu verkünden und die Welt zu warnen, auf
die Zeichen zu achten, die das Ende dieses Zeitalters und die Rückkehr Christi
ankündigen. Dies war der Auftrag, den Jesus seiner Kirche gab (Matthäus 4, 23;
10, 6-7). Dieser Auftrag sollte am Ende dieses Zeitalters vorherrschend sein
(Matthäus 24, 14). Das Verständnis über die Identität der heutigen Nationen
Israels - ein Schlüssel zum Verständnis von Bibelprophezeiungen - wurde in der
Kirche Gottes während des modernen Zeitalters von Philadelphia
wiederhergestellt.
Gott versprach, dem Zeitalter von Philadelphia eine offene
Türe zu geben - eine Türe, die niemand schließen könnte -, um das Evangelium zu
predigen. Diese kleine Gemeinde wird für ihre Beharrlichkeit in der
Erfüllung ihres Auftrags gelobt, ebenso wie dafür, dass sie an der kostbaren
Wahrheit Gottes festhielte, ohne Kompromisse einzugehen (Offenbarung 3, 7-8).
Den Christen der Gemeinde von Philadelphia wird dafür, dass sie treu ein Werk
vollbringen und and der Wahrheit festhalten - und nicht nur eine Kirche ihrer
Wahl besuchen -, Schutz in der kommenden Bedrängnis versprochen (Offenbarung 3,
10). Die Lektion von Philadelphia ist einfach: Bleibt treu bei der Wahrheit
- vollbringt das Werk der Verkündigung des Evangeliums - liebt die Geschwister -
lasst euch von niemandem eure Krone wegnehmen. Wir können es uns nicht
leisten, an diesem kritischen Punkt der Geschichte aufzugeben! Unser Heil und
unser Lohn stünden auf dem Spiel, wenn wir dies täten!
Laodizäa: Lauwarm und abgeklärt
Laodizäa ist ein interessanter und lehrreicher Fall - ein
Lehrstück an Gegensätzen. Aus der Geschichte wissen wir, dass Laodizäa eine
wohlhabende und stolze Stadt war, doch sie spielte nur eine untergeordnete Rolle
in der Ausbreitung der griechischen Kultur. Ihre imposanten Festungen gaben ihr
den Anschein von Stärke und förderten ein Gefühl von Sicherheit, doch ihre Lage
in einem Tal und ihre brachliegende Wasserversorgung machten die Stadt ziemlich
verletzlich. Laodizäa war ein Bankenzentrum mit einem ausgeprägten Sinn für
Unabhängigkeit. Diese unabhängige Einstellung zeigt sich in dem griechischen
Namen Laodizäa, der soviel bedeutet wie „das Volk entscheidet" oder „das
Volk richtet" (siehe Strong's Exhaustive Concordance). Das Zeitalter von
Laodizäa beschreibt den Zustand der Kirche Gottes kurz vor der Rückkehr Jesu
Christi. Es ergibt kein schönes Bild. Vielleicht wollen deshalb manche den
Gedanken verdrängen, dass die sieben Gemeinden sieben historische Zeitalter
darstellen können - weil er ein unbequemes Bild liefert!
Der Vorwurf an die Laodizäer ist ihre lauwarme Einstellung
(Offenbarung 3, 16). Ihr Reichtum und ihr Wohlstand begünstigen eine weltliche
Haltung. Sie sind lau Im Bezug auf die Wahrheit, den Gehorsam gegenüber den
Geboten und auf ihren Auftrag, ein Werk zu vollbringen. Dies ist für Gott so
ekelerregend, wie das „Wasser" in Laodizäa Übelkeit hervorrief. Sie sind auch
sehr unabhängig und „brauchen nichts" (Offenbarung 3, 17). Manche Laodizäer
sehen keinen Bedarf für einen Prediger, eine Kirchenverwaltung, Struktur oder
Einheit in der Lehre - diese werden alle als entbehrlich angesehen! Laodizäa
hatte eine medizinische Schule, die für ihre Augensalbe berühmt war, doch die
Bibel beschreibt die Einwohner als blind gegenüber ihrer eigenen,
geistlichen Situation. Ihre intellektuelle Weltoffenheit hinderte sie daran,
ihren eigenen Mangel an geistlicher Unterscheidungsfähigkeit zu erkennen. In
Laodizäa wurde feine, schwarze Wollbekleidung hergestellt, doch die Bibel sagt,
dass die Einwohner nackt seien und weiße Kleider bräuchten (Offenbarung
3, 17-18). In gewissem Sinne fehlen den Laodizäern wesentliche Teile der
geistlichen Waffenrüstung - Verpflichtung zur Wahrheit, Ehrfurcht vor den
Geboten, Glaube, Liebe, Ausdauer - und sie könnten es sogar versäumen, den
heiligen Geist zu gebrauchen (siehe Epheser 6, 10-19). Diese Bestandteile sind
jedoch notwendig, um in Zeiten der Prüfung fest stehen zu können und das
Evangelium unbeirrt zu verkünden. Ihre Botschaft ist, obwohl sie Wahrheit
enthält, reizlos und fade - wie das Wasser in Laodizäa.
Das Bild von Laodizäa zeigt eine weltoffene, eigenständige
Kirche, die auf ihren eigenen Reichtum, ihre eigene Größe und Weisheit vertraut.
Sie erweckt den Anschein von Stärke, Stabilität und Einheit, ist jedoch
innerlich zerstritten. Diese Leute mit ihrer unabhängigen Einstellung mögen
unwissentlich die Leitung durch Jesus Christus ablehnen, während sie „ihr
eigenes Süppchen kochen"! Die demokratischen Aspekte von Laodizäa (das Volk
entscheidet) können sich auf Entscheidungen beziehen im Hinblick auf Lehre,
Organisation, Verwaltung Auftrag und Methoden. Es ist prophezeit, dass diese
lauwarme Einstellung in der Kirche am Ende dieses Zeitalters vorherrschend
wird. Die Lektion von Laodizäa ist dringlich: Wacht auf, bevor es zu spät
ist - bittet Gott, euch die Augen zu öffnen, damit ihr euren eigenen,
geistlichen Zustand erkennen könnt - bereut eure Selbstzufriedenheit, eure
Kompromisse, euren Materialismus, eure sture Unabhängigkeit - reagiert auf die
Leitung durch Jesus Christus - verliert nicht euren Lohn!
Die Sendschreiben an die sieben Gemeinden - und das die
sieben Kirchenzeitalter, die sie repräsentieren - enthalten wichtige
Lektionen! Diese Lektionen galten den Gemeinden im ersten Jahrhundert und allen
Christen bis in die letzte Zeit. Aber sie sind von größter Bedeutung für
Christen heute - Personen, die am Ende dieses Zeitalters leben - im Zeitalter
von Laodizäa! Wenn wir diese Lektionen lesen und befolgen, werden wir von Jesus
Christus einen Lohn empfangen. Wenn wir sie verwerfen oder es versäumen, diese
bedeutsamen Lektionen zu lernen, könnte dieser Lohn in Rauch aufgehen! Johannes
ermahnte alle sieben Gemeinden im Buch der Offenbarung: „Wer Ohren hat, der
höre, was der Geist den Gemeinden sagt." Verstehen wir, wie sich diese
Lektionen auf jeden einzelnen von uns beziehen?