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Bibelfernlehrgang

Lektion 15 - Die Pfingstzeit:
Gottes Volk wird geheiligt!

ChefredakteurRoderick C. Meredith
RedaktionsdirektorRichard F. Ames
RedaktionWilliam Bowmer
Gary F. Ehman
AutorenJohn H. Ogwyn
Daniel Hall
Französische AusgabeDibar Apartian
Spanische AusgabeMario Hernandez
Grafische GestaltungDonna Prejean
KorrekturlesungSandy Davis
Linda Ehman
NachrichtenbüroJune Olsen

 

Der Welt von Morgen – Bibelfernlehrgang hat keinen Bezugspreis. Seine Verbreitung wird durch Zehnten und Opfer der Mitglieder der Living Church of God und anderer ermöglicht, die freiwillig Mitarbeiter im Werk der Verkündigung von Gottes wahrem Evangelium an alle Nationen wurden.

Alle Bibelzitate in dieser Lektion sind, sofern nicht anders vermerkt, der revidierten Lutherübersetzung von 1984 entnommen. Copyright © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Der Welt von Morgen - Bibelfernlehrgang wird herausgegeben von der Living Church of God, P.O. Box 3810, Charlotte NC, 28227-8010, USA.

Copyright © 2005 Living Church of God ®. Alle Rechte vorbehalten.

 

Fernlehrgang ist spirituell und erbauend

„Ich lese und studiere den Bibelfernlehrgang wirklich sehr gern. Er hat sich als sehr spirituell, erbauend und hochinteressant erwiesen. Und manchmal kann ich ihn gar nicht mehr aus der Hand legen. Er hat mir viele Fragen beantwortet, die ich schon im Religionsunterricht stellen wollte. Nochmals vielen Dank für Ihre ermutigenden Worte."

C.H., Baltimore, MD, USA

 

Faszinierende Botschaft

„Vielen Dank für das Magazin Tomorrow’s World und den kostenlosen Bibelfernlehrgang. Ich habe in diesen Lektionen eine faszinierende Botschaft gefunden und fühle mich dadurch sehr ermutigt, Gott zu suchen und die Bibel zu lesen. Vielen Dank."

L.S., Auckland, Neuseeland

 

Bibelfernlehrgang wird zum Nachschlagewerk

„Was ich bis jetzt gelesen habe, hat mir sehr zu denken gegeben und mir dadurch geholfen, vieles erst zu erkennen und auch zu entdecken, was ich bisher gesucht habe. Beim Bibelfernlehrgang mache ich meine schriftlichen Ausarbeitungen zu den Fragen. Diese Fragen und Antworten ergeben mit der Zeit zusammen mit den Lektionen eine Sammlung, die es lohnt, immer wieder gelesen zu werden, um Wichtiges zu vertiefen."

J.B., Rottenburg

 

Die Wahrheit entdeckt

„Ich musste Ihnen einfach schreiben, um Ihnen mitzuteilen, wie sehr mir Ihr Bibelfernlehrgang gefällt. Ich habe Zweifel an der Dreieinigkeit. Mir gefiel Lektion 13 und las besonders gerne den Artikel ‚Drei Tage und drei Nächte im Grab’ auf Seite 5. Das war mir zuvor nie bewusst. Ich hatte die Lüge akzeptiert, dass Christus am Sonntagmorgen auferstanden sei und hatte sogar an Sonnenaufgangsgottesdiensten am Ostersonntag teilgenommen, aber nun nicht mehr, da ich die Wahrheit entdeckt habe. Vielen Dank für Ihre Lektionen."

J.H., Los Angeles, CA, USA

 

Zum Titelbild: An demselben Sonntag, als die Priester das omer – die Schwinggarbe aus der ersten Getreideernte – schwangen, wurde Jesus Christus als Erstling unter den Toten angenommen. Seine Gemeinde erhielt die Gabe des heiligen Geistes am Pfingsttag – dem Tag, der an die Ernte ALLER Erstlinge Gottes erinnert.

 

Die Pfingstzeit: Gottes Volk wird geheiligt!

     Die Israeliten hatten Ägypten voller Zuversicht verlassen. Sie waren hocherfreut darüber, dass sie die unterdrückende Versklavung hinter sich gelassen hatten. Nun befanden sie sich auf dem Weg in das gelobte Land. Doch Gott führte sie nicht direkt in das Land, das er ihren Vorvätern verheißen hatte. Stattdessen führte er sie zum Berg Sinai, der auch der „Berg Gottes" genannt wird.
     Bevor die Israeliten die Verheißungen empfangen konnten, mussten sie einem Bund mit ihrem Schöpfer eingehen. Dieser Bund bot Israel die Chance, eine heilige Nation und ein Königreich von Priestern zu werden. Israel hatte das Privileg, in eine besondere Beziehung mit seinem Schöpfer zu treten – eine Beziehung, die zur damaligen Zeit für keinen anderen Menschen zugänglich war.
     Wenn wir den Auszug der Israeliten aus Ägypten zurückverfolgen, können wir feststellen, dass die am ersten Tag des dritten Monats am Fuß des Berges Sinai angekommen waren, etwa sechs Wochen nach dem Beginn des Auszugs. In den darauf folgenden Tagen unternahm Mose mehrere Fußmärsche auf den Berg und wieder herunter, um mit Gott zu reden und dann dem Volk Gottes Botschaften zu verkünden. Schließlich versammelte sich das Volk, als sich dicke Wolken an der Bergspitze bildeten. Dann begannen der Berg und die umliegende Ebene zu beben. Feuer und Rauch waren auf der Bergspitze zu sehen. Mit Donnergrollen und zuckenden Blitzen stieg der Gott Israels auf die Bergspitze nieder. Während die Menschen in Ehrfurcht erstarrt waren, begann seine Stimme, die Zehn Gebote der Reihe nach zu verkünden. Dies war das erste Mal, dass der Tag eingehalten wurde, den wir heute Pfingsten nennen.
     Fast 15 Jahrhunderte später versammelten sich die Jünger Jesu Christi in einem Raum in Jerusalem, wie sie es bereits seit eineinhalb Wochen jeden Tag taten. Vierzig Tage nach dessen Auferstehung von den Toten waren sie auf dem Ölberg gegenüber dem Kidrontal bei Jerusalem gestanden und hatten beobachtet, wie Jesus Christus in den Himmel aufstieg und schließlich aus ihrem Blickfeld verschwand. Und während sie noch in die Luft starrten, erschien ihnen ein Engel und sagte ihnen, sie sollten nach Jerusalem zurückkehren und warten, bis sie mit der Macht des Höchsten erfüllt werden würden. Als sie an einem Sonntagmorgen beieinander saßen, hörten sie plötzlich das Brausen eines starken Windes, der das Haus erfüllte. Zungen wie von Feuer erschienen über ihren Köpfen und sie konnten auf wundersame Weise in Fremdsprachen reden, die sie nie zuvor verstanden hatten. Gegen 9 Uhr an diesem Morgen zogen Petrus und die anderen Apostel die Aufmerksamkeit einer großen Menschenmenge auf sich, als sie im Tempel standen und in Sprachen predigten, die von den Pilgern gesprochen wurden, die sich zu dieser Festzeit in Jerusalem aufhielten. Es war der Pfingsttag, der Jahrestag der Gabe der Zehn Gebote durch den Schöpfer am Berg Sinai. Jetzt wurden all jene mit dem heiligen Geist erfüllt, die mit Glauben und Reue auf die Botschaft reagierten, die sie hörten.
     Pfingsten ist der Tag des Bundes. Es ist der Tag, an dem Gott mit Israel am Berg Sinai den Alten Bund einging, und es ist der Tag an dem er begann, mit denen einen Neuen Bund einzugehen, die seinen heiligen Geist empfingen. Pfingsten, das im Alten Testament Wochenfest oder Fest der Erstlingsfrüchte genannt wird, versinnbildlicht einen entscheidenden Aspekt in Gottes Heilsplan. Es erinnert uns daran, dass Gott jetzt mit den Erstlingen seiner geistlichen Ernte arbeitet, um ihnen seinen Charakter und seine Wesenszüge einzupflanzen. Gottes Wesensart ist Liebe und seine Gesetze zeigen uns, wie sich diese Liebe äußert. Durch Gottes Geist werden seine Gesetze in unser Herz geschrieben und so werden diese zu einem wesentlichen Teil unseres Lebens.
     Die Erntezeiten im Israel des Altertums waren Sinnbilder der geistlichen Ernte, mit der sich unser Schöpfer derzeit beschäftigt. Gott versucht nicht verzweifelt, schon jetzt die ganze Welt zu retten, wie es viele glauben. Vielmehr werden seine Erstlinge jetzt geerntet. Im Altertum war das Volk Israel der Erstling unter den Nationen (Jeremia 2, 3), ebenso wie bekehrte Christen als eine Art Erstlingsfrüchte unter allen Geschöpfen beschrieben werden (Jakobus 1, 18). Christen von heute haben den Geist als Erstlingsgabe erhalten (Römer 8, 23).
     Wie wir in der vergangenen Lektion gesehen haben, befasst sich die Passahzeit mit der ersten Phase des Heils – unserer Rechtfertigung (Tilgung unserer Schulden) durch Gott. Die Pfingstzeit beschreibt nun die zweite Phase des Heils. Diese Phase ist die Heiligung – dass wir durch Gottes Kraft geheiligt werden. In dieser Lektion untersuchen wir, was es bedeutet, ein heiliges Volk zu sein, und wie man dazu wird. Die unvorstellbare Verwandlung, die sich dazu in unserem Leben vollziehen muss, können wir begreifen, wenn wir die zweite der drei Festzeiten verstehen, die Pfingstzeit.

 

Lektion 15, Teil 1

Erstlingsfrüchte verstehen

     Was sind Erstlingsfrüchte und warum richtete Gott ein Fest ein, um diese zu feiern? Die Antwort darauf führt zu einem tieferen Verständnis des Heilsprozesses, als es die meisten Menschen je hatten. Die meisten bekennenden Christen glauben, in der heutigen Welt tobt ein großer Kampf zwischen Gott und dem Bösen – doch wenn das der Fall wäre, wäre der Teufel am gewinnen! Dass es aber nicht so ist, macht ein Verständnis der Erstlingsfrüchte deutlich.

  1. Gab Gott den Israeliten im Altertum die Anweisung, ihm die erste Garbe (oder omer) zu Beginn der Ernte als Schwingopfer darzubringen, sobald sie das verheißene Land betreten hätten? 3. Mose 23, 10.
  2. Sollte dieses Opfer am Sonntag (dem Tag nach dem Sabbat) während der Tage der ungesäuerten Brote ausgeführt werden? 3. Mose 23, 11.
  3. Begann mit diesem Opfer am ersten Tag der Woche eine Phase von sieben Wochen, in denen das Getreide abgeerntet wurde? Sollte das Volk am Tag nach dem siebten Sabbat, der gezählt wurde, für eine heilige Versammlung vor Gott erscheinen? 3. Mose 23, 15-16.21.
  4. Sollte an diesem 50. Tag eine bestimmte Opferhandlung durchgeführt werden? 3. Mose 23, 16. (Anmerkung: Pentecost – die englische Bezeichnung für Pfingsten – leitet sich vom griechischen Wort für 50 ab. Dieses Wort wird im Neuen Testament als griechisches Äquivalent zum hebräischen Shawu’ot verwendet, das „Wochen" bedeutet und sich auf die sieben gezählten Wochen bezieht).
  5. Sollten an diesem 50. Tag, dem Pfingsttag, zwei Brote vor Gott im Tempel geschwungen werden? Was stellten diese Brote dar? 3. Mose 23, 17.
  6. Das erste omer der Getreideernte wurde am Ende des Sabbats während der Tage der ungesäuerten Brote geschnitten und vor Gott am folgenden Morgen geschwungen. Es war der Erstling der Erstlingsfrüchte. Wer waren die geistlichen Erstlinge der Ernte Gottes? 1. Korinther 15, 20. (Anmerkung: Wir haben in der letzten Lektion gesehen, dass Christus am Samstag bei Sonnenuntergang auferweckt wurde, genau drei Tage und drei Nächte nach seinem Begräbnis. Seine Auferstehung geschah zur selben Zeit, als die Priester auf das Feld gegangen waren, um das erste omer der Ernte zu schneiden).
  7. War das Israel des Altertums der Erstling in Gottes Ernte unter den Nationen? Jeremia 2, 3.
  8. Sind Christen die Erstlinge in Gottes geistlicher Ernte? Jakobus 1, 18.
  9. Ist eine direkte und persönliche Berufung durch Gott den Vater nötig, bevor jemand wirklich zu Christus kommen und somit ein Teil der Erstlinge werden kann? Johannes 6, 44.
  10. Haben diejenigen, die Gott jetzt berufen hat, den Geist als Erstlingsgabe erhalten? Römer 8, 23.
  11. Sind die Erstlinge etwas, das Gott heilig ist? Jeremia 2, 3; Römer 11, 16.
  12. Wird der Rest der Menschheit um der Erstlinge – der Auserwählten – willen während der großen Bedrängnis am Leben bleiben? Matthäus 24, 21-22.

 

Die Bedeutung der Erstlingsfrüchte

     Was sind Erstlingsfrüchte? Haben sie in Gottes Plan eine geistliche Bedeutung? Sehen wir uns das Muster der physischen Ernteabläufe im Israel des Altertums genauer an.
     Anfang November begann im Land Israel der Frühregen. Dieser weichte den Boden auf. Anschließend konnte der Boden durchgepflügt werden und man säte Gerste und Weizen aus. Der Spätregen, der normalerweise im Februar oder Anfang März niederging, brachte das Korn zur vollen Reife. Einige Wochen später schnitten die Priester die erste reife Garbe der Gerste in einem Feld nahe Jerusalem. Diese Zeremonie fand während der Tage der ungesäuerten Brote statt, als der erste Tag der Woche begann. Am folgenden Morgen schwangen die Priester dieses omer Gerste im Tempel, damit es von Gott angenommen würde. Dann wurde ein ungesäuertes Brot daraus gemacht, das Gott auf dem Altar geopfert wurde.
     Später an diesem Morgen begannen die Israeliten, ihre Felder abzuernten. Der Pfingsttag, auch Wochenfest oder Fest der Ernte der Erstlingsfrüchte genannt, fand dann Ende Mai oder Anfang Juni statt, am Ende dieser Erntezeit. Über den Sommer wurden andere Feldfrüchte geerntet, die reif wurden. Am Ende des Sommers erfolgten dann zwei der größten Ernten des Landes – Oliven und Trauben. Die gesamte Ernte des Sommers wurde in Scheunen und Silos gelagert, bevor die Menschen nach Jerusalem zogen, um das Laubhüttenfest zu feiern, das auch Fest der Lese genannt wurde.
     Die Erstlingsfrüchte, also die Früchte, die zuerst reif waren, markierten den Beginn der Erntezeit. Gott erhob einen besonderen Anspruch auf sie. Gott mit den Erstlingen zu ehren, war ein Weg, ihn als den Schöpfer anzuerkennen, von dem alle Gaben kommen. Die Getreideernte stand für die Erstlinge der Fülle des Landes, die während des Frühlings und Sommers eingesammelt werden konnte. Die erste Garbe des gerade reif gewordenen Getreides wurde Gott als Opfer dargebracht, bevor der Rest der Ernte eingefahren wurde.
     Jesus Christus ist der „Erstling unter denen, die entschlafen sind" (1. Korinther 15, 20-23). Er wurde während der Tage der ungesäuerten Brote auferweckt und trat vor den Vater zu genau derselben Zeit, als das erste omer des Getreides im Tempel geschwungen wurde. Dies wird im Vergleich der Berichte in zwei der Evangelien deutlich, in denen die Ereignisse bei der Auferstehung beschrieben sind. In Johannes 20, 17 erlaubte Jesus Maria von Magdala nicht, ihn zu berühren, weil er „noch nicht aufgefahren zum Vater" war. Matthäus 28, 9 zeigt dann, dass er später an demselben Tag gestattete, dass man ihn umarmte. Eindeutig war er also in der Zwischenzeit vor den Vater getreten und von ihm angenommen worden.
     Die Getreideernte war also der Anfang der Erntezeit in Israel, ebenso wie Christen heute die Erstlingsfrüchte in Gottes geistlicher Ernte sind (Jakobus 1, 18). Es kommt eine Zeit in der Zukunft, die durch die Herbstfeste symbolisiert ist, in der Gott die große Mehrheit der Menschen „ernten" wird, jeden zu seiner Zeit (1. Korinther 15, 22-24).
     Pfingsten ist das Fest, das sich auf das Kirchenzeitalter konzentriert. Es erinnert uns, dass wir als Erstlingsfrüchte für Gott abgesondert sind, geweiht, um ihm zu dienen. Gleichzeitig wissen wir, dass wir nur den Beginn all derer darstellen, die letztendlich in Gottes großer Familie sein werden. Die Zeit des Heils für die Mehrheit der Menschen liegt noch in der Zukunft.

 

Die Tage bis Pfingsten zählen

     Von allen heiligen Tagen Gottes ist Pfingsten der einzige Tag, den wir abzählen sollen! 3. Mose 23, 15-16 gebietet: „Danach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen. Bis zu dem Tag nach dem siebenten Sabbat, nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und dann ein neues Speiseopfer dem Herrn opfern".
     Der hebräische Ausdruck für „vom Tage nach" ist mi-mohorat und wird mit „vom Morgen" übersetzt. Er wird 28 Mal im Alten Testament verwendet. An 26 dieser Stellen heißt es „am Morgen". Im Hebräischen schließt dieser Ausdruck IMMER den Morgen des Tages ein, der erwähnt ist. Der hebräische Begriff besagt also, dass wir die Zählung mit dem Tag nach dem Sabbat beginnen sollen – also mit dem Sonntag, an dem das omer geschwungen wurde – und dann sieben Sabbate zählen sollen. Am Tag nach dem siebten Sabbat, dem 50. Tag ist der Tag, den wir Pfingsten nennen. Der neutestamentliche Name Pfingsten leitet sich vom griechischen Wort für „fünfzig" ab.
     Am Sonntag während der Tage der ungesäuerten Brote , dem Tag, an dem das omer geschwungen wurde, ist Jesus Christus als „Erstling unter denen, die entschlafen sind", angenommen worden und von ihm aus werden die Tage bis Pfingsten gezählt, bis zu dem Tag, an dem die Ernte aller Erstlingsfrüchte Gottes begann.

 

Was ist ein Bund?

     Pfingsten kann auch der Tag des Bundes genannt werden. Das hebräische Wort berit wird im Alten Testament für einen Bund benutzt und beschreibt eine Rechtsbeziehung zwischen zwei Parteien auf Grundlage eines feierlichen Versprechens. Dieses Wort wurde gebraucht, um Vertragsvereinbarungen zwischen Nationen, die Herrschaftsbeziehung zwischen einem großen König und seinen Vasallen bzw. unterworfenen Nationen oder die Rechtsbeziehung zwischen einem Ehemann und seiner Ehefrau zu beschreiben. Gott inspirierte, dass dieses Wort ebenfalls für die formale Beziehung verwendet wurde, die er mit Personen wie Noah und Abraham sowie mit der Nation Israel am Sinai einging.
     Die feierliche Vereinbarung, die am Berg Sinai getroffen wurde, fand am Pfingsttag im Jahr des Auszugs aus Ägypten statt. Es war eine förmliche Vereinbarung, die die Bedingungen für Israels Beziehung mit seinem Schöpfer festschrieb. Der Gehorsam gegenüber den Zehn Geboten war das Herzstück dieser Bundesbeziehung (5. Mose 4, 13). Doch Gott wusste, dass Israel kein gehorsames Herz haben würde, seinen Geboten wirklich zu gehorchen, obwohl er ihnen sein Gesetz sowie die Verheißung von Segnungen für Gehorsam gegeben hatte (5. Mose 5, 28-29). Die Aufzeichnungen über Israels Beziehung mit Gott im Alten Testament geben Zeugnis, dass es mehr brauchte, als das Gesetz, Verheißungen und eine Bundesvereinbarung. Was letztlich nötig ist, ist ein neues Herz für die Menschen. In Hesekiel 36, 26 prophezeit Gott eine Zeit, in der den Menschen ein neues Herz und ein neuer Geist gegeben wird. Ihr steinernes Herz wird durch ein weiches Herz aus Fleisch ersetzt.
     Der Prophet Jeremia wurde inspiriert, von einer zukünftigen Zeit zu schreiben, in der Gott mit seinem Volk einen neuen Bund schließt. Dieser Bund würde beinhalten, dass Gottes Gesetz von seinem Volk verinnerlicht wird, anstatt nur auf äußerlichen Steintafeln geschrieben zu stehen (Jeremia 31, 3-33). Der Apostel Paulus zitierte Jeremias Prophezeiung in Hebräer 8, 8-12 und erklärte im folgenden Kapitel weiter, dass Jesus als Mittler eines Neuen Bundes kam – des Bundes, von dem die Propheten sprachen, als sie Israels Versagen beklagten. Unter dem Neuen Bund würde das Gesetz in das Herz und in den Sinn der Menschen geschrieben, ihre Sünden würden vergeben und jeder würde Gott auf eine sehr persönliche und reale Weise kennen. All dies wurde durch die Kraft des heiligen Geistes ermöglicht.
     So wie Gott den Bund mit Israel am Sinai an einem Pfingsttag schloss, geschah es an einem anderen Pfingsttag viele Jahrhunderte später, dass er erstmals den heiligen Geist auf die Gläubigen ausgoss und die Verheißung des heiligen Geistes auf all diejenigen erweiterte, die sich im Glauben an das Evangelium und in der Umkehr von der Sünde ihrem Schöpfer zuwenden würden (Apostelgeschichte 2, 1.4.38-39). Dies war der Beginn des Neuen Bundes, den Jesus Christus ankündigte und der mit den Gläubigen geschlossen wird. Pfingsten ist wirklich der Tag des Bundes!
     Die Bundesbeziehung zwischen Gott und Israel im Altertum wurde auch mit einer Ehe verglichen, in der Gott die Rolle des Ehemanns einnahm und Israel die Ehefrau war (Jeremia 31, 32; Hesekiel 16, 8). Am Ende musste der Gott Israels dieses aus seiner Rolle als Ehefrau verstoßen, weil Israel ihm immer wieder untreu war (Jeremia 3, 1-2.6-8). Doch selbst das war noch nicht das Ende. Seine Liebe war so groß, dass der Gott Israels – der in Johannes 1 Logos oder das Wort genannt wird – Fleisch wurde und starb, um für die Sünden Israels und letztlich aller Menschen zu bezahlen (Johannes 1, 14.29). Nach drei Tagen und drei Nächten von den Toten auferweckt ist Jesus Christus nun im Himmel bei dem Vater und wird bald zur Erde zurückkehren. Wenn er zurückkommt, wird er die Kirche, die Verlobte Christi (Offenbarung 19, 7-9), heiraten. Die Beziehung zwischen der Kirche und Christus unter dem Neuen Bund wird also ebenfalls eine Ehebeziehung sein (Epheser 5, 22-32).
     Noch eine weitere Klärung braucht es im Hinblick auf den Bund. Im Neuen Testament ist das Wort für Bund diatheke. Dieser Begriff bedeutet nicht nur Bund in demselben Sinn wie das Äquivalent im Alten Testament, sondern ist gleichzeitig ein juristischer Begriff, der sich auf den letzten Willen und ein Testament bezieht. Im Neuen Testament wird das Wort in beiden Bedeutungen verwendet. In Hebräer 9, 15-17 gebraucht Paulus diatheke im Sinne eines Testaments oder letzten Willens. Hier wird gesagt, dass Christus uns ein ewiges Erbe zugedacht hat und dass dieses Testament nun nach seinem Tod in Kraft getreten ist. Während der Alte Bund lediglich ein Bund war – eine feierliche Vereinbarung – ist der Neue Bund sowohl ein Bund als auch ein Testament. Er ist eine feierliche Übereinkunft, die wir bei der Taufe mit unserem Schöpfer eingehen und er ist auch der letzte Wille und das Testament unseres Erlösers. Wenn wir beim Passah aus dem Weinkelch trinken, werden wir an sein für uns vergossenes Blut erinnert, das notwendig war, damit der Neue Bund in Kraft treten konnte (Matthäus 26, 28).
     Am Pfingsttag wird die besondere Bundesbeziehung gefeiert, die die Erstlingsfrüchte mit ihrem Erlöser und Schöpfer haben. Schon jetzt ist für alle, die auf Gottes Berufung reagieren, ein Neuer Bund zugänglich, der auf dem Empfang des heiligen Geistes beruht und durch den wir Gottes eigene Wesensart in uns aufnehmen. Gemeinsam repräsentieren alle von Gott Herausberufenen die Braut Christi, die er bei seiner Rückkehr heiraten wird.

 

Lektion 15, Teil 2

Der Alte und der Neue Bund

     Die Bibel spricht von einem Alten und einem Neuen Bund. Was war der Unterschied zwischen ihnen? Viele glauben, dass der Alte Bund das Gesetz aufgerichtet hat, während der Neue Bund auf Gnade basiert. Ist das wirklich der Fall? Vergleichen wir, was die Bibel über die beiden Bündnisse offenbart, die Gott mit seinem Volk geschlossen hat. Und wir sollten auch verstehen, in welchem Zusammenhang diese mit der Bedeutung des Pfingstfestes stehen, dem Tag, an dem sowohl der Alte als auch der Neue Bund geschlossen wurden.

  1. Was wollte Gott für Israel tun, wenn sie den Bund mit ihm gehalten und ihm gehorcht hätten? 2. Mose 19, 5-6. Was hat Gott mit Christen unter dem Neuen Bund im Sinn? 1. Petrus 2, 9.
  2. Wie war Israels Reaktion auf Gottes Vorschlag eines Bundes mit ihnen? 2. Mose 19, 7-8.
  3. Auf welchen Worten basierte der Bund mit Israel am Sinai? 2. Mose 34, 27-28.
  4. Wer schrieb diese Worte auf die Steintafeln? 2. Mose 31, 18; 5. Mose 10, 1-4. Waren dies dieselben Worte, die Gott zuvor vom Berg Sinai erschallen ließ? Vers 4 (siehe auch 5. Mose 5, 22).
  5. War es Gottes Absicht, unter den Kindern Israel zu verweilen, nachdem sie einen Bund mit ihm eingingen? 2. Mose 25, 8; 29, 44-46.
  6. Hielt sich Israel an die Bedingungen des Bundes vom Sinai? Jeremia 31, 32; 2, 7.13.
  7. Was hätten die Israeliten aus Gottes Sicht gebraucht, um den Bund einzuhalten, den er mit ihnen geschlossen hatte? 5. Mose 5, 29.
  8. Welche Lösung hat Gott im Sinn, nachdem Israel die Bedingungen des Alten Bundes nicht eingehalten hat? Wird er einen Neuen Bund schließen? Jeremia 31, 31.
  9. Prophezeite Hesekiel von einer Zeit, in der Gott den Menschen ein neues Herz und einen neuen Geist geben würde? Hesekiel 36, 26. Wird dies dadurch geschehen, dass Gott seinen Geist in die Menschen gibt? Wird der Geist Gottes den Menschen ermöglichen, Gottes Gesetz einzuhalten? Hesekiel 36, 27.
  10. Warum wird der Neue Bund als besser bezeichnet als der Alte Bund? Hebräer 8, 6.
  11. Beachten Sie, dass das, was sich zwischen dem Alten und dem Neuen Bund geändert hat, die Verheißungen waren, und NICHT das Gesetz. Gibt Hebräer 8, 10-12 (wo aus Jeremia 31, 33-34 zitiert wird) die Details von drei Verheißungen, die nur im Neuen Bund gelten?
  12. Wurde der heilige Geist Gottes zuerst an einem Pfingsttag ausgegossen? Apostelgeschichte 2, 1-4. Wird nicht erst durch den Geist unser Sinn erneuert, so dass wir eine neue Schöpfung werden? Titus 3, 5; Epheser 4, 23-24; 2. Korinther 5, 17.

 

Sollten Sie eine Feuertaufe anstreben?

     Vielen aufrichtigen Christen wurde erzählt, dass sie eine Feuertaufe anstreben sollten. Diese wird als eine spirituelle Erfahrung bei der Taufe beschrieben, bei der die „Schlacke (oder Sünde) von einem neuen Christen abgetrennt wird". Diejenigen, die diese Idee lehren, behaupten, dass die Bekehrung einer Person ohne die Feuertaufe unvollständig ist.
     Ist das tatsächlich, was Johannes der Täufer und Jesus Christus lehrten? Sehen wir, was die Bibel wirklich sagt. Beachten Sie zunächst die Prophezeiung Hesekiels darüber, wie Gott die „Schlacke" aus Israel entfernt:
     „Du Menschenkind, das Haus Israel ist mir zu Schlacken geworden [...] siehe, so will ich euch alle in Jerusalem zusammenbringen. Wie man Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zinn im Ofen zusammenbringt, dass man ein Feuer darunter anfacht, und es zerschmelzen lässt, so will ich auch euch in meinem Zorn und Grimm zusammenbringen, hineintun und schmelzen" (Hesekiel 22, 18-21). Gott sagte zu den Israeliten, dass er sie wegen ihres Mangels an Reue und wegen ihrer Sünden züchtigen und reinigen müsse, indem er sie durch das Feuer seines Zorns führt, wie man Erz in einem Ofen schmilzt. Sollten Christen eine solche Reinigung anstreben?
     Sehen wir nun den Zusammenhang, in dem Johannes der Täufer sprach: „Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen. Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer" (Matthäus 3, 11-12). Hier weist Johannes eindeutig auf das Schicksal derjenigen hin, die im Feuersee vernichtet werden im Gegensatz zu denen, die Christus in seinem Reich versammeln wird.
     Denen, die auf Gottes Berufung mit Reue und Glauben reagieren, bietet Jesus Christus die Taufe mit dem heiligen Geist an. Nur diejenigen, die diesen Ruf bewusst verwerfen, empfangen die Feuertaufe. Dies wird in der Zukunft geschehen, wenn „alle Verächter und Gottlosen Stroh sein [werden], und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth" (Maleachi 3, 19). Die Spreu, die Reuelosen, die sich jeder Zurechtweisung widersetzen, werden im Feuersee völlig untergetaucht (getauft) und verbrannt werden (Offenbarung 20, 14). Das ist die Feuertaufe!

 

Der Beistand

     In der Nacht seines letzten Passahs sagte Jesus Christus zu seinen Jüngern, dass er zum Vater zurückkehren werde. „Ich werde euch nicht ohne Trost zurücklassen" sagte er ihnen sinngemäß und erklärte, dass er ihnen einen anderen Beistand oder Tröster geben werde. Das griechische Wort dafür ist parakletos und bezeichnet für gewöhnlich jemanden, der einem Hilfe und Unterstützung gibt. Im Zusammenhang von Johannes 14 bezieht sich dies klar auf den heiligen Geist, den Jesus seinen Jüngern für die Zeit nach seiner Rückkehr zum Vater versprach.
     Manche nehmen an, dass der heilige Geist deshalb als eine „Person" der Gottheit verstanden werden muss, weil in Johannes 14 und 15 mit dem persönlichen Fürwort „er" auf ihn Bezug genommen wird. Die griechische Sprache ordnet wie viele andere Sprachen allen Namenwörtern ein grammatikalisches Geschlecht zu. Dieses grammatikalische Geschlecht hat dabei oft wenig oder nichts mit dem tatsächlichen Geschlecht oder einer Persönlichkeit des Begriffes zu tun. Zum Beispiel ist „Mädchen" im grammatikalischen Geschlecht immer neutral und die „Hand" immer weiblich, ob sie zum Körper einer Frau gehört, oder nicht. Die persönlichen Fürwörter – er, sie, oder es – müssen dabei immer mit dem grammatikalischen Geschlecht des Namenwortes übereinstimmen, auf das sie sich beziehen. Das trifft auch im Griechischen zu (vgl. The Language of the New Testament [Die Sprache des Neuen Testaments], Eugene Van Ness Goetchius, Ausgabe 1965, Seiten 33-34). Im Griechischen ist das Wort pneuma, das mit „Geist" übersetzt ist, neutral – erhält also immer das neutrale Fürwort „es", während parakletos männlich ist und ein männliches Fürwort erfordert.
     In Johannes 14, 16-20 betonte Jesus, dass die Jünger nach seiner Rückkehr zum Vater NICHT einfach wie Waisen zurückgelassen werden würden (Johannes 14, 18). Vielmehr würden er und der Vater durch den heiligen Geist buchstäblich in wahren Christen leben (Verse 20.23). Der heilige Geist verleiht uns Verständnis und Kraft. Er geht von dem Vater aus und verbindet uns mit seinem Denken. Er ist keine separate Persönlichkeit der Gottheit, sondern der Weg, durch den Christus und der Vater ihre Gegenwart in den Herzen und Sinnen der Gläubigen spürbar machen.

 

Lektion 15, Teil 3

Die Kraft des Geistes Gottes

     Warum bietet Gott seinen heiligen Geist den bekehrten Menschen an? Was genau bewirkt der heilige Geist im Leben der Christen? Am ersten Pfingsttag nach der Auferstehung Christi wurde der heilige Geist über die Jünger ausgegossen. Sehen wir nun, welche Rolle der heilige Geist im Leben der neutestamentlichen Gemeinde spielte. So eröffnet sich uns ein tieferes Verständnis für die Rolle, die er in unserem Leben spielen sollte.

  1. Vor seiner Himmelfahrt beauftragte Christus seine Jünger, in alle Welt zu gehen und das Evangelium zu predigen. Doch auf welches wichtige Ereignis sollten sie zunächst warten? Lukas 24, 47-49; Apostelgeschichte 1, 4-5.
  2. Was geschah mit den Jüngern Christi am Pfingsttag, etwa zehn Tage nach seiner Himmelfahrt? Apostelgeschichte 2, 1-4.
  3. War diese Erscheinung das Ergebnis dessen, dass die Jünger in eine emotionale Ekstase verfielen, oder war dies eine unerwartete Handlung Gottes? Apostelgeschichte 2, 2.
  4. Waren die „Zungen", in denen die Jünger sprachen, ein unverständliches Kauderwelsch oder waren es bekannte Fremdsprachen, die von ihren Zuhörern verstanden und gesprochen wurden? Apostelgeschichte 2, 3-11.
  5. Sollten nur die zwölf ursprünglichen Apostel die Gabe des heiligen Geistes erhalten, oder wurde er allen Gläubigen auf ihre Reue und Taufe hin verhießen? Apostelgeschichte 2, 38-39.
  6. Hat Gott normalerweise die Gabe des heiligen Geistes dadurch verliehen, dass seine Diener nach der Taufe die Hände auflegten? Apostelgeschichte 8, 14-17; 19, 5-6.
  7. Wird der heilige Geist gegeben, um Gottes Diener zu befähigen, seine Botschaft freimütig zu verkünden? Apostelgeschichte 4, 29-31.
  8. Welche drei wichtigsten Eigenschaften verleiht Gott durch die Gabe des heiligen Geistes? 2. Timotheus 1, 7. (Anmerkung: Das griechische Wort für Kraft ist dynamis und bedeutet in der Regel eine Wunder bewirkende Macht. Zusätzlich zu dieser übernatürlichen Kraft gibt der Geist auch Gottes Wesensart in uns – seine Liebe, wie wir in Römer 5, 5 lesen – und auch eine gewisse geistliche Ausgewogenheit und Besonnenheit).
  9. Werden wir durch das Innewohnen des heiligen Geistes zu einem Teil des geistlichen Leibes Christi? 1. Korinther 12, 13.
  10. Verleiht Gott durch seinen Geist eine Vielzahl geistlicher Gaben und gibt er dabei verschiedenen Menschen verschiedene Gaben zu verschiedenen Zeiten? 1. Korinther 12, 4-11.
  11. Bringt der innewohnende heilige Geist im Leben von bekehrten Christen geistliche Frucht hervor? Galater 5, 22-25.
  12. Prophezeite Hesekiel in Erwartung eines Neuen Bundes, dass Gott seinem Volk seinen Geist geben werde, damit es in seinen Geboten wandelt? Hesekiel 36, 26-27.
  13. Befähigt uns der heilige Geist, Gott zu gehorchen? Römer 8, 1-10.12-14.
  14. Wird es durch den heiligen Geist geschehen, dass Gott unsere sterblichen Leiber bei der Auferstehung in verherrlichte Geistkörper verwandelt? Römer 8, 11.

 

Lektion 15, Teil 4

Ein heiliges Volk sein

     Was ist der Unterschied zwischen Gottes Volk und den Völkern dieser Welt? Was bedeutet es wirklich, ein heiliges Volk zu sein? Das Konzept der Heiligkeit hängt sehr eng mit der Bedeutung des Pfingsttages zusammen. Es ist wichtig, zu verstehen, was Gott mit den Erstlingsfrüchten vorhat, die er berufen hat.

  1. Was für eine Art Volk sollte Israel, die Nation des Bundes in Gottes Augen sein? 3. Mose 19, 2.
  2. Sollten sich die Israeliten in ihrem Verhalten von den Nationen um sie herum unterscheiden? 3. Mose 18, 3-4.
  3. Warum war dies so wichtig? 3. Mose 18, 24-25.30.
  4. Was erwartet Gott von Christen unter dem Neuen Bund? Was sollte unser Verhalten widerspiegeln? 1. Petrus 1, 14-16.
  5. Können Christen versuchen, sich möglichst gut der Welt um sie herum anzupassen und Teil des Systems zu sein? Warum ist dieser Aspekt so wichtig? 2. Korinther 6, 14-18.
  6. Soll das christliche Leben Reinheit und das Streben nach Gottes heiligem und gerechtem Charakter reflektieren? 2. Korinther 7, 1.
  7. Wie sollen die Erstlingsfrüchte ihr Leben führen, nachdem Gott sie aus dieser Welt herausberufen hat? Epheser 5, 1-8.
  8. Wird Gottes Volk zu einer neuen Kreatur in Christus? 2. Korinther 5, 17.
  9. Soll Christus selbst sein Leben in uns leben? Galater 2, 20.
  10. Tut er dies durch den heiligen Geist, der den Christen innewohnt? Römer 8, 9-10.
  11. Sollen wir die Kraft von Gottes Geist einsetzen, um die Gelüste des Fleisches zu überwinden? Römer 8, 13-14.
  12. Hat Christus uns nicht von der Sünde losgekauft, damit wir verwandelt werden und seinen gerechten Charakter haben können? 2. Korinther 5, 21.
  13. Ist unsere Heiligung – unsere Absonderung zum geheiligten Leben – Gott wichtig? 1. Thessalonicher 4, 1-3.
  14. Wurde die Heiligung durch den heiligen Geist ermöglicht? 2. Thessalonicher 2, 13.
  15. Beinhaltet die geistliche Erneuerung, die sich bei der Bekehrung vollzieht, dass Gott seine Gerechtigkeit und Heiligkeit in uns erschafft? Epheser 4, 23-24.
  16. Wie soll sich das in unserem alltäglichen Leben auswirken? Epheser 4, 25-32.

 

Die Gabe der Zungenrede – ein Beweis für Bekehrung?

     Einst war die Zungenrede das Erkennungszeichen von Pfingstlergemeinden, doch inzwischen praktiziert auch eine wachsende Zahl traditioneller Christen regelmäßig, was sie „Zungenreden" nennen. Viele Charismatiker glauben, dass „ekstatisches Reden" der einzige Beweis sei, dass sie Gottes Geist besitzen. Lassen Sie uns sehen, was Gott im Neuen Testament dazu sagt. Müssen Christen in Zungen reden, um zu beweisen, dass sie Gottes Geist besitzen?
     Die erste beschriebene Erscheinung der Zungenrede fand am Pfingsttag statt – auch als Fest der Erstlingsfrüchte bekannt –, einem der jährlichen Sabbate Gottes (3. Mose 23). Die Jünger waren Christi Anweisung gefolgt und an diesem speziellen heiligen Tag ein „einem Ort" in Jerusalem beieinander (Lukas 24, 49; Apostelgeschichte 2, 1). „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen" (Apostelgeschichte 2, 2-4). Es überrascht nicht, dass dieses schockierende Ereignis die Aufmerksamkeit einer Menge von Juden auf sich zog, die sich in Jerusalem aufhielten, um den Pfingsttag zu feiern. Diese Juden stammten „aus allen Völkern unter dem Himmel" (Vers 5), einschließlich „Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen" (Vers 10).
     Beachten Sie, dass JEDER die Jünger in seiner eigenen Sprache hörte (Vers 6 gebraucht das griechische Wort dialektos, das einen „Dialekt" oder eine „Sprache" bezeichnet), wie sie „von den großen Taten Gottes redeten" (Vers 11). So wurde der Boden bereitet für die kraftvolle Predigt von Petrus – die zur Taufe von 3000 neuen Jüngern führte (Apostelgeschichte 2, 14-41). Wie Sie aus diesem Beispiel entnehmen können, war die Gabe der Zungenrede ein herausragendes Zeugnis, aber kein Beweis für Bekehrung! Wir finden keinen Hinweis, dass die 3000 neu Bekehrten in Zungen redeten, obwohl sie ebenfalls die Gabe des heiligen Geistes empfingen (Apostelgeschichte 2, 38). Dies zeigt, dass die Bekehrung nicht immer das „Reden in Zungen" beinhaltet.
     Später gebrauchte Gott Petrus, um den Heiden das Heil zugänglich zu machen und verwendete dabei die Gabe der Zungenrede. In Reaktion auf eine bemerkenswerte Vision von Jesus unternahmen der Apostel Petrus und eine Gruppe von Juden eine Tagesreise, um den heidnischen Hauptmann Kornelius in seinem Haus zu besuchen. Als sie angekommen waren, begann Petrus, ihm das wahre Evangelium Jesu Christi zu erklären, und dass sie durch den Glauben an Jesu Namen die „Vergebung der Sünden" empfangen würden (Apostelgeschichte 10, 43). Als Petrus so sprach, fiel der heilige Geist auf diejenigen, die die Botschaft hörten und glaubten. Die jüdischen Gläubigen, die mit Petrus angereist waren, zeigten sich erstaunt, dass die Gabe des heiligen Geistes über den Heiden ebenso ausgegossen wurde, wie bei ihnen am Pfingsttag, „denn sie hörten, dass sie [die Heiden – Kornelius, seine Familie und Freunde] in Zungen redeten und Gott hoch priesen" (Verse 45-46). Beachten Sie, dass nur die Heiden in Zungen redeten. Petrus und die Juden mussten diese Gabe nicht einsetzen, um den Heiden ihre Bekehrung zu beweisen. Unter diesen besonderen Umständen gebrauchte Gott die Gabe der Zungenrede, um zu zeigen, dass alle Nationen (Juden und Heiden) eine Chance auf das Heil haben – dass Gott die Person nicht ansieht (Apostelgeschichte 11, 15-17).
     Im ersten Beispiel, am Pfingsttag, sprachen die Jünger in Zungen und viele Ungläubige wurden zur Reue bewegt und bekehrt. Im Haus des Kornelius, dem zweiten Beispiel, zweifelten die bereits bekehrten Juden, ob den Heiden das Heil angeboten wurde, wie den Juden. Gott reagierte auf diesen Zweifel, indem er die Gabe der Zungenrede auf den gesamten Haushalt des Kornelius ausschüttete. In beiden Beispielen wurde die Gabe der Zungenrede als ein Zeichen für Ungläubige gebraucht. Doch sie war nicht Bedingung, damit man zeigen oder beweisen konnte, dass man den heiligen Geist besaß! In 1. Korinther 14 erklärt der Apostel Paulus den Gebrauch und den eigentlichen Zweck der Zungenrede. „Darum ist die Zungenrede ein Zeichen nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen" (1. Korinther 14, 22).
     Wahre Christen sollten nach den besten Gaben streben – denen, die wirklich eine tiefe Bekehrung widerspiegeln. Die größte geistliche Gabe ist die einer göttlichen Liebe (1. Korinther 12, 31; 13, 13). Ohne diese Gabe sind sogar Engelszungen nichts weiter als tönendes Erz oder eine klingende Schelle (1. Korinther 13, 1).
     Auch wenn die Gabe der Zungenrede gelegentlich als Zeichen der Macht Gottes für andere Menschen gebraucht wurde, war es doch nie beabsichtigt, dass sie der Beweis einer Bekehrung sein sollte. Vielmehr ist es ein Beweis für die Gegenwart von Gottes Geist, wenn dieser Frucht im Leben des Gläubigen hervorbringt (Galater 5, 22-23).
     Gottes heiliger Geist ist der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (2. Timotheus 1, 7). Er ist die Quelle wundersamer Erscheinungen und Manifestationen der Macht Gottes. Auf wundersame Art in einer Sprache zu sprechen, die man nie gelernt hat, Wunderheilungen und andere übernatürliche Zeichen sind alles Zeichen der Macht unseres Schöpfers und dessen, was er durch das Leben der wahren Gläubigen erreichen kann. Diese geistliche Kraft wird ausgegossen nach Gottes Zielsetzung, den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit und in dem Maße, wie die Gläubigen wirklich Gott nahe stehen und demütig Tag für Tag mit ihm wandeln.
     Neben der Kraft verleiht Gottes Geist auch seine göttliche Liebe (Römer 5, 5). Diese Liebe befähigt uns, das göttliche Gesetz zu erfüllen – wirklich Gott von ganzem Herzen zu lieben und unseren Nächsten zu lieben, wie uns selbst. Unsere eigene, menschliche Willenskraft reicht nicht aus, um wirklich Gottes Gesetz in seiner geistlichen Bedeutung einzuhalten, aber sein heiliger Geist befähigt uns dazu. Hesekiel 36, 26-27 erklärt, dass dies einer der Gründe ist, weshalb Gott uns seinen Geist verleiht.
     Gottes Geist ist auch der Geist der Besonnenheit. Er ist nicht Quelle wilder, unkontrollierter, emotionaler Ausbrüche, wie man sie in so vielen charismatischen Kreisen erlebt. Vielmehr gibt Gottes Geist uns Besonnenheit, eine innere Ausgeglichenheit und Selbstkontrolle. Er befähigt den Gläubigen, die Prinzipien des Wortes Gottes zu verstehen und im täglichen Leben anzuwenden. Das feiern die Christen jedes Jahr an Pfingsten – die Gabe des heiligen Geistes und den Beginn der neutestamentlichen Kirche.