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Bibelfernlehrgang

Lektion 17 - Der Zehnte:
Gottes Finanzplan für uns

ChefredakteurRoderick C. Meredith
RedaktionsdirektorRichard F. Ames
RedaktionWilliam Bowmer
Gary F. Ehman
AutorenJohn H. Ogwyn
Daniel Hall
Französische AusgabeDibar Apartian
Spanische AusgabeMario Hernandez
Grafische GestaltungDonna Prejean
KorrekturlesungSandy Davis
Linda Ehman
NachrichtenbüroJune Olsen

 

Der Welt von Morgen – Bibelfernlehrgang hat keinen Bezugspreis. Seine Verbreitung wird durch Zehnten und Opfer der Mitglieder der Living Church of God und anderer ermöglicht, die freiwillig Mitarbeiter im Werk der Verkündigung von Gottes wahrem Evangelium an alle Nationen wurden.

Alle Bibelzitate in dieser Lektion sind, sofern nicht anders vermerkt, der revidierten Lutherübersetzung von 1984 entnommen. Copyright © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Der Welt von Morgen - Bibelfernlehrgang wird herausgegeben von der Living Church of God, P.O. Box 3810, Charlotte NC, 28227-8010, USA.

Copyright © 2006 Living Church of God ®. Alle Rechte vorbehalten.

 

 

Fernlehrgang gibt geistliche und physische Hilfe

„Vielen Dank für die Zusendung des Welt von Morgen Bibelfernlehrgangs. Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr mir dieser Kurs geistlich und physisch geholfen hat. Mir haben die Antworten aus der Bibel sehr gut gefallen und es macht mir Spaß, diese Antworten selbst in der Bibel zu finden. Ich fühle mich wirklich verändert und näher bei Gott. Dieser Kurs hat mir wirklich Kraft gegeben."

C.H., Baltimore, MD, USA

 

Bibelfernlehrgang ist eine Hilfe

„Als gerade erst bekehrter Christ habe ich erkannt, dass die Wahrheit, die in Ihren Zeitschriften dargelegt wird, so echt ist, dass ich mehr erfahren möchte. Ich glaube, dass Ihr Bibelfernlehrgang auch eine Hilfe sein kann, damit ich eine bessere Beziehung zu Gott aufbauen kann. Vielen Dank für Ihre Öffentlichkeitsarbeit – machen Sie weiter so. Wir brauchen mehr Menschen, die in dieser Zeit die Wahrheit lehren und danach leben."

V.S., Trinidad

 

Lese die Bibel mehr

„Ich möchte, dass Sie wissen, wie sehr mir Ihre Broschüren und der Bibelfernlehrgang gefallen. Ich möchte Ihnen dafür danken. Ich bin eine 72-jährige Frau. An diesem Fernlehrgang teilzunehmen hat mich dazu gebracht, mehr in meiner Bibel zu lesen."

M.R., Denham Springs, LA, USA

 

Augen wurden geöffnet

„Ich bin gerade bei Lektion 9 des Bibelfernlehrgangs. Dies ist mein erster solcher Bibelfernlehrgang, und mit meinen 82 Jahren war er nicht so leicht für mich. Aber ich lerne. Mir wurden die Augen geöffnet und ich erkenne nun viele Dinge, die ich nie zuvor wusste. Vielleicht verstehe ich sehr viele Dinge, die mir immer rätselhaft waren, wenn ich mit dem Fernlehrgang fertig bin. Ich danke Ihnen und Ihrem ganzen Team für das wunderbare Werk, das Sie tun."

V.C., Madison Heights, MI, USA

 

Zum Titelbild: Jesus Christus lehrte seine Nachfolger, Gottes Reich und seine Gerechtigkeit ihren physischen Wünschen voranzustellen und darauf zu vertrauen, dass Gott für alles sorgen würde, was sie brauchen (Matthäus 6, 33-34). Die Gabe des Zehnten ist ein wichtiger Bestandteil des Bestrebens eines Christen, dem ersten „größten Gebot" zu gehorchen (Matthäus 22, 37-38).

 

Der Zehnte – Gottes Finanzplan für uns

     Finanzielle Probleme sind allgegenwärtig. Die Schulden von Privatpersonen haben in der westlichen Welt nie gekannte Höhen erreicht. Selbst bei der zunehmenden Zahl von Haushalten mit zwei Einkommen scheinen die meisten Menschen nicht in der Lage zu sein, mit dem „Einkommen auszukommen". Oftmals ist am Ende des Geldes einfach noch zu viel Monat übrig.
     Wie widersinnig! Trotz des immensen Reichtums an natürlichen und entwickelten Ressourcen in diesen wohlhabenden Nationen haben sogar Menschen mit relativ gutem Einkommen Mühe, allen Verpflichtungen nachzukommen. Die finanziellen Schwierigkeiten führen in vielen Ehen zu Krisen. Familien wird so der innere Frieden geraubt und durch den Stress, den die finanziellen Sorgen auferlegen, manchmal sogar die Gesundheit.
     Wie lautet die Antwort?
     Es erscheint den meisten Menschen irrsinnig, wenn man ihnen erklärt, dass es ihnen finanziell besser geht, wenn sie etwas von dem abgeben, was sie haben. Viele glauben, dass sie mehr brauchen – und dass ihre finanziellen Schwierigkeiten noch größer werden, wenn sie einen Teil ihres Einkommens dem Werk Gottes geben. Aber ist das wirklich der Fall? Macht es Sinn, mit der Gabe de Zehnten zu beginnen, wenn man in finanziellen Schwierigkeiten steckt? Die Wahrheit ist, dass es keinen Sinn macht, irgendetwas anderes zu tun!
     Ein gutes Beispiel dafür finden wir in der Bibel. Im 6. Jahrhundert v.Chr. sahen sich die Einwohner von Judäa vielen Schwierigkeiten gegenüber. Zu Anfang dieses Jahrhunderts hatten die Babylonier Jerusalem zerstört – die Hauptstadt Judäas. Der größte Teil der Einwohner Judäas war ins südliche Zweistromland deportiert worden. Dort fristeten sie über Jahrzehnte eine karge Existenz in einem fremden Land. Dann, nicht einmal 50 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems überrannten die medo-persischen Armeen unter Cyrus dem Großen Babylon, die Hauptstadt des Babylonischen Reichs. Innerhalb relativ kurzer Zeit erließ Cyrus ein Dekret, das es den Juden, die es wollten, erlaubte, nach Judäa zurückzukehren. Sie hatten die Erlaubnis, dort ihren heiligen Tempel wieder aufzubauen.
     Einige Tausend Juden kehrten aus Babylon zurück, angeführt von Serubabel, ihrem neu ernannten Gouverneur, und von Josua, dem Hohepriester. Anfänglich waren alle begeistert angesichts der Gelegenheit, den Tempel und ihre Nation wieder aufbauen zu können. Doch schon bald trafen sie auf den Widerstand der benachbarten Völker und wurden am persischen Königshof verleumdet. Die Arbeit am Tempel kam zum Erliegen und es vergingen einige Jahre. Es folgten einige schwierige Jahre und die Menschen hatten große Mühe, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und die am Boden liegende Wirtschaft ihres Landes wieder aufzubauen. Wegen der vielen Probleme, die sich ihnen in den Weg stellten, kamen sie zu dem Schluss, dass es einfach nicht die von Gott gewollte Zeit war, den Tempel wieder zu errichten.
     Dies ist der Hintergrund für die Ermahnung des Propheten Haggai an das Volk und seine Führer, die in Haggai 1, 2-10 überliefert ist: „So spricht der Herr Zebaoth: Dies Volk spricht: Die Zeit ist noch nicht da, dass man des Herrn Haus baue. Und des Herrn Wort geschah durch den Propheten Haggai: Aber eure Zeit ist da, dass ihr in getäfelten Häusern wohnt, und dies Haus muss wüst stehen! Nun, so spricht der Herr Zebaoth: Achtet doch darauf, wie es euch geht: Ihr säet viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch und könnt euch doch nicht erwärmen; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel. So spricht der Herr Zebaoth: Achtet doch darauf, wie es euch geht! Geht hin auf das Gebirge und holt Holz und baut das Haus! Das soll mir angenehm sein, und ich will meine Herrlichkeit erweisen, spricht der Herr. Denn ihr erwartet wohl viel, aber siehe, es wird wenig; und wenn ihr’s schon heimbringt, so blase ich’s weg. Warum das? spricht der Herr Zebaoth. Weil mein Haus so wüst dasteht und ein jeder nur eilt, für sein Haus zu sorgen. Darum hat der Himmel über euch den Tau zurückgehalten und das Erdreich sein Gewächs".
     Es scheint, als hätten die Menschen versucht, darum herumzukommen, Gottes Werk zu tun – und zwar sobald sie es sich leisten konnten! Das Problem war, dass sie ihre Prioritäten verdreht hatten. Gott muss an erster Stelle in unserem Leben stehen. Wenn das der Fall ist, ergibt sich alles andere von selbst. Wenn nicht, erleben wir eine endlose Reihe von Schwierigkeiten. Eines der klarsten Prinzipien der gesamten Bibel ist, dass auf Dauer niemand wirklich vorankommt, indem er Gott an letzte Stelle setzt!
     Das erste und größte Gebot ist, Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt zu lieben (Matthäus 22, 37). Alles andere ist letztlich Götzendienst! Wenn Menschen sich als höchste Priorität gesetzt haben, für sich selbst zu sorgen und sich zu schützen, bereiten sie damit den Weg für allerlei Probleme. Abseits von Gottes Segnungen verlaufen alle von Menschen erdachten Strategien letztlich im Sande.
     Gott weiß, dass wir alle physische Bedürfnisse haben. Doch Christus lehrte uns, dass uns all dies gegeben wird, wenn wir zuerst Gott und seine Gerechtigkeit suchen (Matthäus 6, 33). In dieser Lektion werden wir uns genau ansehen, was die Bibel zur Gabe des Zehnten zu sagen hat, und wir werden Gottes Finanzplan für uns betrachten.

 

Lektion 17, Teil 1

Wie wichtig ist die Gabe des Zehnten heute?

     Ist die Gabe des Zehnten für Christen wirklich wichtig, oder ist sie nur ein Teil des mosaischen Gesetzes? Was sind die Ursprünge des Zehnten und welche Rolle spielte er in der Verehrung Gottes vor dem Bund mit Israel am Berg Sinai? Sowohl das Alte als auch das Neue Testament haben viel über den Zehnten zu sagen. Wir müssen diese Lehren besser verstehen und erkennen, warum die Gabe des Zehnten so ein wichtiges Prinzip ist.

  1. Die Gabe des Zehnten ist zuerst in 1. Mose erwähnt, dem Buch der Anfänge. Was tat Abraham, als er von einem Sieg über die Könige mit der ganzen Beute zurückkehrte? 1, Mose 14, 16-20.
  2. Wem gab Abraham den Zehnten und welches Amt hatte diese Person inne? 1. Mose 14, 18 (vgl. Lektion Seite 12 für einen Beweis der wahren Identität Melchisedeks).
  3. Welcher Name Gottes wird gebraucht, als beschrieben wird, dass Abraham seinen Zehnten an Gottes Priester abführt? 1. Mose 14, 19. (Anmerkung: Abraham gab seinen Zehnten im Zusammenhang mit der Anerkennung, dass Gott der Eigentümer von allem ist).
  4. Wusste Abrahams Enkel Jakob, dass die Gabe des Zehnten etwas war, das die Diener des wahren Gottes tun sollten? 1. Mose 28, 20-22. (Anmerkung: Es ist wichtig, zu beachten, dass die Bibel hier die Gabe des Zehnten nicht als neues Gebot beschreibt, sondern als eine bereits bestehende Praxis).
  5. Als König Hiskia seine religiösen Reformen umsetzte, um die Nation auf Gottes Weg zurückzuführen, spielte da die Gabe des Zehnten eine Rolle? 2. Chronik 31, 5-7. (Anmerkung: Das Volk brachte vier Monate lang gewissenhaft den Zehnten in den Tempel – vom dritten bis zum siebten Monat).
  6. Welcher Zweck sollte mit der gewissenhaften Gabe des Zehnten durch das Volk erfüllt werden? 2. Chronik 31, 4. (Anmerkung: Die Priester waren Diener Gottes und sollten das Volk die Wege Gottes lehren. Gott sorgte mit den Zehnten für die Bedürfnisse seiner Diener).
  7. Wie charakterisiert Gott diejenigen, die ihm den Zehnten vorenthalten? Maleachi 3, 8.
  8. Brechen diejenigen, die sich weigern, den Zehnten zu zahlen, also eines der Zehn Gebote? 2. Mose 20, 15.
  9. Was ist die Folge, wenn einzelne Menschen – oder sogar ganze Nationen – sich weigern, Gott seinen Zehnten zu zahlen? Maleachi 3, 9.
  10. Was verspricht Gott dagegen denen, die ihm treu den Zehnten geben? Maleachi 3, 10-11.
  11. Waren die Pharisäer zu der Zeit, als Jesus auf Erden lebte, extrem darauf bedacht, den vollen Zehnten abzuführen? Matthäus 23, 23. Dennoch vernachlässigten sie grundlegende geistliche Eigenschaften wie Recht, Barmherzigkeit und Glauben. Was sagte Christus zu ihnen im Bezug auf den Zehnten? Vers 23, letzter Satz. War dies also eine Pflicht, in der sie treu bleiben sollten? (Anmerkung: Die Pharisäer erfüllten nicht Gottes Anforderungen in geistlichen Dingen, indem sie Mücken aussiebten, aber bildlich gesprochen Kamele verschluckten – beides sind unreine Tiere (Vers 24)).

Das dynamische Gesetz des Gebens

     In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Bücher stark zugenommen, in denen es um Prinzipien finanziellen Managements geht. Viele dieser Bücher sprechen sich für Sparpläne und Investitionen aus, während sich andere darauf konzentrieren, wie man mehr Geld verdienen kann und das verdiente Geld sinnvoller ausgeben kann. Obwohl viele dieser Quellen einige hilfreiche Prinzipien ansprechen, erwähnen wenn überhaupt dann nur wenige das wertvollste Prinzip. Welches Prinzip ist das? Vereinfacht gesagt ist es das göttliche Gesetz des Gebens! „Geben ist seliger als nehmen" (Apostelgeschichte 20, 35).
     Die meisten Menschen würden dies für gerade den falschen Weg zum Wohlstand halten. „Ich habe ohnehin schon zu wenig", argumentieren sie. „Wenn ich einen Teil dessen weggebe, was ich jetzt habe, dann besitze ich ja noch weniger und stecke noch tiefer in finanziellen Schwierigkeiten". Aus rein menschlicher Sicht mag diese Argumentation vernünftig klingen, aber sie ist völlig falsch! Der Schöpfer hat Gesetze in Kraft gesetzt, die das gesamte Universum beherrschen. Eines dieser Gesetze hat mit Geben zu tun. Der egozentrische Weg wird niemals zu Glück, Erfüllung und wahrem Wohlstand führen.
     Ein Schlüssel zum Verständnis von Gottes Weg des Gebens ist es, den Zehnten zu verstehen. Der „Zehnte" oder eigentlich der „zehnte Teil" bedeutet, dass man ein Zehntel oder zehn Prozent von seinem Einkommen Gott gibt. Es gibt Belege aus frühester Zeit, dass Gottes Volk wusste, dass dies der richtige Weg war, Gott zu ehren (1. Mose 14, 19-20; 28, 20-22). Bereits lange vor dem Bund am Berg Sinai und der Einrichtung der levitischen Priesterschaft wussten Gottes wahre Diener, dass der Zehnte Gott gehörte.
     Wie funktioniert dieses erstaunliche Gesetz? Vereinfacht gesagt bewirkt die Gabe des Zehnten Gottes Eingreifen in die finanziellen und geistlichen Angelegenheiten eines Menschen. Wenn wir damit beginnen, den Zehnten zu geben, sind wir eine Partnerschaft mit Gott eingegangen. Beachten Sie Gottes Verheißung an denjenigen, der den Zehnten gibt: „Bringt aber den Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle" (Maleachi 3, 10) Diese Aussage in Maleachi ist ein lebendiges Gesetz, das reichliche Segnungen hervorbringt –im physischen UND geistlichen Sinn – wenn man ihm gehorcht.
     Diese Segnungen können in Form einer Gehaltserhöhung auftreten, oder es ergibt sich plötzlich eine Gelegenheit für eine neue Aufgabe. Gottes Verheißung, dass sich „des Himmels Fenster" auftun, beinhaltet aber auch geistliche Segnungen – wie göttlicher Schutz, ein gestärkter Glaube, innerer Friede und eine engere Beziehung zu Gott. Faszinierende Tatsache ist, dass der Gebende nie mehr geben kann, als Gott gibt. Die physischen und die geistlichen Segnungen übersteigen immer unsere Erwartungen! Gottes Verheißungen sind so gewiss, dass er die Menschen herausfordert, ihn darin zu testen (Vers 10).
     Interessanterweise äußerte der Prophet Maleachi diese Herausforderung gegenüber Menschen in einer Zeit, wenn diese finanziell sehr schwierige Zeiten durchlebten. Sie standen sogar unter einem Fluch, der sich wirtschaftlich auswirkte (Maleachi 3, 9). Maleachi erklärte ihnen nicht, dass sie mit der Gabe des Zehnten beginnen sollten, sobald sie finanziell „über den Berg" seien und es sich „leisten" konnten. Vielmehr machte er sehr deutlich, dass sich ihre Situation nicht bessern werde, bis sie ihre eigensüchtige Einstellung bereut hätten und Gott wieder an erste Stelle tun würden.
     Ein weiterer wichtiger Punkt hinsichtlich Gottes Lebenseinstellung des Gebens ist, dass er eine aktive Fürsorge für andere Menschen voraussetzt. Beachten Sie die Anweisung des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth in 2. Korinther 9. Die Mitglieder der Gemeinde in Korinth bereiteten ein besonderes Geschenk für ihre Glaubensgeschwister in Jerusalem vor, weil diese unter einer schweren Dürre und Hungersnot in ganz Judäa litten. Paulus ermunterte sie, großzügig zu sein und mahnte: „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen" (Vers 6). Weiterhin erinnerte er sie daran, dass ihre Einstellung beim Geben sehr wichtig sei, denn „einen fröhlichen Geber hat Gott lieb" (Vers 7). Es bringt also reichliche Segnungen hervor, wenn man die Einstellung des Gebens und der aktiven Fürsorge für das Wohlergehen anderer Menschen praktiziert.
     Die wertvollste Segnung, die ein Mensch erhalten kann, ist es, ein Kind Gottes zu werden – zum Heil berufen zu sein und Gottes heiligen Geist zu empfangen. Kornelius, ein römischer Hauptmann, empfing eine solche Segnung – möglicherweise zum Teil auch deswegen, weil er im Geben treu war. In einer Vision sagte ein Engel Gottes zu ihm: „Dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist gedacht worden vor Gott" (Apostelgeschichte 10, 4.31). Dann erhielt er die Anweisung, Petrus zu rufen, damit dieser ihn taufen sollte. Obwohl Kornelius ein Heide war, hatte er den Gott Israels eifrig gesucht. Er verbrachte nicht nur Zeit damit, zu dem wahren Gott zu beten, sondern führte auch ein Leben, in dem er Gottes Weg der Liebe gegenüber anderen praktizierte. Er gab großzügige Almosen (Vers 2). Gott beachtete seine Einstellung, die sich in seinen Werken zeigte und gebrauchte ihn und seine Familie, um zu zeigen, dass das Heil auch den Heiden zugänglich gemacht wurde.
     Gottes Weg ist der Weg des Gebens. Er bekräftigt: „Wer reichlich gibt, wird gelabt, und wer reichlich tränkt, der wird auch getränkt werden" (Sprüche 11, 24-25). Kein Wunder also, dass Jesus erklärte, dass Geben seliger ist [glücklicher macht] als Nehmen. Der Gehorsam gegenüber Gottes Wegen bringt große Freude und viele physische und geistliche Segnungen. Stellen Sie Gott auf die Probe – „schmecken und sehen" Sie, wie freundlich der Herr ist (Psalm 34, 9)!

 

Lektion 17, Teil 2

Wie gab das Volk Israel im Altertum den Zehnten?

     Die genauesten Anweisungen im Bezug auf den Zehnten erhielt Israel am Berg Sinai. Obwohl das Bezahlen des Zehnten von Gottes Dienern schon Jahrhunderte vor dem Bund vom Sinai praktiziert worden war, waren diese Anweisungen wichtig. Die Israeliten hatten damals wie die meisten anderen Völker ein Wirtschaftssystem, das von der Landwirtschaft geprägt war. Wenn wir die Anweisungen verstehen, die Israel gegeben wurden, können wir die zugrunde liegenden Prinzipien auf unsere Zeit übertragen.

  1. Als Gott den Israeliten im Altertum Anweisungen über den Zehnten gab, was erklärte er da, wem alle Zehnten des Landes gehörten? 3. Mose 27, 30. Ist Gott letztlich der Eigentümer aller Dinge? Jesaja 66, 1; Psalm 50, 10-11.
  2. Welche Anweisung gab Gott, an wen die Zehnten zu zahlen seien, die ihn gehören? 4. Mose 18, 21. Bezahlte Gott damit die Leviten für ihren Dienst, den sie im Auftrag des Volkes ihm gegenüber verrichteten? 4. Mose 18, 21-23.
  3. Erhielten die Leviten einen Bezirk im Land Israel als Erbteil zugeteilt, wie die anderen Stämme? Was war ihr Erbteil? 4. Mose 18, 20.24.
  4. Sollten die Leviten, die den größten Teil der Zehnten direkt vom Volk erhielten, ihrerseits den Zehnten zahlen? 4. Mose 18, 26.28.
  5. Von was sollten die Israeliten den Zehnten geben? 5. Mose 14, 22. (Anmerkung: Das altertümliche Israel war eine landwirtschaftlich geprägte Nation. Deshalb sind die Anweisungen auf landwirtschaftliche Erträge bezogen. Aus diesen Anweisungen können wir einige wichtige Prinzipien ableiten. Wir geben den Zehnten vom Zuwachs, den wir erwirtschaften. Dieser Zuwachs ist das Ergebnis von Produktivität und kann sowohl ein Gehalt als auch den Ertrag von Investitionen beinhalten. Für einen Geschäftsmann wie für einen Bauern ist der Zuwachs der erzielte Profit – die Summe der Erträge abzüglich der Ausgaben, die entstanden sind, um die Erträge zu erwirtschaften. Mit der Berechnung des Zehnten verhält es sich also ähnlich wie mit der jährlichen Steuererklärung).
  6. Wie gaben die Israeliten im Altertum den Zehnten von ihren Viehherden? 3. Mose 27, 32. (Anmerkung: Im Altertum war es üblich, alle Jungtiere, die im abgelaufenen Jahr geboren wurden, durch ein niedrig gebautes Tor zu schicken, das nur jeweils ein Tier durchließ. Ein Mann stand mit einem in rote Farbe getauchten Stock neben dem Tor und markierte jedes zehnte Tier, das das Tor passierte).
  7. Sollten die Menschen im Israel des Altertums neben dem Zehnten, der an die Leviten zu entrichten war, einen zweiten Zehnten beiseite legen, um „vor dem Herrn" zu essen? Sollte dieser Zehnte nur an einer Stätte verwendet werden, die Gott erwählte, dass „sein Name daselbst wohne"? 5. Mose 14, 23. (Anmerkung: Dieser Zehnte ermöglichte es ihnen, die gebotenen jährlichen Festtage zu feiern, wie Gott es angeordnet hatte).
  8. War es den Israeliten erlaubt, die so beiseite gelegten Güter gegen Geld zu verkaufen, wenn die Reise zu Gottes Heiligtum zu weit war, um die Güter dorthin zu bringen, um dann das Geld für Dinge zu benutzen, die sie benötigten, um die Feste zu feiern? 5. Mose 14, 24-26. Sollten sie dadurch lernen, Gott tiefer zu verehren und die Möglichkeit haben, sich als gesamte Familie vor Gott zu erfreuen? 5. Mose 14, 23.26.
  9. Erwähnt die Bibel noch einen weiteren Zehnten – einen dritten Zehnten – den die Israeliten in ihren Städten behielten, um Witwen, Waisen und anderen Menschen in Not helfen zu können? 5. Mose 14, 28-29.
  10. Wurde dieser Zehnten jedes Jahr beiseite gelegt, oder nur jedes dritte Jahr? 5. Mose 14, 28. (Anmerkung: 3. Mose 25, 3-5 zeigt, dass das Land jedes siebte Jahr brach liegen sollte. Der dritte Zehnte wurde also im dritten und im sechsten Jahr von einem jeweils siebenjährigen Zyklus entrichtet).

 

Die Gabe des Zehnten lehrte Prioritäten

     Im 1. Buch Mose wird uns die Gabe des Zehnten als eine übliche Praxis der wahren Diener Gottes beschrieben. Erst im mosaischen Gesetz finden wir dafür spezifische Anweisungen. Die Israeliten im Altertum lebten hauptsächlich von der Landwirtschaft, und Gottes Anweisungen an die Israeliten spiegeln diesen Zustand wider. Wenn wir Gottes Anweisungen verstehen, können wir daraus Prinzipien entnehmen, die für die Gabe des Zehnten gelten, und können diese Prinzipien auf die heutige Welt anwenden.
     Selbst viele so genannte Bibelgelehrte begreifen nicht, dass Gott den Israeliten Anweisungen für drei unterschiedliche Zehnten ihres Einkommens gab. Diese Zehnten definierten die Prioritäten, die die Israeliten in ihrem Leben haben sollten. Die Geschichtsschreibung zeigt, dass die Juden zur Zeit Jesu Christi dies klar verstanden hatten. Beachten Sie, was Flavius Josephus, ein jüdischer Priester aus dem ersten Jahrhundert, in seinem Buch über die Geschichte und Bräuche der Juden in der griechisch-römischen Welt schrieb:

     „Neben diesen zwei Zehnten, von denen ich bereits schrieb, dass ihr sie jedes Jahr zahlen sollt, dem einen für die Leviten und dem anderen für die Feste, sollt ihr jedes dritte Jahr einen dritten Zehnten für die Bedürftigen geben; für Frauen, die Witwen sind und für Kinder, die Waisen sind... Doch wenn jemand dies getan hat, und er hat den Zehnten von allem, was er hat, gebracht, zusammen mit den Erstlingsfrüchten für die Leviten und für die Feste, und wenn er sich daran macht, wieder heimzukehren, so soll er vor dem heiligen Hause stehen und Gott danken..." (Antiquities of the Jews, Buch IV, Kapitel viii, Teil 22).

     Der erste Zehnte war das, was Gott für sich vorsah. Dieser sollte die levitische Priesterschaft unterstützen. Doch Gott wollte auch, dass sein Volk zu drei Zeiten im Jahr vor ihm erscheint, zu den Zeiten seiner jährlichen Festtage. Doch wie konnten sich die Israeliten das leisten? Gott wies sie an, einen zweiten Zehnten zurückzulegen, den sie und ihre Familien an den jährlichen Festtagen vor Gott verbrauchen sollten. Sie sollten mit den Leviten und den Bedürftigen teilen, aber dieser Betrag wurde beiseite gelegt, damit die ganze Familie sich zu diesen besonderen Zeiten vor Gott erfreuen konnte. Der dritte Zehnte wurde nicht jedes Jahr, sondern nur jedes dritte Jahr in einem jeweils siebenjährigen Zyklus abgeführt (wie wir gesehen haben, lagen die Felder im Israel des Altertums jedes siebte Jahr brach und es gab keine Ernte in diesen Jahren). Dieser dritte Zehnte wurde hauptsächlich dafür verwendet, die Bedürftigen in den jeweiligen Dörfern zu versorgen (Witwen, Waisen und Fremdlinge).
     Was können wir daraus lernen? Eindeutig wurde der erste Zehnte – die Erstlingsfrucht unseres Zuwachses – für Gott beiseite gelegt und sollte direkt an seine Repräsentanten abgeführt werden. Zweitens wollte Gott, dass das Volk sich vor ihm versammelt und sich in der Familie an den jährlichen Festzeiten erfreuen kann. Er gab Anweisung, dass die Israeliten sich finanziell darauf vorbereiten sollten. Und letztlich wollte Gott, dass das Volk seinen Zuwachs mit den Bedürftigen teilt. Dadurch wird Gott verehrt und dem Nächsten wird geholfen – es entstehen ausgeglichene Prioritäten, die für alle Zeiten Gültigkeit besitzen.

 

Der Zehnte in einer landwirtschaftlichen Gesellschaft

     Das Wirtschaftssystem im altertümlichen Israel funktionierte im Wesentlichen ohne Geld. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen war in der Landwirtschaft tätig. Gottes spezifische Anweisungen im Bezug auf den Zehnten reflektierten die Situation der Israeliten. Der Zehnte eines Ernteertrags oder einer Herde konnte leicht bestimmt werden. Von der Ernte wurde das Saatgut abgezogen und dann ein Zehntel den Leviten gegeben (4. Mose 18, 21; 5. Mose 14, 22). Die Jungtiere eines Jahrgangs in einer Herde wurden durch ein Tor getrieben und jedes zehnte Tier wurde mit roter Farbe markiert. Dieser Zehnte von denen „unter dem Hirtenstabe" wurde zu den Leviten gebracht (3. Mose 27, 32). Die Leviten ihrerseits gaben auch den Zehnten; von dem Zehnten der Ernte und der Herden gaben sie ihrerseits einen Zehnten an die Priester in Jerusalem (4. Mose 18, 26-28).
     Der zweite Zehnte entsprach ebenfalls einem Zehntel des Zuwachses an Erträgen der Felder, Weinberge und Fruchtplantagen. Doch hierbei wurden die Tiere etwas anders behandelt – die Erstlinge der Herden wurden abgesondert (5. Mose 14, 23). Ein Erstling war der erstgeborene Nachkomme jedes Muttertieres. Diese Erstlinge wurden Gott geweiht; offenbar gingen die männlichen Erstlinge an die Priester für den Gebrauch an den Festtagen, während die weiblichen Erstlinge von den Familien während der drei Festzeiten in Jerusalem verzehrt wurden.
     Zusätzlich zu den Zehnten, die an die Leviten abgeführt wurden, ging eine Opfergabe von jeder Ernte – Getreide, Feigen, Oliven, Trauben und andere Früchte –zwischen den Pfingstfest und dem Laubhüttenfest als Erstlingsgabe an die Priester in Jerusalem. Diese jeweils zuerst geerntete Portion, normalerweise eine handvoll oder ein kleiner Korb voll, wurde als Dankopfer zusätzlich zu den Zehnten gegeben (4. Mose 18, 12-13).

 

Lektion 17, Teil 3

An wen sollte der Zehnte gezahlt werden?

     Im Israel des Altertums sammelte die levitische Priesterschaft die Zehnten des Volkes ein. Wie sollten aber die Zehnten heute gehandhabt werden? Der Tempel in Jerusalem wurde vor vielen Jahrhunderten zerstört und die levitische Priesterschaft hörte vor langer Zeit auf, ihren Dienst zu verrichten. Wie findet Gottes Gesetz des Zehnten also für Christen von heute Anwendung – und wer hat das Recht, den Zehnten zu empfangen?

  1. Betont der Apostel Paulus, dass Abraham – der „Vater aller, die glauben" – Melchisedek, dem Priester des höchsten Gottes, den Zehnten gegeben hat? Hebräer 7, 1-2.
  2. Wird Melchisedek mit dem Sohn Gottes verglichen? Wird uns gesagt, dass er ewig lebt, dass seine Priesterschaft fortdauert und er sogar heute noch lebt? Hebräer 7, 3.8.
  3. Bekräftigt Paulus, dass das Recht Melchisedeks, den Zehnten zu empfangen, das Recht der levitischen Priesterschaft übersteigt? Hebräer 7, 4-7.
  4. Wird als Grund dafür angegeben, dass Melchisedek bereits vor der Existenz der Leviten Zehnten empfangen hat und dass er weit größer war als sogar Abraham, und folglich auch als die Leviten, die von Abraham abstammten? Hebräer 7, 8-10.
  5. Hat Levi, der Urvater der levitischen Priesterschaft, bildlich gesprochen durch Abraham seinen Zehnten an Melchisedek gegeben? Hebräer 7, 9-10.
  6. Erklärt Paulus seinen Lesern, dass die levitische Priesterschaft nicht dazu bestimmt war, eine geistliche Vollendung zu bewirken, und dass sie deshalb im christlichen Zeitalter von einer anderen Priesterschaft abgelöst werden sollte? Hebräer 7, 11.15-16.
  7. Ist Jesus Christus heute unser Hohepriester? Hebräer 2, 17; 4, 14; 6, 20. (Anmerkung: Christus wurde zu unserem Hohepriester, indem er sich selbst als Sühneopfer vor Gott darbrachte und in das himmlische Heiligtum einging, wo er beständig für uns eintritt).
  8. Wird der Vorrang seiner Priesterschaft über die der levitischen Abkömmlinge Aarons erklärt? Hebräer 7, 22-27.
  9. Wurde durch den Wechsel in der Priesterschaft ein Wechsel im Gesetz notwendig? Hebräer 7, 12. (Anmerkung: Das Gesetz, auf das hier Bezug genommen wird, ist das Gesetz der Priesterschaft. Die Priester unterschieden sich von anderen durch ihre Abstammung, durch ihr Recht, ihren Dienst am Altar zu verrichten und für das Volk Fürsprache zu halten, und durch ihr Recht, den Zehnten vom Volk empfangen zu können. Paulus erklärt in diesem Abschnitt des Hebräerbriefs, dass die Priesterschaft Christi weit größer ist und Vorrang vor jeder anderen besitzt).
  10. Wer sind die autorisierten Repräsentanten unseres Hohenpriesters Jesus Christus in der heutigen Welt? Lehrte Paulus, dass Christi wahre Diener die „Haushalter" Gottes sind? Titus 1, 7; 1. Korinther 4, 1. (Anmerkung: Ein Haushalter ist wie ein Geschäftsführer seinem Dienstherrn gegenüber verantwortlich, dass er den Besitz seines Herrn gut verwaltet und überwacht. Die Predigerschaft Jesu Christi steht Gott gegenüber entsprechend in der Verantwortung, den Zehnten richtig einzusetzen).
  11. Lehrte Paulus, dass es für die Predigerschaft Christi angemessen sei, vollzeitig in ihrem Dienst tätig zu sein und ihren Lebensunterhalt mit dem Predigen des Evangeliums zu verdienen? 1. Korinther 9, 11.14.
  12. Verglich er dies mit der levitischen Priesterschaft, die ihren Lebensunterhalt durch die Zehnten im Tempel bestritt? 1. Korinther 9, 13.

 

Der Zehnte und die neutestamentliche Kirche

     Die jüdische Gemeinschaft im ersten Jahrhundert verstand die Gesetze des Zehnten. Die Pharisäer waren bekannt für ihre Genauigkeit beim Zahlen des Zehnten (Matthäus 23, 23; Lukas 18, 12). An wen zahlten diese Juden den Zehnten? Sie gaben ihn natürlich der levitischen Priesterschaft – wie es das Gesetz vorschrieb.
     Wie sollte die neutestamentliche Kirche die Gesetze des Zehnten anwenden? Dieses Thema bedurfte einer klaren biblischen Erklärung für diejenigen, die in der Übergangszeit zwischen der levitischen Priesterschaft und der neutestamentlichen Predigerschaft lebten. Die frühen Judenchristen nahmen weiterhin an den Zeremonien im Tempel teil. Doch noch innerhalb der Lebenszeit dieser Christen der ersten Generation wurde der Tempel und alles, was mit ihm verbunden war, ausgelöscht.
     Paulus schrieb den Hebräerbrief, um diese und ähnliche Themen anzusprechen. Er schrieb an Menschen, die mit dem Gesetz vertraut waren, als er erklärte, dass die Zeit der levitischen Priesterschaft zeitlich begrenzt war. Sie stellte weder den Beginn noch das Ende des Zugangs Gottes zu den Menschen dar. Im gesamten Hebräerbrief betont Paulus den Vorrang der fortgesetzten Predigerschaft Jesu Christi und seiner Priesterschaft vor allen anderen.
     In Hebräer 7 nimmt Paulus den Zehnten als Beispiel, um sein Argument zu stützen. Nachdem er in Hebräer 6, 20 erklärt hat, dass Jesus in Ewigkeit ein Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks ist, zeigt er in Kapitel 7 den Vorrang Melchisedeks vor Levi. Die Leviten hatten nach einem Gebot im Gesetz das Recht, den Zehnten vom Volk in Empfang zu nehmen (Hebräer 7, 5), aber sie waren nicht die ersten, die den Zehnten empfingen. In seinen Ausführungen zur Geschichte Abrahams und Melchisedeks zeigte Paulus, dass es eine Priesterschaft gab, die höher stand als die Priesterschaft Levis. Paulus bekräftigte, dass Levi durch Abraham im Grunde selbst den Zehnten abgab (Vers 9) und damit darauf hinwies, dass die Priesterschaft Melchisedeks Vorrang vor der späteren Priesterschaft Levis hatte. Dadurch, dass Abraham, der Vater derer, die glauben, nicht nur seinen Zehnten an Melchisedek gab, sondern auch von diesem gesegnet wurde, verdeutlicht Paulus, dass Melchisedek niemand anderes sein konnte, als derjenige, der später zu Jesus Christus wurde.
     Nachdem so verdeutlicht wurde, dass die Melchisedek-Priesterschaft Jesu Christi über der Priesterschaft der Leviten stand, wandte sich Paulus den Veränderungen im Gesetz zu, die dadurch nötig wurden. Die Priesterschaft unterschied sich vom Volk in mehreren Punkten – durch ihre Abstammung, durch ihr Recht, ihren Dienst am Altar zu verrichten und für das Volk Fürsprache zu halten, und durch ihr alleiniges Recht, den Zehnten vom Volk empfangen zu können. Hebräer 7 greift diese Themen im Bezug auf Jesus Christus auf. Seine Abstammung beruht nicht auf einer levitischen Herkunft, denn als Mensch entstammte er dem Stamm Juda (Vers 14). Stattdessen beruht sein Recht auf die Priesterschaft darauf, dass er ewig existiert. – Ohne Vater oder Mutter, ohne Anfang der Tage und Ende des Lebens bleibt er auf ewig Priester (Vers 3). Christus bietet denen das Heil, die zu ihm kommen, weil er sich zuerst selbst als Opfer dargegeben hat, und nun auf ewig lebt, um für diejenigen Fürsprache zu halten, die sich an ihn wenden (Verse 24-28). Christus empfing in der Person Melchisedeks bereits den Zehnten, bevor Levi überhaupt existierte und hat dadurch einen übergeordneten Anspruch darauf.
     Im Hebräerbrief macht Paulus deutlich, dass die Rolle der Priesterschaft im neutestamentlichen Zeitalter fortbesteht, dass aber Christen sich an die Melchisedek-Priesterschaft Jesu Christi wenden sollen. Bei der Darbringung von Opfern wie auch beim Empfang des Zehnten machte die Änderung der Priesterschaft eine Veränderung in der Ausführung des Gesetzes notwendig, damit sich diese auf Jesus Christus anstatt auf Levi beziehen (Vers 12). Indem Christen dem Vorbild des glaubenstreuen Abraham folgen, sollten sie ihren Zehnten an Jesus Christus in seiner Rolle als Melchisedek geben.
     Wie wirkt sich das in der Praxis aus? Andere neutestamentliche Passagen machen klar, dass die wahre Kirche Gottes sowohl der geistliche Leib Christi als auch der geistliche Tempel ist. Wahre Christen sollen immer noch auf den Tempel schauen und ihre Gaben dorthin bringen, doch nun ist es ein geistlicher Tempel, in dem Christus als lebendiges Oberhaupt und Hohepriester wirkt. Paulus erklärt dieses geistliche Prinzip in 1. Korinther 9, 13-14, wo er hervorhebt, dass unter der Verwaltung des Alten Bundes die levitische Priesterschaft ihren Lebensunterhalt von den heiligen Dingen (Zehnten und Opfergaben) bestritt, die in den Tempel gebracht wurden. Weiterhin erklärte er, dass der Herr angeordnet hatte, dass diejenigen, die das Evangelium predigen, sich von ihm in gleicher Weise ernähren sollten.
     Aus 3. Mose 27, 30.32 erfahren wir, dass der Zehnte Gott heilig ist. Die Patriarchen hatten diese Wahrheit schon lange vor dem Bund am Sinai und der Einsetzung der levitischen Priesterschaft verstanden (vgl. 1. Mose 14, 20; 28, 22). Unter der Verwaltung des Alten Bundes diente der Zehnte den Leviten als Gehalt, weil sie für ihn arbeiteten, indem sie in der Stiftshütte dienten (4. Mose 18, 20-21). Unter der Verwaltung des Neuen Bundes sind Christi wahre Diener eifrig dabei, das Evangelium in die Welt zu tragen. Die Diener Christi sind es, die heute Gottes Werk tun, und nicht mehr die levitische Priesterschaft vergangener Zeiten, und so sollten sie heute den Zehnten empfangen. Wie Jesus Christus selbst erklärte: „Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert" (Lukas 10, 7).

 

Lektion 17, Teil 4

Den Weg des Gebens lernen

     Einer der grundlegendsten Aspekte der Wesensart Gottes ist, dass er den Weg der Liebe und des Gebens praktiziert. Gott ist der größte Geber des Universums. Eine Einstellung des Gebens führt zu einer Vielzahl von Segnungen. Je selbstsüchtiger und egozentrischer man ist, desto mehr wird man die Segnungen und Vorzüge entbehren, von denen Gott möchte, dass wir sie genießen können. Wir müssen die wichtige Rolle besser verstehen, die Zehnten und Opfergaben dabei haben, dass man eine Einstellung des Gebens entwickelt.

  1. Welchen Rat gibt der Autor des Buchs der Sprüche im Bezug auf eine weise Lebensführung, die zu materiellem Erfolg führt? Sprüche 3, 9-10.
  2. Was lehrte Jesus über das Geben? Empfängt eine gebende Person letztlich entsprechend der Weise, in der sie gibt? Lukas 6, 38.
  3. Ist das auch, was der Apostel Paulus lehrte? 2. Korinther 9, 6.
  4. Interessiert sich Gott bei unseren Opfergaben hauptsächlich für die Höhe des Betrags, oder achtet er viel mehr auf etwas anderes? 2. Korinther 8, 12; 9, 7.
  5. Lobte Paulus die Gemeinde in Mazedonien, weil sie nicht nur von ihrem materiellen Überfluss gaben, sondern sogar sich selbst? 2. Korinther 8, 3.5. Hatten sie ein tiefes Verlangen danach, Anteil am Predigtdienst des Apostels Paulus an anderen Menschen zu haben? Vers 4.
  6. Lehrte Mose die Israeliten, dass ihre Einstellung wichtig sei, wenn sie Gott ein Opfer darbrachten? 2. Mose 35, 4-5.
  7. Wie zeigte das Volk seine Einstellung und was war das Ergebnis? 2. Mose 36, 5-7.
  8. War König David seinem Volk im altertümlichen Israel ein Vorbild darin, wie man Gott etwas gibt? 1. Chronik 29, 1-5. Wie reagierten die Stammesfürsten auf sein Vorbild? 1. Chronik 29, 6-8. Wie reagierte das Volk darauf? 1. Chronik 29, 9.
  9. Was lehrte König David das Volk darüber, wie man Gott etwas geben soll? Geben wir Gott etwas, weil er es braucht? Ist Gott irgendwie von uns und unseren Gaben abhängig? 1. Chronik 29, 11-17.
  10. Als Christus seine Jünger aussandte, um das Evangelium zu predigen, was erklärte er ihnen da über das Geben? Matthäus 10, 7-8. (Anmerkung: Hier finden wir den Grund, weshalb dieses Werk seine Literatur ohne Kosten oder Verpflichtungen verschickt. Christus verlangte niemals Geld für seinen Dienst oder für die Botschaft, die er predigte, und so tun wir es ebenfalls nicht).
  11. Sagte Christus seinen Jüngern, dass es in Ordnung sei, wenn Sie Gastfreundschaft und Gaben von denjenigen annahmen, denen sie dienten, sofern es freiwillig geschah? Lukas 10, 2-8. Sind die Jünger - wie Christi Prediger heute - Arbeiter Gottes, die daher ihren Lohn wert sind? Vers 7.
  12. Werden Christen ermutigt, zu arbeiten und produktiv zu sein, damit sie geben können? Epheser 4, 28. (Anmerkung: Die Bibel beschreibt Gaben an Gott oft als einen Akt der Anbetung. Entsprechend sind Gaben an Bedürftige ein Ausdruck der Nächstenliebe).

 

Streben Sie ernsthaft nach dem wahren Reichtum

     In vielen Teilen der Welt scheint Materialismus zur vorherrschenden Lebensweise geworden zu sein. Vielleicht haben festgestellt, wie in den Medien der Lebensstil der „Reichen und Schönen" porträtiert wird. Dieser Appell an die Sinne bekräftigt die falsche Vorstellung, dass Geld und Luxus zu einem glücklichen Leben führen. In Wahrheit ist das aber weit gefehlt! Beachten Sie die Sichtweise Jesu Christi.
     Während der Durchreise durch eine Stadt versammelte sich eine Menschenmenge um Jesus, um ihn reden zu hören. Bei dieser Gelegenheit bat ihn jemand um einen ungewöhnlichen Gefallen. „Meister, sage meinem Bruder, dass er mit mir das Erbe teile" (Lukas 12, 13). Beachten Sie Jesu Antwort: „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt? Und er sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat" (Verse 14-15).
     Das griechische Wort für Habgier, das in dieser Aussage Christi verwendet wird, ist pleonexia und bedeutet wörtlich „ein Wunsch, mehr zu haben" als Gott beabsichtigte (Matthew Henry’s Commentary On The Whole Bible, 1991, Seiten 1865-1866). Nach den Erbgesetzen Israels beanspruchte der Mann vielleicht mehr von seinem Bruder, als ihm zustand. Unabhängig davon jedoch erkannte Jesus klar seine habgierige Einstellung, die er dann ansprach.
     Jesus beschrieb die habgierige Einstellung des Mannes mit einem Gleichnis über einen reichen Mann, den seine reichliche Ernte vor Probleme stellte. Der reiche Mann, so erklärte Jesus, überlegte: „Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle" (Vers 17). Seine Gedanken offenbarten seine Sünde – die Sünde der Eigensucht und Vernachlässigung anderer. Er vernachlässigte es, Gott für seinen Überfluss zu danken, und er vernachlässigte die echten Bedürfnisse anderer Menschen (Verse 18-19). Der Reiche hätte „reich an guten Werken [sein], gerne geben, behilflich sein" sollen (1. Timotheus 6, 18). Stattdessen war bei ihm alles auf einen egozentrischen Lebensstil ausgerichtet. Gott beschloss daher: „Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott" (Lukas 12, 20-21).
     Dass Christus dieses Gleichnis nach einer Streitfrage um Eigentum erzählte, zeigt, dass er die Einstellung des betreffenden Mannes genau erkannt hatte. Hier war jemand, dessen Fokus ganz auf weltlichen Dingen lag und der darauf bedacht war, mehr materielle Güter anzusammeln. Christus sprach bei dieser Gelegenheit eine häufige Neigung der Menschen an: Wir finden es leichter, uns darum zu kümmern, im Hier und Jetzt Dinge anzuhäufen und zu besitzen, als nach dem Reich Gottes zu trachten. Ein falscher Ansatz in dieser Frage führt jedoch zu falschen Prioritäten in allen Bereichen des Lebens. In der heutigen westlichen Welt haben viele Familien die Zeit mit ihren Kindern auf dem Altar des Materialismus geopfert, damit sie mehr Dinge besitzen können. Die Prioritäten sind hier gefährlich verschoben und die Gesellschaft bezahlt dafür einen fürchterlichen Preis.
     Wir sollten auch beachten, dass Christus den Mann nicht wegen seines Reichtums oder wegen seiner reichlichen Ernte verurteilte. Vielmehr beanstandete er, dass dieser Mann nicht reich bei Gott war. In dem Gleichnis wurde der Überfluss für den Reichen zum Gott – zum Objekt seines Vertrauens. Der Apostel Paulus ging noch genauer auf das Problem ein, dass Menschen habgierig sind und nach mehr streben, als Gott vorgesehen hat. Er lehrte: „Die reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet, und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen" (1. Timotheus 6, 9-10). Diese Schriftstelle beschreibt klar, was Jesus meinte. Habgier – ein selbstsüchtiges Verlangen nach übermäßigem Wohlstand in materiellen Dingen – wird den Menschen sein Leben kosten, und zwar sein ewiges Leben, wenn man nicht bereut! Wenn Menschen Reichtum zu ihrem vorherrschenden Ziel machen, werden sie zu allerlei Kompromissen und Sünden gedrängt. Im Lauf der Jahrhunderte blieb praktisch nichts unversucht und kein Gebot blieb ungebrochen in dem Streben nach materiellem Reichtum.
     Wohlstand, Überfluss und Besitztümer können uns in eine trügerische Sicherheit wiegeln. Ein Zusammenbruch des Aktienmarktes, der Konkurs eines Betriebs, Inflation oder irgendeine andere Krise, die diesen Wohlstand gefährdet, kann dann massive Angstgefühle auslösen. Manche sind so davon besessen, sich zur Absicherung immer mehr Reichtümer anzuhäufen, dass sie kaum mehr an etwas anderes denken können. Der weise König Salomo beobachtete: „Die Fülle lässt den Reichen nicht schlafen" (Prediger 5, 11). Wahre Christen sollen ihr Vertrauen nicht auf den „unsicheren Reichtum" dieser Welt setzen, sondern auf den einen und einzigen wahren Gott vertrauen, der ihnen das ewige Leben geben wird. Gott will sehen, worauf wir vertrauen und wo wir unsere wirklichen Prioritäten im Leben setzen.
     Jesus wies seine Nachfolger an: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles [was wir zum Leben brauchen] zufallen" (Matthäus 6, 33). Wahrer und dauerhafter Reichtum ist geistlich und geht von Gott aus. Dieser wahre, geistliche Reichtum beinhaltet einen lebendigen Glauben und eine göttliche Gerechtigkeit. Dies erfordert aber, dass wir all unser Vertrauen in den Vater setzen, „der uns alles reichlich darbietet, es zu genießen" (1. Timotheus 6, 17).