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Bibelfernlehrgang

Lektion 22 - Die Kraft des Gebets verstehen

ChefredakteurRoderick C. Meredith
RedaktionsdirektorRichard F. Ames
RedaktionWilliam Bowmer
Gary F. Ehman
AutorenJohn H. Ogwyn
Daniel Hall
Französische AusgabeDibar Apartian
Spanische AusgabeMario Hernandez
Grafische GestaltungDonna Prejean
KorrekturlesungSandy Davis
Linda Ehman
NachrichtenbüroJune Olsen

 

Der Welt von Morgen – Bibelfernlehrgang hat keinen Bezugspreis. Seine Verbreitung wird durch Zehnten und Opfer der Mitglieder der Living Church of God und anderer ermöglicht, die freiwillig Mitarbeiter im Werk der Verkündigung von Gottes wahrem Evangelium an alle Nationen wurden.

Alle Bibelzitate in dieser Lektion sind, sofern nicht anders vermerkt, der revidierten Lutherübersetzung von 1984 entnommen. Copyright © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.
Der Welt von Morgen - Bibelfernlehrgang wird herausgegeben von der Living Church of God, P.O. Box 3810, Charlotte NC, 28227-8010, USA.

Copyright © 2006 Living Church of God ®. Alle Rechte vorbehalten.

 

 

Briefe an den Herausgeber ...

Viel über Gott gelernt

„Ich habe gerade die 16. Lektion des Bibelfernlehrgangs beendet und habe so viel über Gott und die Gesetze, die er uns gegeben hat, gelernt. Ich freue mich schon auf die folgenden Lektionen des Bibelfernlehrgangs. Mir gefallen alle Zeitschriften und Broschüren, die Sie mir zuschicken. Vielen Dank für alles, was Sie mich über Gott gelehrt haben."

J.S., Windsor, ON, Kanada

 

Als würde Gott selbst zu mir sprechen

„Ich wollte Sie wissen lassen, wie sehr ich mich auf alle neuen Lektionen freue. Vielen Dank. Alles, was Sie mir beibringen, kommt aus der Bibel – Gottes Wort. Es ist so, als würde Gott selbst zu mir sprechen und mich lehren. Ich habe versucht, den Sabbat am Samstag einzuhalten – es war schwierig, weil ich alleine bin. Ich würde gerne eine Kirche finden, die alle Festtage einhält."

M.H., El Cajon, CA, USA

 

Voller Freude

„Mir gefallen die Zeitschriften Tomorrow’s World und der Bibelfernlehrgang. Ich glaube fest daran, dass Gott für all unsere Bedürfnisse sorgt. Ihre Zeitschrift gefällt mir wegen der Wahrheit, die Gott uns gegeben hat und wir sollten sie täglich gebrauchen. Dank Ihnen und Ihren Mitarbeitern. Den Bibelfernlehrgang mag ich ganz besonders. Er hat mir gezeigt, dass Gott uns in jedem Fall liebt. Ich habe bereits viel gelernt, also senden Sie mir bitte weiterhin die Lektionen. Die erste Lektion habe ich beendet und bin voller Freude."

J.R., Painted Post, NY, USA

 

Sehr informative Literatur

„Vielen Dank für die sehr informative Literatur, die ich von Ihnen erhalten habe. Ich kann gar nicht genug ausdrücken, wie sehr mir das Lesen und Studieren Ihres Bibelfernlehrgangs geholfen hat. Wenn ich mit jemandem über biblische Themen spreche, kann ich fast immer Ihre Literatur heranziehen, die mir zeigt, wie ich Dinge besser erklären kann, und am besten, wo ich die Bibel aufschlagen muss, um zu zeigen, was Jesus sagt."

I.R., Irvington, AL, USA

 

Zum Titelbild: Viele sehen das Gebet lediglich als religiöses Ritual, aber für wahre Christen ist es viel mehr als das. Das Gebet ist unsere innige Kommunikation mit Gott. Wenn wir beten, drücken wir unsere Bedürfnisse und Herzenswünsche aus und danken unserem Schöpfer, der uns seine Liebe und seinen Frieden gibt (Philipper 4, 6-7).

 

Die Kraft des Gebets verstehen

     Millionen von Menschen beten regelmäßig. Gläubige Muslime beugen sich fünfmal täglich zum Gebet Richtung Mekka. Hindus und Buddhisten haben ihre eigene Form des Gebets, gebrauchen manchmal sogar „Gebetsmühlen", die durch Wind oder einen Wasserstrahl gedreht werden und glauben, dass ihre Gebete mit jeder Umdrehung in den Himmel geschickt werden.
     So schockierend es klingen mag, haben die meisten Menschen, die sich als Christen bezeichnen, kein viel tieferes Verständnis der Bedeutung von Gebeten. Hunderte von Millionen Anhänger der größten „christlichen" Kirchengemeinschaft gebrauchen Perlenketten, um im Turnus wiederholte, auswendig hergesagte Sätze zu zählen. Millionen von Menschen glauben, dass das christliche Gebet hauptsächlich darin besteht, das „Vaterunser" oder andere, vorgegebene Formulierungen zu wiederholen.
     Kein Wunder also, dass die meisten Menschen keine wirklichen Antworten auf ihre Gebete erhalten. Sie wissen nicht einmal, wie man betet. Für viele ist Beten nur ein Ritual oder eine Art „Zauberformel". Doch die Bibel ist voll von Hinweisen über Gebete und liefert viele Beispiele von Menschen, denen ihre Gebete viel Kraft verliehen haben.
     Eine der tiefgründigsten Wahrheiten der Bibel ist, dass Gott eine Familie gründet. Sich selbst stellt Gott in den Seiten der Bibel als himmlischer Vater vor. Jesus Christus wird als unser ältester Bruder und Erstgeborener unter vielen Brüdern beschrieben. Uns wird gesagt, dass Gott viele Söhne zur Herrlichkeit führt! Wir werden sogar jetzt schon als seine Kinder bezeichnet und werden bei der Auferstehung wiedergeboren, dieses Mal nicht im Fleisch, sondern aus Geist bestehend. Dann werden wir sein, wie er, und ihn sehen, wie er ist (1. Johannes 3, 1-2).
     Gesunde Familie haben gesunde Beziehungen untereinander. Kernpunkte gesunder Beziehungen sind gegenseitige Liebe und gegenseitiges Vertrauen. Da Gott eine Familie gründet, ist er sehr darauf bedacht, mit seinen Kindern gesunde Beziehungen aufzubauen. Diese Beziehungen sollen schließlich nicht nur für ein paar Jahre halten, sondern für alle Ewigkeit fortdauern.
     Denken Sie einmal an Personen, mit denen Sie eine enge Beziehung verbindet. Mit diesen Menschen haben Sie Zeit verbracht und sind an einen Punkt gelangt, wo Sie diese Menschen wirklich kennen und ihnen vertrauen. Wesentlicher Bestandteil der Entwicklung einer echten Beziehung mit Gott ist es, ihn wirklich kennen zu lernen. Einer der wichtigsten Wege dazu ist es, im Gebet mit ihm Zeit zu verbringen. Wenn wir beten, reden wir mit Gott. Wir haben dabei die Gelegenheit, unser Leben mit unserem himmlischen Vater zu teilen – mit allen Freuden, Sorgen und Lasten.
     Jede Kultur und Religion hat ein bestimmtes Konzept im Bezug auf das Gebet. Die Heiden verbanden Gebete oft mit Magie. Ihre Gebete beinhalteten Beschwörungsformeln, die einem die Gunst der jeweiligen Götter gewinnen sollten. Manchmal wurden Gebetsbitten mit magischen Ritualen oder Opfergaben versehen. Im 1. Buch der Könige lesen wir über den Propheten Elia und die Priester des Baal. Die Priester des Baal verbrachten den ganzen Tag damit, ihren Gott anzurufen. Sie hüpften um den Altar und ritzten sogar ihre Haut mit Messern ein, um die Aufmerksamkeit ihres „Gottes" zu erhalten. Dem gegenüber stehen Elias kurzes und einfaches Gebet und die schnelle Antwort, die erfolgte. Zwei Details fallen beim Lesen des Berichts auf. Das eine ist, dass die heidnischen Priester nur ihre Zeit verschwendeten, weil der „Gott", zu dem sie beteten, nur in ihrer Einbildung existierte. Das andere Detail ist, dass Elias kurzes Gebet seine bereits bestehende, enge Beziehung zu Gott bewies. Elia musste keine Verrenkungen und Beschwörungen unternehmen, wie die heidnischen Priester. Er sprach einfach ernsthaft und eindringlich mit Gott im Himmel – dem Gott, mit dem er Tag für Tag lebte und redete.
     Elia kannte Gott und hatte eine Beziehung mit ihm. Er wusste, dass das Gebet kein Ritual ist, sondern die Gelegenheit, vor den Schöpfer des Universums zu treten. Als er eine Antwort brauchte, konnte er darauf vertrauen, weil er nicht vor einen Fremden trat. Eindeutig ist also die Zuversicht, mit der Elia sein kurzes Gebet in 1. Könige 18 sprach, Ausdruck dessen, dass er regelmäßig Zeit mit Gott verbrachte.
     Wie es so oft der Fall ist, werden wir bei den Lehren der Bibel über die Kraft von Gebeten ebenfalls feststellen, dass sich diese deutlich von populären Vorstellungen über die Bedeutung des Gebets unterscheiden. Die Bibel ist voll von Berichten über Männer und Frauen, die eine tiefe Beziehung mit Gott aufgebaut haben, indem sie im Gebet Zeit mit ihm verbracht haben. Sie reagierten auf Gottes Liebe und seine Gaben mit einer Einstellung der Dankbarkeit. Sie teilten ihre Erfolge und Misserfolge im Leben mit Gott und wussten, dass er immer da sein würde, um für sie zu sorgen und ihnen zu helfen. Sie schufen eine Beziehung, die dafür gedacht ist, ewig zu halten. Auch Sie können eine solche Beziehung zu Ihrem Vater und Freund haben. Sie können durch Gebet Vertrauen und Zuversicht gewinnen und Gnade finden, wenn Sie Hilfe brauchen. Sie können lernen, wie man die erstaunliche Kraft des Gebets nutzt.

 

Lektion 22, Teil 1

Die Anweisungen Christi verstehen

     Der vielleicht beste Ort, um damit anzufangen, etwas über Gebete zu lernen, sind die Lehren Jesu Christi selbst. Sicherlich hat niemand die Bedeutung von Gebeten tiefgründiger und umfassender verstanden! Viele, die von sich behaupten, Christi Nachfolger zu sein, haben seine Anweisungen ignoriert und somit auch nicht die Ergebnisse erleben können, die Christus verheißen hat. Wir müssen Christi Lehren über das Gebet besser verstehen.

  1. Sind die Jünger Jesu Christi jemals zu ihm gekommen, um Anweisungen darüber zu erbitten, wie man betet? Lehrte Johannes der Täufer auch etwas über dieses wichtige Thema? Lukas 11, 1.
  2. Zog sich Jesus Christus selbst an abgeschiedene Orte zurück, um Zeit alleine zu haben, damit er ausführlich zu seinem Vater im Himmel beten konnte? Matthäus 14, 22-23; Markus 1, 35.
  3. Verbrachte Jesus Christus vor wichtigen Entscheidungen viel Zeit im Gebet, um die Angelegenheit mit seinem himmlischen Vater zu besprechen? Lukas 6, 12-13.
  4. Lehrte Christus, dass das Gebet im Wesentlichen eine private Angelegenheit ist? Sollten seine Jünger vermeiden, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, indem sie aus öffentlichen Gebeten eine Show machten und sich vielmehr an einen abgeschiedenen, ruhigen Ort zurückziehen, um mit Gott zu reden? Matthäus 6, 5-6.
  5. Obwohl Gebete hauptsächlich geschehen sollten, ohne dass andere etwas davon mitbekommen, zeigte Christus dennoch, dass es auch Zeiten gibt, in denen es richtig ist, in der Öffentlichkeit zu beten und Gottes Segen für etwas zu erbitten? Matthäus 15, 36; Matthäus 26, 26.
  6. Sollten die Jünger Christi auswendig gelernte Gebete verwenden, die sie dann ständig wiederholen, oder sollten sie einfach mit Gott besprechen, was ihnen auf dem Herzen liegt?
  7. An wen sollten die Jünger Christi ihre Gebete hauptsächlich richten? Wie sollten sie denjenigen ansprechen, zu dem sie beteten? Matthäus 6, 9; Lukas 11, 2.
  8. Gab Christus eine feste Gebetsformel vor, die man auswendig lernen und ständig wiederholen soll, oder gab er lediglich eine Art Inhaltsverzeichnis für Gebete? Matthäus 6, 7-9. (Anmerkung: „Darum sollt ihr so [auf diese Weise] beten" deutet auf eine Zusammenfassung von Themen hin).
  9. Sollten wir unsere Gebete beginnen, indem wir Gottes Namen heiligen? Matthäus 6, 9. (Anmerkung: Heiligen bedeutet „Absondern zum heiligen Gebrauch" – das tun wir mit Gottes Namen, indem wir ihn preisen, ehren und seine Größe und Liebe anerkennen).
  10. Sollten wir für die Errichtung von Gottes Reich auf Erden beten? Matthäus 6, 10. Muss das Evangelium in aller Welt zum Zeugnis gepredigt werden, bevor dies geschehen wird? Matthäus 24, 14. (Anmerkung: Dieser Abschnitt des Gebets ist eine gute Gelegenheit, mit Gott über die Bedürfnisse des Werks zu sprechen, dass Gott weiterhin Türen für die Verbreitung des Evangeliums öffnet und die Kraft gibt, hindurchzugehen).
  11. Ist es auch rechtens, für unsere eigenen Bedürfnisse zu beten? Matthäus 6, 11. Sollen wir ihn auch um Vergebung unserer Sünden bitten und dafür beten, dass wir auch anderen vergeben können, die uns gekränkt haben? Können wir nachtragend gegenüber anderen Menschen sein und gleichzeitig selbst Vergebung erlangen? Matthäus 6, 12.
  12. Sollen wir um Hilfe bitten, Versuchungen zu überwinden, und dafür beten, dass Gott uns von dem Einfluss und der Macht des Bösen befreit? Matthäus 6, 13. Sollten wir unser Gebet so beenden, wie wir es begonnen haben – mit einer Anerkennung der Größe und Macht Gottes? Vers 13.
  13. Lehrte Christus seine Jünger, ihre Gebete in seinem Namen an den Vater zu richten? Johannes 16, 23-26. (Anmerkung: Etwas im Namen Christi zu erbitten, bedeutet, in dessen Autorität zu bitten. Wenn wir beten, kommen wir zum Vater durch unseren Hohepriester Jesus Christus und tragen unsere Bitten mit der Autorität und Vollmacht unseres Erlösers vor).

Beten in Jesu Namen

     Verwenden Sie den Namen Jesu, um Ihre Gebete abzuschließen? Die meisten Christen tun dies, doch viele verstehen nicht wirklich, warum. Während manche es als eine Art Nachdruck verstehen, damit Gott sie eher erhört, tun es manche nur aus Tradition. Was bedeutet es wirklich, etwas im Namen Jesu zu erbitten? Sie sollten die Antwort kennen, denn der richtige Gebrauch des Namens Christi ist der wichtigste Schlüssel, um Antworten auf Gebete zu erhalten. Beachten Sie das Versprechen Jesu: „Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun" (Johannes 14, 13-14; 16, 23-24).
     Manche verstehen diese Aussage so, als müsse man den Namen Jesu genau so aussprechen, wie er auf Hebräisch geklungen hätte. Sie behaupten, dass die meisten Christen keine echten Antworten auf ihre Gebete erleben, weil sie den Namen Jesu falsch aussprechen. Doch dies ist ein großes Missverständnis dessen, was es heißt, Christi Namen zu gebrauchen. „Im Namen Jesu Christi" vor den Vater zu treten erfordert nicht den Gebrauch eines magischen „Passwortes" oder einer besonderen phonetischen Aussprache. Vielmehr bedeutet es, dass wir mit dessen Autorität erscheinen. Beachten Sie zwei Aspekte, wie Christi Autorität im Gebet gebraucht wird.
     Als Christus seine Apostel erwählte und aussandte, gab er ihnen Autorität. Eine ähnliche Autorität wurde den 70 anderen verliehen, die Jesus später aussandte (Lukas 10, 1.17), und letztlich auch allen wahren Dienern Christi, die bevollmächtigt wurden, Christi Botschaft mit seiner Autorität zu lehren. Als die frühen Apostel ein Wunder vollbrachten, indem sie Jesu Namen verwendeten, schrieben sie es seiner Autorität und Macht zu, nicht ihrer eigenen (vgl. Apostelgeschichte 3, 12). Durch seine Autorität vollbrachten die Apostel Wunder (Apostelgeschichte 3, 6; 4, 9-10), trieben Dämonen aus (Apostelgeschichte 16, 18), tauften neue Jünger (Matthäus 28, 19-20; Apostelgeschichte 2, 38) und salbten die Kranken, damit sie geheilt wurden (Jakobus 5, 14-15). Doch die Bibel zeigt, dass es falsch ist, sich diese Autorität selbst anzumaßen oder den Namen Christi in einer nicht autorisierten Weise zu verwenden. Einige jüdische Exorzisten und die Söhne des Hohenpriesters Skeva erfuhren dies am eigenen Leib (Apostelgeschichte 19, 13-16).
     Ein zweiter Aspekt des Namens Christi ist die Autorität, die allen wahren Christen verliehen wurde, durch Jesus Christus „mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade" kommen zu dürfen (Hebräer 4, 14-16; 10, 19-22). Wir sind durch Jesus Christus berechtigt, direkt in die Gegenwart des Vaters kommen zu dürfen. Was für ein herrliches Privileg!
     Namen haben in der Bibel eine Bedeutung. Gott änderte Abrams Namen in Abraham – was „Vater vieler Völker" bedeutet (1. Mose 17, 5). Jakobs Name wurde in Israel – „Gottesstreiter" – geändert. Gott selbst offenbart sich in der Bibel durch eine Vielzahl von Namen und Titeln. Jeder trägt eine wichtige Bedeutung und ergänzt unser Verständnis von Gott. Jesus ist unsere deutsche Form für das Wort, das im griechischen Neuen Testament verwendet wurde, um das hebräische Wort zu umschreiben, das „der Ewige ist Retter" bedeutet. Christus ist unsere deutsche Form des griechischen Wortes, das „der Gesalbte" bedeutet. Dies wiederum ist die griechische Übersetzung des hebräischen „Messias", das ebenfalls „der Gesalbte" bedeutet.
     Paulus erklärte, dass Christus „das Ebenbild seines [des Vaters] Wesens" ist (Hebräer 1, 3) – er repräsentiert den vollkommenen göttlichen Charakter. Er ist auch der Logos, das göttliche Wort (Johannes 1, 1-3). Die Worte und die Botschaft, die Jesus brachte, stammten von dem Vater (Johannes 7, 16). Er kam, um den Vater und dessen Willen zu offenbaren (Lukas 10, 22). Er bestätigte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich" (Johannes 14, 6). Daher bedeutet also das Beten im Namen Jesu, gemäß den Worten Gottes zu bitten – gemäß seinem göttlichen Charakter und Willen. Beachten Sie Jesu Erklärung: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren" (Johannes 15, 7). Dass Christi Worte in uns bleiben, bedeutet, dass wir an das wahre Evangelium Christi glauben. Es geht also um unseren Glauben und heißt, dass wir uns Jesus Christus als unserem persönlichen Erlöser, Hohenpriester, Herrn und Meister völlig unterzuordnen bereit sind. Wenn wir Gottes Reich ererben wollen, müssen wir seine Gebote einhalten (Matthäus 19, 17). In Jesu Namen zu bitten, ist also keine magische Formel, sondern eine Erklärung, dass wir uns dem Willen Gottes unterwerfen und seiner Lebensweise – seinem göttlichen Charakter – gehorsam sind.
     Beachten Sie die Anweisungen des Apostels Johannes: „Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit... Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir Zuversicht zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm empfangen, denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist. Und das ist sein Gebot, dass wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander, wie er uns das Gebot gegeben hat" (1. Johannes 3, 18.21-23).
     Denken Sie über diesen wichtigen Schlüssel für erhörte Gebete nach, wenn Sie das nächste Mal beten. Bedenken Sie: „Was immer wir bitten" im Glauben und Gehorsam gegenüber Jesus Christus und im Einklang mit Gottes Wort und Willen – in Jesu Namen – wird Gott Ihnen gewähren!

 

Lektion 22, Teil 2

Beispiele für erhörte Gebete

     In der gesamten Bibel gibt es viele Beispiele für erhörte Gebete. Sowohl im Alten wie im Neuen Testament erhielten Männer und Frauen erstaunliche Antworten auf ihre an Gott gerichteten Bitten. Waren diese Menschen anders als die Christen von heute, oder können wir dieselben Antworten erhalten wie sie? Was können wir von ihrem Beispiel und von den Lehren des Neuen Testaments über das Beten lernen?

  1. Der Prophet Elia war ein bemerkenswerter Diener Gottes, durch den große Wunder vollbracht wurden. Betete er bei einer Gelegenheit, dass Gott eine Dürre senden möge, um das rebellische Volk zu züchtigen und wach zu rütteln, und betete er später, dass Gott es wieder regnen lassen möge? Jakobus 5, 17-18. War Elia ein Mensch wie wir?
  2. Erhielt Elia eine deutliche Antwort auf sein an Gott gerichtetes Gebet, Feuer vom Himmel regnen zu lassen, damit bezeugt würde, dass er der wahre Gott ist, und nicht Baal? 1. Könige 18, 21.36-39.
  3. Betete Elia bei einer anderen Gelegenheit, dass Gott den verstorbenen Sohn einer gläubigen Witwe, die ihm Unterkunft gewährte, wieder zum Leben erwecken sollte? 1. Könige 17, 17-22.
  4. Vollbrachte Gott ein ähnliches Wunder durch Elisa, den Nachfolger Elias, der ebenfalls ein Kind wieder zum Leben erweckte? 2. Könige 4, 32-37.
  5. Einmal hatten feindliche Truppen die Stadt belagert, in der Elisa lebte, weil sie ihn gefangen nehmen und zum König von Syrien bringen wollten. Als Elisas Diener die Armee sah, war er äußerst verängstigt. Betete Elisa, dass Gott für kurze Zeit die Augen des Dieners öffnen würde, damit er die Existenz der Geistwelt erkennen konnte, die Elisa als Gottes wahren Diener beschützte? 2. Könige 6, 15-17.
  6. Wandte sich König Hiskia aufrichtig an Gott, als er erfuhr, dass er sterben würde? Erhörte und heilte Gott ihn? Jesaja 38, 1-5.
  7. Hatte Hiskia sich auch an Gott gewandt, als die Eroberung und Zerstörung seines Landes drohte? Nahm er den Drohbrief, den er vom König von Assyrien erhalten hatte, um ihn vor Gott auszubreiten und Gott anzuflehen, sein Land zu erretten? Jesaja 37, 14-20. Erhörte Gott Hiskia auf eindrucksvolle Weise? Jesaja 37, 33-37.
  8. Erlebte die frühe neutestamentliche Kirche dramatische Antworten auf ihre Gebete, durch die sie gestärkt und ermutigt wurden, im Werk Gottes voranzugehen? Apostelgeschichte 4, 31.
  9. Wie erreichten die Apostel so eindrucksvolle Resultate in ihrem Wirken? Waren sie beständig im Gebet und bei der Verkündigung des Evangeliums aktiv? Apostelgeschichte 6, 4.
  10. Nachdem König Herodes einen der 12 Apostel – Jakobus, den Bruder des Johannes – hinrichten gelassen hatte, ließ er auch Petrus gefangen nehmen und ins Gefängnis werfen. Wollte er ihn später ebenfalls hinrichten lassen? Apostelgeschichte 12, 1-4. Wie reagierte die Gemeinde auf diese Bedrohung? Apostelgeschichte 12, 5.12. Griff Gott auf dramatische Weise ein und beantwortete ihre Gebete, indem er einen Engel sandte, um Petrus aus dem Gefängnis zu befreien? Apostelgeschichte 12, 7-11.
  11. Betete der Apostel Paulus unablässig, dass die Geschwister in der Erkenntnis des Willens Gottes wachsen würden und dass sie gestärkt würden, diesen Willen zu erfüllen? Kolosser 1, 9-11. Verbrachte er auch Zeit im Gebet damit, Gott zu danken und ihn zu preisen? Vers 12.
  12. Ermahnte Paulus die Geschwister, für andere zu beten? Um was sollte die Gemeinde für ihn beten? Epheser 6, 18-20.

Verschiedene Arten von Gebeten

     Wussten Sie, dass es verschiedene Arten von Gebeten gibt? Das Alte und das Neue Testament verwenden eine Vielzahl von Wörtern, um Gebete zu benennen. Jedes dieser Wörter vermittelt eine leicht abgeänderte Bedeutung, durch die wir einen weiteren Aspekt unseres Gebetslebens verstehen können. Diese Wörter können unter drei verschiedenen Kategorien oder Konzepten zusammengefasst werden, von denen jede wichtig ist und Teil unserer regelmäßigen Beziehung zu Gott sein sollte.
     Als der Apostel Paulus den Philipperbrief schrieb, hatte er bereits mehrere Jahre unter Hausarrest gestanden oder im Gefängnis verbracht. Zuerst wurde er in Jerusalem verhaftet, dann in die Hauptstadt der römischen Verwaltung nach Cäsarea überführt, anschließend mit bewaffneten Wachen nach Rom gebracht und schließlich in Rom unter Hausarrest gestellt. Während dieser schwierigen und unsicheren Zeit seines Lebens hatte er viel Gelegenheit zum Nachdenken. Es wäre sicherlich nachvollziehbar gewesen, wenn Paulus sich in solch einer Situation viele Sorgen gemacht und Ängste ausgestanden hätte. Schließlich wusste er nicht, was die Zukunft bringen würde. Würde er am Ende freigesprochen und freigelassen werden, würde er für lange Zeit schwere Arbeit in Verbannung leisten müssen oder würde er hingerichtet, wie es seine Ankläger verlangten? Paulus wusste es nicht! Bedenken Sie, dass er anders als wir heute das Buch der Apostelgeschichte nicht lesen konnte. Vielmehr musste er durch diese Prüfungen hindurchgehen wie wir heute – einen Tag nach dem anderen! Wie ging Paulus mit dieser Unsicherheit und dem Stress einer solchen Situation um?
     Die Antwort liegt in dem Rat, den er den Philippern gab: „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus" (Philipper 4, 6-7). Hier beschreibt Paulus drei Aspekte unserer Gemeinschaft mit Gott, die, wenn man sie praktiziert, unsere Sorgen und Ängste gegen einen inneren Frieden austauschen. Die drei Aspekte sind:
     Gebet: Dies bedeutet einfach, mit Gott zu reden. Es bezieht sich auf unseren regelmäßigen Umgang mit ihm und auf die Bitten, die wir an den richten, der alle unseren Bedarf decken kann. In den Psalmen gebrauchte David diesen Begriff häufig, um Bitten zu beschreiben, die er an seinen Schöpfer richtete.
     Christi Jünger hatten ihn gebeten, sie zu lehren, wie man betet, wie auch Johannes der Täufer seine Jünger gelehrt hatte. Gewöhnlich stand Jesus sehr früh am Morgen auf und ging an einen abgeschiedenen Ort, damit er Zeit hatte, mit seinen himmlischen Vater Gemeinschaft zu pflegen. Paulus ermahnte die Christen, sie sollten beständig im Gebet sein – regelmäßig und fortwährend beten. In unseren Gebeten sollten wir mit Gott reden und unsere Hoffnungen, Wünsche und Bedürfnisse ausdrücken.
     Flehen: Ein stärkerer Begriff als das einfache Gebet. Dieser bezieht sich auf spezifische Bitten und Anliegen, die uns besonders am Herzen liegen. Bei Salomos Gebet zur Einweihung des Tempels, das in 2. Chronik 6 aufgezeichnet ist, bat der König darum, dass Gott das Flehen seines Volkes in Zeiten der Not und Bedrängnis erhören möge. In Daniel 9 lesen wir, dass Daniel für die Nation flehte, die wegen ihrer Sünden in Gefangenschaft geraten war. Daniels Flehen war verbunden mit einem Bekenntnis der Sünden des Volkes und einem Ausdruck tiefer Reue. Im Neuen Testament wird Flehen oft im Zusammenhang mit Gebet erwähnt und zeigt, dass wir nicht einfach nur Gott unsere Hoffnungen und Bedürfnisse mitteilen sollen, sondern dass wir ihn intensiv bitten und anflehen sollen, dass er eingreift und hilft.
     Flehen steht in der Bibel oft im Zusammenhang mit Fürbittegebeten, bei denen wir Gott um sein Eingreifen für andere Menschen bitten. Der Apostel Paulus ermahnte die Christen in Ephesus, bei Gott allezeit Fürbitte mit Bitten und Flehen für andere vorzubringen (Epheser 6, 18). Der Apostel Jakobus empfahl, dass leidende Christen den Geschwistern ihre Schwächen offen legen sollten, damit diese bei Gott Fürbitte für diese Christen in Not einlegen und Gott um Hilfe und Heilung für sie bitten konnten (Jakobus 5, 18).
     Danksagung: Dies ist ein oft übersehener Aspekt des Gebetslebens. Darunter fallen Lobpreis und Anerkennung, die wir Gott gegenüber regelmäßig zum Ausdruck bringen sollten. Danksagung ist ein wichtiger Schlüssel für wirksame Gebete, denn durch sie werden unser Herz und unsere Gedanken aus den Sorgen der Welt heraus und in die Größe und Güte des erhabenen Gottes emporgehoben.
     In den Psalmen finden wir oft die Ermahnung, mit Lobpreis und Dankbarkeit vor Gott zu treten. Im Neuen Testament erfahren wir, dass Jesus regelmäßig Gott dankte, bevor er eine Mahlzeit einnahm. Bei seinem letzten Passahmahl dankte er für das Brot und den Wein, als er diese als Symbole seines Opfers absonderte. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir Gott regelmäßig als denjenigen anerkennen, der uns alles gibt, und dass wir ihm gegenüber unsere Dankbarkeit ausdrücken.
     Eine Einstellung der Dankbarkeit, die wir Gott gegenüber regelmäßig ausdrücken, macht uns für den inneren Frieden empfänglich, der nur von ihm kommen kann. Wenn wir uns lediglich auf unsere Wünsche und Bedürfnisse konzentrieren, ohne zu lernen, den anzuerkennen und zu preisen, der immer für uns da ist und uns Hilfe und Liebe schenkt, dann können wir nie wirklich die geistliche Frucht der Freude und des Friedens empfinden.

 

Lektion 22, Teil 3

Schlüssel für erhörte Gebete

     Wir lesen in der Bibel von vielen Ereignissen, bei denen Gebete auf eindrucksvolle Weise erhört wurden. Da wurden Menschen von tödlichen Krankheiten geheilt, Dämonen wurden ausgetrieben und Wunder geschahen. Warum wurden die Gebete dieser Menschen, die nicht anders waren als wir heute, auf so bemerkenswerte Weise erhört? Gibt es Gründe dafür, warum manche Gebete erhört werden, und andere nicht? Gibt es tatsächlich Schlüssel für erhörte Gebete?

  1. Sagt Gott uns, dass er zu gewissen Zeiten die Gebete von bestimmten Menschen nicht erhört und beantwortet? Jesaja 59, 1-3. Bedeutet dies, dass Gott irgendwie keine Macht besitzt, sie zu beantworten?
  2. Können wir etwas tun, um sicherzugehen, dass Gott unsere Bitten beachtet und unsere Gebete beantwortet? Jesaja 1, 15-19.
  3. Lehrt der Apostel Johannes, dass Gehorsam gegenüber Gott wichtig ist, wenn wir wollen, dass er uns hört und unsere Gebete beantwortet? 1. Johannes 3, 22.
  4. Wem hört Gott aufmerksam zu? Psalm 34, 16. Ist es wichtig, dass wir uns Gott in einer reuevollen und demütigen Einstellung nähern? Psalm 34, 19.
  5. Gab Jesus ein Beispiel von zwei Männern, die mit einer sehr unterschiedlichen Einstellung gebetet hatten? Erhörte Gott den einen, während er die Gebete des anderen ignorierte? Lukas 18, 9-14.
  6. Können ernsthafte und innbrünstige Gebete wirklich etwas bewirken? Jakobus 5, 16. Als Elia betet, tat er dies ernsthaft und von Herzen? Jakobus 5, 17.
  7. Wie wichtig ist Glaube dabei, dass wir Antworten auf unsere Gebete erhalten? Jakobus 1, 6-7. Ist es möglich, Gott zu gefallen, ohne Glauben zu haben? Hebräer 11, 6.
  8. Wer kann sich darauf verlassen, nicht alleine gelassen zu werden und von Gott errettet zu werden? Psalm 34, 23. Zeigte David eine solche Zuversicht, als er zu Gott rief? Psalm 55, 17.
  9. Sollten wir für eine Angelegenheit einmal beten und es dabei belassen, oder sollten wir bei unseren Gebeten ausdauernd sein? Lukas 18, 6-7.
  10. Welche drei Eigenschaften benannte David, als er diejenigen beschrieb, die sich auf Erhörung und Errettung von Gott verlassen können, wenn sie sich an ihn wenden? Psalm 145, 18-20. (Anmerkung: Gottesfurcht bedeutet, eine tiefe Ehrfurcht und Achtung vor Gott zu haben).
  11. Können wir zuversichtlich sein, dass unsere Bitten erhört werden, wenn wir im Einklang mit dem Willen Gottes bitten? 1. Johannes 5, 14-15. Müssen wir dafür unsere Selbstsucht ablegen und den Willen des Vaters suchen? War Christus darin ein Vorbild, als er in einer Zeit schwerer Prüfung und Bedrängnis im intensiven Gebet darum rang? Markus 14, 32-41; vgl. Lukas 22, 44. War er am Ende seines Gebets an einen Punkt gelangt, wo er inneren Frieden fand und die Situation annehmen konnte? Markus 14, 42.
  12. Sind manchmal falsche Motive der Grund, weshalb Gott seine Antwort auf ein Gebet zurückhält? Jakobus 4, 2-3.
  13. Sollen wir im Namen Christi zum Vater kommen, wenn wir beten? Johannes 14, 13-14. (Anmerkung: Im Namen Christi zu beten bedeutet, in seiner Autorität vor den Vater zu treten). Bekräftigte Christus diese Aussage ein paar Verse später, indem er es damit gleichsetzte, dass wir in Christus bleiben sollen? Johannes, 14, 23; 15, 7.
  14. Können wir mit Gewissheit und Zuversicht vor Gottes Thron treten, wenn wir etwas bedürfen? Hebräer 4, 16. Was ist die Grundlage dieser Zuversicht? Hebräer 2, 17-18; 4, 14-15.

Können Gebete wirklich Ihr Leben verändern?

     Was für einen Unterschied bewirken Ihre Gebete? Können Ihre Gebete wirklich den Verlauf der Ereignisse um Sie herum beeinflussen? Manche sind der Meinung, dass Ereignisse vorherbestimmt sind und dass unsere Gebete nicht wirklich beeinflussen, was geschieht – dass also Gebete helfen, dass man sich „besser fühlt", sie aber nicht wirklich irgendwelche Resultate erzielen.
     Wie viel können Ihre Gebete wirklich bewirken? Das Gebet ist dafür bestimmt, Dinge zu verändern. Als erstes und wichtigstes sollten Gebete uns selbst verändern! Darüber hinaus beeinflussen Gebete unter den richtigen Voraussetzungen aber auch den Ausgang von Ereignissen um uns herum.
     Ist es für Gott wirklich möglich, seine Meinung zu ändern? Abraham war davon überzeugt, ebenso Mose, König David und König Hiskia! Die neutestamentliche Gemeinde ging auch davon aus, dass ihre Gebete eine Veränderung bewirken könnten.
     1. Mose 18 enthält einen Dialog, den Abraham mit seinem Freund, dem Schöpfer des Universums führte. Als Abraham erfuhr, dass Gott vorhatte, Sodom und Gomorra zu zerstören, machte er sich ernsthafte Sorgen um seinen Neffen Lot und dessen Familie. Abraham glaubte ganz klar, dass seine Bitte eine Veränderung bewirken könnte, und so fragte er, ob Gott Sodom verschonen würde, wenn man dort 50 gerechte Menschen finden könnte. Er setzte sein Gespräch mit Gott fort und erhielt letztlich die Gewissheit, dass Gott die Stadt sogar verschonen werde, wenn sich nur zehn Gerechte darin befänden.
     Als Israel die Sünde mit dem Goldenen Kalb beging, flehte Mose Gott um Gnade für die Israeliten an. Gott war nahe daran, die Nation auszutilgen und von neuem mit Mose und dessen Familie zu beginnen, aber Mose wusste, dass er durch Gebete vielleicht Gottes Meinung ändern konnte. „[Ich] fiel nieder vor dem Herrn wie das erste Mal, vierzig Tage und vierzig Nächte, und aß kein Brot und trank kein Wasser um all eurer Sünden willen, die ihr getan hattet, als ihr solches Unrecht tatet vor den Herrn, um ihn zu erzürnen. Denn ich fürchtete mich vor dem Zorn und Grimm, mit dem der Herr über euch erzürnt war, so dass er euch vertilgen wollte. Aber der Herr erhörte mich auch diesmal. Auch war der Herr sehr zornig über Aaron, so dass er ihn vertilgen wollte; aber ich bat auch für Aaron zur selben Zeit" (5. Mose 9, 18-20). Mose glaubte eindeutig an die Wirksamkeit von Gebeten!
     Beachten Sie folgende zwei Ereignisse, bei denen ein Prophet Gottes einem König die Mitteilung überbrachte, dass er sterben würde. Der Prophet Jesaja sagte zu König Hiskia, dass er sterben werde, worauf der König von Herzen Gottes Heilung erbat. Gott antwortete mit „ja" auf Hiskias Bitte und fügte seinem Leben 15 weitere Jahre hinzu (Jesaja 20, 1-5). In 2. Samuel 12, 14 warnte der Prophet Nathan König David, dass sein Kind, das er während seines Ehebruchs mit Bathseba zeugte, sterben würde. David fastete und betete daraufhin die ganze folgende Woche, aber am Ende der Woche starb das Kind tatsächlich. Wie reagierte David darauf? „Er sprach: ‚Als das Kind noch lebte, fastete ich und weinte; denn ich dachte: Wer weiß, ob mir der Herr nicht gnädig wird und das Kind am Leben bleibt. Nun es aber tot ist, was soll ich fasten? Kann ich es wieder zurückholen? Ich werde wohl zu ihm fahren; es kommt aber nicht wieder zu mir zurück’" (Verse 22-23). David glaubte, dass Gebete den Ausgang der Ereignisse verändern könnten und war bereit, Gottes Antwort anzunehmen – selbst wenn die Antwort „nein" hieß.
     Apostelgeschichte 12 berichtet, wie König Herodes Petrus gefangen nehmen ließ und vorhatte, ihn nach der Passahzeit hinzurichten. Die Gemeinde von Jerusalem glaubte fest, dass Gebete dabei etwas verändern konnten. „So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott" (Vers 5). Als Antwort auf diese Gebete sandte Gott einen Engel und befreite Petrus auf wundersame Weise.
     Beachten wir schließlich Christi eigenes Beispiel im Garten Gethsemane. Er flehte den Vater innbrünstig an und sprach: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst" (Matthäus 26, 39). Es ist völlig in Ordnung und berechtigt, Gott anzuflehen, doch wir müssen auch die Einstellung besitzen, uns unterzuordnen und seinen Willen zu akzeptieren. Zwar ist Gott für die von Herzen kommenden Bitten seiner Kinder offen und hört sie, doch es gibt Zeiten, in denen er „nein" sagen muss, weil er einen höheren Zweck verfolgt.
     Können Gebete wirklich etwas verändern? Das können sie! „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist" (Jakobus 5, 16).

 

Lektion 22, Teil 4

Eine Beziehung zu Gott aufbauen lernen

     In der Bibel erfahren wir, dass Gott eine Familie gründen will. Unsere Bestimmung ist es, bei der Auferstehung in Gottes Familie hineingeboren zu werden und Miterben mit Christus zu sein. In dieser Zeit bauen wir eine Beziehung mit Gott auf, die für die Ewigkeit halten soll. Die Männer und Frauen der Bibel sind uns ein Vorbild darin, wie sie ihre Beziehung zu Gott gestalteten und wir können sehen, welch wichtige Rolle unsere Gebete dabei spielen, eine gesunde, vertrauensvolle und von Liebe geprägte Beziehung zu dem Vater und zu Christus aufzubauen.

  1. Zeigt die Bibel uns, dass der Patriarch Henoch in den Zeiten vor der Sintflut mit Gott wandelte? 1. Mose 5, 21.
  2. Fand Noah Gnade vor Gott? 1. Mose 6, 8. Wandelte er ebenfalls zeitlebens mit Gott? 1. Mose 6, 9.
  3. Hatte Abraham eine tiefe persönliche Beziehung mit Gott, so dass er ein Freund Gottes genannt wurde? Jesaja 41, 8; Jakobus 2, 23.
  4. Mose hatte ebenfalls eine sehr enge und persönliche Beziehung zu Gott. Ging Gott mit Mose wie mit einem Freund um? 2. Mose 33, 11.
  5. Was sagt uns die Bibel über König David und seine Beziehung zu Gott? Wird er als ein Mann nach Gottes Herzen beschrieben? 1. Samuel 13, 14; Apostelgeschichte 13, 22.
  6. Das Buch der Psalmen offenbart vieles über Davids Gebetsleben. Es bietet uns Einblicke in sein Herz und zeigt seine Einstellung und Charaktereigenschaften, die Gott so gefielen. Trat David zuversichtlich vor Gott, um ihn um Hilfe und Leitung zu bitten? Psalm 25, 1-2.4-5.
  7. Kam David regelmäßig im Gebet vor Gott oder verbrachte er nur wenig Zeit mit ihm, wenn es zufällig gerade passte? Psalm 55, 17-18.
  8. Hatte Daniel eine enge, persönliche Beziehung zu Gott? Nannte der Engel Gottes, der gesandt war, um ihn zu stärken und ihm besonderes Wissen zu offenbaren, ihn einen von Gott Geliebten? Daniel 10, 18-19. Betete Daniel regelmäßig dreimal am Tag, wie es auch David tat? Wie war seine normale Gebetshaltung? Daniel 6, 11.
  9. Ermahnte der Apostel Paulus die Mitglieder der frühen Kirche, eine beständige Gewohnheit und Einstellung des Betens zu haben? 1. Thessalonicher 5, 17-18; Kolosser 4, 2; Epheser 6, 18. Sollten Lobpreis und Danksagung einen wichtigen Teil der Gebete ausmachen?
  10. Wie beschrieb David seine persönliche Beziehung zu Gott? Psalm 23, 1-6. War er zuversichtlich, dass er sich darauf verlassen konnte, dass Gott ihn in dunklen Momenten seines Lebens trösten und unterstützen würde? Vers 4.
  11. Wusste David aus persönlicher Erfahrung, was es bedeutete, sich zu fürchten und zu fühlen, dass einem alles zu viel wird, so dass man am liebsten davonrennen würde? Psalm 55, 5-7. Welche bedeutende Lektion hatte er aber gelernt? Psalm 55, 23.
  12. Sagte Jesus Christus in der letzten Nacht vor seiner Kreuzigung, dass der Schlüssel zum ewigen Leben sei, den Vater und den Sohn wirklich zu kennen? Johannes 17, 3. Kannte die Welt wirklich Gott? Konnten die Jünger Christi Gott kennen? War es Teil dessen, Gott zu kennen, dass man seine Liebe erfahren hatte und seine Identität verstand, die durch seinen Namen offenbart war? Johannes 17, 5-16.
  13. Empfand der Apostel Paulus eine tiefe Wertschätzung dafür, dass er persönliche Kenntnis und eine Beziehung mit dem Vater und mit Christus haben konnte? Philipper 3, 7-10. (Anmerkung: Um jemanden wirklich kennen zu lernen, muss man Zeit zusammen verbringen und gemeinsame Erfahrungen machen).

 

Lektionen vom Räucheraltar

     Im Hebräerbrief erklärte der Apostel Paulus, dass die verschiedenen Aspekte des priesterlichen Gottesdienstes im Tempel (Hebräer 8, 1-5) darauf hinwiesen, dass die Priesterschaft Jesu Christi Vorrang vor der levitischen Priesterschaft hat, die noch tätig war, als Paulus seinen Brief schrieb.
     Paulus schrieb an Menschen, die mit den Tempelzeremonien eingehend vertraut waren und betonte, dass Gott Mose ein Muster beim Bau der Stiftshütte vorgab, das dieser nachbilden sollte. Dieses Muster war bedeutsam, weil alle seine Elemente auf geistliche Wahrheiten in Gottes Plan hinwiesen.
     In 2. Mose 25 hatte Gott zu Mose gesagt, er solle eine rechteckige Kiste für die zwei Steintafeln mit den vom Finger Gottes geschriebenen Zehn Geboten bauen – die Bundeslade. Mose sollte auch einen besonderen Deckel konstruieren – den Gnadenthron – der auf die Bundeslade passte und symbolisch für Gottes eigenen Thron stand. Gott sagte zu Mose, dass er mit ihm von diesem Gnadenthron aus reden werde (Vers 22).
     Aus 2. Mose 30 erfahren wir, dass direkt vor die Bundeslade mit dem Gnadenthron ein spezieller goldener Altar gestellt werden sollte, etwa 46 cm lang, ebenso breit und etwa 92 cm hoch. Dieser Altar war von der Bundeslade durch einen schweren Vorhang getrennt, der zunächst in der Stiftshütte und später im Tempel hing. Zweimal täglich wurden auf diesem Altar Räucheropfer dargebracht, jeweils direkt nach dem Morgen- und Abendopfer.
     In späteren Jahren, als sich die Zahl der Priester vervielfachte, teilte König David die Priester in 24 „Ordnungen", von denen jede der Reihe nach für jeweils zwei Wochen pro Jahr im Tempel dienten. Während der Festzeiten waren alle Ordnungen tätig. Die Priester warfen das Los, um ihre Aufgaben während der Tage ihres Dienstes zu verteilen (vgl. Lukas 1, 9). Einem Priester konnte keine größere Ehre zufallen, als ausgewählt zu werden, das Räucherwerk vor dem Herrn zu verbrennen. Den meisten von ihnen kam diese Ehre nur einmal im Leben zu, und es ist leicht nachvollziehbar, wie erfreut der gealterte Zacharias gewesen sein muss, als das Los auf ihn fiel, Gott das Räucheropfer darzubringen. Bei diesem Ereignis erschien ihm dann ein Engel, der ankündigte, dass er und seine Frau endlich ein Kind haben sollten: Johannes den Täufer.
     Was war die geistliche Bedeutung des Räucherwerks, das im Tempel verbrannt wurde? David verglich seine Gebete mit Räucherwerk, die zu Gott aufstiegen (Palm 141, 2). Johannes sah in seiner Vision des Himmels in Offenbarung 5, 8 goldene Schalen voller Räucherwerk, die vor Gott den Vater gestellt wurden. Er erklärte, dass dieses Räucherwerk die Gebete der Heiligen darstellte. In einer anderen Vision sah Johannes einen Engel mit einem goldenen Räuchergefäß kommen (wie es von den levitischen Priestern im Tempel verwendet wurde), um Räucheropfer „mit den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Thron [darzubringen]. Und der Rauch des Räucherwerks stieg mit den Gebeten der Heiligen von der Hand des Engels hinauf zu Gott" (Offenbarung 8, 3-4).
     Die Zeremonie am goldenen Altar, die zuerst in der Stiftshütte und später im Tempel vollzogen wurde, stellte die Gebete der Heiligen dar, die vor Gott gebracht wurden. Dieser Altar stand direkt vor einem Vorhang, der ihn vom Gnadenthron direkt hinter dem Vorhang trennte. In früherer Zeit hatte Gott Mose offenbart, dass die Zutaten für das Räucherwerk vermischt werden sollten. „Und du sollst es zu Pulver stoßen und sollst etwas davon vor die Lade mit dem Gesetz in der Stiftshütte bringen, wo ich dir begegnen werde. Es soll euch ein Hochheiliges sein" (2. Mose 30, 36).
     Überlegen wir uns die Bedeutung dieser Zeremonie. Sie gab den Menschen eine Gelegenheit, mit dem Schöpfer Gemeinschaft zu haben, wenn auch damals noch durch einen Vorhang getrennt. Als Jesus Christus starb, verursachte jedoch ein Erdbeben, dass der Vorhang im Tempel zerriss (Matthäus 27, 50-51). Der Apostel Paulus erklärte, dass dieses wundersame Ereignis bedeutete, dass Christen nun freimütig dorthin gehen können, wo selbst die Priester im Altertum nicht hingehen konnten! Als Folge des Opfers Christi können wir tatsächlich durch den Vorhang hindurch treten. „Durch das Blut Jesu [haben wir die Freiheit] zum Eingang in das Heiligtum, den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang" (Hebräer 10, 19-20).
     Während unserer Zeit im Gebet haben wir Gemeinschaft mit unserem Schöpfer! Dies ist ein unschätzbares Privileg, das wir nie leichtfertig hinnehmen sollten. Der Apostel Paulus erklärte seinen Lesern im Hebräerbrief: „Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben" (Hebräer 4, 16).