Das Tier der Offenbarung
Mythos, Metapher oder schon bald
Realität?
von John H. Ogwyn
Wie werden die religiösen und
politischen Entwicklungen in der Welt
Sie und Ihre Familie beeinflussen?
Wird bald ein Diktator die ganze Welt beherrschen?
Wer oder was genau ist das Tier,
und werden Sie sein berüchtigtes
Zeichen empfangen?
Lesen Sie hier die faszinierenden Antworten!
| |
Inhaltsverzeichnis |
Seite |
| Einführung |
|
3 |
| Kapitel 1 |
Das Buch Daniel - Schlüssel zu einem alten Geheimnis |
5 |
| Kapitel 2 |
Das Tier der Offenbarung offenbart |
11 |
| Kapitel 3 |
Rom - alter und künftiger Herrscher über die Welt? |
15 |
| Kapitel 4 |
Das geheimnisvolle Zeichen des Tieres |
24 |
| Kapitel 5 |
Eine Geschichte zweier Städte in Vergangenheit und Zukunft |
34 |
TO 1.0, Januar 2001
© 2001 Living Church of God
Alle Rechte vorbehalten.
Englische Originalausgabe:
The Beast of Revelation, Myth, Metaphor or Soon-Coming
Reality?
Diese Broschüre darf nicht verkauft werden!
Sie wird von der Living Church of God kostenlos
der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Biblische Verweise und Zitate sind, sofern nicht anders
angegeben,
der revidierten Lutherbibel 1984 entnommen.
© 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Titelbild: Bruce Long Image
Einführung
Die Nachrichten in der heutigen Zeit reflektieren einen
Zustand, der für einen Beobachter am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 undenkbar
gewesen wäre. Zu jener Zeit waren die Achsenmächte in Rom und Berlin am Boden
zerstört und die amerikanischen und britischen Streitkräfte die überragenden
Sieger.
Heute ist das einstmals weltumspannende British Empire nur noch Geschichte, und
Amerika ist moralisch und kulturell bankrott. Europa ist eifrig dabei, sich
unter der Obhut einer von Deutschland dominierten, machtvollen Europäischen
Union zu vereinigen.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben Amerika und Großbritannien viele
Milliarden Dollar in Geheimdienstaktivitäten investiert. Dennoch wurden ihre
Regierungen von den erstaunlichsten Ereignissen der Nachkriegszeit, die den Fall
des „Eisernen Vorhangs" und den Aufstieg Deutschlands als wiedervereinigtes,
mächtiges Land zur Folge hatten, völlig überrascht.
Die sich überschlagenden Ereignisse des Jahres 1989 in Ost- und Mitteleuropa
überraschten jedoch nicht alle. Sehen Sie, was ein Redakteur am 7.
Dezember 1989 in der Free Press [Freie Presse] in Hendersonville,
Tennessee, geschrieben hatte:
Wie so viele Amerikaner habe ich die gegenwärtige politische
Situation in Ostdeutschland mit Interesse verfolgt. Während aber viele ihre
Überraschung über die neuen Ereignisse und die Rufe aus Ostdeutschland nach
Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland zum Ausdruck brachten, muss ich
zugeben, dass ich von diesen Ereignissen nicht allzu überrascht war. Der Grund,
warum ich nicht besonders überrascht war ist, dass ich seit Jahren gelegentlich
die Publikationen des ... verstorbenen Herbert W. Armstrong ... gelesen habe.
Armstrong sagte voraus, dass die Berliner Mauer eines Tages fallen würde, und
die beiden deutschen Staaten sich wieder zu einer mächtigen Nation vereinigen
würden.
Schon in der Ausgabe der Zeitschrift The Plain Truth
[Die reine Wahrheit] vom April 1952 hatte Herbert W. Armstrong geschrieben, dass
Ostdeutschland wieder mit Westdeutschland vereinigt werden würde, und dass
Russland „gezwungen sein würde, seine Kontrolle über Ungarn, die
Tschechoslowakei und Teile Österreichs aufzugeben" (Seite 16). 1956, nach dem
sowjetischen Einmarsch in Ungarn, als es schien, als ob der „Eiserne Vorhang"
unwiderruflich die Nationen Osteuropas umschlossen hatte, erklärte Herr
Armstrong: „Der Weg wird bereitet für eine starke, dritte Macht in der
Weltpolitik - eine Europäische Föderation von Nationen, die mächtiger sein wird
als Russland oder die Vereinigten Staaten! ... Wir haben Jahre vor dieser Zeit
gezeigt, was mit Russlands glücklosem Reich in Osteuropa geschehen wird" (The
Plain Truth, Dezember 1956, Seite 3).
Wie hatte er das wissen können? Sie können es in den Seiten dieser Broschüre
nachlesen!
Seit dem Turmbau zu Babel waren die Angelegenheiten der Menschheit nie so
verflochten wie heute. Wir reden heute oft davon, dass die Welt zu einem
„globalen Dorf" geworden ist. Düsenflugzeuge, Telekommunikationswege ohne
Zeitverzögerung, und die vernetzte Weltwirtschaft haben das Gesicht unserer Welt
verändert.
Sowohl auf dem Finanzmarkt wie auch auf dem Produktionssektor dominieren
multinationale Konzerne und Verbände praktisch alle Bereiche. Die Menschen sind
überall durch das Internet und Fernsehübertragungen per Satellit miteinander
verbunden. Dennoch sehen wir paradoxerweise, wie sich die Nationen zunehmend
entlang ihrer alten ethnischen und religiösen Grenzen spalten.
Wohin führt das alles? Während sich die Weltwirtschaft zunehmend vernetzt,
flammen althergebrachte, ethnische Rivalitäten und Feindschaften wieder auf.
Führungskräfte in Regierungen und im Finanzwesen nennen diesen zunehmenden
Druck, um darzulegen, warum man eine lebensfähige Alternative zu dem
gegenwärtigen, instabilen System unabhängiger Nationalstaaten brauche.
Es ist offensichtlich, dass das ganze globale Wirtschaftsgefüge zerbrechen
könnte, wenn es nicht gelingt, die Ziele und Gefühle der Menschen in andere
Kanäle zu lenken. Die Menschheit sucht nach einer Identität, die die
gegenwärtigen Rivalitäten und Spaltungen übersteigt. Vertreter dieses
Internationalismus wünschen sich sehnlichst, das System unabhängiger
Nationalstaaten zu ersetzen. Bisher haben sie es jedoch noch nicht geschafft,
eine Lösung zu finden, die auch die Loyalität und Emotionen des
Durchschnittsbürgers auf sich ziehen könnte. Menschen entwickeln keine intensive
Gefühlsbindung zu gesichtslosen Bürokraten oder zu Zielen wie der
Gewinnmaximierung von Konzernen.
Wohin wird die aufkeimende Krise von Spaltungen in einem Zeitalter des
Globalismus uns also führen? Es gibt nur eine Quelle, bei der Sie die Antwort
finden können! Der Gott der Schöpfung ist es, der das Ende von Anfang an
verkündigt hat (Jesaja 46, 10), und er beschreibt es für uns in seinem Buch, der
Bibel.
Den umfangreichsten Umriss zukünftiger Ereignisse finden wir im letzten und
geheimnisvollsten Buch der Bibel, dem Buch der Offenbarung. Darin lesen wir von
einem geheimnisvollen Tier, das mit Häuptern und Hörnern beschrieben wird, und
ein furchtbares Zeichen bringt. Von dieser Kreatur wird gesagt, dass sie die
gesamte Welt beherrscht und wundersame Macht und Kontrolle ausübt.
Aber was bedeutet das alles? Kann man es überhaupt wirklich verstehen? Obwohl
viele Beschreibungen in Prophezeiungen Symbolcharakter besitzen, interpretiert
die Bibel auch ihre eigene Symbolik! Lesen Sie weiter, um die klare Botschaft
der Prophezeiungen in Ihrer Bibel im Bezug auf das Tier der Offenbarung zu
verstehen. Diese prophetischen Worte werden mehr Einfluss auf Ihre Welt und Ihre
persönliche Zukunft haben, als Sie sich vorstellen können.
Kapitel 1
Das Buch Daniel - Schlüssel zu einem alten Geheimnis
Alle drehten sich um, als ein alter Mann den hell
erleuchteten und reich dekorierten Festsaal betrat. Das Gelächter von
Betrunkenen und ihre neckischen Spiele - die nur eine Stunde zuvor den Raum
angefüllt hatten - verstummte abrupt, als plötzlich ein furchteinflößendes
Ereignis das Gelage beendete. Die Anwesenden rangen im Schock nach Luft und es
folgte eine unheimliche Stille. Auf dem Höhepunkt der Festlichkeiten erschien
aus dem Nichts eine Hand und schrieb in großen Buchstaben eine Botschaft an die
Wand.
Der Anlass war ein großes Bankett des babylonischen Königs Belsazer, der die
Unbesiegbarkeit Babylons feierte. Obwohl Babylon von den Truppen Cyrus' des
Großen von Persien attackiert wurde, glaubten die belagerten Einwohner, dass
ihre Stadtmauern unüberwindbar waren.
So feierten also die Ranghöchsten in Babylon am ersten Abend des siebten Monats
539 v.Chr. und sprachen sich gegenseitig einen Toast aus. Belsazer bestand sogar
darauf, dass die geheiligten Gefäße, die sein Großvater ein paar Jahrzehnte
zuvor im Tempel in Jerusalem erbeutet hatte, gebracht werden sollten. Er wollte
sie als Trinkbecher benutzen. Dann erschien die Handschrift an der Wand und die
Party fand ein jähes Ende. Die Botschaft an der Wand lautete: „MENE, MENE,
TEKEL, U-PARSIN." Die Worte waren allgemein bekannte Begriffe für chaldäische
Maßeinheiten, aber ihre Bedeutung war den Augenzeugen gänzlich unverständlich.
Der Name des alten Mannes, den der König rufen ließ, war Daniel. Er war als
junger, jüdischer Gefangener nach Babylon gebracht worden und unter Belsazers
Großvater zu einem hohen Staatsamt emporgestiegen. Daniel erklärte Belsazer,
dass der Gott des Himmels dessen Königreich gezählt und für beendet erklärt
hatte. Der König wurde „auf der Waage gewogen" und für zu leicht befunden. In
derselben Nacht sollte sein Königreich in die Hände der belagernden Meder und
Perser gegeben werden.
Innerhalb weniger Stunden überrannte Cyrus' Armee die gesamte Stadt, in die sie
von unterhalb der riesigen Stadtmauern eingedrungen war. Der Fluss, der unter
den Stadtmauern verlief, war ein paar Stunden zuvor durch einen Kanal umgeleitet
worden. Und so gelangten die persischen Truppen durch das fast ausgetrocknete
Flussbett bei Dunkelheit, kurz vor Tagesanbruch, in die Stadt und öffneten die
massiven Stadttore von innen her. Noch vor Sonnenaufgang war Babylon erobert und
König Belsazer durch das Schwert hingerichtet.
Durch die Ereignisse an jenem Abend fühlte sich Daniel sicherlich an die
Ereignisse etwa 65 Jahre zuvor erinnert. Obwohl er damals noch ein Jugendlicher
war, war er von dem Herrscher des zu jener Zeit mächtigsten Reiches der Welt zu
sich gerufen worden. Sein eigenes Leben und das seiner engsten Freunde stand an
jenem Tag auf dem Spiel. Daniel wurde zu König Nebukadnezar, Belsazers Großvater
gebracht, weil er diesem einen erstaunlichen Traum interpretieren sollte, den
der König ein paar Tage zuvor gehabt hatte. Daniel erklärte dem skeptischen und
aufgebrachten Herrscher unerschrocken, dass es einen Gott im Himmel gäbe, der
Geheimnisse offenbart. Dann gab er eine von Gott inspirierte Interpretation von
dem Traum des Königs.
Der Vorhang hebt sich
604 v.Chr. überrannte die chaldäische Armee unter König
Nebukadnezar die Stadt Jerusalem und machte Judäa zu einem tributpflichtigen
Vasallenstaat. Viele Kinder führender jüdischer Familien wurden in
Gefangenschaft nach Babylon geführt. In den folgenden Jahrzehnten erreichte
Daniel, einer dieser Gefangenen, eine hohe Vertrauensstellung in der
babylonischen Regierung. Der Gott Israels, dem er weiterhin treu diente, gab ihm
viele Visionen und Interpretationen von Visionen, die er in dem biblischen Buch
Daniel niederschrieb.
Werfen wir einen Blick auf den prophetischen Abriss der Ereignisse, den Gott ihm
zur Niederschrift eingab. Es wird klar werden, dass die Bibel sich wirklich
selbst interpretiert. Das Buch Daniel ist der Schlüssel zum Verständnis des
Buches der Offenbarung und anderer Endzeitprophezeiungen.
Daniel 2, 1 beschreibt Nebukadnezars beunruhigenden Traum, der seinen Hofmagiern
und Astrologen verborgen blieb. Sie schafften es nicht, ihm seinen rätselhaften
Traum wieder zu erzählen. Dann kam Daniel vor den König und erklärte ihm, dass
es einen Gott im Himmel gebe, der Geheimnisse lüftet, und der ihm nicht nur den
Traum mitteilen würde, sondern auch seine Bedeutung (Vers 28). Daniel erklärte
dem König dann, dass der Traum von einem großen Standbild über den Ebenen von
Sinear handelte. Diese riesige Menschengestalt hatte ein Haupt aus Gold, Arme
und Brust aus Silber, Bauch und Lenden aus Kupfer, Schenkel aus Eisen und Füße
aus einem Gemisch von Eisen und Ton (Verse 31-33). Zuletzt sah Nebukadnezar in
seinem Traum einen großen Stein von übernatürlichem Ursprung („ohne Zutun von
Menschenhänden") vom Himmel fallen, der die Gestalt an den zehn Zehen traf,
wodurch das Bildnis zermalmt und weggeweht wurde. Der Stein wurde dann zu einem
riesigen Berg und füllte die ganze Welt (Verse 34-35).
Was hatte all dies zu bedeuten? Erinnern wir uns, dass die Bibel sich selbst
interpretiert! Daniel wurde es eingegeben, Nebukadnezar in Vers 38 zu sagen: „Du
bist das goldene Haupt." Daniel sagte dem König in Daniel 2, 39-40 auch, dass
nach seinem Reich drei weitere Königreiche aufkommen würden.
Daniel überlieferte uns auch, dass vier große Reiche in Folge die Geschichte
beherrschen würden, nach denen der Gott des Himmels sein ewiges Reich errichten
wird, zur Zeit der letzten zehn Könige - die durch die zehn Zehen an den Füßen
der „Schenkel von Eisen" des vierten Reiches versinnbildlicht werden (Verse
41-44).
In Daniel 2,28 wird betont, dass der lebendige Gott, dem wir dienen,
„Geheimnisse offenbart." Der Traum des Königs reichte zeitlich von den Tagen des
altertümlichen Babylon und König Nebukadnezar bis zu den „letzten Tagen" dieser
Welt, endend mit dem Höhepunkt , der Rückkehr Jesu Christi und der Errichtung
des Reiches Gottes auf Erden (Vers 44). Sind die Ereignisse so eingetreten, wie
Daniel sie vorhergesagt hatte? Sie sind, wie wir sehen werden.
In Daniel 5 lesen wir von den Ereignissen, die sich zugetragen haben, als
Babylon in die Hände der Armee von Cyrus dem Großen fiel. Das Reich der Meder
und Perser war das „zweite Königreich" und stieg nach Babylon zur Weltmacht auf.
Aus der Geschichte wissen wir, dass das von Cyrus aufgebaute Medo-Persische
Reich für etwas mehr als 200 Jahre fortbestand.
Dann, ab 333 v.Chr. marschierte die griechische Armee unter Alexander dem Großen
aus Europa über den Hellespont in Kleinasien ein. In der Schlacht bei Arbela
zwei Jahre später, 331 v.Chr., brach das persische Reich zusammen und das dritte
große Weltreich nahm seinen Platz ein. Es war das Griechisch-Mazedonische
Reich Alexanders des Großen. Die vier Hellenistischen Reiche seiner Nachfolger
beherrschten den Nahen Osten für etwa 300 Jahre, bis schließlich eins nach dem
anderen von dem vierten Weltreich - dem Reich aus Eisen, verschlungen wurde.
Von diesem vierten Reich, das die Geschichte eindeutig als das Römische Reich
identifiziert, wurde prophezeit, dass es als zwei „Schenkel" bis zur Endzeit
fortbestehen würde. Zu dieser Zeit wären dann die zehn Zehen (oder
Staatsoberhäupter, Daniel 2, 44) die letzte Verkörperung des Systems, das seinen
Ursprung im alten Babylon hat. Wenn wir die Bibel sich selbst auslegen lassen,
wird die Sequenz von vier menschlichen Weltreichen deutlich.
Das Tier aus Daniel 7
In Daniel 7, 1-3 lesen wir, dass Daniel Jahrzehnte nach
Nebukadnezars Vision selbst einen recht ungewöhnlichen Traum hatte, in dem er
wie gelähmt in eine Szene voller dunkler, wirbelnder Wolken und einem tosenden
Meer starrte. Aus diesem stürmischen Meer sah er vier große Kreaturen oder
„Tiere" kommen und eins nach dem anderen an Land gehen. Das erste war wie ein
Löwe, das zweite ein Bär und das dritte ein vierköpfiger Panther. Das vierte
Tier wird als eine schreckliche Kreatur mit großen, eisernen Zähnen beschrieben
(Verse 4-7). Aus dem Kopf dieses vierten Tieres ragten zehn Hörner. Das Ende von
Daniels Vision offenbarte eine Zeit, wenn „die Heiligen des Höchsten [...] das
Reich empfangen und [es] immer und ewig besitzen [werden]" (Daniel 7, 18).
Erinnern wir uns, dass auch die Vision in Daniel 2 mit der Errichtung des
Reiches vom Himmel endet.
Sollten wir unserer Vorstellungskraft also freien Lauf lassen bei dem Versuch,
die Identität dieser Kreatur herauszufinden, oder sollten wir die Bibel sich
selbst interpretieren lassen?
Die vier Kreaturen, die in Daniel 7,3-7 nacheinander emporsteigen, werden in
Vers 17 als vier Könige oder Königreiche identifiziert. Vers 23 bezeichnet
speziell das vierte Tier als das „vierte Königreich auf Erden." Wir haben
bereits in Daniel 2 eine Folge von vier Reichen gesehen. Die Visionen in Daniel
2 und 7 sagen beide vier aufeinander folgende Weltreiche voraus. Beide Szenarien
enden mit der Errichtung des Reiches Gottes, das über die Erde herrschen wird.
Eindeutig berichten beide Visionen verschiedene Einzelheiten derselben
Ereignisse.
Wenn wir die zwei Visionen von Daniel 2 und Daniel 7 vergleichen, sehen wir,
dass das erste Königreich in Daniel 2 - das Haupt aus Gold - gleichgesetzt wird
mit dem Löwen, dem König der Tiere, in Kapitel 7. Das zweite Reich - das
Königreich aus Silber in Kapitel 2 - ist der Bär aus Kapitel 7. Das dritte Reich
- das aus Kupfer in Kapitel 2 - stimmt mit dem vierköpfigen Panther aus dem
siebten Kapitel überein.
Aber weshalb vier Köpfe? Aus der Geschichte wissen wir, dass nach Alexanders Tod
sein Reich unter vier seiner Generäle aufgeteilt wurde. Diese Vierteilung wurde
in Daniel 8, 8 prophezeit. Alle vier Reiche waren ihrer Sprache und Kultur nach
griechisch. Sie waren eine gespaltene Fortsetzung des Reiches, das Alexander
vereint und knapp ein Jahrzehnt erhalten hatte. So, wie Persiens pompöse Macht
treffend durch einen Bären symbolisiert war, wurde die katzenartige
Schnelligkeit der griechischen Armeen unter Alexander gut durch die Metapher des
Panthers beschrieben.
Daniel 8 gibt uns weitere Einzelheiten über die Beziehung zwischen dem zweiten
und dem dritten Reich - Persien und Griechenland. Daniel 8, 3-4 beschreibt einen
Widder mit zwei Hörnern, der sich alles in jeder Richtung unterwirft. Laut
Daniel 8, 20 repräsentierte dieser Widder „die Könige von Medien und Persien."
Dann kam ein mächtiger Ziegenbock mit einem großen Horn zwischen seinen Augen
und besiegte den Widder vollständig (Verse 5-7). Vers 21 erklärt: „Der
Ziegenbock aber ist der König von Griechenland. Das große Horn zwischen seinen
Augen ist der erste König." Nach Alexanders Tod („das große Horn [zerbrach]",
Vers 8 „[werden] vier Könige aus seinem Volk entstehen ... aber nicht so mächtig
wie er" (Vers 22). Deswegen wird das dritte Königreich in Daniel 7 als
vierköpfige Kreatur beschrieben.
All diese Ereignisse ebnen den Weg für das vierte Tier aus Daniel 7. Diese
Kreatur ist so schrecklich, dass sie durch kein uns bekanntes Tier
charakterisiert werden kann. Daniel 2 beschreibt dieses Reich als „zwei Schenkel
aus Eisen" und Kapitel 7 als eine Kreatur mit großen, eisernen Zähnen. Daniel
2,40 erklärt: „Und das vierte wird hart sein wie Eisen; denn wie Eisen alles
zermalmt und zerschlägt, ja wie Eisen alles zerbricht, so wird es auch alles
zermalmen und zerbrechen." Beachten Sie, was Daniel 7, 19-23 über dieses vierte
Reich sagt: „Danach hätte ich gerne Genaueres gewusst über das vierte Tier, das
ganz anders war als alle andern, ganz furchtbar, mit eisernen Zähnen und ehernen
Klauen, das um sich fraß und zermalmte und mit seinen Füßen zertrat, was
übrigblieb; ... Das vierte Tier wird das vierte Königreich auf Erden sein; das
wird ganz anders sein als alle andern Königreiche; es wird alle Länder fressen,
zertreten und zermalmen." Es ist dieses vierte Reich, das Römische Imperium, das
in der einen oder anderen Form als bis zu Christi Rückkehr fortbestehend
dargestellt wird. Wird dies durch die Geschichte bestätigt? Absolut!
Genauso, wie Medo-Persien Babylon eroberte, und Alexander der Große das Reich
der Meder und Perser, so eroberten die Römer schließlich alle vier „Köpfe" des
Panthers, die aus Alexanders Reich emporgestiegen waren. Als Alexander 323
v.Chr. in Babylon starb, gab es einen Versuch, das Reich zusammenzuhalten. Eine
Regentschaft wurde ausgerufen, bei der das Reich gemeinsam von seinem Neffen und
seinem noch ungeborenen Sohn regiert werden sollte. Dieser Versuch schlug fehl.
Innerhalb weniger Jahre wurde das Reich unter vier Generälen Alexanders
aufgeteilt, die sich selbst zu Königen ernannten, genau so, wie Daniel es
vorhergesehen hatte (Daniel 8, 21-22).
Im Jahre 307 v.Chr. beanspruchten Antigonos und Demetrios „den Titel eines
Königs, woraufhin auch Ptolemaios, Seleukos, Kassander und Lysimachos das selbe
taten. Dadurch wurde die Einheit von Alexanders Reich offiziell beendet" (Encyclopedia
of World History [Enzyklopädie der Weltgeschichte], William L. Langer, 1968,
Seite 90). Kassander übernahm die Herrschaft über Griechenland und Mazedonien
und triumphierte mit der Hilfe von Lysimachos und Seleukos über Antigonos, der
bei der Schlacht von Ipsos 301 v.Chr. getötet wurde. Kassanders Dynastie wurde
jedoch schon 276 v.Chr. von Antigonos' Enkel, Antigonos II., wieder gestürzt,
der eine Dynastie begründete, die Griechenland und Mazedonien bis zur römischen
Eroberung 168 v.Chr. regierte, als dieses Gebiet dem Römischen Reich einverleibt
wurde.
Lysimachos, der über Kleinasien regierte und sich selbst 305 v.Chr. zum
König ernannte, wurde schließlich in der Schlacht bei Kurupedion, 281 v.Chr.,
von seinem früheren Verbündeten, Seleukos, besiegt und getötet. Eumenes I., der
seleukidische Gouverneur in Pergamon (Kleinasien) schaffte es bis zum Jahre 260
v.Chr., praktisch unabhängig von den Seleukiden zu werden. Im Jahre 230 v.Chr.
ernannte sich sein Nachfolger zum „König." Als schließlich Attalos III. 133
v.Chr. starb, vermachte er in seinem Testament das Königreich Pergamon, das zu
dieser Zeit fast ganz Kleinasien einschloss, den Römern. Dadurch verschlang Rom
nun auch den zweiten Kopf von Daniels Panther.
Seleukos errichtete ein Königreich,, das sich von Syrien im Westen bis
nach Babylon im Osten erstreckte. Die Dynastie der Seleukiden, die er
begründete, reichte bis in das Jahr 64 v.Chr., als der römische General Pompeius
Syrien zu einer Provinz im expandierenden Römischen Reich machte.
Der mazedonische General Ptolemaios ernannte sich zur gleichen Zeit zum „König"
wie Kassander, Lysimachos und Seleukos. Sein Reich umfasste hauptsächlich
Ägypten, und hielt sich unter der Regentschaft seiner Nachkommen bis zu
Kleopatras Tod 30 v.Chr. nach ihrer Niederlage gegen die Römer. Julius Cäsars
Neffe Octavian (später bekannt unter dem Namen Augustus Cäsar), besiegte die
Truppen von Kleopatra und Marcus Antonius in der Schlacht von Actium und
verleibte so Ägypten dem Römischen Reich ein. „Dies beendete die letzte der
hellenistischen Monarchien" (Langer, Seite 97). Mit dieser Eroberung waren nun
alle vier Köpfe des griechisch - mazedonischen Panthers Bestandteil des
Römischen Imperiums, des vierten Tieres aus Daniel 7.
Kapitel 2
Das Tier der Offenbarung offenbart
Napoleon, Hitler und Saddam Hussein haben etwas gemeinsam.
Und ebenso Michail Gorbatschow, Benito Mussolini, Franklin Roosevelt und einige
Päpste. Alle wurden, zusammen mit vielen anderen mehr oder weniger bekannten
Personen, von manchen ihrer Zeitgenossen als das geheimnisvolle „Tier"
bezeichnet, von dem im Buch der Offenbarung die Rede ist. Ebenso wurden der
Völkerbund, die Vereinten Nationen, der internationale Kommunismus und sogar die
amerikanische Regierung von manchen im 20. Jahrhundert als das Tier bezeichnet.
Andere jedoch argumentieren, dass das Buch der Offenbarung lediglich als
Allegorie für den Kampf zwischen Gut und Böse verstanden werden kann. Für diese
Kommentatoren ist das Tier lediglich die Personifizierung des Bösen, und nicht
eine historische Figur oder Institution.
„Aber," so mögen manche fragen, „gibt es nicht alle möglichen Arten von
Ansichten und Interpretationen der Bibel?" Natürlich gibt es die! Es scheint so,
als würden die meisten Möchtegern-Bibelausleger mit dem Ansatz beginnen, das,
was sie in der Welt sehen, in die Bibel hineinzulesen. Aus diesem Grunde
identifizierten beinahe alle Bibelkommentatoren in den 50er und 60er Jahren die
kommunistische Sowjetunion als das „scharlachrote Tier" aus Offenbarung 17. Vor
ein paar Jahren war es dann Saddam Hussein. Heutzutage identifizieren viele
Kommentatoren eine „Neue Weltordnung" oder die Vereinten Nationen als das Tier.
Es scheint so viele Deutungsvarianten zu geben, wie es Deuter gibt!
Der Schöpfergott hat nicht vorgesehen, dass Bibelprophezeiungen durch eine Übung
in kreativer Vorstellungskraft verstanden werden können. Und Bibelprophezeiungen
können auch nicht verstanden werden, indem man zeitgeschichtliche Ereignisse
beobachtet, und dann versucht, diese wieder in die Bibel hineinzulesen. Vielmehr
ist keine Weissagung der Schrift eine Sache eigener Auslegung (2. Petrus 1, 20).
Wenn die Bibel sich einer symbolhaften Sprache bedient, enthält der Text selbst
auch die Schlüssel zum Verständnis dessen, was diese Symbole bedeuten.
Eine Untersuchung von Offenbarung 13
Der gealterte Apostel Johannes stand am Strand der Insel
Patmos im Mittelmeer. Als er das Meer anschaute, schien sich das Bild vor seinen
Augen zu verändern. Als sich der Himmel mit dunklen Wolken zuzog und das Meer
aufgewühlt zu werden schien, sah es aus, als stiege eine seltsame Kreatur aus
dem Wasser. Sie hatte den Körper eines Panthers, den Rachen eines Löwen und die
Füße eines Bären. So verkörperte sie die stärksten Eigenschaften der ersten drei
Tiere, die Daniel in seiner Vision gesehen und in Daniel 7 beschrieben hatte.
Das Tier, das Johannes sah, hatte auch sieben Köpfe und zehn Hörner. Es wird
gesagt, dass der „Drache" diesem Tier seine Macht und Autorität verlieh. Dann
erfahren wir auch, dass einer der Köpfe der Kreatur tödlich verwundet und dann
geheilt wurde. Nach der Heilung lebte das Tier für weitere 42 Monate
(Offenbarung 13, 1-5).
Eine fast identische Szene wird in Daniel 7 beschrieben. Daniel sah in seiner
Vision vier Kreaturen - einen Löwen, einen Bären, einen vierköpfigen Panther und
eine vierte, schreckliche Kreatur mit zehn Hörnern - aus einem dunklen,
stürmischen Meer heraufsteigen(Daniel 7, 1-7). Die Kreaturen, die Daniel sah,
versinnbildlichen eindeutig die Folge von Weltreichen von Nebukadnezars Babylon
über Medo-Persien, dann über Alexanders Griechisches Reich, das sich nach seinem
Tod in vier Teile spaltete, bis hin zum Römischen Reich. Aus dem vierten Tier,
das das Römische Reich symbolisiert, ragten die „zehn Hörner" heraus.
Beachten Sie die Ähnlichkeit der beiden Berichte. In beiden Fällen ist von
sieben Köpfen die Rede. In Offenbarung 13 sah Johannes eine Kreatur, nicht vier
verschiedene, aber deren Charakteristiken waren dieselben: Sieben Köpfe und zehn
Hörner wurden beschrieben. In beiden Berichten benutzten die Propheten die
Symbolik eines Löwen, eines Bären und eines Panthers. Warum gibt es aber
Unterschiede in den Visionen?
Als Daniel seine Vision hatte, lag praktisch alles, was er sah, noch in der
Zukunft. Babylon, das durch einen Löwen symbolisiert war, existierte bereits,
aber die anderen Reich sollten erst noch zu Weltmächten aufsteigen. Als Johannes
über 600 Jahre später schrieb, waren Babylon, Persien und Griechenland bereits
in die Geschichte eingegangen. Johannes konzentrierte sich daher nicht auf das
Auftreten der verschiedenen Häupter, sondern auf die Details des siebten
Hauptes, das zu seiner Zeit existierte, und dessen Geschichte er vorab
niederschrieb. Während Daniel sich auf vier Reiche konzentrierte, sah Johannes
ein kontinuierliches System, das in Babylon seinen Anfang hatte. Er erkannte die
verschiedenen Reiche schlicht als verschiedene Köpfe derselben Kreatur. Daniel
identifizierte, was er sah, als etwas, das in seiner Zeit begann, und bis zur
Rückkehr Christi fortbestehen würde, wenn die Heiligen das Reich übernehmen und
besitzen werden (Daniel 7,18). Das Römische Reich aus der Zeit des Johannes war
demnach einfach eine Fortsetzung dessen, was in Babylon begonnen hatte.
Es sei noch einmal gesagt: Die Bibel deutet ihre eigenen Symbole. Daniel 7, 23
erklärt eindeutig, dass die vier Kreaturen (mit ihren sieben Köpfen) Königreiche
darstellen. In Offenbarung 17, 9-10 werden die sieben Häupter des scharlachroten
Tieres als „sieben Berge" oder „sieben Könige" identifiziert. Und entsprechend
Daniel 7, 24 und Offenbarung 17, 12 sind Hörner ebenfalls ein Symbol für Könige
oder Königreiche. Der Drache, der diesem System Macht gibt, wird in Offenbarung
12, 9 eindeutig identifiziert: „Der große Drache [ist] die alte Schlange, die da
heißt: Teufel und Satan... ."
Was geschah mit dem Kopf, den Johannes „tödlich verwundet" und dann geheilt sah?
Erinnern wir uns, dass von den sieben Köpfen des in Offenbarung 13 beschriebenen
Tieres zu Johannes' Lebzeiten nur noch der letzte, das Römische Reich, gedieh.
Die Erfüllungen der vorangegangenen sechs Köpfe waren schon Geschichte, als
Johannes schrieb. Erhielt das Römische Reich eine tödliche Verwundung und
erblühte später zu neuem Leben für die Dauer von „zweiundvierzig [prophetischen]
Monaten"?
Über Jahrhunderte hinweg wurde das Jahr 476 n.Chr. als Abgrenzung zwischen dem
Altertum und dem Mittelalter angegeben. Dieses Datum, traditionsgemäß der „Fall"
des Römischen Reiches, kennzeichnet die Ermordung des letzten Kaisers von
Westrom, Romulus Augustulus durch die Barbaren.. Im nächsten Kapitel werden wir
uns damit befassen, wie das Reich in der Folge immer wieder auflebte.
Aber zuerst wollen wir ein anderes Detail betrachten, das sowohl in Daniel 7 wie
in Offenbarung 13 beschrieben ist. In beiden Berichten lesen wir von zehn
Hörnern, die aus dem siebten Haupt des Tieres, dem Römischen Reich emporragen.
Johannes sah, dass jedes dieser Hörner eine Krone trug (Offenbarung 13, 1) und
Daniel erklärt, dass diese zehn Könige oder Reiche darstellen (Daniel 7, 24).
Daniel sagt uns auch, dass unter diesen zehn Hörnern ein „kleines Horn"
hervorbrach, das das „Ausreißen" der ersten drei Hörner verursachte. Um zu
erkennen, was das bedeutet, müssen wir einen Blick auf die Geschichte des alten
Römischen Reichs werfen.
Die Geschichte der ersten drei „Hörner"
Im Jahre 286 n.Chr. teilte Kaiser Diocletian das Römische
Reich aus verwaltungstechnischen Gründen in Ost und West. Dies wurde durch die
„zwei Schenkel" symbolisiert, die in Daniel 2 beschrieben sind. Doch der
westliche „Schenkel" sollte ernsthafte Probleme bekommen. Zu Beginn des 5.
Jahrhunderts lag das Westreich im Todeskampf. Nach Angriffen der Barbaren an der
Grenze wurde schließlich Rom selbst - zum ersten Mal seit acht Jahrhunderten -
erobert und geplündert. Dies geschah im Jahre 409 durch die Westgoten unter
Alarich.
Nachdem das Römische Reich im Westen zusammengebrochen war, versuchten die
Führer von drei einfallenden barbarischen Stämmen, den Vandalen, den
Herulern und den Ostgoten, selbst die Nachfolge der römischen Kaiser
anzutreten. Jedes dieser barbarischen Völker wurde von den oströmischen Kaisern
offiziell als legitime Fortsetzung der römischen Regierung im Westen anerkannt.
Es gab jedoch noch einen weiteren, an Einfluss gewinnenden Herrscher im Westen,
der letztlich ihren Niedergang und ihr Verschwinden verursachte.
Dieser Führer war der Bischof von Rom. Während die Herrscher des Westens an
Einfluss verloren, wurde seine Macht und Bedeutung stetig größer. Und dies
schloss nicht nur den religiösen Einfluss auf die Gemeinschaft bekennender
Christen ein, sondern auch zivile und politische Macht. Die Vandalen, Heruler
und Ostgoten waren ihm ein besonderer Dorn im Auge. Obwohl sie sich zum
Christentum bekehrten, wurden sie Anhänger des sogenannten Arianismus, einer
Glaubensrichtung, die die Dreieinigkeit ablehnte. Sie waren also nicht
„orthodox" und wurden deshalb als Bedrohung für die religiöse Einheit des Reichs
abgesehen.
Die Vandalen wanderten 429 n.Chr. in Nordafrika ein. Nach einigen Jahren
des Kampfes schlossen sie im Jahre 435 einen Vertrag mit Rom, in dem sie von den
Römern als legitime Fortführung des Imperiums in Nordafrika anerkannt wurden
(vgl. Langer, Seite 135). Doch die Vandalen versuchten, ihren Machtbereich
auszudehnen und die Nachfolge des Römischen Reiches anzutreten. 455 n.Chr.
plünderten sie sogar Rom. Sie waren darin so gründlich, dass sich bis heute die
Redewendung „Vandalismus" gehalten hat, um einen besonders rücksichtslosen
Umgang mit dem Eigentum anderer zu beschreiben. Aber letztlich wurden die
Vandalen vertrieben. „In Afrika waren die Vandalen [bei der Kirche von Rom]
verhasst, weil sie Arianer waren, und hatten außerdem mit einigen Revolten der
Berber zu kämpfen, aber ihre Macht wurde erst in den Vandalischen Kriegen
533-548 gegen [den oströmischen Kaiser] Justinian gebrochen" (Langer, Seite
159).
Etwa 20 Jahre nach der Verwüstung Roms durch die Vandalen, im Jahre 476,
entthronten die Heruler unter König Odowaker den letzten weströmischen
Kaiser Romulus Augustulus. Odowaker war von Zeno, dem oströmischen Kaiser in
Konstantinopel, als legitimer Nachfolger der römischen Regierung in Italien
„anerkannt." Aber auch er war ein Arianer, und nach einem Appell des Bischofs
von Rom sandte Zeno Theoderich, den Führer der barbarischen Ostgoten, um 488 in
seinem Namen die Heruler zu vertreiben. „Die orthodoxen Bischöfe Italiens, die
Odowakers arianische Einstellung ablehnten, unterstützten den ebenfalls
arianischen Angreifer [Theoderich], weil er einen fast orthodoxen Kaiser
repräsentierte. Mit deren Hilfe brach Theoderich Odowakers hartnäckigen
Widerstand in einem fünfjährigen Krieg und überredete ihn schließlich zu einem
Waffenstillstand [493 n.Chr.]. Er lud Odowaker und seinen Sohn zu einem Festmahl
nach Ravenna ein, bei dem er sie dann eigenhändig ermordete" (The Story of
Civilisation [Die Geschichte der Zivilisation], Will Durant, Band 4, Seiten
97-98).
Die Herrschaft der Ostgoten in Italien blieb, obwohl als notwendiges Übel
dafür hingenommen, dass man die Heruler losgeworden war, bei dem Bischof von Rom
und der römisch-katholischen Bevölkerung unbeliebt. General Belisar, der von
Konstantinopel 533 n.Chr. mit 500 Transportschiffen und 92 Kriegsschiffen
ausgesandt worden war, um Afrika von den Vandalen zu befreien, kam 536 nach
Italien, um die Ostgoten zu vertreiben. „Die Streitkräfte der Ostgoten waren
dürftig ausgestattet und zersplittert; das Volk von Rom empfing Belisar als
Befreier, der Klerus begrüßte ihn als einen Trinitarier; er marschierte in Rom
ohne Widerstand ein" (Durant, Seite 109).
Auf diese Weise wurden die ersten drei „Hörner" auf Geheiß des Bischofs von Rom,
des „kleinen Horns" aus Daniel 7 ausgerissen. Der Weg war frei für eine
wirkliche Wiedererstehung des Römischen Reichs im Westen. Diese Wiedererstehung,
die im Jahre 554 stattfand, geschah, wie alle seither aufgetretenen
Wiederbelebungen, unter dem Segen des Bischofs von Rom, der gleichzeitig eine
zentrale Rolle bei den verschiedenen Weiterführungen des alten Römischen Reiches
spielte.
Kapitel 3
Rom - alter und künftiger Herrscher über die Welt?
Touristenführer beschreiben sie als das faszinierende Rom -
die Stadt auf sieben Hügeln, alle bedeckt mit architektonischen
Meisterleistungen der Vergangenheit und Gegenwart. Rom ist eine Stadt der
Gegensätze. Ruinen aus dem Altertum und alte Gebäude vermengen sich mit einer
modernen, pulsierenden Großstadt. Über 27 Jahrhunderte sind seit ihrer
legendären Gründung durch Romulus und Remus vergangen. In dieser langen
Zeitspanne hat diese bemerkenswerte Stadt eine unvergleichliche Rolle in der
Geschichte der westlichen Zivilisation gespielt, als ein Zentrum beständiger
Macht und Anziehungskraft!
Eingebettet in die Stadt Rom liegt das kleinste souveräne Territorium der Welt -
der Vatikanstaat. Dieser kleine Stadtstaat, der diplomatische Beziehungen zu
allen bedeutenden Weltmächten unterhält und vom römischen Papst regiert wird,
ist ein vollwertiger Teilnehmer am internationalen Geschehen. Der Vatikan will
aber noch viel mehr erreichen, als nur ein Teilnehmer zu sein. Er möchte wieder
eine führende Rolle spielen, wie für so viele Jahrhunderte zuvor.
Obwohl dem Römischen Reich des Altertums eine tödliche Wunde durch den Tod des
letzten Herrschers 476 n.Chr. zugefügt wurde, war dies nicht das Ende der
Geschichte! Die ersten drei Reiche, die aus dem alten Römischen Imperium
emporstiegen, die Vandalen, die Heruler und die Ostgoten, wurden vernichtet. Die
Macht des oströmischen Kaisers Justinian ermöglichte dieses „Ausreißen" auf
Geheiß des Papstes von Rom. Justinians „Imperiale Restauration" von 554 n.Chr.
„heilte" die „tödliche Wunde" und war der Beginn des ersten von sechs
historischen Versuchen, das Reich des altertümlichen Roms wieder zum Leben zu
erwecken und weiterzuführen. Und der Bibel zufolge wird noch ein siebter und
letzter Versuch unternommen werden, der jetzt noch in der Zukunft steht. Ihr
Leben wird von den Ereignissen, die uns im Bezug auf die Stadt bevorstehen, die
ihre Bürger die „ewige Stadt" nennen, tiefgreifend beeinflusst werden!
Die tödliche Wunde wurde geheilt
Mit dem Ende der Gotischen Kriege 553 n.Chr. herrschten Armut
und Unordnung in Italien. Rom war belagert, ausgezehrt, erobert und geplündert
worden. Letztendlich blieben die Armeen des oströmischen Kaisers Justinian die
Sieger. Seinen Armeen gelang es, Italien und die Reste des Westreiches
zurückzuerobern, aber wie sollte er dieses regieren? Die Antwort lag in einer
Allianz zwischen Kirche und Staat, die die Geschichte Westeuropas seither
geprägt hat. Obwohl die weltlichen Machtstrukturen im Westen zusammengebrochen
waren, „erschien sogar dem Kaiser das Überleben der kirchlichen Organisation
[unter dem Bischof von Rom] als die Rettung für den Staat. 554 erließ Justinian
ein Dekret, das besagte, dass 'fähige und geeignete Personen, die die örtliche
Regierungsgewalt ausüben können, von den Bischöfen und wichtigsten
Leuten jeder Provinz als Gouverneure ausgewählt werden sollten' "(Durant,
Seiten 519-520).
Dieses Ereignis wird in der Geschichte als „Imperiale Restauration" bezeichnet.
Die Kaiser von Byzanz waren von 554 bis 800 n.Chr. gleichzeitig dem Namen nach
Herrscher über das wiederbelebte Imperium Romanum im Westen. Gemäß dem
Wortlaut des Dekrets Justinians jedoch hatten die Bischöfe von Rom (nun Päpste
genannt) die eigentliche Regierungsgewalt im Westen und waren somit diejenigen,
die eigentlich auf dem imperialen Tier im Westen ritten und dieses lenkten.
Hier ist es wichtig, einen bedeutenden Unterschied zwischen dem Tier, das in
Offenbarung 13 beschrieben ist, und dem, das in Offenbarung 17 beschrieben ist,
festzustellen. Das Tier in Offenbarung 13 entspricht dem Tier, das Daniel in
Daniel Kapitel 7 sah. Johannes beschreibt eine Kreatur, die mit Nebukadnezars
Babylon begann und bis in seine Zeit hinein fortdauerte. Aus dessen siebtem
Haupt, dem Römischen Reich, sollten zehn Reiche entstehen. Daniel 7 erklärt,
dass die ersten drei dieser zehn Reiche „ausgerissen" werden sollten. Doch das
Tier in Offenbarung 17 ist anders. Diese Kreatur wird, anders als bei der
früheren Beschreibung, von einer Frau geritten. Das Tier in Offenbarung
17 ist dasjenige, „das gewesen ist und jetzt nicht ist" (Vers 11) - das Römische
Reich nachdem die tödliche Wunde geheilt wurde. Es ist das gleiche, das
die Geschichte ironischerweise und verwirrend als „Heiliges Römisches Reich"
bezeichnet, das von der Kirche von Rom beherrscht wurde und das von 554 n.Chr.
an durch einige Wiedererstehungen bis in unsere Zeit hinein fortbestand.
Offenbarung 17, 11 erklärt: Dieses Tier „ist das achte und ist einer von den
sieben und fährt in die Verdammnis." Es ist eine Fortführung des siebenköpfigen
Tiers, das in Offenbarung 13 beschrieben ist, aber es ist in manchen Punkten wie
ein achter Kopf auf dem Tier, da es beginnt, nachdem das letzte Haupt des Tiers
aus Offenbarung 13 seine „tödliche Wunde" erhält. Die sieben Köpfe des Tiers aus
Offenbarung 17 sind sieben Reiche (Verse 9-10). Sie sind die sieben
Wiederbelebungen des Heiligen Römischen Reichs und entsprechen den letzten
sieben der „zehn Hörner" aus Daniel 7 und Offenbarung 13. Die zehn Hörner aus
Offenbarung 17 sind auch zehn Könige oder Reiche (Vers 12). Sie übergeben ihre
Macht an die letzte Wiederbelebung des Heiligen Römischen Reichs und werden von
Christus bei seiner Wiederkunft zerstört werden (Vers 14), und entsprechen damit
dem zehn Zehen des Standbildes aus Daniel 2.
Untersuchen wir nun genauer die Geschichte der „sieben Häupter," die in
Offenbarung 17 erwähnt sind. In den Jahren nach der Wiederherstellung des
Reiches unter Justinian richteten die östlichen Kaiser in der Regel ihre
Aufmerksamkeit auf die Angelegenheiten, die sie selbst im Osten betrafen. Der
Schutz und die Sicherheit, die Konstantinopel für den Westen boten, konnten
inzwischen vernachlässigt werden. Geheime Verhandlungen wurden zwischen Karl,
dem Frankenkönig, und Leo, dem Bischof von Rom, abgehalten, um dieses Problem zu
lösen. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen wurden im Jahre 800 n.Chr. deutlich.
„Am Weihnachtstag, als Karl der Große [König der Franken] mit dem Gewand und
Sandalen eines Patricius Romanus [römischen Edelmannes] bekleidet vor dem
Altar des Petersdoms kniete und betete, erschien [Papst] Leo plötzlich mit einer
juwelenbesetzten Krone und setzte sie auf das Haupt des Königs. Die versammelte
Gemeinde, die vielleicht zuvor angewiesen worden war, entsprechend einem alten
Ritual zu handeln und als der Senatus Populusque Romanus [Senat und Volk
von Rom] die Krönung zu bestätigen, rief dreimal aus: 'Heil dir, Karl, dem
Augustus, dem von Gott gekrönten, dem großen und friedensbringenden Kaiser der
Römer!' Das königliche Haupt wurde mit heiligem Öl gesalbt und der Papst grüßte
Karl den Großen als Kaiser und Augustus..." (Durant, Seiten 468-469). Nach
einigen Jahren der Auseinandersetzung mit Byzanz erkannte dessen Kaiser den
fränkischen König ebenfalls als Kaiser an. Dadurch ging das Imperium im
Westen auf das zweite „Horn" des Tieres über seit der Zeit der „tödlichen Wunde"
im Jahre 476 und seiner darauf folgenden Heilung im Jahre 554 n.Chr. unter
Justinian. Zu beiden Zeiten geschah dies auf Geheiß und mit dem Segen des
Papstes.
Der Historiker Will Durant erklärt: „Aus dieser engen Zusammenarbeit zwischen
Kirche und Staat entstand eine der brillantesten Ideen in der Geschichte der
Staatsführung: Die Umformung des Reiches Karls des Großen in ein Heiliges
Römisches Reich, das das Prestige, die Heiligkeit und die Stabilität sowohl des
imperialen, als auch des päpstlichen Roms auf seiner Seite hatte" (Durant, Seite
468).
In den eineinhalb Jahrhunderten nach der Krönung Karls des Großen zerfiel sein
Reich unter seinen schwachen Nachfolgern immer mehr. Im Jahre 936 waren die
Sachsen am einflussreichsten in Zentraleuropa geworden. 955 besiegte Otto, der
Herzog von Sachsen und deutsche König, die Ungarn, als sie versuchten, vom Osten
her in Westeuropa einzufallen. Einige Jahre später marschierte er auf Ersuchen
von Papst Johannes XII. in Italien ein und setzte diesen wieder in seiner
Machtposition ein. Daraufhin erhielt er 962 in Rom die Kaiserkrone. „So wurde
wieder einmal der Geist des Römischen Reiches beschworen, um das Staatsgebilde
eines halbbarbarischen Königs gutzuheißen" (Handbook of Western Civilization
[Handbuch der westlichen Zivilisation], William McNiel, Seite 317). Die Krönung
Ottos des Großen zum Kaiser markiert den Beginn des dritten Hauptes in der Folge
wiederbelebter westeuropäischer Imperien seit Justinians Imperialer
Restauration.
Welche Bedeutung hatte Ottos Wiederbeleben des Reiches für seine Zeitgenossen
und die folgenden Generationen? Lesen Sie, was der Historiker Robert Hertzstein
schrieb: „...Das Imperium war nicht nur irgend ein Begriff, sondern wurde
verstanden als weltumspannende, christliche Regierungsform Gottes auf Erden, die
bis zu der Zeit existieren sollte, wenn der Antichrist erscheint. Wie Karl der
Große hatte auch Otto seinen Thron aufgrund des Anspruches des Papsttums
erhalten, seit dem frühen vierten Jahrhundert als einzige Institution die Kaiser
ausgewählt zu haben... . Das Heilige Römische Reich war dadurch zum großen Teil
deutsch, was die ethnische und politische Zusammensetzung betraf, christlich in
seiner moralischen Rechtfertigung und römisch in seinem Anspruch auf Legitimität
und Universalität" (The Holy Roman Empire in the Middle Ages [Das Heilige
Römische Reich im Mittelalter], Herausgeber R. Hertzstein, Seite viii).
Der bekannte österreichische Historiker Friedrich Heer schrieb in seinem Essay
„Das Imperium als Regierung Gottes auf Erden": „Die Aufgabe des Imperiums
war es, Gottes Vorkämpfer auf Erden zu sein, seine Ziele hier zu erfüllen, das
Christentum und die Kirche zu schützen, und die Gerechtigkeit Gottes und die
göttliche Ordnung des Universums auf der Erde zu bewahren. Das irdische Imperium
war das vorübergehende Abbild der ewigen Stadt Gottes... . In den Insignien des
Reiches wurde dieser Anspruch für die ganze Welt sichtbar dargestellt: Mit dem
Reichsapfel, der mit Erde von den vier Enden der Welt gefüllt war, hält der
Kaiser die ganze Welt in seinen Händen... . [Der Kaiser] nannte die Kaiserkrone
corona urbis et orbis [Krone der Stadt, d.i. Rom, und des Erdkreises]; er
sah sich selbst als caput mundi [Oberhaupt der Welt] und als dominator
orbis et urbis [Herrscher der Welt und der Stadt Rom]" (Hertzstein, Seiten
64-65).
Ottos wiedererrichtetes Reich bestand für fast 300 Jahre fort. Schließlich wurde
es nach dem Tode Konrads IV. 1254 so sehr von rivalisierenden Gruppierungen
gespalten, dass es für 19 Jahre in einem Zustand des Interregnum
verblieb, also überhaupt keinen Kaiser hatte. Dann wurde 1273 Rudolf I. zum
Kaiser gewählt - der erste aus dem Hause Habsburg, der auf den kaiserlichen
Thron kam. Der Höhepunkt dieses vierten Wiederauflebens des römischen
Imperiums kam mit der Krönung von Rudolfs Nachkommen Karl I. von Spanien als
Kaiser Karl V. durch Papst Klemens VII. im Jahre 1530 in Bologna. Karl V.
regierte ein riesiges Reich: Von seiner Mutter Johanna, Tochter von Ferdinand
und Isabella von Spanien, erbte er Spanien und alle seine Besitztümer in der
Neuen Welt. Von seinem Vater erbte er die weitreichenden Gebiete der Habsburger
in Deutschland, Italien und Zentraleuropa.
Nach der Zeit Karls V. ging der Einfluss der Habsburger immer weiter zurück. Im
18. Jahrhundert hatte der Titel „Kaiser des Heiligen Römischen Reiches"
praktisch keine Bedeutung mehr.
Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts wurde ganz Europa von der
Französischen Revolution in Aufruhr versetzt. Dabei kam in Frankreich ein
hochbegabter und sehr ehrgeiziger Mann an die Macht. Sein Name war Napoleon. Er
wollte weit mehr erreichen, als nur Präsident oder gar ein neuer König
Frankreichs zu werden. Sein Ehrgeiz konnte nur durch eine Wiedererrichtung des
Römischen Reiches - mit ihm als Kaiser - gestillt werden. Wie Will Durant
bemerkt: „...Er träumte davon, es Karl dem Großen gleichzutun und Westeuropa zu
vereinen..." (The Story of Civilization [Die Geschichte der
Zivilisation], Will Durant, Band 11, Seite 243).
Napoleon sah sich als Nachfolger Cäsars und Karls des Großen. Nach einer
Volksabstimmung, die er mit 3.572.329 zu 2.569 Stimmen für sich entscheiden
konnte, ließ er sich am 18. Mai 1804 vom französischen Senat als Kaiser
ausrufen. Gleich darauf begann er, mit Papst Pius VII. zu verhandeln, der nach
Paris kommen und ihm zum Kaiser weihen sollte. Die Verhandlungen waren
erfolgreich und die Kaiserkrönung fand am 2. Dezember desselben Jahres statt.
In der Folge bekamen die österreichischen Habsburger die ständigen militärischen
und diplomatischen Vorstöße Napoleons zu spüren, insbesondere seine Annahme des
Kaisertitels. Nur zwei Jahre später zogen sich auf Veranlassung Napoleons 16
Fürsten mit ihren Staaten vom Heiligen Römischen Reich der Habsburger zurück,
gründeten den Rheinbund und unterstellten sich Napoleons Schutz als Teil seines
Reiches. Im folgenden Monat, am 6. August 1806 legte Franz II. von Österreich
den leeren Titel eines Kaisers des Heiligen Römischen Reiches ab. Das
europäische Imperium Napoleons erstreckte sich nun vom Atlantik bis zur Elbe.
Sein Reich bestand aus Spanien, Frankreich, Holland, Belgien, dem westlichen
Teil Deutschlands und später ganz Italien. Napoleon wurde somit zum fünften
Haupt des wiederbelebten westlichen Imperiums seit den Tagen Justinians.
Napoleons Reich sollte jedoch nicht lange währen. Eine Koalition unter
britischer Führung besiegte ihn bereits 1814 und der Kaiser musste abdanken. So
endete eine Zeitspanne von 1260 Jahren seit der Imperialen Restauration unter
Justinian im Jahre 554. Dies erfüllte die Prophezeiung in Offenbarung 13, 3-5 ,
dass das Tier tödlich verwundet, dann geheilt und für „zweiundvierzig Monate"
fortbestehen würde (42 „Monate" zu je 30 Tagen entsprechen 1260 prophetischen
„Tagen"). Napoleons Abdankung markierte das Ende einer Epoche. Aber den
Prophezeiungen zufolge sollten noch zwei weitere Versuche unternommen werden,
den Ruhm und die Größe des alten Roms wiederzubeleben.
Zwei letzte Wiederbelebungen - eine Vergangenheit, eine noch
in der Zukunft
Nach dem Zusammenbruch von Napoleons Reich blieben
Deutschland und Italien noch für ein halbes Jahrhundert gespalten und ohne
Macht. Beide waren in eine Anzahl kleiner Staaten und Provinzen zersplittert und
hatten mit internen Streitigkeiten zu kämpfen. 1871 schaffte Bismarck es, alle
nicht-habsburgischen Länder Deutschlands unter dem preußischen König zu
vereinen, während es Garibaldi gelang, ganz Italien unter dem König von
Sardinien und Piemont zu vereinen.
Fünfzig Jahre nach der Vereinigung durch Garibaldi kam ein charismatischer Mann
in Italien an die Macht, dessen Vision es war, die Größe und den Ruhm des
altertümlichen Roms wiederherzustellen. Sein Name war Benito Mussolini. 1922
brachte er seine faschistische Partei an die Macht. Die Faschisten leiteten
ihren Namen von den fasces des Römischen Imperiums ab. Die fasces
waren eine Axt in einem Rutenbündel, die die Einheit und Autorität der
Staatsmacht symbolisierte. Im Altertum wurden die fasces von den
römischen Konsuln als Herrschaftszeichen ihres Amtes getragen.
Seit 1870, als die Armeen König Victor Emanuels die Truppen des Papstes besiegt
und Rom eingenommen hatten, gab es Spannungen und Feindschaft zwischen dem
Papsttum und den neuen Herrschern in Italien. Schließlich unterzeichnete
Mussolini 1929 die Lateral-Verträge mit Papst Pius XI. Diese schrieben die
Souveränität des Vatikanstaates fest und machten Mussolinis Regierung zur ersten
in der Geschichte der Neuzeit, die vom Papst offiziell anerkannt wurde.
Das Konkordat, das zwischen dem Papsttum und der faschistischen Regierung
Italiens unterzeichnet wurde, war der Vorläufer des Konkordats, das vier Jahre
später zwischen dem Papsttum und der nationalsozialistischen Regierung
Deutschlands unterzeichnet wurde. Die Rolle des Papsttums bei der Etablierung
von Mussolinis und Hitlers Regierung wird in dem kürzlich erschienenen Buch
Hitler's Pope, the Secret History of Pius XII [Hitler's Papst, die geheime
Geschichte von Papst Pius XII.] (John Cornwell, Viking, 1999) detailliert
beschrieben.
Darauf bedacht, den „Ruhm" Italiens wiederherzustellen, suchte Mussolini nach
Gebieten, die er erobern konnte. Äthiopien, dessen Armee die Italiener 1896 aus
Ostafrika vertrieben hatte, schien ein gutes Ziel zu sein. So marschierten
Mussolinis Streitkräfte in Äthiopien und Somalia ein. 1936 erklärte Mussolini
großspurig von seinem Balkon in Venedig, dass das, was die Italiener zu sehen
bekämen, „nach fünfzehn Jahrhunderten die Wiedererscheinung des Imperiums auf
den schicksalsträchtigen Hügeln Roms" wäre. Anschließend schloss Mussolini ein
Bündnis mit Adolf Hitler, dem deutschen Führer seit 1933. Daraus ergab sich die
Konstellation der Achsenmächte im zweiten Weltkrieg. Dieser sechste Versuch, ein
vereintes Europa durch eine Wiederherstellung des Römischen Imperiums zu
errichten, ging 1945 in Flammen auf.
Nach dem zweiten Weltkrieg sagten viele, dass die Glanzzeiten Europas für immer
vorbei seien. Städte, Länder und die wirtschaftliche Basis waren auf dem
gesamten Kontinent zerstört, besonders in Deutschland. Viele hielten den
russischen Kommunismus für das Zukunftsmodell in Europa. Schließlich brachte
Stalin nach dem Krieg in Europa unverzüglich so viel wie möglich unter seine
Kontrolle. Der Gedanke, dass je wieder ein von Deutschland dominiertes Europa
eine wesentliche Rolle in der Weltpolitik spielen könnte, war für die meisten
Beobachter etwas, das sie für unmöglich hielten.
Und doch wurde 1957, nur 12 Jahre nach Kriegsende, in den Römischen Verträgen
ein neuer, gemeinsamer Markt zwischen Frankreich, der Bundesrepublik
Deutschland, Italien und den drei Beneluxstaaten geschaffen. Er war der direkte
Vorläufer der heutigen, mächtigen Europäischen Union.
Prophezeiungen für unsere Zeit und die Zukunft
Ebnet die Europäische Union den Weg für die Zukunft - den
siebten und letzten Versuch, die Größe und Macht des Römischen Imperiums
wiederherzustellen? Wenn wir Daniel 7 mit Offenbarung 13 vergleichen, können wir
erkennen, dass die „zehn Hörner" (Reiche) aus dem Römischen Imperium
hervorgingen, dem siebten Haupt der Tieres. Die ersten drei dieser „Hörner," die
Vandalen, Heruler und Ostgoten, wurden auf Geheiß des Papstes „ausgerissen." So
wurde die Prophezeiung in Daniel 7, 7-8.23-25 erfüllt, was noch 7 weitere
„Hörner" übrig ließ. Sechs Versuche, das Imperium des alten Roms
wiederherzustellen, sind mit Zustimmung des Papsttums unternommen worden. Sie
kamen und gingen, und sind nun ein Teil der Geschichte.
Die Geschichte der sieben Wiederbelebungen (sechs in der Vergangenheit und eine
noch in der Zukunft) wird auch symbolhaft in Offenbarung 17 wiedergegeben. Hier
sehen wir ein anderes Tier mit sieben Häuptern und zehn Hörnern dargestellt.
Diese Kreatur unterscheidet sich von der in Daniel 7 und Offenbarung 13 - sie
wird von einer Frau geritten, dem Symbol einer religiösen Organisation, genannt
„Geheimnis: Das große Babylon." Mit anderen Worten ist sie eine Fortführung der
alten, babylonischen Mysterienreligion, die nun aber groß und mächtig geworden
ist.
Die siebenköpfige Kreatur aus Offenbarung 17 ist eindeutig das Heilige Römische
Reich, denn „die sieben Häupter sind sieben Berge, auf denen die Frau sitzt"
(Offenbarung 17, 9). In Vers 12 werden die sieben „Berge" als Könige oder Reiche
identifiziert. Die Tiere, die in Daniel 7 und Offenbarung 13 dargestellt sind,
wurden nicht von einer Frau geritten, wohl aber das Tier in Offenbarung 17. Wie
sein Vorgänger hat es zehn Hörner auf seinem letzten Haupt. In Offenbarung 17
repräsentieren die zehn Hörner zehn zukünftige Staatsoberhäupter, die ihre Macht
und Autorität gemeinsam dem „Tier" übertragen werden - einer endzeitlichen
Wiederbelebung des Heiligen Römischen Reichs. Diese Zeit steht uns noch bevor,
weil diese Zehn gegen Christus kämpfen werden, wenn er zurückkehrt (Offenbarung
17, 12-14.17).
Dies bringt uns zurück zu der ersten Vision, die Daniel interpretierte - dem
Standbild aus Daniel 2 mit den zwei Schenkeln von Eisen und den Füßen aus Eisen
mit Ton gemischt. Die zehn Zehen, fünf an jedem Fuß, werden nach der Vision von
Christus bei seiner Rückkehr zermalmt, wenn er das Reich Gottes auf Erden
errichten wird (Daniel 2, 34-35.42-44). Die zehn Zehen aus Daniel 2 und die zehn
Hörner aus Offenbarung 17 bedeuten das Gleiche: Sie symbolisieren zehn
Staatsoberhäupter, die gemeinsam die siebte und letzte Wiederbelebung des
Römischen Imperiums unterstützen und ihm ihre Aufwartung machen werden.
Die Schenkel des Standbildes in Daniel 2 repräsentieren das Römische Reich, das
unter Kaiser Diocletian 286 n.Chr. in ein östliches Reich und ein westliches
Reich gespalten wurde. Die biblischen Prophezeiungen konzentrieren sich auf die
Fortführung des westlichen Reichs - auf das Tier, das von der „Frau" geritten
wird. Doch Daniel 2 zeigt, dass der östliche Schenkel eine Rolle bei der letzten
Wiederbelebung spielen wird. Das Oströmische Reich bestand mit seinen Kaisern,
die von Konstantinopel aus regierten, bis 1453 fort, als die osmanischen Türken
die Stadt überrannten und den letzten Kaiser, Konstantin XII. töteten.
Aber das war nicht das Ende des östlichen Schenkels. 1472, 19 Jahre nach dem
Fall Konstantinopels, vollzog der Papst eine Hochzeitszeremonie zwischen Iwan
dem Großen, dem Großfürsten von Moskau, und Zoe, der Nichte und Erbin des
letzten oströmischen Kaisers ab. „Die Hochzeit war von Bedeutung für den
späteren Anspruch der russischen Herrscher, die Nachfolger der griechischen
Kaiser und die Beschützer des orthodoxen Christentums zu sein.... Iwan nahm den
Titel eines Zaren (d.h. Cäsaren) an..." (Langer, Seite 342). Seitdem setzte sich
die Geschichte des Römischen Reiches als die Geschichte zweier Schenkel fort. Es
gab jeweils zwei Personen, die für sich beanspruchten, Nachfolger Cäsars zu
sein. Im lateinischen, germanischen römisch-katholischen Raum des Westens mit
dem Titel eines Kaisers; im griechischen, slawischen, orthodoxen Raum des
Ostens als einen Zaren.
Derjenige, der „das Ende von Anfang an verkündet," offenbart, dass sich
letztlich zehn Könige (oder Staatsoberhäupter), die Nachfolger sowohl aus
dem östlichen, wie auch aus dem westlichen „Schenkel" sind, vereinigen werden.
Sie werden die letzte Wiederbelebung des Römischen Reichs entstehen lassen - die
letzte Verkörperung Babylons.
Uns stehen noch schlechte Nachrichten bevor. Diese zehn letzten Herrscher werden
einer künftigen Union zwischen Kirche und Staat in Europa ihre Unterstützung
geben, die ihrerseits die Weltherrschaft anstrebt. Johannes Haller, ein
bekannter, deutscher Historiker, der 1947 starb, stellte fest: „Im Gedächtnis
des deutschen Volkes lebt das alte [Heilige Römische] Reich als eine Zeit des
Glanzes und der Größe weiter, die eines Tages wieder zum Leben erweckt werden
muss" („Die größte Epoche des deutschen Volkes", 1944).
Nach einer kurzen Pause des Friedens und Wohlstandes wird dieses System die
ganze Welt in einen höllischen Alptraum führen. Ohne Gottes Eingreifen, der
Jesus Christus zur Erde zurücksenden wird, würde daraus die völlige Zerstörung
und das Auslöschen der Menschheit werden (Matthäus 24, 21-22.29-30).
Doch hinter den schlechten Nachrichten warten auch gute Nachrichten - eigentlich
die besten Nachrichten, die wir uns vorstellen können. In den Tagen dieser
letzten Union europäischer Herrscher „wird der Gott des Himmels ein Reich
aufrichten, das nimmermehr zerstört wird... es selbst wird ewig bleiben" (Daniel
2, 44).
Kapitel 4
Das geheimnisvolle Zeichen des Tieres
Kaum ein anderes prophetisches Thema hat mehr Spekulationen
und Deutungsversuche ausgelöst, als das „Zeichen des Tieres." Zusätzlich zu dem
„Zeichen" erwähnt Offenbarung 13 auch das „Bild des Tieres" und die
geheimnisvolle „Zahl seines Namens" - 666. Welche Bedeutung haben diese
geheimnisvollen Symbole?
Bevor wir das Zeichen, das Bild oder die Zahl untersuchen, sehen wir uns an, was
wir bisher erkannt haben. Das endzeitliche Tier wird in Ihrer Bibel eindeutig
als neuzeitlicher Nachfolger des alten Babylonischen Reichs identifiziert. Der
Prophet Daniel benannte vier aufeinander folgende Reiche: Babylon, Persien,
Griechenland und Rom. Rom, das „vierte Reich," sollte über sieben
Wiederherstellungen bis hin zur Rückkehr Christi existieren, wo dann der Gott
des Himmels die letzte Erneuerung des Römischen Reichs zerstören und ein Reich
errichten wird, das für immer besteht.
Da das Römische Reich das Tier ist, das von Johannes in Offenbarung 13 und 17
beschrieben wird, ist das „Zeichen" ein Markenzeichen des Römischen Reichs. Das
„Bild" des Tieres muss etwas sein, das nach dem Muster des Römischen Reichs
geformt oder gestaltet ist.
Bevor wir uns eingehender mit diesen Aspekten beschäftigen, beachten Sie bitte,
dass Offenbarung 13 noch ein zweites „Tier" erwähnt, das einen irdischen, und
keinen himmlischen Ursprung besitzt (Vers 11). Dem äußeren Erscheinungsbild nach
gibt es sich als christlich aus, möchte mit Christus, dem Lamm Gottes (vgl.
Johannes 1, 29), in Verbindung gebracht werden, aber es erhält seine Macht von
dem Teufel, dem alten Drachen (Offenbarung 12, 9). In den Prophezeiungen werden
Hörner als Symbol für Führungsmacht oder Autorität gebraucht, und diese Kreatur
wird mit zwei Hörnern dargestellt. Offenbarung 13, 12 zeigt, dass dieses zweite
Tier darauf besteht, dass alle ihre Ehrerbietung und Loyalität gegenüber dem
Heiligen Römischen Reich zum Ausdruck bringen, dem Tier, dessen tödliche Wunde
verheilte (Vers 12). Von diesem zweiten Tier wird gesagt, dass es große Wunder
vollbringt, die die Menschen verführen (Verse 13-14). In Matthäus 24, 24
prophezeite Christus, dass „falsche Christusse" kommen werden, die mit Ausnahme
der Auserwählten alle verführen werden. Gab es in der Geschichte eine
Institution, die für sich beanspruchte, Christus („wie ein Lamm", Vers 11) zu
repräsentieren, und die Bevölkerung mit verschiedenen „Wundern" beeinflusste
(Vers 14) - eine Institution, die die falsche Botschaft des Teufels lehrte, dass
Gottes Gesetz „abgeschafft" sei und darauf bestand, dass ihre Anhänger dem
Heiligen Römischen Reich ihre Treue bekundeten? Das ganze Mittelalter hindurch
tat die Kirche von Rom genau das!
Warum die zwei Hörner? Die Kirche von Rom ist sowohl eine kirchliche, als auch
eine zivile Regierung. Der Papst ist sowohl religiöser Führer, als auch ein
ziviles Staatsoberhaupt. Biblische Prophezeiungen zeigen, dass die Einheit
zwischen Kirche und Staat, wie sie im Mittelalter existierte, ein Vorläufer von
Endzeitereignissen war, deren Maßstab aber weitaus größer sein wird.
Das geheimnisvolle Zeichen
Was könnte wohl als Zeichen oder Markenzeichen des Römischen
Reichs angesehen werden? Was auch immer es ist, es wird innerhalb weniger Jahre
von allen verlangt werden, die an dem Wirtschaftssystem des „großen Babylon"
(Offenbarung 13, 17) teilnehmen wollen. Aber diejenigen, die es annehmen, werden
durch ihre Taten den unvermischten Zorn Gottes auf sich ziehen (Offenbarung 14,
9-10). Was auch immer dieses Zeichen ist, es hat seit Jahrhunderten existiert,
denn alle gerechten Märtyrer haben es abgelehnt (Offenbarung 20, 4). Die
Beschreibung des Zusammenwirkens der Kirche von Rom und dem mittelalterlichen
Heiligen Römischen Reich in Offenbarung 13 zeigt deutlich, dass das Zeichen, das
Bild und die Zahl des Namens des Tieres alle bereits im Mittelalter als
Vorläufer von Endzeitereignissen existierten.
Im Laufe der Zeit wurden die verschiedensten Vorschläge gemacht, was dieses
Zeichen sein könnte. Im Amerika der 30er Jahre brachten manche es mit den
Sozialversicherungsnummern in Verbindung, die unter Präsident Roosevelt
eingeführt wurden. Andere vermuteten einen Geheimcode in den von Computern
lesbaren Barcodes der Artikel im Supermarkt. Wiederum andere verdächtigten die
Registriernummern von Bank- und Kreditkarten oder anderen technischen
Neuerungen. Viele erwarten eine Art Tätowierung oder einen unter der Haut
eingepflanzten Computerchip, der einer ahnungslosen Bevölkerung aufgedrängt
wird. Aber wenn wir nicht ALLES betrachten, was die Bibel uns zu diesem Thema
sagt, wird es uns unmöglich sein, ein klares Verständnis darüber zu erhalten.
Offenbarung 14, 10 zeigt, dass diejenigen, die das Zeichen des Tieres empfangen,
den Zorn Gottes zu spüren bekommen werden. Beachten Sie die klaren Aussagen des
Apostels Paulus über die Empfänger des Zorns Gottes. Kolosser 3, 6 besagt, dass
„der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams" kommt. Das Zeichen des
Tieres ist also ein Zeichen des Ungehorsams gegenüber Gott. Es bezeichnet
diejenigen, die es ablehnen, Gottes Gebote zu halten, trotz des Predigens der
zwei Zeugen und der letzten Warnung von einem Engel Gottes (Offenbarung 14, 9).
Das Zeichen des Tieres ist also eindeutig ein Mal des Ungehorsams
gegenüber Gott und seinen Gesetzen. Offenbart die Bibel im Gegensatz dazu ein
Zeichen des Gehorsams, das Gottes wahres Volk identifiziert? Lesen Sie 2.
Mose 31, 13-17. Hier erklärte Gott dem altertümlichen Israel, dass seine
Sabbate ein Zeichen zwischen ihm und seinem Volk auf ewig sein sollten!
Der Sabbat ist das Testgebot, um den wahren Gott der Schöpfung und das Volk,
das seinen Geboten und Gesetzen gegenüber gehorsam ist, zu identifizieren.
Offenbarung 13 erklärt, dass das Zeichen des Tieres, ein Malzeichen des
Ungehorsams gegenüber Gott, an die rechten Hand oder an die Stirn gemacht wird.
Ebenso, wie von Ungehorsam gesagt wird, dass er an der Hand und an der Stirn
getragen wird, wird dies auch von Gehorsam gegenüber Gottes Gesetz gesagt.
Beachten Sie 5. Mose 6: „Dies sind die Gesetze und Gebote und Rechte, die Der
HERR, euer Gott, geboten hat, dass ihr sie lernen und tun sollt in dem Lande, in
das ihr zieht, es einzunehmen, damit du dein Leben lang den HERRN, deinen Gott,
fürchtest und alle seine Rechte und Gebote hältst... . Du sollst sie binden
zum Zeichen auf deine Hand und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen
deinen Augen sein" (Verse 1-2.8). Die Hand steht symbolisch für Taten,
während die Stirn der Sitz des Verstandes ist. Gehorsam gegenüber Gott
beinhaltet sowohl Taten (Hand), als auch den Verstand (Stirn).
Das Zeichen des Tieres ist ein Mal des Ungehorsams gegenüber Gott. Dies muss
nicht nur die Ablehnung von Gottes Zeichen des Gehorsams, dem Sabbat,
beinhalten, sondern auch die Annahme des entgegengesetzten, gefälschten
Zeichens. Dieses Zeichen ist in Wirklichkeit ein Zeichen, das aus Babylon und
Rom abgeleitet wurde. Gibt es ein solches Symbol, das sich bis in unsere Zeit
gehalten hat?
Die Anbetung der Sonne - Satans altertümliches Konterfei
Im alten Babylon waren die Könige zugleich Hohepriester des
Sonnengottes Baal-Marduk. „Baal - Marduk die Hand zu reichen" war Teil des
Weiherituals der Könige in Assyrien und Babylon (Encyclopaedia Britannica,
„Babylonische und assyrische Religion," 11. Ausgabe). Die Wintersonnenwende um
den 25. Dezember wurde als Geburtstag der Sonne gefeiert. Dies war einer der
höchsten Feiertage und beinhaltete den Austausch von Geschenken und das
Aufstellen eines geheiligten, immergrünen Baumes.
Nicht nur in Babylon konzentrierten sich viele der heidnischen Bräuche auf die
Verehrung der Sonne, sondern dies galt auch für die Nachfolger des babylonischen
Reiches, zunächst in Persien, und später in Griechenland und Rom. Zu der Zeit,
als jedes von Daniels vier Tieren zur Weltmacht emporstieg, wurde die
Sonnenanbetung jeweils sogar zur Staatsreligion erklärt.
Persien war der erste Nachfolger Babylons. Die alte persische Religion drehte
sich um die Anbetung von Mithras, dem Gott des Lichts. Aufgrund des Einflusses
Babylons wurde Mithras jedoch bald mit dem babylonischen Sonnengott
gleichgesetzt. Die Griechen in Kleinasien wiederum identifizierten Mithras mit
ihrem alten Sonnengott Helios, und so wurde der Sonnenkult im Westen
weitergeführt. Alexander der Große reiste zum ägyptischen Tempel des Amon-Ra, um
von den dortigen Priestern als buchstäblicher Sohn des Sonnengottes bestätigt zu
werden. Und in Rom? „Mithras, der in Rom mit Sol Invictus [der
unbesiegten Sonne] identifiziert wurde, wurde derjenige, der dem Kaiserhaus
Autorität und Sieg verlieh" (Encyclopaedia Britannica, „Mithras," 11.
Ausgabe).
Lemprieres Classical Dictionary [Klassisches Wörterbuch] stellt fest,
dass Sol, der Sonnengott Roms, von den Babyloniern als „Baal oder Bel der
Chaldäer" verehrt wurde (Seite 590). Die Sonnenanbetung und ihre Symbole wurden
schließlich durch das Römische Reich von seinen Vorläufern übernommen und so in
der ganzen westlichen Welt verbreitet!
Im heutigen Syrien liegt ein kleines, arabisches Dorf namens Baalbek, in dem man
die Ruinen zweier großer Tempel sieht, die einst der Stolz der Stadt Heliopolis
waren, der griechisch - römischen „Stadt der Sonne." Lesen Sie die Erklärung des
Historikers Will Durant: „Augustus siedelte dort eine kleine Kolonie an, und die
Stadt wuchs zum heiligen Sitz Baals, des Sonnengottes, heran.... Unter Antonius
Pius und seinen Nachfolgern errichteten römische, griechische und syrische
Architekten und Ingenieure an der Stelle eines alten, phönizischen Baalstempels
einen imposanten Schrein zu Ehren des Iuppiter Heliopolitanus" (The
Story of Civilization [Die Geschichte der Zivilisation], Will Durant, Band
3, Seite 511). So kam es, dass der römische Gott Jupiter mit dem alten
Sonnengott Baal identifiziert wurde.
Ein anderes, großes Zentrum der heidnischen Sonnenanbetung war der Tempel von
Heliopolis in Ägypten, wo ein großer, der Sonne geweihter Obelisk stand. Etwa 40
n.Chr. ließ der römische Kaiser Caligula ihn von Ägypten nach Rom transportieren
und auf dem Vatikanhügel aufstellen. Im Jahre 1586 wurde dieser riesige Obelisk
- etwa 25 Meter hoch und 320 Tonnen schwer - auf Befehl Papst Sixtus' V. mit
großem Aufwand etwas weiter an die Stelle versetzt, an der er noch heute steht.
Mit der Hilfe von 800 Arbeitern, 160 Pferden und 45 Seilwinden wurde er genau
vor dem Eingang des Petersdoms platziert - wo er bis heute verblieben ist.
Im alten Rom, vor den Tagen des Imperiums gab es bereits einen Sonnenkult zu
Ehren von Sol, dem Sonnengott. Geoffrey Parrinders Buch World Religions from
Ancient History to the Present [Weltreligionen von der Antike bis zur
Gegenwart] beschreibt die Entwicklung der Sonnenanbetung hin zur Religion Roms:
Es war nur natürlich, dass die Sonnenanbetung an Einfluss
gewann, als sich der Schwerpunkt des Römischen Reichs nach Osten verlagerte. Sie
wurde im Reichsgebiet bereits stark propagiert; Neros Goldenes Haus war ein
angemessener Ort für die wiedergeborene Sonne, und Antonius verehrte sie auf
besondere Weise. Während der Dynastie der Severer wurde der Sonnenkult
vorherrschend; der Sonnengott wurde mit dem für Severus typischen Bart
dargestellt, und der Kaiser nahm den Titel INVICTUS [Unbesiegter] an, der ein
besonderer Beiname des Sonnengottes war... . Die Sonne war das überragende
Symbol der Einheit und des Zusammenhaltes für das gesamte Imperium... . 274
n.Chr. machte Aurelian den Sonnengott zur höchsten Gottheit des Römischen
Reiches (Parrinder, Seite 175).
Aurelian, Kaiser von 270-282 n.Chr. , hielt die religiöse
Uneinigkeit für den wesentlichsten Grund für das moralische und politische Chaos
im Rom des dritten Jahrhunderts. Er versuchte, das ganze Reich zu vereinen in
der „Anbetung des Sonnengottes und des Kaisers als seinem Vikar [Stellvertreter]
auf Erden... . Er ließ in Rom einen prachtvollen Sonnentempel errichten, in dem,
so hoffte er, der Baal von Emesa und der Gott des Mithraismus vereint würden...
. Aurelian förderte diese Orientalisierung der Monarchie weiter, die mit
Elagabalus begonnen hatte und schließlich unter Diocletian und Konstantin ihren
Abschluss fand" (Durant, Seite 639).
Konstantin, der als der erste „christliche" Kaiser Roms bezeichnet wird, hatte
sich selbst auch der Sonnenverehrung verschrieben. „In Wirklichkeit war die
christliche Überzeugung Kaiser Konstantins zweifelhaft. Seine Familie war aus
Tradition mit dem Sonnenkult verbunden. Die berühmte Vision eines Kreuzes vor
seinem Marsch auf Rom kam zu ihm von der Sonne; das Sonnensymbol wurde das ganze
Jahrzehnt hindurch auf seine Münzen geprägt und erscheint auch auf seinem
Triumphbogen in Rom; seine eigene Statue in Konstantinopel zeigt ihn mit der
Strahlenkrone des Sonnengottes" (Parrinder, Seite 175). Seit dem ersten
Jahrhundert wurde die siebentägige Planetenwoche in Rom populär gemacht. Die
Sieben-Tage-Woche hatte ihren Ursprung in der Schöpfung (1. Mose 1), und das
Wissen über den richtigen Wochenzyklus wurde durch die Juden bewahrt. In der
babylonischen Religion des Altertums hingegen wurde jeder der sieben Tage der
Woche mit einem Gestirn in Verbindung gebracht, die früher als die sieben
Planeten bezeichnet wurden: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter Venus und Saturn.
Dies ist bedeutsam, weil es den Weg für eine kaiserliche Proklamation bereitete,
die der sich als christlich bezeichnenden Welt ein unauslöschliches Zeichen oder
Brandmal aufdrückte, das von der altertümlichen Sonnenanbetung abgeleitet wurde.
Die Encyclopaedia Britannica stellt fest: „Die früheste Aufzeichnung über
das Halten des Sonntags als gesetzliche Pflicht findet sich in einer Verfassung
Konstantins aus dem Jahre 321 n.Chr., in der angeordnet wird, dass alle
Gerichtshöfe, alle Stadtbewohner und alle Handwerksbetriebe am Sonntag (dem
venerabili die solis) ruhen sollten" („Sonntag", 11. Ausgabe).
Durch diesen lateinischen Ausdruck, der richtig übersetzt „ehrwürdiger Tag der
Sonne" heißt, identifizierte Konstantin den ersten Tag der Woche mit dem Tag,
der traditionell als der Sonne geweihter Tag geehrt worden war. Durch die
Proklamation eines römischen Kaisers wurde den Bürgern des Römischen Reichs ein
Zeichen aus dem alten Babylon und seinem Sonnenkult aufgezwungen. Dieses Zeichen
hat sich - mit anderen Symbolen der Sonnenanbetung - über das Mittelalter hinweg
bis in unsere Zeit gehalten.
Das Bild des Tieres
Wir haben gesehen, dass das zweite Tier, das in Offenbarung
13 erwähnt wird, nichts anderes ist, als die Kirche von Rom, wohingegen das
erste erwähnte Tier das Römische Reich ist. Diese Kirche von Rom, das zweite
Tier, gab Anweisung, dass dem ersten Tier, dem Römischen Reich, ein „Bild"
gemacht werden sollte. Was ist ein Bild? Es ist eine Kopie, ein Modell, eine
Repräsentation oder ein Abbild. Das Bild des Tieres ist also ein Abbild des
alten Römischen Reichs - etwas, das nach dem Modell des heidnischen Römischen
Reichs oder seiner Regierung eingerichtet wird. Beachten Sie die offene Aussage
des britischen Historikers uns Staatsmannes James Bryce, dass das „päpstliche
[System] selbst nach dem Modell des altertümlichen Imperiums aufgebaut wurde" („A
History of the Holy Roman Empire Must Be Deduced from Its Theory" [Eine
Geschichte des Heiligen Römischen Reichs muss von seiner Theorie her abgeleitet
werden], Hertzstein, Seite 53).
Offenbarung 13 erklärt, dass die falsche Kirche, das zweite Tier, darauf
besteht, dass alle Menschen dem Bild, der religiösen Organisationsstruktur, die
nach dem Modell des alten Römischen Reichs aufgebaut ist, ihre völlige Loyalität
und Anbetung kundtun. Es „kann machen," dass alle, die dieses verweigern,
getötet werden (Offenbarung 13, 15). Während des Mittelalters führte die Kirche
Bestrafungen nicht selbst aus. Sie erklärte nur diejenigen zu Ketzern, die sich
geweigert hatten, dem System anzugehören. Die so mit dem Kirchenbann belegten
Menschen wurden als Staatsfeinde angesehen und wurden entsprechend von der
zivilen Regierung behandelt.
Das Römische Reich des ersten Jahrhunderts wurde autoritär geführt. Vielen ist
aber nicht bewusst, dass es üblich und akzeptiert war, verschiedene Staatsämter
durch Wahlverfahren zu besetzen. Selbst der Kaiser wurde gewählt - vordergründig
durch den Senat, aber faktisch durch die Pretorianische Garde, oder vereinfacht
gesagt durch die Armee.
Manche der Ältesten, die Paulus ermahnte (Apostelgeschichte 20, 30), wurden
später zu zentralen Figuren in der Verführung von Gottes Volk, dass sie dem
Muster der römischen Stadtverwaltungen folgen und öffentliche
Kirchenversammlungen mit gewählten Amtsinhabern abhalten sollten. Lesen Sie die
Aussage des Historikers Arthur Boak: „Diese Stadtverwaltungen waren eng nach dem
Muster Roms organisiert, obwohl einige Titel wie die eines Konsuls oder Senators
der Hauptstadt vorbehalten blieben... . Alle Amtsträger wurden vom Volk
gewählt..." (A History of Rome to 565 AD [Eine Geschichte Roms bis 565
n.Chr.], 1965, Seite 370). Dr. Boak schreibt weiter: „Während die unteren
Klassen [Roms] und die Provinzstädte wenig Gelegenheit zu politischer Aktivität
hatten, fanden sie eine Kompensation im Sozialleben ihrer Gilden oder
Berufsverbände... . So entstanden berufliche, religiöse und soziale
Verbandsstrukturen. Ihre Organisation entsprach derjenigen der
Stadtverwaltungen" (Seite 370-371). Und über die Entwicklungen in der
beginnenden römisch-katholischen Kirche fügt Dr. Boak hinzu: „In ihrer
Organisation waren all diese Gemeinschaften nach demselben Grundmuster aufgebaut
und ähnelten den religiösen Kollegien von Rom..." (Seite 401).
In den Kirchengemeinden wollte eine zunehmende Zahl von Unbekehrten ihren
Einfluss vergrößern. Sie wählten Lehrer aus, die Wahlen guthießen und ihnen mit
Lehren nach dem Mund redeten, die sie zurück in die heidnischen Bräuche der Welt
um sie herum führten. In seinem letzten Brief an Timotheus hatte der Apostel
Paulus genau diese Wendung der Ereignisse prophezeit (2. Timotheus 4, 3-4).
Der Historiker Edward Gibbon schrieb: „ ...die Ordnung der öffentlichen
Beratungsversammlungen führte bald das Amt eines Präsidenten ein, zumindest
ausgestattet mit der Autorität, Meinungen zu sammeln und Beschlüsse der
Versammlung auszuführen..." (Triumph of Christendom in the Roman Empire
[Triumph des Christentums im Römischen Reich], Seite 44). Gibbon beschrieb dann
die Zeit nach der Herrschaft Kaiser Konstantins:
Aber der bischöfliche Stuhl wurde besonders in den großen,
wohlhabenden Städten des Reiches eher zu einer weltlichen als zu einer
geistlichen Würde gemacht. Die Interessenvertretung, die aggressiven und
selbstsüchtigen Leidenschaften, die Kunst der Treulosigkeit und Heuchelei, die
geheime Korruption und die offene und sogar blutige Gewalt, die zuvor die
Freiheit der Wahl in den Staatsgemeinschaften von Griechenland und Rom in Verruf
gebracht hatten, beeinflussten nur allzu oft die Auswahl der Nachfolger der
Apostel (Seite 336).
Indem sie die Institutionen und Praktiken des Römischen Reichs als
Ausgangsmodell übernahmen, erschufen sich die Menschen eine kirchliche
Regierungsstruktur. Politisches Taktieren wurde zum Ersatz für die frühere Suche
nach dem Willen Gottes. Populäre und sanfte Lehren ersetzten das klare Wort
Gottes, das Zurechtweisungen und Tadel mit beinhaltet.
Das Problem mit der Kirche von Rom war, dass sie Gottes Regierungsform gegen
eine menschliche, politische Struktur austauschte. In Gottes Regierungsform
sollen Älteste auf der Grundlage der Früchte ihres Tuns von denen ernannt
werden, die Christus bereits als Führer in seiner Kirche eingesetzt hat (Titus
1, 5-9). Gottes Regierungsform basiert auf seinem Gesetz. Gott bestätigt es
damit, dass es positive Früchte hervorbringt (Matthäus 7, 15-23; vgl. 4. Mose
17, 7-10).
Die Kirche von Rom entwickelte sich aus dem Modell des alten Römischen Reichs,
von dem sie ihre Strukturen übernahm. Eine Treue gegenüber dieser
Organisationsstruktur, die an Götzenanbetung grenzt, wurde vorausgesetzt und
erwartet, selbst wenn diese versuchte, „Festzeiten und Gesetze" zu ändern (vgl.
Daniel 7, 25). In Gottes Regierungsform macht er durch die Früchte der Arbeit
deutlich, wo er wirkt, und wir ordnen uns menschlichen Führern der Kirche nur
soweit unter, wie diese Christus nachfolgen (1. Korinther 11, 1).
Die Zahl seines Namens
Was hat es mit der geheimnisvollen Zahl 666 auf sich? Viele
kluge Berechnungen wurden angestellt, um bestimmte Personen mit dieser Nummer in
Verbindung zu bringen. Aber was meint die Bibel, wenn sie uns sagt, dass dies
die Zahl eines Menschen ist?
Bevor die arabischen Ziffern im 13. Jahrhundert in der westlichen Welt
eingeführt wurden, wurden die Buchstaben des Alphabets ersatzweise als
Zahlzeichen verwendet. So hatte jeder Name auch einen Zahlenwert. Die meisten
sind mit den römischen Ziffern vertraut, bei denen die Buchstaben des
lateinischen Alphabets einen Zahlenwert besitzen. In diesem System bedeutenI=1,
V=5, X=10 und so weiter. Das Hebräische und das Griechische, die beiden
Sprachen, in denen die Bibel ursprünglich geschrieben wurde, kannten beide ein
ähnliches System.
Der früheste Lösungsvorschlag für die Bedeutung der Zahl 666 wird traditionell
Polycarp zugeschrieben, einem Schüler des Apostels Johannes, der das Buch der
Offenbarung geschrieben hat. Diese Tradition ist uns in den Schriften des
Irenäus aus dem zweiten Jahrhundert erhalten. Die Zahl 666 ist „enthalten in den
griechischen Buchstaben von Lateinos (L=30; A=1; T=300;
E=5; I=10; N=50; O=70; S=200)" (Commentary on the Whole Bible
[Kommentar für die gesamte Bibel] Jamieson, Fausset und Brown). Lateinos
ist die griechische Bezeichnung für „lateinischer Mann" oder „Römer."
Interessanterweise hat auch der griechische Ausdruck für „das Lateinische Reich"
(h latine basileia) den Zahlenwert 666. Griechische Schreiber nannten das
Römische Reich üblicherweise so. Das Buch der Offenbarung wurde ursprünglich auf
Griechisch verfasst, da es an die Griechisch sprechenden Gemeinden in Kleinasien
gerichtet war.
Eine andere, interessante Erklärung betrifft den Namen des Kaisers Nero, der
etwa 25 Jahre vor der Zeit starb, als Johannes das Buch der Offenbarung schrieb.
Obwohl Nero bereits tot war, war er doch ein Vorläufer des endzeitlichen
Herrschers des römischen Systems. Er war durch Versprechungen an die Macht
gekommen, dass er Verfassungsreformen durchführen und das Reich zurück in das
„goldene Zeitalter" Kaiser Augustus' bringen würde, wurde jedoch zunehmend zu
einem grausamen und machthungrigen Despoten. In einer Atmosphäre von Intrigen
und Verschwörungen missbrauchte er seine Macht und war für die erste offizielle
Verfolgung der Christen durch den römischen Staat verantwortlich. Während seiner
Amtszeit erlitten die meisten Apostel, darunter auch Petrus und Paulus, den
Märtyrertod. Sein Name wurde auf Griechisch Neron Kaesar (Nero Cäsar)
geschrieben. Wenn diese griechische Form seines Namens in hebräischen Buchstaben
ausgeschrieben wird, ergibt die Summe der Zahlenwerte ebenfalls 666.
Der Gründer des altertümlichen Roms, von dessen Name Rom und Römer abgeleitet
sind, war Romulus. Der lateinische Name Romvlvs wird auf Hebräisch als
Romiith wiedergegeben. In der hebräischen Sprache addiert sich dies auch
wieder zu 666 (resh=200, vau=6, mem=40, yod=10,
yod=10, tau=400). So ist also sowohl in Griechisch als auch in
Hebräisch, den beiden wichtigsten Sprachen der Bibel, die Zahl 666 immer wieder
im Zusammenhang mit dem Römischen Reich zu finden.
Die kommenden Jahre werden uns die siebte und letzte Wiederbelebung des Heiligen
Römischen Reichs bringen. Es wird sehr wahrscheinlich eine numerische Bedeutung
hinsichtlich des Namens oder vielleicht eines besonderen Titels im Bezug auf den
endzeitlichen Führer der Macht des Tieres zu finden sein. Dennoch ist es
wichtig, zu erkennen, dass das römische System selbst bereits mit der Zahl 666
verknüpft ist. Dieses System - und seine endzeitliche Erneuerung - wird als das
Tier identifiziert.
Kapitel 5
Eine Geschichte zweier Städte in Vergangenheit und Zukunft
Die Geschichte zweier völlig gegensätzlicher Städte zieht
sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel. 1. Mose 10 stellt uns Babylon,
oder Babel, vor, die Stadt, die Nimrod gegründet hat. Im nächsten Kapitel
treffen wir auf Abraham, der in Ur, im Land der Chaldäer, geboren wurde, einer
nahegelegenen Stadt, die Teil des altertümlichen Babylons war. Dann, in Kapitel
12, wird uns von Abraham berichtet, wie er auf Geheiß Gottes hin aus Babylon
auszog. In 1. Mose 14 erreicht Abraham die Stadt Jerusalem, die in frühester
Zeit kurz Salem genannt wurde, und trifft auf Melchisedek, den „Priester Gottes
des Höchsten," der Abraham segnete und von ihm den Zehnten empfing.
Im letzten Buch der Bibel lesen wir erneut von Babylon. Offenbarung 18 spricht
von „Babylon der Großen" und von der endgültigen und vollständigen Zerstörung
dieser Stadt. Wie Abraham, so wird auch Gottes Volk in der Endzeit gesagt: „Geht
hinaus aus ihr, mein Volk" (Offenbarung 18,4). Offenbarung 21 berichtet dann von
der Ankunft des Neuen Jerusalems auf Erden, der Stadt, „deren Baumeister und
Schöpfer Gott ist" (Offenbarung 21, 2).
Babylon und Jerusalem sind zwei Städte des Altertums, die stellvertretend für
zwei völlig gegensätzliche Regierungssysteme und Lebensweisen stehen. Eine
stammt von Nimrod, dem ersten Tyrannen nach der Sintflut, der gegen Gott und
seine Gesetze rebellierte. Nimrod führte ein System menschlicher
Tyrannenherrschaft ein und versuchte, auf die Art des Teufels eine Weltregierung
zu erschaffen. Babylon ist ein historisches, satanisches Gegenstück - und seine
Alternative - zum Reich Gottes.
Nach dem Eingreifen Gottes beim Turmbau zu Babel stieg und fiel Babylons
Vormachtstellung mehrmals in den folgenden Jahrhunderten. Schließlich fiel im
siebten Jahrhundert v.Chr. Ninive, die Hauptstadt Assyriens, in die Hände der
Angreifer und Babylon wurde wieder zur mächtigsten Stadt in Mesopotamien.
Nebukadnezar wurde König von Babylon und startete einen Eroberungsfeldzug, der
seinem Reich die Herrschaft über den gesamten Nahen Osten einbrachte. Einige
seiner Eroberungen schlossen Juda mit seiner Hauptstadt Jerusalem ein. Etwa 586
v.Chr. wurden Jerusalem und der Tempel Gottes von den einfallenden Babyloniern
zerstört. Etwa 20 Jahre davor waren einige junge, jüdische Gefangene nach
Babylon gebracht worden. Unter diesen Gefangenen befand sich Daniel.
An dem Abend, mit dem im Jahre 539 v.Chr. das Posaunenfest begann, 66 Jahre nach
dem Beginn von Nebukadnezars Regierung, stand Daniel in einem stillen Festsaal
und enträtselte die „Schrift an der Wand" für Belsazer, einen von Nebukadnezars
Nachfolgern. Babylon wurde gewogen, für zu leicht befunden und sollte in
derselben Nacht den Weg für das nachfolgende Reich frei machen.
Die Stadt Babylon fiel, und wurde nach Jahrhunderten zu einem verlassenen und
unbewohnten Ort, aber das System, das dort seinen Anfang genommen hatte, war
nicht zu Ende. Es bestand in den nachfolgenden Reichen fort, genau so, wie
Daniel es so viele Jahrhunderte zuvor aufgeschrieben hatte.
1, Mose 10, 10 erklärt, dass der Anfang von Nimrods Reich in Babel war. In den
Jahren, die uns unmittelbar bevorstehen, wird die endzeitliche Verkörperung
dieses alten Reichs zu neuem Leben erwachen. Die altertümliche Stadt, die von
Nimrod erbaut worden war, ist längst zu Staub und Asche zerfallen, aber das
System ihrer Regierung, ihrer Religion und ihrer Wirtschaft, das damals begann,
hat die Zeit überdauert. Das neue Babylon tritt in die Nachfolge des alten
Babylon und wird von dem Propheten Jesaja „Tochter Babel" genannt (Jesaja 47,
1).
Was liegt vor uns?
Wir leben in einer turbulenten Welt. Die Menschen blicken
voller Furcht und Misstrauen in die Zukunft. Auf der einen Seite versprechen uns
Wissenschaft und Technologie eine schillernde Welt voller Wohlstand. Doch auf
der anderen Seite bedrohen Atomkriege und biologischer oder chemischer
Terrorismus sogar die Existenz unserer Welt. Ein großer, charismatischer Führer
wird in Europa auftreten und auf diese Krisensituation reagieren. Er wird ein
Bündnis von Kirche und Staat eingehen, das einer verzweifelten Welt Frieden,
Sicherheit und Wohlstand verspricht. Mit Doppelzüngigkeit und Intrigen wird er
zehn europäische Herrscher, die die endzeitlichen Nachfolger des östlichen und
westlichen Teils des Römischen Reichs repräsentieren, dazu bewegen, sich für
eine gewisse Zeit zu verbünden und ihm als Führer ihre Macht zu übertragen. Wie
wir in den 30er Jahren gesehen haben, sind Menschen, die wirklich Angst um ihre
Zukunft haben, oft bereit, ihre Freiheit für Sicherheit einzutauschen.
Eine Periode wachsenden Friedens und Wohlstands wird folgen. Ein großes,
weltweites Handelsnetz wird internationalen Kartellen schier unglaubliche
Profite in Aussicht stellen. Später dann, in einer Reaktion auf Krisen im Nahen
Osten und des englischsprachigen Nationen, wird dieser Führer blitzschnell und
mit eiserner Entschlossenheit handeln. Er wird ein Abkommen, das er zuvor mit
dem jüdischen Staat getroffen hatte, annullieren und seine Armeen werden
Jerusalem überrennen und die halbe Stadt in Gefangenschaft führen (Sacharja 14,
2). Zur gleichen Zeit wird eine massive Angriffswelle über Amerika,
Großbritannien, Kanada und verbündete Nationen hereinbrechen. (Für Einzelheiten
in den Prophezeiungen zu diesen Ereignissen, fragen Sie nach unserer kostenlosen
Broschüre What's Ahead for America and Britain?).
Die endzeitliche Erscheinung Babylons wird genau das versprechen, was schon
Nimrod den Menschen beim Turmbau zu Babel versprochen hatte: Einheit, Sicherheit
und Wohlstand. Es ist das Gleiche, was auch Nebukadnezar, Cyrus der Große,
Alexander der Große und Kaiser Augustus jeweils ihrem Volk versprachen.
Den sich verstärkenden Problemen durch politische Spaltungen auf der ganzen Welt
wird mit einem Vorgehen begegnet werden, das sowohl politische, wie religiöse
Einheit auf der ganzen Welt hervorbringen soll. Die künftige, europäische
Supermacht könnte sich sogar bereits bestehende, globale Institutionen als
politische Strukturen für ihre eigenen Ziele zunutze machen. Obwohl im Bereich
der Politik wichtige Entwicklungen vonstatten gehen werden, wird es der Bereich
der Religion sein, in dem wir Ereignisse von in der modernen Zeit nie da
gewesenem Ausmaß erleben werden. Die Religion wird als Schlüssel angesehen
werden, um die gemeinsame Identität zu erschaffen, die für eine politische
Einheit nötig ist.
Zu jener Zeit werden Millionen von Menschen einem religiösen Wahn verfallen
sein, der von einem charismatischen Führer genährt werden wird, der scheinbar
große Zeichen und Wunder vollbringt. Mehr um ein „gutes Gefühl" bemüht, als um
wahre Lehren, werden sie den falschen Versprechungen dieses Führers folgen, die
dieser in einem goldenen Zeitalter macht.
Eine mächtige Kriegsmaschinerie unter Führung der künftigen, europäischen
Supermacht wird als Garant des Weltfriedens und der Sicherheit angesehen werden.
Moderne Technologien werden eingesetzt sein, um einen Polizeistaat zu
erschaffen, von dem Hitler und Stalin nur hätten träumen können. Die Menschen
werden dazu gebracht werden, so drakonische Maßnahmen zu akzeptieren, weil sie
ihnen als der Preis für die Abschaffung von Terrorismus und Gewaltverbrechen
dargestellt werden.
Anfänglich wird dieses System der Welt einen wirtschaftlichen Aufschwung
bringen. Der neu entstehende, weltweite Handelsblock, der in Hesekiel 27 und
Offenbarung 18 prophezeit wird, wird als Schlüssel zu weltweitem Wohlstand
begrüßt werden. Diejenigen an der Spitze des Systems werden, für kurze Zeit,
einen unvergleichlichen Reichtum genießen.
Aber schicksalhafte Mängel, die von Anfang an Teil des Systems sind, werden bald
zu immer größeren Differenzen führen. Die arabische Welt wird über die
Bemühungen verstimmt sein, sie in die religiöse Einheit Europas eingliedern zu
wollen. Ein mächtiger Führer - der in Daniel 11 „König des Südens" genannt wird
- wird auftreten und es schaffen, für eine gewisse Zeit den Großteil der
islamischen Welt zu vereinen. Durch diesen Führer herausgefordert, wird Europa
einen „Blitzkrieg" beginnen, der mit der Besetzung von weiten Teilen der
arabischen Welt durch Europa endet (Daniel 11, 40-43).
Dieser europäische Einmarsch wird das Misstrauen unter den östlichen Ländern -
die bereits wegen des von Deutschland angeführten Europas beunruhigt sind - noch
verstärken. Gerüchte aus den östlichen Hauptstädten werden schließlich die
Europäer zu einem Präventivschlag veranlassen, um den Osten einzuschüchtern und
zur Unterordnung zu bringen (Daniel 11, 44). Aber die Dinge werden sich nicht so
gut entwickeln, wie geplant, und der daraufhin beginnende Krieg wird letztlich
die nukleare Zerstörung von einem Großteil Europas, einschließlich Roms
(Offenbarung 18, 10.17), durch die östliche Allianz (Offenbarung 9, 13-18)
verursachen.
Wenn dann die Armeen des Ostens den Euphrat überqueren, um eine Invasion in den
von den Europäern kontrollierten Nahen Osten zu starten, werden sich die
Ereignisse überschlagen. Die zehn europäischen Herrscher, die zuvor ihre Macht
abgegeben hatten, um dieses System zu begründen, werden sich nun verbittert
gegen die Kirche und das religiöse System wenden, das in ihren Augen versagt hat
(Offenbarung 17, 16-17). Schreckliche Massenvernichtungswaffen einschließlich
nuklearer, biologischer und chemischer Waffen (Offenbarung 9, 5-6.18) werden
eingesetzt werden. Gerade wenn es scheint, als würde sich infolge des Konfliktes
im Nahen Osten die Menschheit nun selbst vollständig auslöschen, wird der
lebendige, verherrlichte Christus aus dem Himmel zurückkehren (Matthäus 24, 22).
Im Zusammenhang mit der höllischsten Zeit in der Geschichte der gewaltsamen und
blutigen Existenz des Menschen wird die wahre Lösung für die Probleme der
Menschen ihren Anfang nehmen. Jesu Christi Rückkehr zu dieser Erde ist keine
Phantasie - sie ist die einzige Hoffnung der Menschheit.
In einer Vision zum künftigen Tag des Herrn versetzt, berichtet Johannes von
einem wunderbaren Ereignis, das uns noch erwartet: „Sie ist gefallen, sie ist
gefallen, Babylon die Große" (Offenbarung 18, 2). Anschließend wird Jesus
Christus auf dem Ölberg nahe Jerusalem mit allen wiedererweckten Heiligen
stehen. Der Gott des Himmels wird sein Reich errichten, das nie enden wird
(Daniel 2, 44). Das Gesetz wird von Jerusalem ausgehen und alle Nationen werden
unter der Regierung Gottes vereint sein (Jesaja 2, 2-4).
Die Bibel beschreibt eine Geschichte zweier Städte, Babylon und Jerusalem. Eine
wird für alle Ewigkeit zerstört sein. Die andere wird erneuert, als das „Neue
Jerusalem," das nach der 1000jährigen Herrschaft des Messias vom Himmel
herabkommt, wieder entstehen und dem Vater, Christus und den „Erstlingsfrüchten"
für alle Ewigkeit eine Heimat sein (Offenbarung 21).
Die Endzeitereignisse, die in dieser Broschüre beschrieben sind, sind real - und
werden während der Lebenszeit vieler, die dies lesen, eintreten. Doch Christus
bietet denen seinen Schutz an, die ihm wirklich und mit Eifer nachfolgen und
sein Werk tun (Lukas 21, 36; Offenbarung 3, 10).
Wie steht es mit Ihnen? Gilt Ihr „Bürgerrecht," - Ihre Treue und Ehrerbietung -
dem irdischen Babylon oder dem himmlischen Jerusalem? Ihre Zukunft hängt von
der Antwort auf diese Frage ab! „Suchet den HERRN, solange er zu finden ist;
rufet ihn an, solange er nahe ist" (Jesaja 55, 6). Der Gott des Himmels wird
bald ein dauerhaftes Reich errichten. Jetzt bietet er uns nicht nur seinen
Schutz und seine Hilfe in den schrecklichen Zeiten an, die vor uns liegen,
sondern auch, in sein herrliches Reich einzugehen und ein Erbe anzutreten, das
ewig bleibt!
Wenn Sie sehen, wie sich die Ereignisse in der Welt um Sie immer mehr zuspitzen,
seien Sie nicht entmutigt. Vielmehr tröstet Jesus Christus diejenigen, die ihm
wirklich nachfolgen: „Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und
erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht" (Lukas 21,28).
Erinnern Sie sich trotz der schlimmen Zeiten, die vor uns liegen, daran, dass
die beste Nachricht noch kommen wird! „Denn nur noch eine kleine Weile, so
wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben" (Hebräer 10,
37).
