Unsere „moderne" Gesellschaft hat ein
zwiespältiges Verhältnis zu den Zehn Geboten. Wurden sie auf göttliches Geheiß
oder durch die Entwicklung der Menschheit auf wissenschaftlichem Gebiet
„abgeschafft"? Sollten sie an öffentlichen Orten ausgehängt werden oder den
Kirchen vorbehalten bleiben? Sind sie eine Belastung für „aufgeklärte" Menschen
oder ein Segen für diejenigen, die sie befolgen? König David schrieb, „wie habe
ich dein Gesetz so lieb!" und nannte es vollkommen; der Apostel Paulus erklärte,
es sei heilig, gerecht und gut; Jesus hielt es in Ehren, erweIterte und befolgte
es und gebot den Gehorsam gegenüber den Zehn Geboten. Aber für die meisten
Menschen bleiben die Zehn Gebote ein Rätsel, das sie nie verstanden haben. Die
vorliegende Broschüre erklärt auf einleuchtende Weise dieses unausweichliche,
lebendige Gesetz, das bald zum Grundgesetz der friedlichen, gedeihenden und
freudvollen Welt von Morgen wird!
Inhalt
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Vorwort
Schlüssel zum Verständnis
Das erste Gebot
Das zweite Gebot
Das dritte Gebot
Das vierte Gebot
Das fünfte Gebot
Das sechste Gebot
Das siebte Gebot
Das achte Gebot
Das neunte Gebot
Das zehnte Gebot
Die neuen Gebote Jesu |
ZG, Version 1.0, Januar 2005
Englischer Originaltitel: The Ten Commandments
Diese Broschüre darf nicht verkauft werden!
Sie wurde der Öffentlichkeit als kostenloses Informationsmaterial
von der Living Church of God zur Verfügung gestellt.
©2005 Living Church of God. Alle Rechte vorbehalten.
Schriftstellen in dieser Broschüre wurden, falls nicht anders
angegeben, aus der revidierten Lutherbibel 1984 zitiert.
(©1985, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Vorwort
Vor über 40 Jahren entstand die
erste Ausgabe dieser Broschüre „Die Zehn Gebote". Sie wurde damals aus
einer Zeitschriftenserie entnommen, zu einer Broschüre zusammengefasst und an
Hunderttausende von Haushalten geschickt, die es über die Jahrzehnte hinweg
bestellten. Seit über zehn Jahren war die Broschüre nun nicht mehr erhältlich,
doch nun wurde sie für die Leser der „Welt von Morgen" neu überarbeitet und
gedruckt. Dennoch ist es im Grunde immer noch dieselbe Broschüre wie vor vierzig
Jahren, was nicht überraschend ist, weil sie die unveränderlichen Gesetze Gottes
beschreibt. Wie Gott selbst sagt: „Ich, der Herr, wandle mich nicht" (Maleachi
3, 6).
Selbst weltliche Gelehrte erkennen an, dass die ersten Christen ihr Leben
danach ausrichteten, das große, geistliche Gesetz Gottes – die Zehn Gebote – zu
befolgen. Wenn sie „der Herr Jesus Christus" sagten, verstanden sie, dass das
Wort „Herr" so viel bedeutet wie „Boss" – jemand, dem man gehorchen sollte!
Jesus erinnerte die Jünger immer wieder an diese wichtige Beziehung, wie zum
Beispiel in Lukas 6, 46: „Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was
ich euch sage?"
Ich hoffe und bete, dass Sie diese Broschüre eingehend studieren und
erkennen, dass Gottes Gesetz – dasselbe Gesetz, das im bald kommenden Reich
Gottes wirksam sein wird – ein Segen für alle Personen, Familien und Nationen
ist, die es befolgen und die damit dem Beispiel unseres Erlösers Jesus Christus
nachfolgen.
Schlüssel zum Verständnis
Wir leben in einem gesetzlosen Zeitalter. Gewalt und
Verbrechen nehmen in erschreckendem Maße zu, weil viele Millionen Menschen
praktisch keinerlei Respekt mehr vor dem Gesetz oder institutioneller Autorität
haben. Sie achten weder göttliche noch menschliche Gesetze! International
betrachtet leben ganze Nationen in Furcht, weil sie nur zu gut wissen, dass so
genannte „Garantien" und Friedensverträge oft nicht einmal das Papier wert sind,
auf dem sie geschrieben stehen. Es gibt kein Gesetz – und keinen Respekt vor
Autorität – unter den Nationen dieser Welt. Dies ist die Welt, in der wir leben!
Der wirkliche Ursprung von Gesetzen
Die Menschen haben jeden Respekt vor dem Gesetz
verloren, weil sie den Urheber aller Gesetze und Ordnungen
vergessen haben! In der Bibel heißt es: „Einer ist der Gesetzgeber
und Richter, der selig machen und verdammen kann" (Jakobus 4, 12). Dieser
Gesetzgeber ist Gott, der Allmächtige. Auf ihrer Suche nach einem „inneren
Frieden", der durch menschliche Mittel und Wege zu erreichen ist, und einer
„Religion, die Bedürfnisse befriedigt", haben die Menschen den großen Gott, der
dieses Universum regiert, vollkommen vergessen! Kein Wunder also,
dass viele junge Menschen – die Führungskräfte von morgen – eine so gesetzlose
Einstellung haben. Kurz vor seinem Tod hat einer der namhaftesten Pädagogen der
Welt militärische Führungskräfte vor diesem Problem gewarnt. Dr. Rufus von
Klein-Smid, ehemaliger Rektor der Universität von Südkalifornien sagte: „Ich
habe kein Problem mit der gegenwärtigen Betonung der Naturwissenschaften, aber
wir finanzieren heute Schulen, die sich vom Anfang bis zum Ende des Schuljahres
so verhalten, als gäbe es keinen Gott". Dr. von Klein-Smid wies auch auf das
„Fehlen moralischer Werte" bei unserer Jugend hin, das auf solche
Bildungskonzepte zurückzuführen sei. Wenn man den wahren Gott unberücksichtigt
lässt, gibt es keinen wirklichen Standard für akzeptables Verhalten. Das
Ergebnis sind eine geistliche Verwirrung, Gesetzlosigkeit und Unmoral. In fast
allen Konfessionen finden wir heute die Tendenz, Gott zu „modernisieren" und zu
„demokratisieren", um sein Recht zu unterlaufen, dass er seine Schöpfung – und
uns, seine Geschöpfe – regieren kann. Es gibt heute nur noch sehr wenige
Menschen auf Erden, die wirklich „gottesfürchtig" leben! Dadurch, dass die
Menschheit sich ihren imaginären „Wunschgott" erschaffen hat, wie sie ihn haben
möchte, kann sie ihm natürlich nicht mit Hochachtung und Ehrfurcht begegnen.
Einen solchen Gott kann man nicht „fürchten". Ebenso wenig werden Menschen einem
solchen Wesen, das ihrer eigenen Vorstellungskraft entsprungen ist,
gehorchen! Doch die wahre Botschaft Christi handelte von dem Gott, der
diese Erde erschaffen hat. Er ist der Gott, der die Menschen segnet, wenn sie
seinen Gesetzen gehorchen – und sie züchtigt, wenn sie ihnen nicht gehorchen.
Der Jesus Ihrer Bibel hat stets das Evangelium vom Reich Gottes
auf Erden verkündet (Markus 1, 14; Lukas 4, 43). Heute würde man sagen, er
verkündete die gute Nachricht von der Regierung Gottes – der
Herrschaft Gottes. Er sagte: „Tut Buße [bereut] und glaubt
an das Evangelium" (Markus 1, 15). Bevor Sie ernsthaft an Jesus Christus glauben
und ihn als Ihren Erlöser annehmen können, der sein Blut vergossen hat, um Sie
von Ihren Sünden rein zu waschen, müssen Sie bereuen. Aber was
bereuen? Ihre Sünden! Was aber ist Sünde?
Entgegen der widersprüchlichen Ideen und verallgemeinernden Aussagen vieler
Glaubensorganisationen erklärt Ihre Bibel eindeutig: „Sünde ist die
Gesetzesübertretung" (1. Johannes 3, 4; Schlachter-Übersetzung). Sünde ist das
Brechen des geistlichen Gesetzes Gottes – der Zehn Gebote. Dieser Vers
definiert klar und eindeutig, was Sünde ist! Bevor Gott Ihnen Ihre vergangenen
Sünden vergibt, müssen Sie bereuen, dass Sie sein Gesetz übertreten haben! Sie
müssen lernen, Gott als den höchsten Herrscher dieses Universums anzuerkennen
und zu respektieren – als Ihren eigenen König, der über Sie herrscht. Salomo,
der weiseste Mann, der jemals gelebt hat, schrieb unter Inspiration: „Die Furcht
des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis" (Sprüche 1, 7). Damit ist kein
einschüchterndes Gefühl der Angst gemeint, sondern ein tiefer, auf Ehrfurcht
begründeter Respekt vor der hohen Würde und Autorität Gottes – vor seiner
göttlichen Allmacht, seiner Weisheit und seiner Liebe. Ohne den Glauben an einen
so großen und realen Gott fehlt den Menschen etwas. Abgeschnitten von diesem
wahren Gott, dem Urheber von Gesetz und Ordnung, ist die Menschheit in einem
Zustand der Ziellosigkeit, inneren Leere, Frustration und Verwirrung. Der Weg
aus dieser inneren Leere und Verunsicherung mag für manche Menschen abgedroschen
oder einfältig klingen, aber er ist echt und funktioniert! Wir müssen einfach
aufhören, falsche Götter zu verehren. Die Menschen müssen zum Gott der Bibel
zurückkehren, zum Gott der Schöpfung, dem Gott, der das Universum regiert! In
einer Zusammenfassung des Weges, der zu einem erfüllten, sinnvollen und
glücklichen Leben nach den Vorstellungen der Menschen führt, inspirierte Gott
folgende Worte am Ende des Buches Prediger: „Lasst uns die Hauptsumme aller
Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das ist der ganze
Mensch" (Prediger 12, 13; Elberfelder Übersetzung). Die Menschen sind frustriert
und unvollständig ohne eine mit Leben erfüllte Beziehung zu Gott – ohne
ein Leben auf seinen Wegen und ohne das Einhalten seiner Gebote. Alle Nationen
und Völker dieser Erde könnten in Frieden, Erfüllung und Freude leben, wenn sie
die Gebote Gottes befolgen würden. Sie sind die einzige Antwort auf alle unsere
Probleme, sowohl des Einzelnen als auch der Gesellschaft. Die Gebote sind der
Weg, den Jesus Christus lehren wird, wenn er zurückkehrt, um diese Welt zu
regieren (Micha 4, 2).
Verstehen Sie Gottes Gebote wirklich?
Der Prophet Daniel war ein Mensch nach Gottes Herzen
(Apostelgeschichte 13, 22). In ihm spiegelt sich das Bild Christi wider, und
wenn Christus zurückkehrt, um dieser Erde Frieden zu bringen, wird ihm David
direkt unterstellt sein und während des tausendjährigen Reichs das gesamte Volk
Israel regieren (Hesekiel 37, 24). David schrieb: „Wie habe ich dein Gesetz so
lieb! Täglich sinne ich ihm nach" (Psalm 119, 97). David beschäftigte sich
täglich intensiv mit Gottes Gesetz! Dadurch lernte er, wie er es auf jede
Situation im Leben anwenden konnte. So wuchs David an Weisheit.
„Du machst mich mit deinem Gebot weiser, als meine Feinde sind" (Vers 98).
Gottes Gesetz zeigte David den richtigen Weg – die richtige Lebensweise.
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege" (Vers 105).
Im gesamten Psalm 119 beschrieb David, wie er Gottes Gesetz liebte und als
Richtschnur für sein Leben gebrauchte.
Tun Sie das auch? Wahrscheinlich nicht. Den meisten von Ihnen wurde
beigebracht, dass Gottes Gesetz abgeschafft sei – oder aber Sie haben einfach
noch nicht erkannt, dass dies der einzige Weg zu einem wirklich erfüllten und
erfreulichen Leben ist. Dann wissen Sie noch nicht, dass Gottes Gesetz das Wesen
und den Charakter Gottes widerspiegelt. Und Gottes Gebote ermahnen uns: „Ihr
sollt heilig sein, denn ich bin heilig" (1. Petrus 1, 16). Wahre Christen, die
„kleine Herde" Jesu, werden als diejenigen beschrieben, „die Gottes Gebote
halten und haben das Zeugnis Jesu" (Offenbarung 12, 17). Und Gott beschreibt den
Charakter seiner Heiligen so: „Hier ist Geduld der Heiligen! Hier sind, die da
halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus" (Offenbarung 14, 12). Wenn
Sie zu Gottes wahren Auserwählten gehören wollen, die den sieben letzten Plagen
entrinnen werden, so müssen Sie diesen lebendigen, gehorsamen
Glauben an den allmächtigen Gott haben, indem Jesus Christus sein Leben in Ihnen
lebt! Dazu müssen Sie das geistliche Gesetz Gottes, wie es in den Zehn Geboten
offenbart ist, verstehen und einhalten! Bitte nutzen Sie diese Broschüre
wirklich als Studienhilfe und schlagen Sie jede erwähnte Bibelstelle selbst
nach, um dann nach Gottes geistlichem und heiligem Gesetz zu leben.
Der allmächtige Gott Israels
Um die tatsächliche Tragweite der Zehn Gebote richtig zu
verstehen, sollten wir uns zunächst die Umstände ansehen, unter denen die Zehn
Gebote verkündet wurden. Erinnern wir uns, dass Mose und die Israeliten das
Wissen darüber bewahrt hatten, dass ihr Gott der Schöpfer des Himmels und der
Erde war. Sie wussten, dass er die Erde auch regierte und in den
Zeiten ihres Vorfahren Noah die Sintflut herbeigeführt hatte. Und in ihrer Zeit
hatte der wahre Gott, der Gott Israels, sie durch zahlreiche Wunde aus der
Sklaverei in Ägypten befreit und durch das Rote Meer geführt, das sich zu beiden
Seiten ihres Durchgangs wie mächtige Wände aufgetürmt hatte (2. Mose 14).
Seit der Zeit, als sie das Rote Meer durchwandert hatten, hatte sich Gott
mit ihnen auf besondere Weise befasst und sie an seine Gesetze erinnert, die sie
zu jenem Zeitpunkt wohl zum Teil vergessen hatten. Noch ehe sie am Berg Sinai
angekommen waren, räumte er alle Zweifel hinsichtlich der Frage aus, welcher Tag
sein Sabbat sei, indem er eine Anzahl von Wundern vollbrachte, die den
Israeliten den richtigen Tag aufzeigten (2. Mose 16). Bereits in 2. Mose 18
lesen wir, dass Mose gemäß den Gesetzen und Rechtsordnungen Gottes unter den
Israeliten Recht sprach (Vers 16). Als sie schließlich am Berg Sinai angekommen
waren, schlug Gott ihnen nicht etwa neue Gesetze vor, sondern
einen Bund oder Vertrag, in dem die Israeliten sein besonderes Volk werden
sollten und er ihr Gott, wenn sie seinen Gesetzen, Statuten und Rechtsordnungen
gehorchen würden. Weil die Zehn Gebote Gottes grundlegendes, geistliches
Gesetz waren (Römer 7, 14) – und immer sein werden – wurden sie ebenfalls zum
Bestandteil dieses Vertrags zwischen Gott und Israel. Bereits lange vor dem
Ereignis am Berg Sinai hatte Gott Abraham, den „Vater aller, die glauben" (Römer
4, 11), in besonderer Weise gesegnet, „weil Abraham meiner Stimme gehorsam
gewesen ist und gehalten hat meine Rechte, meine Gebote, meine Weisungen und
mein Gesetz" (1. Mose 26, 5). Abraham hat also mit Sicherheit die Zehn Gebote
gekannt, verstanden und eingehalten.
Weil die Zehn Gebote Gottes heiliges, geistliches Gesetz sind, verkündete
er sie mit einer Ehrfurcht einflößenden Demonstration seiner Macht – im
Gegensatz zu den übrigen Bestandteilen des Bundes – und schrieb sie eigenhändig
auf Steintafeln nieder. Beachten Sie die Umstände in 2. Mose 19. Gott hatte dem
Volk geboten, sich zu reinigen und am dritten Tag bereit zu stehen, wo er zu
ihnen herabkommen würde (Verse 10-11). „Als nun der dritte Tag kam und es Morgen
ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge
und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war,
erschrak" (Vers 16). Hier offenbarte Gott als Schöpfer seine Macht über
die Kräfte der Natur. Dann verkündete er mit eigener Stimme die Zehn Gebote! Als
der Schöpfer in all seiner Macht auf den Berg Sinai herabkam, stieg „Rauch [...]
auf wie der Rauch von einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte sehr"
(Vers 18).
In dieser Umgebung, geprägt von Majestät, Herrlichkeit und Allmacht sprach
Gott zu einem Volk, das vor Ehrfurcht erzitterte, und verkündete die Zehn
Gebote. Diese Menschen müssen buchstäblich gezittert haben, als seine Stimme wie
ein Donner über das Land dröhnte (Psalm 104, 7).
Das erste Gebot
Gott begann also, die Zehn Gebote zu verkünden. Er
offenbarte seinem Volk die Gesetze des Lebens, die zu Erfolg,
Glück und Frieden mit Gott und den Menschen führen. In unserem Zeitalter, das
geprägt ist von Rationalismus, Agnostizismus und einem alles umfassenden
Materialismus, ist es bedeutsam, dass der Allmächtige nicht zuerst von einer
„Verbrüderung aller Menschen" sprach, sondern von Gehorsam und Ehrerbietung
gegenüber Gott als dem Schöpfer und Beherrscher des Himmels und der Erde und als
dem persönlichen Gott aller, die ihm dienen und gehorchen! „Und Gott redete alle
diese Worte: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der
Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben
mir" (2. Mose 20, 1-3). Dies ist das erste, und wie wir später sehen
werden, auch das größte Gebot. Untersuchen Sie sorgfältig die Wortwahl dieses
Gebots – und denken Sie darüber nach, wie David es getan hat! „Ich bin der Herr,
dein Gott" – dieser Satz offenbart mehr, als es zunächst den Anschein hat. Es
konnte kein Zweifel daran entstehen, dass dieses „Ich", das sich hier in so
eindrucksvoller Machtentfaltung kundgetan hat, der große Schöpfer des Himmels
und der Erde war. Schon alleine durch sein Auftreten bezeugte er seine Macht als
Schöpfer, als er den Berg Sinai durch Blitze und Donner schüttelte, wie einen
nassen Lappen!
Das erste Gebot und Sie
Wir haben also gesehen, mit welcher Demonstration von
Macht und Stärke Gott sich offenbarte, bevor er die Zehn Gebote vom Berg Sinai
verkündete. Nun wollen wir sehen, wie jedes einzelne dieser Gebote – angefangen
mit dem ersten Gebot – Sie persönlich betrifft. Denn wenn Sie ein Christ sein
wollen, dann müssen Sie gemäß den Worten Jesu Christi, des Begründers des
Christentums, nach jedem Wort Gottes leben (Matthäus 4, 4). Und
das schließt natürlich mit ein, dass Sie – mit Gottes Hilfe – entsprechend den
Geboten des allmächtigen Gottes leben müssen, um zum ewigen Leben
einzugehen (Matthäus 19, 17). Was also bedeutet das erste Gebot für Sie?
„Ich bin der Herr, dein Gott", sagt der Schöpfer. Ist der Gott der Schöpfung –
der Gott Israels, der Gott der Bibel – wirklich auch Ihr Gott, dem
Sie dienen und gehorchen? Oder haben Sie sich ihren eigenen, falschen „Gott"
oder sogar mehrere „Götter" geschaffen? Verehren Sie Gott vielleicht auf eine
falsche Weise nach Art von „Menschengeboten", wovon Jesus sagte, dass ein
solcher Gottesdienst vergeblich sei? (Markus 7, 7). Das sind
Fragen, über die Sie nachdenken sollten!
Zu Christen unserer Zeit sagt Gott ebenfalls, dass er derjenige ist, „der
ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt" hat. Überall in der
Bibel gilt Ägypten als Symbol der Sünde. Alle nicht bekehrten Menschen befinden
sich in einer Art Knechtschaft durch das organisierte, heidnische System dieser
Welt und durch ihre eigenen menschlichen Begierden. Wenn ein Mensch jedoch
wirklich bekehrt ist, führt Gott ihn aus dieser Knechtschaft heraus – und ein
solcher Mensch verlässt sie dann auch bereitwillig und freudig! Jeder sollte
sich selbst prüfen, ob wir jemals wirklich die falschen Traditionen und Wege
dieser Welt verlassen und unsere eigenen Sünden und selbstsüchtigen Begierden
bereut haben.
Gott gebietet uns: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir". Haben
Sie etwas anderes an Gottes Stelle gesetzt? Verwenden Sie Ihre Zeit, Ihre
Energie und Ihre Tatkraft lieber für andere Dinge als für den wahren Gott?
Welchen Götzen haben Sie zwischen sich und den wahren Gott gestellt – was ziehen
Sie der Beschäftigung mit seinem Wort und einem Leben nach seinem Wort vor? Gott
sagt: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner
Hände Werk" (Psalm 19, 1). Immer wieder heißt es in der Bibel, dass Gott der
wirkliche Schöpfer dieser Erde und des Universums ist. Er ist es, der allen
Geschöpfen mit jedem Atemzug das Leben verleiht (1. Mose 1). Machen Sie sich
wirklich bewusst, dass Gott derjenige ist, der Ihnen jeden Atemzug Ihres Lebens
schenkt, und verehren Sie ihn als Ihren Schöpfer? Das sollten Sie tun, denn es
ist ein Bestandteil dessen, wie man den wahren Gott anbetet und keine anderen
Götter neben ihm hat!
Die größte Irrlehre der heutigen Zeit ist nicht der Kommunismus oder
Atheismus, sondern die falsche und Gott verleugnende Evolutionstheorie, die wie
eine Glaubenslehre von Wissenschaftlern verkündet wird. Sie ist der Versuch,
eine Schöpfung ohne die Existenz eines Schöpfers zu erklären. Somit verleugnet
sie den wahren Gott in seiner Wesensart und Macht! Die Evolutionstheorie wurde
zur Grundlage eines großen Teils des modernen „Bildungswesens". Doch die
Weisheit der Welt ist in Gottes Augen Torheit (1. Korinther 1,
20).
Die Bibel offenbart Gott nicht nur als den Schöpfer, sondern auch als den
Bewahrer und Lenker der Schöpfung – der in die Angelegenheiten seiner Diener
eingreifen kann, um sie zu führen, zu segnen und zu retten. David schrieb:
„Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich
traue, mein Schild und Berg meines Heiles und mein Schutz" (Psalm 18, 3).
Buchstäblich Hunderte von Malen betete David zu Gott, dass dieser eingreifen und
ihn aus Bedrängnis und Schwierigkeiten erretten sollte. Wenden Sie sich bei
einer Notlage Gott zu oder vertrauen Sie nur auf Ihre eigene Kraft und
menschliche Hilfe?
Gottes Absicht verstehen
In Matthäus 6, 9 sagt Jesus uns, dass wir Gott im Gebet
als unseren „Vater" ansprechen sollen. Überall im Neuen Testament wird er als
derjenige dargestellt, zu dem wir mit allen unseren Problemen und Nöten kommen
können. Wie ein menschlicher Vater wacht er über seine Kinder, segnet und
beschützt sie. Aber er züchtigt auch jedes seiner Kinder, das er liebt (Hebräer
12, 6). Von Anfang an war Gott der höchste Vater der Menschheit. Bei der
Erschaffung des Menschen sagte er: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild,
das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer ..." (1.
Mose 1, 26). Der Mensch wurde nach dem Ebenbild, der äußeren Form Gottes,
erschaffen. Ihm wurden bestimmte Verantwortlichkeiten und Vorrechte übertragen,
die denen Gottes ähnlich sind – Herrschaft über die anderen Geschöpfe dieser
Erde und die begrenzte Fähigkeit, neue Dinge entstehen zu lassen – sozusagen zu
erschaffen –, die es bislang in dieser Form noch nicht gegeben hat. In diesem
begrenzten Sinne besitzt der Mensch einige spezifisch göttliche Fähigkeiten!
Gott hat nämlich geplant und beabsichtigt, dass wir ihm eines Tages gleich sein
sollen – verherrlicht wie er verherrlicht ist (1. Johannes 3, 2)! Der Mensch
soll letztlich aus Geist geboren werden und aus Geist bestehen (1. Johannes 3,
6). Wir werden ein Teil der aus Geist geborenen, regierenden Familie Gottes
sein. Gott hat geplant, dass diejenigen, die ihre menschliche Natur in diesem
Leben überwinden und lernen, mit Hilfe des in ihnen wirkenden heiligen Geistes
sein vollkommenes Gesetz einzuhalten, in seine eigene Familie und sein Reich
hineingeboren werden sollen! Dann, nach Abschluss dieses
lebenslangen Prozesses von Überwindung und geistlichem Wachstum und nach
der geistlichen Wiedergeburt wird der Mensch einige der
Hoheitsrechte Gottes ausüben können! Er wird sich als weiteres Mitglied des
regierenden Reichs Gottes qualifiziert haben! (Für genauere Informationen zu
dieser geistlichen Wiedergeburt lesen Sie unsere Broschüre Die Bestimmung
Ihres Lebens).
Doch sogar in dieser Hinsicht möchten sich Wissenschaft und Kultur mit Gott
messen und werden so zu falschen Göttern! Die moderne Wissenschaft ist
eifrig bestrebt, dem Menschen mehr Macht zu verleihen, als er mit seinen
geistigen und geistlichen Fähigkeiten richtig einsetzen kann! Der ehemalige
amerikanische Präsident Eisenhower hat es in seiner Antrittsrede so ausgedrückt:
„Die Wissenschaft scheint bereit, uns als ihr größtes Geschenk die Macht zu
geben, alles menschliche Leben auf diesem Planeten auszulöschen". Und nun
scheinen Wissenschaftler erkannt zu haben, dass ihre Werke diese Erde mit der
Vernichtung bedrohen und arbeiten fieberhaft daran, das Weltall zu kolonisieren!
Währenddessen verbreitet unsere Zivilisation weiterhin ihre heidnischen Lehren,
dass der Mensch die höchste Instanz sei, zwischen gut und böse zu
unterscheiden – und setzt damit den Menschen gänzlich an die Stelle Gottes und
seiner Gesetze! Diese weltliche, Gott verleugnende Einstellung hat
inzwischen jeden Bereich unserer heutigen Zivilisation durchdrungen – ob wir
dies erkennen oder nicht!
Wem Sie sich hauptsächlich widmen, das ist
Ihr „Gott"
Die meisten Menschen, die lediglich einmal in der Woche
oder seltener in die Kirche gehen und ihre religiöse Überzeugung als etwas
Gegebenes hinnehmen, wissen nicht wirklich, was Gottesdienst bedeutet. Sie sind
der Meinung, „Gottesdienst" sei das, was man einmal pro Woche in der Kirche tut,
erkennen aber nicht, dass dieser jeden Gedanken, jedes Wort und jede Tat an
jedem Tag ihres Lebens beeinflussen sollte. Mit allem, was Sie denken, sagen
oder tun, dienen Sie entweder Gott oder Ihren eigenen Neigungen
und somit Satan, dem Teufel! Paulus wurde inspiriert, es so zu erklären: „Wisst
ihr nicht: wem Ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte
seid ihr und müsst ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem
Gehorsam zur Gerechtigkeit" (Römer 6, 16). Da gibt es keinen Mittelweg! Entweder
haben Sie Freude an Gott und seinem Gesetz, dann dienen und gehorchen sie ihm an
jedem Tag Ihres Lebens, oder Sie dienen und gehorchen ihren selbstsüchtigen
Neigungen und Impulsen! Ein Hinweis, um dies zu überprüfen, ist die Tatsache,
womit Sie die meiste Zeit verbringen, denn Ihre Zeit ist Ihr Leben! Die Bibel
ermahnt uns: „Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit" (Epheser 5, 16). Wie
viel Zeit verbringen Sie im Laufe einer Woche damit, Gottes Wort und Gesetze zu
studieren und darüber nachzudenken, so wie es David tat? Wie viel Zeit
verbringen Sie im ernsthaften, ausdauernden Gebet, das an den allmächtigen Gott
gerichtet ist? Wie viel Zeit verbringen Sie damit, über die Bibel mit anderen
Menschen zu reden, Ihrer Familie etwas daraus beizubringen oder anderen Menschen
neben gesellschaftlichen Belanglosigkeiten auch geistlich aufbauende Worte zu
schreiben?
Bei den meisten Menschen, die sich zum Christentum bekennen, ist der Glaube
nur eine Randerscheinung in ihrem Leben. Doch es kommt die Zeit, in der alle
Menschen erkennen werden, dass diese Form der Religiosität tatsächlich eine
falsche Religion und ein falscher Gottesdienst ist! Was ist der
wichtigste Aspekt dessen, was Gott uns gebietet? Als Jesus Christus, unser
Erlöser, danach gefragt wurde, antwortete er: „’Du sollst den Herrn, deinen
Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt’. Dies ist
das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: ‚Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst’. In diesen beiden Geboten hängt das ganze
Gesetz und die Propheten" (Matthäus 22, 37-40).
Das Schicksal aller Nationen und einzelnen Personen hängt an diesen beiden
Geboten! Wenn die Menschen diese beiden Gebote befolgen, deren Auswirkungen in
der Bibel an immer neuen Beispielen verdeutlicht werden, dann werden sie
gesegnet sein! Wenn nicht, so wird ein Fluch auf ihnen lasten und sie machen
sich durch ihre eigene Verwirrung und Frustration unglücklich! Wie Jesus es
ausdrückte, hängen die Schriften der Propheten daran, ob ganze Nationen Gottes
Gesetze befolgen oder nicht. Jede Prophezeiung, die gegen ein Volk gerichtet
ist, zeigt auf, dass Gott vorhergesehen hat, dass dieses Volk ihm den Gehorsam
verweigern und sich von seinem Gesetz und dem Gehorsam gegenüber den Geboten
abwenden würde! Wir reden hier von einem lebendigen Gesetz – wie
dem Gesetz der Schwerkraft – das die Welt beeinflusst, in der wir
leben!
Lernen Sie, Gott vor allem anderen zu lieben
und zu verehren
Jesus sagte, das größte Gebot sei, Gott von ganzem
Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt zu lieben. Wir müssen Gott also
mit unserem gesamten Leben dienen! Immer, wenn Sie an etwas schönes oder
wunderbares denken, davon hören oder darüber sprechen, sollten Sie dabei auch an
Gott denken. Erinnern wir uns an die inspirierte Aussage von Jakobus: „Alle gute
Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts,
bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis"
(Jakobus 1, 17). Sie sollten über Gottes Gesetz und sein Wort täglich
nachdenken, wie David es tat, weil Sie ihn lieben, wirklich verehren und wissen,
dass seine Lebensweise richtig ist. Auch sollten Sie regelmäßig die Bibel
studieren, um nach jedem Wort Gottes leben zu können. Nach dem Vorbild Jesu
sollten Sie ebenfalls regelmäßig zu Gott beten, und zwar voller Aufrichtigkeit
und von ganzem Herzen. Sie sollten zu einer Einstellung gelangen, dass Sie bei
allem, was Sie als ein biblisches Gebot von Gott erkennen, reagieren, indem Sie
sagen: „Ja, Herr". Dann gibt es keinen Platz für Diskussionen, Ausflüchte oder
irgendwelche „Gründe", warum wir etwas nicht tun – wie es so viele so genannte
Christen heute praktizieren.
Im Bewusstsein dessen, dass Gott Sie erschaffen hat und Ihr Leben
eigentlich ihm gehört, sollten Sie sich selbst als ein „lebendiges Opfer"
darbringen, wie Gott es sagt (Römer 12, 1). Bereitwillig sollten wir alle Gott
von ganzem Herzen dienen und alles tun, was in unserer Macht steht, damit wir
dazu beitragen können, die Botschaft von der bald kommenden Regierung Gottes zu
verbreiten. Durch diese Regierung wird Gott dieser Erde endlich den ersehnten
Frieden bringen. Unsere Einstellung sollte immer derjenigen Jesu Christi
entsprechen, der angesichts seines nahenden Todes gesagt hat, „nicht mein,
sonder dein Wille geschehe" (Lukas 22, 42). Das ist ein wirklicher Gottesdienst!
So können wir das erste Gebot einhalten, das oberste Gebot!
Das zweite Gebot
In der Bergpredigt sagte Jesus: „Wer nun eines von
diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste
heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt
[selbst die „kleinsten" Gebote], der wird groß heißen im
Himmelreich" (Matthäus 5, 19). In dieser gesamten Botschaft erklärte und
vertiefte Jesus die Zehn Gebote. Er zeigte, dass dieses geistliche Gesetz
ein lebendiges Gesetz ist – wie die Gesetze der Schwerkraft oder
der Trägheit der Masse. Wenn man die Gesetze bricht, zerbricht man an
ihnen! Wir haben weiterhin gesehen, dass alle Menschen und Nationen, die
das erste Gebot – „du sollst keine anderen Götter haben neben mir" (2. Mose 20,
3) – brechen, automatisch die Folgen in Form von Leiden und Elend selbst und bei
ihren Nachkommen zu spüren bekommen. Somit entfernen sich die Menschen selbst
vom Ursprung ihrer Existenz, vom Zweck ihres Daseins und von den Gesetzen, die
ihnen zu Glück, Frieden und Freude verhelfen würden. Menschen, die von dem
wahren Gott abgeschnitten leben, sind innerlich leer, enttäuscht und
unglücklich. Und unabhängig davon, ob ein Mensch durch Krieg umkommt, einem
Verbrechen zum Opfer fällt oder durch Krankheit oder hohes Alter stirbt, ist das
letztendliche Schicksal aller Menschen, die Gott fern sind, ein erbärmlicher Tod
– ohne Hoffnung auf die Verheißung des ewigen Lebens (Römer 6, 23; Offenbarung
21, 8).
Der Wortlaut des zweiten Gebots
Der Mensch ist unvollständig, weil er sich vom wahren
Gottesdienst für den wahren Gott entfernt hat. Doch er soll nur diesen Gott
anbeten: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir" (2. Mose 20, 3). Das
zweite Gebot erklärt uns dann, wie wir den wahren Gott anbeten sollen und welche
Irrtümer wir bei unserer Verehrung Gottes vermeiden müssen. Es beschreibt die
Segnungen oder auch Strafen, die sich sogar auf unsere Nachkommen auswirken, je
nachdem, wie wir den wahren Gott verehren. „Du sollst dir kein Bildnis
noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von
dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete
sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, bin ein eifernder Gott,
der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den
Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden,
die mich lieben und meine Gebote halten" (2. Mose 20, 4-6).
Es liegt in der Natur des Menschen, nach Abbildungen zu suchen, die ihm
helfen, Gott zu verehren. Physische Menschen suchen nach physischen Objekten –
einer „Hilfe" bei der Anbetung – um ihnen den unsichtbaren Gott „sichtbar" zu
machen. Doch genau das verbietet das zweite Gebot! Jesus sagte: „Aber es kommt
die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater
anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn
auch der Vater will solche Anbeter haben" (Johannes 4, 23). Beachten Sie, dass
nur die „wahren" Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten können.
Viele andere versuchen es zwar mit vielerlei Formen der Gottesverehrung, doch
weil sie dabei von einer falschen Vorstellung von Gott ausgehen, ist dieser
Gottesdienst zum großen Teil vergeblich. „Gott ist Geist, und die
ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten"
(Vers 24). In dem Augenblick, wo Menschen sich ein Bildnis von Gott errichten,
verleugnen sie damit das eigentliche Wesen Gottes. Gott ist der Urquell aller
Kraft, aller Weisheit und aller Liebe. Gott ist unendlich. Wenn Menschen sich
ihre eigenen gedanklichen oder gegenständlichen Bilder von Gott
machen, begrenzen sie damit automatisch Gott in ihren Gedanken und ihrem
Gottesdienst, wohingegen Gott grenzenlos ist!
Die Ursache von Götzendienst
Nachdem Gott die Zehn Gebote wiederholt hatte, warnte er
Israel immer wieder vor jeglicher Form von Götzendienst. „Ihr sollt euch keine
Götzen machen und euch weder Bild noch Steinmal aufrichten, auch keinen Stein
mit Bildwerk setzen in eurem Lande, um davor anzubeten; denn ich bin der Herr,
euer Gott" (3. Mose 26, 1). Gott war immer gegen jede Art Götze oder Bildnis zum
Zweck der Anbetung. Doch damit keine Missverständnisse aufkommen, wollen wir an
dieser Stelle darauf hinweisen, dass Gott keineswegs Kunstwerke wie Gemälde oder
Skulpturen verurteilt, sondern nur die Verwendung von Bildnissen und
Darstellungen, „um davor anzubeten". Im originalen Wortlaut des Gebotes in 2.
Mose 20, 4-6 spricht sich Gott nicht gegen alle Bilder und Statuen
aus, sondern das Gebot betont: „Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!" Was
Gott verurteilt, ist die Verwendung von Bildwerken, die als „Gebetshilfe" dienen
oder selbst zum Objekt der Anbetung werden! Die eigentliche Ursache
von Götzendienst ist das eigenwillige, rebellische Bestreben des Menschen, sich
Gott zu widersetzen und den wahren Gott nicht so anzubeten, wie er es
geboten hat! Da der Mensch den wahren Gott nicht kennt und dessen Geist
nicht in sich hat, glaubt er, nicht ohne „Hilfsmittel" oder „Darstellungen"
auskommen zu können, die ihn bei der Anbetung seiner menschlichen Vorstellung
von Gott unterstützen. Beachten Sie, dass das zweite Gebot nicht über die
Anbetung von Götzen spricht, denn dies ist bereits durch das erste
Gebot untersagt. Das zweite Gebot verbietet die Verwendung gegenständlicher
„Hilfsmittel" bei der Anbetung des unsichtbaren Gottes.
Ein wirklich bekehrter Mensch kennt Gott
Niemand, der Gott wirklich als seinen Vater kennt – und
in täglicher Zwiesprache mit ihm steht – braucht ein Bildnis oder einen
Kultgegenstand als Gebetshilfe. Wenn jemand glaubt, er brauche diese Art
Hilfsmittel, dann kennt er Gott einfach noch nicht – und ist offenbar auch nicht
von Gottes heiligem Geist erfüllt und geleitet. Um Gott im Geist anbeten zu
können, müssen Sie den heiligen Geist haben. „Wer aber Christi Geist nicht hat,
der ist nicht sein" (Römer 8, 9). Gott verleiht jedoch seinen heiligen
Geist nur denjenigen, die wirklich bereut haben, getauft wurden und „ihm
gehorchen" (Apostelgeschichte 2, 38; 5, 32). Nur sehr wenige Menschen haben sich
in unserer Zeit wirklich Gott untergeordnet, um ihm zu gehorchen,
für ihn zu leben und ihn über alle ihre Gedanken, Worte und Taten regieren zu
lassen. Darum ist Gott ihnen nicht wirklich vertraut. Er erscheint ihnen weit
entfernt – unreal – und verschwommen. Daher brauchen sie gegenständliche
„Erinnerungen" vor ihren Augen, die ihnen helfen, seine reale Existenz zu spüren
und sich zu vergewissern, dass er ihre Gebete erhört!
Bilder von Jesus
Tausende von Menschen, die sich zum Christentum
bekennen, beten vor Bildern, die angeblich Jesus Christus darstellen sollen, und
hängen solche Bildnisse in ihren Wohnungen auf. Was sagt die Bibel zu solchen
Bildern? Zunächst einmal untersagt das zweite Gebot eindeutig jede Darstellung
Gottes, die leicht zum Gegenstand der Anbetung werden könnte. Da Jesus Christus
selbst auch Gott ist (Hebräer 1, 8), gilt dieses Gebot auch für Darstellungen
seiner Person! Wenn aber jemand dennoch über diesen Punkt diskutieren möchte, so
sei darüber hinaus erwähnt, dass diese Bildnisse Jesu keinerlei Ähnlichkeit
damit haben, wie Jesus Christus tatsächlich ausgesehen hat! Jesus war – in
seiner menschlichen Gestalt – ein Jude (Hebräer 7, 14). Die Gesichtszüge auf
diesen angeblichen Abbildern sind aber ganz offensichtlich nicht jüdisch! Als
das Wort Gottes inspirierte Christus selbst den Apostel Paulus zu den Worten:
„Lehrt euch nicht auch die Natur, dass es für einen Mann eine Unehre
ist, wenn er langes Haar trägt?" (1. Korinther 11, 14). Dennoch zeigen diese
Bilder ausnahmslos einen Mann mit langen Haaren, weichen, femininen
Gesichtszügen und einem sentimentalen Blick, der einen Anschein von Heiligkeit
erwecken soll. Dies entspricht nicht dem Christus der Bibel!
In Wirklichkeit war Jesus ohne Zweifel eine sehr männliche Erscheinung. Als
junger Mann war er Zimmermann und arbeitete oft im Freien. Auch während der Zeit
seines Predigtamtes verbrachte er die meiste Zeit unter freiem Himmel. Die
Darstellungen Jesu auf den meisten Kruzifixen, Gemälden und Standbildern stehen
also im deutlichen Gegensatz zu den Beschreibungen seines Aussehens, die durch
das heilige Wort Gottes überliefert sind! Sie vermitteln in jeder Hinsicht einen
falschen Eindruck von der eigentlichen Person Jesu Christi. Eigentlich
muss das Gesicht Jesu derb und von der Sonne gebräunt gewesen sein. Er war auch
keine feminine Erscheinung, sondern hatte kurzes Haar wie ein Mann. Auch hatte
er keine aristokratisch-schönen Gesichtszüge, so dass Jesaja inspiriert wurde,
über seine menschliche Erscheinung zu schreiben: „Er hatte keine Gestalt und
Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte"
(Jesaja 53, 2). In seiner menschlichen Gestalt war Jesus ein normaler, gesunder,
vielleicht etwas derb wirkender, junger jüdischer Zimmermann Anfang Dreißig, der
mit Ernsthaftigkeit und Überzeugung anfing, eine Botschaft über Gottes bald
kommendes Reich und seine Herrschaft über die Erde zu verkündigen. Wenn wir uns
also überhaupt Gedanken über Jesu Erscheinung machen wollen, so sollten wir uns
eher vorstellen, wie er heute aussieht. In Offenbarung 1, 14-16 wird er so
beschrieben: „Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der
Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme [...] und sein Angesicht leuchtete,
wie die Sonne scheint in ihrer Macht". Als wahrhaftiger Gott leuchtet das
Gesicht Jesu jetzt in strahlendem Glanz und herrlicher Macht.
Wir als menschliche Wesen könnten den Anblick dieses Glanzes nicht ertragen!
Viele werden erklären, dass sie diese Bildnisse oder Statuen nicht direkt
anbeten. Das stimmt vielleicht. Dennoch kommt dieses falsche Bild
und folglich die falsche Vorstellung von Christus ohne Zweifel oft
in ihren Sinn, wenn Sie an Christus denken oder zu ihm beten. So treten diese
falschen Bildnisse zwischen sie und Christus. Sie trennen den Anbetenden von
Christus! Wenn Sie solche Bildnisse Christi beim Gebet gebrauchen, brechen Sie
das zweite Gebot! Außerdem engen Sie Ihre Vorstellung vom lebendigen Christus
erheblich ein – der jetzt in seinem verherrlichten Zustand zur Rechten Gottes im
Himmel sitzt und dessen Angesicht leuchtet, „wie die Sonne scheint in ihrer
Macht"!
Anbetung von Systemen und Institutionen
Eine sehr weit verbreitete Form moderner Abgötterei ist
es, die eigenen Kirche oder soziale Bezugsgruppe zum Götzen zu machen. Für viele
Menschen wird diese Gesellschaft – mit ihren Verhaltensweisen, Bräuchen und
Traditionen – buchstäblich zu ihrem „Gott". Viele sind auf das Äußerste bemüht,
ja nichts zu tun, was gegen die Norm verstoßen würde oder als seltsam angesehen
werden könnte. Sie fühlen sich genötigt, sich dieser Welt und ihren Gewohnheiten
anpassen zu müssen. Dagegen gebietet Gott: „Stellt euch nicht dieser Welt
gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes" (Römer 12,
2). Für Menschen, die in der Vorstellung befangen sind, dass andere Menschen in
dem was sie denken, sagen oder tun, stets recht haben, muss es sehr schwer sein,
dieser Aufforderung nachzukommen. Die Bibel zeigt, dass es auch zur Zeit Jesu
viele Menschen gab, die falschen Göttern dienten, „denn sie hatten lieber
Ehre bei den Menschen als Ehre bei Gott" (Johannes 12, 43).
Wenn wir den Bräuchen und Traditionen der eigenen Familie, Kirche oder
Gesellschaft blind nachfolgen, anstatt die Gebote aus dem Wort Gottes zu
befolgen, sind wir des Götzendienstes schuldig. Diese soziale Gruppe oder
Institution wird dann zum „Götzen" und tritt an die Stelle des
wahren Gottes! Selbst kirchliche Rituale sind eine gefährliche Angelegenheit,
denn so ausgeklügelt sie in vereinzelten Institutionen auch sein mögen, sprechen
sie letztlich nur die physischen Sinne des Menschen an und sind kein
gleichwertiger Ersatz für den wahren Gottesdienst „im Geist". Die Bibel
beschreibt direkt die Einstellung von Menschen unserer Tage, wenn es heißt: „Sie
haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft
verleugnen sie" (2. Timotheus 3, 5).
Der wahre Gott ist der unsichtbare, ewige Schöpfer und Beherrscher des
Universums. Wie sollten wir ihn anbeten? Er selbst gibt die Antwort: „Ich sehe
aber auf den Elenden und auf den, der zerbrochenen Geistes ist und der erzittert
vor meinem Wort" (Jesaja 66, 2). Wir müssen ihn direkt anbeten – mit einer
demütigen und offenen Einstellung. Wir müssen Gottes Wort mit der Bereitschaft
studieren, uns dadurch zurechtweisen zu lassen, im tiefen Bewusstsein
der Autorität Gottes über unser Leben! Mit einem Herzen, das sich durch Reue und
Gehorsam Gott untergeordnet hat, müssen wir viele Male im Verlauf der Woche zu
ihm beten, sei es auf den Knien oder im stillen Gebet während unserer
alltäglichen Verrichtungen. So lernen wir ihn als unseren Vater kennen
und lieben. Diese Broschüre führt uns immer wieder auf die
biblische Aussage zurück: „Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote
halten; und seine Gebote sind nicht schwer" (1. Johannes 5, 3). Wir sind also
wirklich dabei, unseren Schöpfer zu lieben und zu ehren, wenn wir
ein gehorsames Leben nach den Zehn Geboten leben – so wie Jesus es auch tat.
Wir müssen lernen, wie Henoch, Noah und Abraham „mit Gott zu wandeln" – und
dabei mit jedem Tag unseres Lebens unsere Gemeinschaft und Verbindung mit ihm
stärken und ausbauen. Dann – geleitet von seinem Geist – werden Sie nie auch nur
auf den Gedanken kommen, im Gebet zu ihrem persönlichen Vater im Himmel und im
Gottesdienst für den uneingeschränkten Herrscher des Universums irgendwelche
Bildnisse als „Vorstellungshilfen" zu gebrauchen!
Eine ernste Warnung und ein Versprechen
Wir haben gesehen, dass Gott die Errichtung von
Bildnissen und Idolen jeglicher Art, die ihn darstellen sollen, verbietet: „Denn
ich, der Herr, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis
ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber
Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote
halten" (2. Mose 20, 5-6). Weil Gott in seiner Liebe als unser Vater tief um
unser ewiges Leben besorgt ist, wacht er eifersüchtig darüber, dass seine Kinder
nicht falsche Götter anbeten. Dies geschieht nur zu unserem Besten! Wenn wir auf
unserer götzendienerischen und vergeblichen Form der Anbetung beharren, so sagt
Gott, dass sich das bis auf unsere Kinder, Enkel und Urenkel auswirkt. Zu dieser
Aussage lassen sich viele Aspekte finden. Einer davon steht im direkten
Zusammenhang mit der Bedeutung des Gebots. Wenn Menschen ein Symbol, ein Bild
oder irgendetwas an Gottes Stelle setzen, um es anzubeten, und diese verkehrte
Form der Anbetung auf ihr Denken und Handeln Einfluss nimmt, dann schaden sie
damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Kindern und deren Kindern! Sie
übertragen dann nämlich grundsätzlich ihre falschen Vorstellungen
der Gottesverehrung auf ihre Kinder und beeinträchtigen deren Leben und
Lebensglück, bis hin zu einer nicht wieder gut zu machenden Zerstörung! Es ist
eine ernste Angelegenheit von großer Tragweite, seinen Kindern ein
falsches Konzept von Gott zu vermitteln, eine der schlimmsten Dinge, die
Eltern tun können! Dies muss in solcher Deutlichkeit gesagt werden, weil es
jedem, der an die Bibel glaubt, klar sein dürfte, dass eine Verehrung falscher
„Götter" und Idole das Leben von Milliarden von Menschen geschädigt hat.
Abgeschnitten von der Erkenntnis des wahren Schöpfers konnten unzählige
Millionen von Satan verführt werden (Offenbarung 12, 9) und mussten deshalb
Kriege, zerstörte Familien, Hungersnöte, Sklaverei und alle erdenklichen Arten
menschlichen Leidens und menschlicher Erniedrigung am eigenen Leib erleben!
Doch zusammen mit dieser Warnung gibt uns Gott eine Verheißung der Gnade
für alle, die willens sind, ihn so anzubeten, wie er es geboten hat. In ihrem
Fall ist er ein liebender und gnädiger Gott, der „Barmherzigkeit erweist an
vielen Tausenden", die ihn lieben und seine Gebote einhalten. Das ist ein
bemerkenswerter Gegensatz. Gott sucht die Missetat der Väter nur bis ins die
dritte und vierte Generation heim, bevor er mit einer gnädigen Zurechtweisung
eingreift und die Wahrheit zugänglich macht. Auf der anderen Seite aber erweist
er Gnade an vielen Tausenden, was sich über weitaus mehr
Generationen erstreckt! Gott beruft Menschen in seine unmittelbare geistliche
Gegenwart – damit sie ihren Schöpfer direkt anbeten können. Wir
Menschen können tatsächlich den herrlichen Gott des Universums als unseren
persönlichen Vater kennen lernen. Täglich können wir mit ihm
wandeln und kommunizieren. Immer, wenn Menschen etwas zwischen diese Anbetung
von Angesicht zu Angesicht bringen, verursachen sie einem Schaden in ihrem
eigenen Charakter – und brechen das Gebot Gottes. Das ist die Bedeutung und
Auswirkung des zweiten Gebotes.
Das dritte Gebot
Steht Gott wirklich an erster Stelle in Ihrem Leben?
Eine Umfrage an 1500 Studenten ergab, dass sie zwei parallele Wertesysteme
vertraten. An oberster Stelle standen sie selbst, ihre Familie und ihre Freunde.
Auf einer anderen, niedrigeren Ebene befanden sich die Menschheit (im
Allgemeinen) und Gott. Es ist erstaunlich, dass Gott bei diesen „gebildeten"
jungen Menschen einen so niedrigen Rang einnahm, zumal in derselben Umfrage 90
Prozent angaben, in irgendeiner Form an Gott zu glauben. Diese Gleichgültigkeit
und Trägheit in Glaubensangelegenheiten und die passive Respektlosigkeit
gegenüber Gott und seiner alles übersteigenden Allmacht sind bezeichnend für
eine Entwicklung, die sogar unter denen um sich gegriffen hat, die sich zum
Christentum bekennen. Man diskutiert gerne über Gott und Religion, zeigt aber
keinen Respekt mehr vor Gottes Namen oder seiner Autorität. Diese Einstellung
hat sich in der westlichen Zivilisation wie ein Krebsgeschwür verbreitet und
birgt den Samen der Zerstörung in sich!
Der Wortlaut des dritten Gebots
Die Ausführungen über das erste und zweite Gebot haben
deutlich gemacht, dass wir uns davor hüten müssen, uns aus irgendetwas einen
„Gott" zu machen und dieses an die Stelle des wahren Gottes zu setzen. Weiter
haben wir gesehen, dass Gott uns gebietet, ihn unmittelbar anzubeten – mit ihm
zu wandeln, zu reden, ihn wirklich kennen zu lernen und im Geist und in der
Wahrheit anzubeten. Dazu müssen wir jegliche Art von Bildnissen oder
Kultgegenständen als „Gebetshilfe" oder „Vorstellungshilfe" vermeiden, mit denen
wir uns an den Schöpfer erinnern wollen. Das dritte Gebot befasst sich nun mit
Gottes Namen, seinem Amt und Rang als höchster und uneingeschränkter Herrscher
über das Universum: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht
missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen
missbraucht" (2. Mose 20, 7). In der Bibel haben Eigennamen eine
besondere Bedeutung. Der ursprüngliche hebräische Name Abram wurde in
Abraham geändert, weil Abraham „Vater vieler Völker" bedeutet und Abraham
dazu bestimmt war, ein „Vater vieler Völker" zu werden (1. Mose 17, 5). Ebenso
verhält es sich mit dem Namen Gottes.
Gottes Name offenbart das Wesen des Gottes,
den Sie anbeten
Jeder Name und Titel Gottes offenbart einen Wesenszug im
Charakter Gottes. Bei der Beschäftigung mit Gottes Wort erfahren wir mit jedem
neuen Namen, durch den er sich selbst offenbart, auch neue Tatsachen über die
Eigenschaften und Wesensart Gottes. Mit anderen Worten: Gott nennt sich selbst
nach dem, was er ist! Wenn Menschen den Namen Gottes auf eine Art
gebrauchen, die dessen wahre Bedeutung und den Charakter
Gottes verleugnet, dann brechen sie das dritte Gebot. Gott erklärte durch
Jesaja: „Hört dies, ihr vom Hause Jakob, die ihr nach dem Namen Israels heißt
und aus dem Wasser Judas gekommen seid; die ihr schwört bei dem Namen des Herrn
und den Gott Israels bekennt, aber nicht in Wahrheit und Gerechtigkeit" (Jesaja
48, 1).
Menschen, auf die sich diese Prophezeiung bezieht, benutzen zwar den Namen
Gottes, doch sie missachten Gottes Selbstoffenbarung, die sich in seinem Namen
ausdrückt. Es ist traurig, aber wahr: Viele religiöse Menschen führen den Namen
Gottes ständig im Munde und wiederholen ihn fortwährend in Predigten und
Gebeten. Dennoch tun sie dies vergeblich – ohne Sinn und Zweck! Im
ursprünglichen Sinn des Hebräischen besagt das Gebot, „der Herr wird den
nicht als schuldlos betrachten, der seinen Namen missbraucht". Das Wort
für „schuldlos" hat auch die Bedeutung von „rein" – „der Herr wird den nicht als
rein betrachten, der seinen Namen missbraucht". Die geistliche Reinheit
zeigt sich in unserer Einstellung gegenüber dem Namen Gottes! Wir sind rein oder
unrein, je nachdem, ob wir den Namen Gottes mit aufrichtiger Gesinnung oder im
eigenen, gedankenlosen und eitlen Geschwätz im Munde führen. Erkennen Sie, was
das bedeutet? Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass es immer noch besser ist,
den Namen Gottes – wegen ernsthafter Glaubenskonflikte – gar nicht zu
gebrauchen, als wenn ein bekennender Christ unentwegt von Gott redet, ihn aber
durch seine Lebensführung täglich verleugnet!
Im so genannten „Vaterunser" werden wir angewiesen, Gottes Namen zu
„heiligen" und das dritte Gebot handelt direkt davon, dass wir dem Namen Gottes
mit dem gebührenden Respekt begegnen sollen. Dieses Thema ist also sogar eines
der zehn wichtigsten Themen in Gottes ewigem, geistlichem Gesetz! Um
Missverständnissen vorzubeugen, wollen wir zunächst klar stellen, dass
Ehrerbietung gegenüber dem Namen Gottes nicht bedeutet, Hebräisch oder
Griechisch zu lernen, damit wir Gottes Namen in den ursprünglichen biblischen
Sprachen aussprechen können! Es gibt gewisse Glaubensgemeinschaften, die aus
dieser Überzeugung ein wichtiges Thema machen. Manche behaupten, der Name des
Vaters sei „Jehova", andere sprechen ihn „Jahwe" oder „Jahveh" aus und wieder
andere halten sich an weitere Ausspracheformen. Da im Hebräischen die Vokale
nicht überliefert wurden – wie alle zugeben –, ist die einzige feststehende
Tatsache, dass niemand genau weiß, wie der hebräische Name Gottes ausgesprochen
werden sollte! (Für einen Beweis, dass „Gott" der Name des Vaters ist, lesen Sie
unseren Artikel „Was bedeutet es wirklich, Gottes Namen zu heiligen?").
In einem Artikel über die Bedeutung des Namens von Personen schreibt
Moulton-Milligan’s Vocabulary of the Greek Testament [Wörterbuch des
griechischen Testaments]: „Im Gebrauch ähnlich wie das Hebräische ... [onoma,
„Name"] hat es im Neuen Testament zum Inhalt, den ‚Charakter’, den ‚Namen’
und die ‚Amtsautorität’ der bezeichneten Person auszudrücken" (Seite
451). Außerdem – und noch viel bedeutsamer – hat Gott selbst Daniel und Esra
inspiriert, in den neun Kapiteln der Bibel, die sie auf Aramäisch schrieben, das
aramäische Wort für Gott zu verwenden, und alle Schreiber des Neuen Testaments
verwendeten die griechische Bezeichnung für Gott. Das Wesentliche
an Gottes Namen liegt also eindeutig nicht in der phonetischen Aussprache des
Gottesnamens, sondern in der Bedeutung, die im Namen Gottes zum Ausdruck kommt!
Dieses allgemein anerkannte Nachschlagewerk für biblische Linguistik zeigt klar,
dass der Name einer Person ihren Rang, ihre Amtsautorität und besonders ihren
Charakter beschreibt. Die Namen Gottes zeigen uns, wie Gott ist – sie offenbaren
seinen Charakter! Wissen Sie, welchen Charakter Gott hat? Respektieren Sie
seinen Rang, seine Autorität und seinen Namen, wie Sie sollten? Nehmen Sie Ihre
Bibel zur Hand und prüfen Sie es selbst nach!
Gottes Wesen offenbart
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde" (1. Mose 1, 1).
Bereits im ersten Vers der Bibel offenbart Gott sich selbst mit dem hebräischen
Namen Elohim. Es gibt einen Gott – aber mehr als ein Mitglied in der
Gottheit oder Familie Gottes! Dasselbe Wort Elohim wird in 1. Mose 1, 26
gebraucht: „Und Gott [Elohim] sprach: Lasset uns
Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei". Hier zeigt sich
schon im Textzusammenhang eindeutig, dass mehr als eine Person den Namen „Gott"
[Elohim] innehat. Im Neuen Testament wird dies bestätigt, als offenbart
wird, dass Gott der Vater alle Dinge mit und durch Jesus Christus erschaffen hat
– der von Anfang an bei Gott war und selbst Gott war (Johannes 1, 1; Epheser 3,
9).
Wir erfahren also, dass Gott mehr als eine Person ist – nämlich Gott der
Vater und das „Wort" bzw. der Sprecher, der später als Jesus
Christus im Fleisch geboren wurde. Diese Vater-Sohn-Beziehung zeigt, dass Gott
eine Familie ist. Die Art und Weise, wie das Wort Elohim in
den Anfangsversen des 1. Buches Mose und anderswo verwendet wird, lässt
eindeutig darauf schließen, dass Gott die Schöpferfamilie ist!
Interessanterweise ist das Wort Elohim grammatikalisch eine Pluralform,
wird aber je nach Kontext als Einzahl oder Mehrzahl verwendet. Als Schöpfer ist
Gott gleichzeitig auch Herrscher über seine Schöpfung. Unmittelbar nach der
Erschaffung des ersten Mannes und der ersten Frau gab er ihnen sowohl einen
Segen, als auch einen Auftrag: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die
Erde und machet sie euch untertan" (1. Mose 1, 28).
Ja, der wahre Gott ist Herrscher über seine Schöpfung – und wir sollten ihm
gehorchen, weil er uns erschaffen hat und uns jeden Atemzug unseres Lebens
schenkt! Wenn Gott mit Abraham sprach, nannte er sich manchmal El Schaddai,
was „allmächtiger Gott" bedeutet. Gott ist also der Inbegriff und
Ursprung aller Macht! Sein Name verdient Respekt, weil er
denjenigen bezeichnet, von dem alle Macht und Autorität ausgeht. Der im Alten
Testament zumeist mit „Herr" übersetzte Name stammt von den hebräischen
Buchstaben JHWH und wird in der Regel als JAHWE wiedergegeben. Das ursprüngliche
hebräische Wort bedeutet so viel wie „der Ewige" oder „der aus sich selbst
Existierende". In 1. Mose 21, 33 wird der Begriff verwendet und gleichzeitig
definiert: „Abraham aber pflanzte einen Tamariskenbaum in Beerseba und rief dort
den Namen des Herrn, des ewigen Gottes an". Dieses hebräische
Wort, das in einigen Bibelübersetzungen mit „Jehova" wiedergegeben ist,
beschreibt Gott als den immer lebendigen Gott und wird immer verwendet, wenn
dadurch seine Autorität im Bezug auf ein Bundesverhältnis mit seinen Geschöpfen
beschrieben wird. Gott hat immer existiert und wird immer existieren, und er
wird seine Segnungen, seine Verheißungen und den Bund mit seinem Volk
verwirklichen! Der wahre Gott ist der ewige Gott – der aus sich
selbst heraus Existierende. Überall in der Bibel steht der Name Gottes im
Zusammenhang mit seinen Charaktereigenschaften – seiner Macht, seiner ewigen
Existenz, seiner Gnade, seiner Treue, seiner Weisheit und seiner Liebe. Lesen
Sie, wie der Prophet David Gottes Namen mit seiner Schöpferkraft in Verbindung
brachte: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der
du zeigst deine Hoheit am Himmel! [...] Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger
Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du
seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" (Psalm 8,
2-5). Hier erscheint Gott als derjenige, der seine „Hoheit" am Himmel kundtut.
David zeigte weiter, dass Gott die Himmel, die Erde und den Menschen erschaffen
hat. Ohne Zweifel verdienen Gottes Name und Machtstellung unseren Respekt!
In unserer Alltagssprache missbrauchen viele Menschen den Namen des
Schöpfers, unseres Gottes! Wir benutzen unseren Atem, um den zu lästern, der uns
mit der Atemluft unser Leben geschenkt hat! Eine häufige Redewendung ist
„gottverdammt". Menschen aller sozialen Schichten geht dieser Fluch leicht von
den Lippen; vielleicht glauben sie, damit besonders „männlich" zu wirken oder
etwas vertuschen zu können! Doch wenn man die tatsächliche, schreckliche
Bedeutung berücksichtigt, dürfte es schwer fallen, einen normalen Menschen zu
finden, der diesen Fluch wirklich an einem anderen Menschen ausgeführt sehen
wollte. Solche Ausdrücke zu verwenden bedeutet, ein leichtfertiges Spiel mit dem
Namen Gottes zu treiben – indem man ihn auffordert, etwas zu tun, was er nie zu
tun beabsichtigt hat. Niemals hat Gott einen Menschen in einer Weise „verdammt",
wie manche sich das zu glauben scheinen! Diese Vorstellung entspringt einer
schrecklichen Irrlehre! Gottes Werk hat die Absicht, zu erlösen, und Gott wird
keinem Menschen das ewige Leben vorenthalten, der nicht durch eigene Handlungen
und seinen eigenen Willen bewusst erklärt, dass er Gott und seine Wege ablehnt.
Gott sagt: „Ich sehe aber auf den Elenden und auf den, der zerbrochenen Geistes
ist und der erzittert vor meinem Wort" (Jesaja 66, 2). Dasselbe gilt auch für
den tiefen Respekt und die Ehrfurcht, die wir vor Gottes Namen haben sollten –
der direkt für Gottes Charakter, sein Wort und seinen Willen steht.
Soll man schwören?
Die Menschen sind heute nicht nur an alltägliche Schwüre
gewöhnt und berufen sich regelmäßig auf Gottes Namen, um ihre Schwüre zu
bekräftigen, auch viele offizielle Zeremonien beinhalten gesetzliche Schwur- und
Eidesformeln, zum Teil sogar mit einem Bezug auf Gott. Jesus Christus sagte:
„Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem
Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel
seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs"
(Matthäus 5, 34-35). Gottes Name ist so erhaben und heilig, dass uns geboten
ist, ihn nicht zur Bekräftigung unserer Worte anzurufen! Glücklicherweise haben
viele westliche Nationen Religionsfreiheit zugesichert. Sollte man je dazu
aufgefordert werden, etwas zu beschwören, kann man stattdessen eine
„eidesstattliche Erklärung" abgeben. Und diese Erklärung oder einfache Aussage
eines gottesfürchtigen Christen sollte glaubwürdiger sein als alle Eide, die ein
Lügner im Zeugenstand ablegt. Die falschen Aussagen von manchen Geschäftsleuten,
Politikern und sogar Professoren, die dabei noch Gottes Namen missbrauchen, sind
dafür Beweis genug!
Kirchliche Titel, die man vermeiden sollte
Als Christus über geistliche Titel und bestimmte
Ausdrücke sprach, gebot er: „Ihr sollt niemanden unter euch Vater
nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist" (Matthäus 23,
9). Obwohl dieses Gebot in einigen großen religiösen Organisationen
offensichtlich völlig außer Acht gelassen wird, handelt es sich hier um eine
klar verständliche Aussage aus dem Wort Gottes für jeden, der gehorchen will.
Unser einziger geistlicher Vater ist Gott! Jede Verwendung dieses Wortes als
religiöser Titel ist eine glatte Gotteslästerung gegen den Schöpfer, der alle
Menschen geschaffen hat, selbst die schwachen vergänglichen Menschen, die sich
diesen Gott vorbehaltenen Titel anmaßen. Selbstverständlich können und sollten
wir unseren leiblichen Vater als „Vater" bezeichnen, wie Gott es auch im fünften
Gebot selbst tut.
Ein anderer Missbrauch des Namens Gottes ist der Titel „Hochwürden" für
einen Menschen – gewöhnlich einen Geistlichen. Denn Gott bezieht diesen Titel
alleine auf sich: „Er sendet eine Erlösung seinem Volk; er verheißt, dass sein
Bund ewig bleiben soll. Heilig und hehr
[verehrungswürdig] ist sein [Gottes] Name" (Psalm 111, 9). „Hochwürden" oder
„Ehrwürden" bezeichnet jemanden, der würdig ist, von uns verehrt zu werden. Kein
sterblicher Mensch ist eines solchen Titels würdig! Selbst ein so großer Diener
Gottes wie der Apostel Paulus wurde inspiriert, zu schreiben: „Denn ich weiß,
dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt" (Römer 7, 18).
Jeder Mensch, der von sich selbst behauptet, der Verehrung würdig zu sein – oder
den Titel „Ehrwürden" beanspruchen zu können – wird eines Tages zu bereuen
haben, das dritte Gebot gebrochen zu haben!
Die meistverbreitete Sünde
Als Jesus Christus seinen Jüngern und uns Christen
zeigte, wie man beten soll, gab er uns damit eine Richtschnur, wie wir den
allmächtigen Gott anrufen und seinem Rang und Namen Ehrerbietung entgegenbringen
sollen. In den ersten Sätzen des Gebets, das allgemein als das „Vaterunser"
bekannt ist, weisen die Bibelübersetzungen höchstwahrscheinlich eine falsche
Interpunktion auf. Nach den Worten „Unser Vater im Himmel" – der Anrede des
Betenden gegenüber Gott – folgen drei aneinander gereihte Bitten und danach ein
Satz, der sich auf alle drei vorangegangenen Bitten bezieht, und nicht nur auf
die letzte. Richtig übersetzt müsste es dann so heißen: „Unser Vater in den
Himmeln! Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie
im Himmel so auf Erden".
Die Wendung „wie im Himmel so auf Erden" bezieht sich nicht nur auf „dein
Wille geschehe", sondern auch auf „dein Name werde geheiligt" und „dein Reich
komme". Diese drei Punkte des Vaterunsers – die Heilighaltung seines Namens, das
Kommen seines Reichs und das Tun seines Willens – sind nur unterschiedliche
Ausdrücke für denselben Gedanken. Gottes Name wird nämlich dadurch geheiligt,
dass wir uns seinem Reich und seiner Herrschaft unterwerfen und dass wir seinen
Willen tun und seine Gesetze befolgen. Lediglich den Namen Gottes durch eine
phonetisch richtige Aussprache zu ehren ist nur ein minimaler Teil der
Einhaltung des dritten Gebots. Jesus stellte die Frage: „Was nennt ihr mich aber
Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?" (Lukas 6, 46). Beten ohne
gleichzeitigen Gehorsam ist eine subtile Form der Gotteslästerung. Vermeintliche
Christen, die über Glaubensfragen und Gott reden und sich zur gleichen Zeit
weigern, seinem Wort und Gesetz Folge zu leisten, befinden sich in einer weitaus
schlimmeren Lage als Menschen, die offen ihre eigenen Wege gehen und wenigstens
nichts anderes vorzutäuschen versuchen. Die Heuchelei religiöser Gruppen und die
Scheinfrömmigkeit vieler Menschen sind noch viel schlimmer als die offene,
fleischliche Gesinnung weltlich eingestellter Menschen. Eine Lobpreisung Gottes,
die von tätlicher Rebellion gegen seinen Willen und seine Gesetze wieder
aufgehoben wird, ist ganz gewiss Gotteslästerung – und somit ein Missbrauch des
Namens Gottes! Jemand, der in andächtiger Haltung betet und in schön klingenden
Worten predigt, dann aber hingeht und auch nur das kleinste der Gebote Gottes
bricht (Matthäus 5, 19), lästert Gott mit seinem Gebet! Er mag
vielleicht Menschen täuschen können, aber Gott kann er nichts vormachen!
Als Jesus über die Frömmler seiner Zeit sprach, die gegenüber Gottes Willen
und Gesetz den absoluten Gehorsam verweigerten, erklärte er: „Dies Volk ehrt
mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir.
Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts
sind als Menschengebote" (Markus 7, 6-7). Das trifft auch heute für viele zu,
die Gott mit Lippenbekenntnissen dienen, deren Gottesdienst jedoch vergeblich
ist! „Es werden nicht alle, die zu mir sagen, Herr, Herr, in das Himmelreich
kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel"
(Matthäus 7, 21).
Möge Gott Ihnen die innere Bereitschaft geben, seinem Willen und Gesetz zu
gehorchen! Mögen Sie lernen, ihn im Geist und in der Wahrheit anzubeten.
Mögen Sie lernen, seinen Namen zu ehren und zu respektieren – denn er steht für
seine schöpferische Macht, seine Weisheit, seine Treue, seine Liebe und Güte,
Geduld und unendliche Gnade. Er zeigt den Charakter und das ehrwürdige Amt des
großen Gottes, der das Universum lenkt und regiert!
Das vierte Gebot
Wozu sind Sie geboren? Was ist der Sinn Ihres Lebens?
Was ist das eigentliche Ziel des Lebens – und nach welchen Regeln und Gesetzen
muss man leben, um dieses Ziel zu erreichen? Wie viel Zeit verbringen Sie in der
Woche damit, über diese und ähnliche Fragen nachzudenken? Die meisten Menschen
sind so sehr mit alltäglichen Dingen beschäftigt, dass ihnen so gut wie keine
Zeit mehr für die Grundfragen des Lebens bleibt. Wenn man sie fragt, ob sie sich
mit Bibelstudium und Gebet befassen, antwortet die Mehrheit, sie hätten „einfach
nicht genug Zeit", diese religiösen Aktivitäten auszuüben.
Im Allgemeinen ist der Mensch heute so mit Beschäftigungen eingedeckt –
tagsüber durch den Beruf und abends und am Wochenende durch Fernsehen, Kino,
Partys und Sport –, dass selbst grundlegende Kenntnisse der eigenen religiösen
Überzeugung nicht mehr vorhanden sind. Er lebt in geradezu kindlicher
Unwissenheit hinsichtlich der fundamentalen Wahrheiten der Bibel. Umfragen in
den USA haben ergeben, dass der durchschnittliche Amerikaner schon nicht mehr
die vier Evangelien nennen kann! Gott scheint für den Durchschnittsbürger weit
entfernt zu sein. Seiner Ansicht nach ist die Bibel etwas für alte Menschen und
für Prediger, damit sie etwas zu lesen haben. Dennoch geben viele an, sich eines
Tages „bessern" zu wollen. Die Preisfrage ist – wann? Wann werden Sie sich die
Zeit nehmen, Gott wirklich kennen zu lernen? Wann werden Sie sich die Zeit
nehmen, die Bibel gründlich zu studieren, ernsthaft zu Gott als Ihrem Schöpfer
und Vater zu beten sowie über die Gesetze Gottes und den Sinn des Lebens
nachzudenken? Für die meisten Menschen lautet die ehrliche Antwort wohl: „Nie",
– es sei denn, sie lernen, dem vierten Gebot des allmächtigen Gottes zu
gehorchen! Das Befolgen dieses kaum verstandenen Gebotes ist eine wesentliche
Voraussetzung, um dem Schöpfer – und seinen Segnungen und seiner Führung – näher
zu kommen.
Der Wortlaut des vierten Gebots
In den vorangegangenen Kapiteln haben wir uns bereits
mit der weit verbreiteten Sünde beschäftigt, etwas anderes an die Stelle Gottes
zu setzen. Wir haben gesehen, dass Gott uns gebietet, ihn direkt anzubeten und
wissen nun, dass wir auch keine Bilder oder Gegenstände als „Gebetshilfen"
benutzen sollen. Schließlich wurden wir davor gewarnt, den Namen des
allmächtigen Gottes zu missbrauchen, denn sein Name steht für seine
Machtposition, seinen Charakter, seine Kraft und seine Autorität als Lenker des
gesamten Universums. Das vierte Gebot vollendet nun den ersten Teil der Zehn
Gebote, bei dem es um die Beziehung des Menschen zu Gott geht. Durch dieses
Gebot erinnerte Gott an ein ständiges Zeichen der Beziehung zwischen ihm und den
Menschen. „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage
sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der
Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch
nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht
dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr
Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am
siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn" (2. Mose
20, 8-11).
Hier haben wir das längste der Zehn Gebote. Es steht wie besonders
geschützt mitten zwischen den anderen Geboten. Dennoch muss man leider
feststellen, dass die Menschen gerade über dieses Gebot am meisten „diskutieren"
und mit Vorliebe versuchen, es zu „zerpflücken" und vom Rest der Gebote Gottes
zu trennen. Beachten Sie, dass das vierte Gebot mit dem Wort „gedenke" beginnt.
Es beweist somit, dass das Sabbatgebot bereits von Gottes
erwähltem Volk verstanden worden war, und dass Gott sie lediglich
an dieses geistliche Gebot erinnerte, indem er es zum Bestandteil
der Zehn Gebote als seinem „Grundgesetz" machte. Die revidierte Elberfelder
Übersetzung gib den Anfang des vierten Gebots richtigerweise so wieder: „Denke
an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten". Man kann kein kaltes
Wasser warm „halten"! Ebenso können sterbliche Menschen nichts
heilig machen. Deshalb müssen wir, um die Bedeutung dieses göttlichen Gebots
gründlich zu verstehen, zunächst untersuchen, wer den Sabbat
geheiligt hat und wann dies geschah! Jesus sagte: „Der Sabbat ist
um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen"
(Markus 2, 27-28). Wie Sie sehen, wurde der Sabbat nach Jesu eigenen Worten „gemacht".
Alles, was gemacht wurde, setzt jemanden voraus, der es gemacht hat. Beachten
Sie auch, dass Jesus nicht gesagt hat, der Sabbat sei nur für die Juden gemacht,
sondern für den Menschen – also für die gesamte Menschheit. Weiter
bezeichnete er – Christus – sich als „Herrn" über den Sabbat (Vers
28), und nicht etwa als dessen Zerstörer. Während seines Erdenlebens hielt Jesus
den Sabbat ein und viele Verse in den vier Evangelien enthalten seine
Anweisungen an die Jünger darüber, wie er einzuhalten sei, befreit von den durch
die Juden hinzugefügten Traditionen. Doch bevor wir fortfahren, wollen wir die
Frage untersuchen: Wer schuf den Sabbat?
Wer schuf den Sabbat?
Um das Gebot, des Sabbats zu gedenken und ihn heilig zu
halten, gründlich verstehen und die Frage nach dem Urheber des Sabbats
beantworten zu können, wenden wir uns einem Bericht aus den Anfängen der
Schöpfung zu. Das Neue Testament liefert uns einen solchen Bericht im ersten
Kapitel des Johannesevangeliums. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei
Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge
sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was
gemacht ist" (Johannes 1, 1-3). Hier wird Jesus Christus als „das Wort"
bezeichnet (oder „der Sprecher", wie der griechische Ausdruck treffender
übersetzt wäre). Diese Verse zeigen, dass Jesus von Anfang an beim Vater war,
und dass alle Dinge durch ihn – Jesus Christus – erschaffen wurden! Der Vater
benutzte ihn, die zweite Person innerhalb der Gottfamilie als das
Instrument, durch das die Schöpfung praktisch ausgeführt wurde. Der Apostel
Paulus schrieb durch Eingebung, dass Gott „alle Dinge geschaffen
hat durch Jesum Christum" (Epheser 3, 9; Lutherbibel 1912).
Im Hebräerbrief heißt es von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dass Gott ihn
„eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat"
(Hebräer 1, 2). Diese und viele weitere Schriftstellen zeigen, dass der spätere
Jesus Christus diejenige Person in der Gottheit war, die das Schöpfungswerk
praktisch ausführte! Er war es, der sprach: „’Es werde Licht!’ Und es ward
Licht" (1. Mose 1, 3). Er war es, der den Menschen erschuf und auf diese Erde in
den Garten Eden setzte. So berichtet dann auch der inspirierte Schreiber der
Schöpfungsgeschichte speziell über die Person der Gottheit, die den
Schöpfungsakt ausführte: „Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke,
die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er
gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn,
weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht
hatte" (1. Mose 2, 2-3).
Jesus erklärte, dass der Sabbat für den Menschen gemacht
wurde. Hier sehen wir nun, dass der Sabbat zur gleichen Zeit
gemacht wurde, wie der Mensch. Und er wurde von dem göttlichen
Wesen gemacht, das später Jesus Christus wurde! Der Sabbat war ein wesentlicher
Bestandteil der Umwelt des Menschen, die Gott in dem sieben Tagen der Schöpfung
geschaffen hatte. Beachten Sie, dass Gott den siebenten Tag
„segnete" und „heiligte". Eine solche Ehre war keinem der vorangegangenen sechs
Tage zuteil geworden. Wenn Gott etwas segnet, liegt darauf sein besonderes
Augenmerk und er ist persönlich darin gegenwärtig. Das Wort „heiligen" bedeutet
eine Absonderung zum heiligen Zweck oder Gebrauch. Bei der
Schöpfung griff der allmächtige Gott also einen bestimmten Abschnitt dessen
heraus, was für uns das Beständigste ist – Zeit – und stattete diesen
Zeitabschnitt mit einem besonderen Segen zum heiligen Gebrauch aus.
Der Sabbat ist ein Segen
Durch diesen Einblick in die Ursprünge des Sabbats
gewinnt Gottes Gebot eine tiefere Bedeutung: „Denke an den
Sabbattag, um ihn heilig zu halten". Durch Jesus Christus erhob
Gott den siebten Tag der Woche zum heiligen Tag – und aufgrund seiner Autorität
als Schöpfer gebietet er uns, ihn so zu erhalten! Der Sabbat ist also heilige
Zeit. Außerdem wurde er für den Menschen gemacht – als ein großer
Segen für die gesamte Menschheit! Unser Schöpfer wusste, dass wir an jedem
siebten Tag eine Zeit zum Ausruhen und zur Anbetung brauchen. Zu diesem
grundsätzlichen Zweck wurde der Sabbat geschaffen. Wir alle neigen dazu, während
der Woche völlig in unserer Arbeit, unseren täglichen Pflichten und
Freizeitaktivitäten aufzugehen. Unser Schöpfer sah das voraus und bestimmte den
Sabbat als geweihte Zeit, während der wir unsere alltägliche Routine gänzlich
vergessen sollen, damit wir uns dem Schöpfer, unserem Gott, durch das Studium
der Bibel, durch Nachdenken über das Gelesene und durch Gebet nähern können. Die
Menschen unserer Zeit brauchen dringend eine solche Zeitspanne für eine echte
Verbindung zu ihrem Schöpfer und Gott. Wer sich die Zeit nimmt, an Gott zu
denken, ihn zu ehren, zu ihm zu beten, nach dem Sinn des menschlichen Lebens zu
forschen und über die von Gott offenbarten Gesetze unseres Lebens nachzudenken,
der wird so gestärkt, dass auch die anderen sechs Wochentage in seinem Leben
eine tiefere Bedeutung erhalten. Der Sabbat ist einer der größten Segen, die dem
Menschen je zuteil wurden!
Was das Gebot besagt
Nachdem wir klar gesehen haben, dass das Sabbatgebot
ebenso bindend ist, wie die Gebote gegen Mord und Ehebruch, wollen wir nun
dieses Gebot Gottes untersuchen und seine Anwendung in unserem persönlichen
Leben heute erläutern. Neben den erklärenden und auslegenden Bestandteilen
enthält das vierte Gebot zwei grundsätzliche Aufforderungen: „Denke an den
Sabbattag, um ihn heilig zu halten" und „sechs Tage sollst du arbeiten und alle
deine Werke tun".
Gott selbst hat aufgrund seiner Autorität die ersten sechs Tage der Woche
für die Geschäfte und die Arbeit des Menschen bestimmt. Es ist Gottes Wille,
dass der Mensch arbeiten und seinen Lebensunterhalt verdienen soll. In Gottes
Augen ist jemand, der die sechs Tage der Woche mit Müßiggang vertut, ebenso
schuldig wie ein Mensch, der am siebten Tag arbeitet! Der Müßiggänger legt in
der Regel wenig Wert auf sein Äußeres und seine Langeweile und Tatenlosigkeit
verleiten ihn leicht zu vielen Sünden und Lastern. Der zweite Teil des Gebots
ist also ebenso bindend, wie der erste. Wer niemals arbeitet, kann auch nicht
lernen, Gott zu dienen! Sechs Tage ehrlicher, nutzbringender Arbeit sind in sich
selbst schon ein Akt der Demut und des Gehorsams gegenüber Gott. Wir leben in
einer Umgebung, die alles bereithält, was für unser leibliches Wohl nötig ist.
Um es zu besitzen, sollen wir aber dafür arbeiten! Es gehört zur ursprünglichen
Absicht Gottes für den Menschen, der in den Garten Eden gesetzt wurde, dass er
diesen „bebauen und bewahren" sollte (1. Mose 2, 15).
Andererseits gibt es aber auch Menschen, die ihre tägliche Arbeit niemals
unterbrechen, um Gott zu ehren, wie er es selbst für den siebten Tag geboten
hat, den er geheiligt und abgesondert hat. Solche Menschen sind wegen mangelnder
Verbindung zu ihrem Schöpfer nicht in der Lage, den höchstmöglichen Gewinn aus
ihrer Arbeit und ihrem Dienst zu ziehen, bzw. wirkliche, dauerhafte Freude über
das Erreichte zu erleben. Da der Schöpfer selbst uns das Gebot gegeben hat, am
Sabbat zu ruhen, können wir diesen Tag der Ruhe und geistigen Erneuerung im
vollen Vertrauen darauf einhalten, dass Gott uns segnen und gedeihen lassen
wird!
Ein bezahlter Urlaub
Wenn Sie von sich aus alle paar Tage Ihre Arbeit liegen
lassen wollen, um die Notwendige Ruhe zu finden, dann würden Sie normalerweise
erwarten, mit Ihrer Arbeit und Ihren Finanzen ins Hintertreffen zu geraten. Doch
Gott selbst hat ein bedeutsames Gesetz in Kraft gesetzt. Die Zehn Gebote Gottes
sind lebendige, aktive Gesetze – nicht anders als das Gesetz der Schwerkraft.
Sie sind immer wirksam – und bringen automatische Wirkungen. Das Gesetz über den
Sabbat, das durch die Macht des Schöpfers bekräftigt wird, besagt folgendes:
Wenn Sie am siebten Tag jeder Woche ruhen und den allmächtigen Gott anbeten,
dann wird Ihre Arbeit an den übrigen sechs Tagen so reich gesegnet, dass Sie
mehr erreicht haben werden, als möglich gewesen wäre, wenn Sie auch noch an
Gottes Sabbat gearbeitet hätten.
Verstehen Sie, was das bedeutet? Auf eine gewisse Weise schenkt Gott uns
jeden siebten Tag einen bezahlten Urlaubstag! Doch dieser „Urlaub" soll nicht
nur der physischen Erholung dienen, sondern auch zur Anbetung, zur geistlichen
Rückbesinnung und zur Auseinandersetzung mit den Zielen des Glaubens und den von
Gott verordneten Lebensprinzipien genutzt werden. Durch die Einhaltung des
siebten Tags, den Gott geheiligt hat – und der als einziger
Tag auf die Schöpfung hinweist – wird der Mensch in eine enge Gemeinschaft mit
seinem Schöpfer und Gott gebracht. Denn Gottes Gegenwart und göttlicher Segen
sind in diesem Tag besonders offensichtlich, weil er ihn abgesondert und
geheiligt hat.
Noch nie war das Leben so von Hetze und Rastlosigkeit geprägt, wie heute.
Es scheint, als hätte niemand mehr Zeit, sich auf den gottgewollten Zweck des
Lebens und auf geistliche Themen zu besinnen – die wichtigsten Fragen, über die
ein Mensch nachdenken sollte.
Der große Segen, den wir aus Gottes Sabbat ziehen können, ist, dass er uns
Zeit gibt, gründlich über diese wichtigsten Fragen des Lebens nachzudenken – und
zugleich auf eine Weise in Verbindung mit unserem Schöpfer und Gott zu treten,
wie es nur wenige Menschen in unserer Zeit erleben können. Wenn der Mensch den
Sabbat richtig begeht, hält er die Verbindung mit Gott aufrecht! Ohne diesen
Kontakt ist er vom eigentlichen Sinn seines Daseins abgeschnitten und erkennt
nicht die Gesetze, die über Erfolg oder Misserfolg unseres Lebens entscheiden.
Dann weiß der Mensch nicht, was er ist, worin seine Bestimmung liegt und wie er
seiner Bestimmung nachkommen soll. Die Folge eines solchen Lebens ohne Kontakt
zu unserem Schöpfer ist ein Gefühl der inneren Leere, Frustration und des
Strebens nach Äußerlichkeiten. Heute brauchen wir mehr denn je den Kontakt zu
Gott, eine geistliche Stärkung und Verständnis, sowie Gottes Segen und Führung.
Das alles kann uns die Einhaltung von Gottes wahrem Sabbat geben.
Jesu Vorbild
Jesus Christus – das Vorbild für jeden wahren Christen –
lehrte durch sein eigenes Leben und Wirken, dass der Sabbat der Tag der heiligen
Versammlung ist, der befohlenen Zusammenkunft für das Volk Gottes, wie es in 3.
Mose 23, 3 beschrieben ist. Lukas 4, 16 beschreibt Jesu Vorbild und Gewohnheit
und wir lesen dort: Jesus „ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge
und stand auf und wollte lesen". Der Sabbat ist ein Tag, an dem alle von Gott
berufenen Menschen sich zur gemeinsamen Andacht und im Gebet versammeln, an dem
das Wort Gottes und seine lebendigen Gesetze gepredigt und erläutert werden. Es
liegt also in der Verantwortung jedes wahren Christen, herauszufinden, wo sich
diese Kirche befindet, in der er wirklich Gott „im Geist und in der Wahrheit"
anbeten kann, die Kirche, die den wahren Sabbattag des Schöpfergottes richtig
einhält und die Kirche, die den Menschen lehrt, „von einem jeglichen
Wort Gottes zu leben".
Es gibt einige religiöse Gruppen, die glauben, dass das vierte Gebot
einzuhalten ist. Dennoch brechen die meisten von ihnen in ihren Lehren und
Praktiken eins oder mehrere der anderen Gebote. Jesus hat nur eine Kirche
gegründet (Matthäus 16, 18) und nur sie hält alle Gebote Gottes. Sie sollten
mehr über diese Kirche erfahren. Bestellen Sie unsere kostenlose Broschüre „Die
Geschichte der Kirche Gottes". Wir bieten auch persönliche Hilfe dabei an,
damit Sie verstehen können, wo sich Gottes Kirche befindet, und um Ihre Fragen
zu beantworten. Die Living Church of God hat Prediger in vielen Teilen
der Welt verfügbar, die sich gerne die Zeit nehmen, mit Ihnen persönlich zu
sprechen und Ihre Fragen über die Kirche oder das Einhalten des Sabbats zu
beantworten. Natürlich wird niemand unaufgefordert mit Ihnen Kontakt aufnehmen.
Wenn Sie jedoch ein Gespräch mit einem qualifizierten und engagierten Diener
Gottes über diese wichtigen Themen wünschen, dann lassen Sie uns das wissen. Wir
freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können.
Erfreuen Sie sich an Gottes Sabbat
Lernen Sie, den Sabbat auf eine positive Weise zu
begehen! Nutzen Sie den siebten Tag, den Gott gesegnet und geheiligt hat, so wie
er das beabsichtigt hat. Ruhen Sie sich aus von der alltäglichen Arbeit, um zu
beten, Gottes Wort zu studieren, darüber nachzudenken und den Zweck des
menschlichen Daseins zu ergründen. Nehmen Sie sich Zeit, anderen Menschen Gutes
zu tun, kranke und leidende Menschen zu besuchen und ihnen zu helfen. Treffen
Sie sich am Sabbat mit anderen wahren Christen, wo immer es möglich ist. Der
siebte Tag, den Gott geheiligt hat, ist die von Gott vorgegebene und gesegnete
Zeit, während der man ruhen, Gott anbeten und über den Sinn des Lebens
nachdenken soll. Wenn Sie noch irgendeinen Zweifel haben, an welchem Tag der
Sabbat eingehalten werden sollte, bestellen Sie unsere kostenlose Broschüre „Welcher
Tag ist der christliche Sabbat?". Wenn man das vierte Gebot – die Einhaltung
des heiligen Sabbats Gottes – richtig versteht und praktiziert, dann ist es eine
der größten Segnungen, die der Schöpfer den Menschen je zuteil werden ließ! Es
ist ein Erkennungszeichen zwischen dem wahren Gott und den Menschen. Denken Sie
daran – halten Sie den Sabbat heilig!
Das fünfte Gebot
Aufsässigkeit und Gewalt unter Jugendlichen kennzeichnen
inzwischen das Zeitalter, in dem wir leben. Die Zahl an zerrütteten Familien
steigt immer mehr an. Kriminelle Handlungen Jugendlicher nehmen mehr und mehr
zu. Einer der bekanntesten Fachleute Amerikas für die Probleme Jugendlicher,
Richter Samuel S. Leibowitz, untersuchte vor einiger Zeit die Gründe für die
Frustration unter amerikanischen Jugendlichen. Er entschloss sich, das Land der
westlichen Welt aufzusuchen, das damals die niedrigste Rate an
Jugendkriminalität aufwies: Italien. Er befragte Vertreter von Schulen und der
Polizei im ganzen Land und erhielt überall dieselbe Antwort: Die jungen Menschen
in Italien respektierten Autorität. Um die Ursache dafür
herauszufinden, besuchte Richter Leibowitz italienische Familien. Dabei erkannte
er, dass selbst in den ärmsten Familien der Vater als Familienoberhaupt von der
Frau und den Kindern respektiert wurde. Er fand heraus, dass unsere moderne,
freizügige Welt, in der jeder aufgefordert ist, zu tun, was ihm gefällt, die
Kinder nicht wirklich glücklich und ausgeglichen aufwachsen lässt. Vielmehr
stellte er fest, dass ein Kind klare Grenzen in Form von Disziplin und
Richtlinien haben möchte, die ihm die Welt begreifbar machen – ihm sagen, wie
weit es gehen kann. Wie es von erwachsenen Menschen erwartet wird, so müssen
bereits Kinder lernen, dass sie auch Dinge tun müssen, die nicht immer ihren
eigenen Vorlieben entsprechen. Vom Säuglingsalter an muss ein Kind gelehrt
werden, seine Eltern zu respektieren und ihnen zu gehorchen.
Richter Leibowitz zog diese Schlussfolgerung im Bezug auf
Jugendkriminalität aus seinen Nachforschungen: Setzt den Vater wieder als
Oberhaupt der Familie ein. Diese bemerkenswerte Lösung für das Problem
der Jugendkriminalität aus dem Mund eines Experten reicht noch tiefer, als es
zunächst scheint, denn sie geht an die Wurzel des Problems: Das Fehlen
wirklichen Respekts vor rechtmäßiger Autorität, das im Kleinkindalter beginnt
und sich das ganze Leben fortsetzt. Das Problem hat seinen Ursprung also in der
Kindheit – im Elternhaus! Noch lange bevor ein Kind überhaupt weiß, dass es so
etwas wie Kirchen, Schulen und Nationen überhaupt gibt, entwickelt es im
Kindergarten, im Elternhaus und in der Nachbarschaft seine Einstellung und sein
Verhalten gegenüber Menschen, die ihm übergeordnet sind. Die im Kleinkindalter
entwickelten Verhaltensmuster beeinflussen als Teil des Charakters alle weiteren
Gedanken und Handlungen für den Rest des Lebens!
Der Wortlaut des fünften Gebots
Die ersten vier Gebote regeln die Beziehung des Menschen
zu Gott. Sie beschreiben die Größe und Bedeutung der Macht Gottes und seines
Namens – und ermahnen uns, ihn als Schöpfer all dessen zu sehen, was existiert.
Das fünfte Gebot steht an erster Stelle der Gebote, die unsere
zwischenmenschlichen Beziehungen regeln. Es hat dabei nicht nur eine
übergeordnete Bedeutung, wenn wir seine volle Bedeutung erfassen, sondern es
dient auch als „Brücke" zwischen den beiden Teilbereichen der Zehn Gebote.
Echter Gehorsam gegenüber dem fünften Gebot ist nämlich untrennbar mit dem
Gehorsam gegenüber Gott als unserem himmlischen Vater verknüpft! Unser Schöpfer
wusste dies, als er es zum ersten Gebot machte, „das eine Verheißung hat"
(Epheser 6, 2). „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,
auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird"
(2. Mose 20, 12). Warum sollen wir unsere Eltern „ehren"? Die richtige Antwort
auf diese Frage enthüllt die tiefe dieses Gebots und seine wahre Bedeutung.
Würden doch alle Eltern erkennen, wie sehr das spätere Leben eines Kindes
durch den Gehorsam oder Ungehorsam gegenüber diesem von Gott erlassenen Gebot
automatisch geprägt wird! Auch dieses Gebot ist einer der zehn Schwerpunkte in
Gottes ewigem, geistlichem Gesetz. Nach den bürgerlichen Gesetzen des Alten
Bundes wurde die direkte und offenkundige Verletzung dieses Gebots mit dem Tode
bestraft! „Wer Vater oder Mutter schlägt, der soll des Todes sterben. [...] Wer
Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben" (2. Mose 21, 15.17). So
groß ist die Bedeutung dieses Gebots in Gottes Augen! Heim und Familie sind
die Grundlage jeder geordneten Gesellschaft. Die Beziehung der Kinder
zu ihren Eltern entspricht genau der geistlichen Beziehung wahrer Christen zu
Gott. Die Lehren für die Charakterentwicklung, die ein Kind in dieser Beziehung
lernt, prägen es für den Rest des Lebens – und für die Ewigkeit! In den Augen
eines kleinen Kindes stehen die Eltern praktisch an der Stelle Gottes, denn
liebevolle und mitfühlende Eltern sind für das Kind Ernährer, Beschützer, Lehrer
und Gesetzgeber. Wie ein Kind lernt und gelehrt wird, auf diese Wechselbeziehung
zu reagieren, wird sich auch darauf auswirken, wie es später mit solchen
Beziehungen im Kontext der gesamten Gesellschaft umgeht. Und letztlich wirkt
sich das auch auf das Verhältnis zu seinem geistlichen Vater im Himmel aus.
Ehrerbietung und Respekt gegenüber den Eltern
Das Neue Testament erweitert an vielen Stellen die
Bedeutung dieses Gebots. Der Apostel Paulus schrieb: „Ihr Kinder, seid gehorsam
euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. ‚Ehre Vater und Mutter’, das ist
das erste Gebot, das eine Verheißung hat" (Epheser 6, 1-2). Für uns alle gilt
unser ganzes Leben hindurch grundsätzlich, dass wir Vater und Mutter ehren
sollen. An dieser Stelle werden aber ausdrücklich die Kinder ermahnt, ihren
Eltern „in dem Herrn" zu gehorchen. Das Kind verfügt noch nicht über Erfahrung
und Urteilsvermögen, und deswegen ist es absolut notwendig, dass es angehalten
wird, seinen Eltern sofort und ohne Fragen zu gehorchen. Erklärungen und Gründe
können später gegeben werden, aber in dem Augenblick, wo die Eltern eine
Anordnung treffen, ist möglicherweise keine Zeit für lange Begründungen! Darum
ist es unumgänglich, dass ein Kind sich die Gewohnheit aneignet, seinen Eltern
ohne Widerspruch zu gehorchen. Denn solange ein Kind heranwächst, stehen die
Eltern an der Stelle Gottes und sind Gott gegenüber für die richtige Erziehung
verantwortlich.
Gehorsam „in dem Herrn"
Aus dem fünften Gebot kann man direkt folgern, dass
Eltern verpflichtet sind, sich ehrbar zu verhalten. Denn um der Ehre würdig zu
sein, muss man sich ehrwürdig verhalten. Alle Eltern sollten sich dessen bewusst
sein, dass sie für das Kind so etwas wie Gott verkörpern! Dementsprechend
sollten sie ihr Leben so führen, dass es den tiefen Respekt der Kinder verdient.
Dann sollten sie ihr Kind lehren, beide Elternteile zu ehren und
zu achten. Wenn das Kind dann älter wird, sollten Eltern ihm erklären, dass es
auch einen großen, geistlichen Vater allen Lebens gibt, den Schöpfer des Himmels
und der Erde und souveränen Herrscher über das Universum – den allmächtigen
Gott. Christliche Eltern sollten Ihre Kinder erziehen, auch ihren geistlichen
Vater zu ehren und ihm zu gehorchen, ihm noch mehr zu vertrauen und ihn mehr zu
lieben, als sogar seine leiblichen Eltern. Denn Ehrerbietung und Gehorsam
gegenüber dem Schöpfer allen Lebens, dem wir alles zu verdanken haben, ist die
größte Lektion, die ein Kind lernen kann! So entsteht in dem Kind die Gewohnheit
des Gehorsams. Die Kinder lernen damit, Autorität allgemein zu respektieren.
Wenn ihnen dann später die Augen aufgehen und sie den höchsten Vater allen
Lebens selbst erkennen, haben sie sich schon eine Grundlage göttlichen
Charakters angeeignet – den aus Liebe erwachsenden Gehorsam gegenüber Gott und
die Achtung vor Gesetz und legaler Ordnungsmacht.
Gehorsam bringt Segen
Der Apostel Paulus weist auf den Segen hin, der mit dem
fünften Gebot verknüpft ist: „auf dass dir’s wohl gehe und du lange lebest auf
Erden" (Epheser 6, 3). Der Gehorsam gegenüber dem fünften Gebot führt
automatisch zur Heranbildung von Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften,
die ein langes Leben ermöglichen. Ein junger Mensch, der in diesem Sinne erzogen
wurde, wird sich nämlich aus Rücksichtslosigkeit und Gewalt, aus schlechter
Gesellschaft und Rebellion gegen Autoritäten heraushalten, die alle einen
vorzeitigen Tod bedeuten können. Letztendlich werden diejenigen, die – auf Grund
einer solchen Erziehung – gelernt haben, ihren Eltern und später auch Gott
selbst Ehre und Gehorsam zu erweisen, „lange leben auf Erden", denn Jesus hat
gesagt: „Selig sind die Sanftmütigen [die Demütigen und Gehorsamen], denn sie
werden das Erdreich besitzen" (Matthäus 5, 5).
Außerdem erlebt ein gehorsames Kind viele Segnungen im täglichen Leben.
Eine davon, die nicht gering einzuschätzen ist, ist das Gefühl der Geborgenheit.
Wie Richter Leibowitz feststellte, ist ein Kind verunsichert, wenn ihm keine
Grenzen für sein Tun vorgegeben werden. Doch wenn Eltern ihm solche Grenzen
aufzeigen – und es sich innerhalb dieser Grenzen bewegt –, dann ist es der
Verantwortung enthoben, von der er unbewusst spürt, dass seine Eltern sie tragen
müssen. Auch das Problem der Frustration wird reduziert. Ein ungehorsames Kind
ist ein frustriertes Kind – denn in ihm schwelt ständig ein Widerstreit zwischen
Rebellion und Schuldgefühl. Ein Kind hingegen, das seine Eltern liebt, ehrt und
ihnen gehorcht, ist wirklich ein gesegnetes Kind. Es hat mehr Chancen, ein
wirklich glückliches, sorgenfreies und sinnvolles Leben zu führen. Und auf
geistlicher Ebene wird es einen ganz natürlichen Übergang finden können von der
Ehrung der eigenen Eltern zur freudigen Verehrung seines Gottes!
Wir haben uns bisher hauptsächlich mit der Bedeutung des fünften Gebots für
Kinder und Jugendliche befasst. Doch das Gebot, unsere Eltern zu „ehren"
betrifft nicht nur Kinder – sondern uns alle.
Auch Erwachsene sollten ihre Eltern ehren
Ab einem bestimmten Alter mag es nicht mehr notwendig
oder richtig sein, seinen Eltern absoluten Gehorsam entgegenzubringen. Doch
niemals sollte der Tag kommen, an dem ein Mensch aufhört, sie zu ehren. Das Wort
„Ehre" hat eine viel umfassendere Bedeutung als nur Gehorsam. Es beinhaltet die
Hochachtung vor der Würde, dem Verdienst und Rang, ein Gefühl hoher
Wertschätzung. Ein Mensch, der seinen Eltern in der Kindheit gehorcht hat, zeigt
später seine Wertschätzung für sie in einer tief empfundenen Dankbarkeit für die
Fürsorge und Erziehung, die sie ihm als Kind gegeben haben. Diese Ehrerbietung
zeigt sich durch Höflichkeit, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft. Während wir
heranwachsen, wird uns immer mehr bewusst, wie viele ungezählte Stunden der
Arbeit, der Sorge und intensiver Gebete sie als treue und liebevolle Eltern für
uns investiert haben. Es sollte für jeden Menschen eine Freude sein, diese Liebe
zu erwidern zu können, die wir zuvor von ihnen erfahren haben. An ihrem
Lebensabend sehnen sich viele Eltern mehr nach der Zuneigung ihrer Kinder und
nach einem Zusammensein mit ihnen, als nach irgendeiner anderen Wohltat. Wir
sollten daran denken und jede Gelegenheit wahrnehmen, die Liebe zurückzugeben,
die wir von unseren Eltern geschenkt bekommen haben!
Es ist eine Schande für unsere sich zum Christentum bekennende
Gesellschaft, dass Tausende betagter Eltern gezwungen sind, von Almosen aus
öffentlichen Mitteln zu leben, obwohl in viel zu vielen Fällen die Kinder
durchaus imstande wären, ihren Eltern den Lebensabend zu erleichtern, aber
einfach nicht dazu bereit sind. Jesus Christus hat im Zusammenhang mit diesem
Problem eine der eindrucksvollsten Erläuterungen zum fünften Gebot gegeben.
Schon zu seiner Zeit erfanden die Menschen Ausflüchte, um nicht für ihre Eltern
sorgen zu müssen. Sie erklärten die Mittel, die sie möglicherweise dafür hätten
aufbringen können, zum „Korban" – also zur Opfergabe für den Altardienst. Diese
Mittel waren nicht Teil von Gottes Zehntem, sondern zusätzliche Opfergaben, die
dazu dienen sollten, Gott gnädig zu stimmen. Jesus warf diesen heuchlerischen
Menschen vor: „Wie fein hebt ihr Gottes Gebot auf, damit ihr eure Satzungen
aufrichtet! Denn Mose hat gesagt: ‚Du sollst deinen Vater und deine Mutter
ehren’, und: ‚Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben’" (Markus
7, 9-10). Und wie redeten sich diese Heuchler aus dem Gebot heraus? Jesus fuhr
fort: „Ihr aber lehrt: Wenn einer zu Vater oder Mutter sagt: Korban – das heißt:
Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht –, so lasst ihr ihn nichts mehr tun
für seinen Vater oder seine Mutter und hebt so Gottes Wort auf durch eure
Satzungen" (Verse 11-13). Jesus verurteilte diese Heuchler. Seine Worte besagen
ganz klar, dass ein Christ seine betagten Eltern materiell und finanziell
unterstützen muss, wenn es ihm möglich ist und sie dieser Hilfe bedürfen. Er
kann sich nicht damit entschuldigen, dass seine gesamten freien Mittel „für Gott
bestimmt" seien! Auch hierin zeigt sich der Gehorsam gegenüber dem fünften
Gebot.
Das persönliche Vorbild Jesu
Jesus Christus lebte nach dem, was er
lehrte. Sein eigenes Leben ist eine eindrucksvolle Illustration des
Gehorsams gegenüber dem fünften Gebot. Unmittelbar vor seinem Tod sagte
er: „Ich [habe] die Gebote meines Vaters gehalten" (Johannes 15, 10; rev.
Elberfelder Übersetzung). Durch Gehorsam gegenüber seinem himmlischen Vater und
seinen leiblichen Eltern erwarb Jesus bereits in seiner Jugend Weisheit und
Reife. Noch in seiner Sterbestunde, als er eine der grausamsten Todesarten
erlitt, die je von Menschen ersonnen wurden, ehrte Jesus seine Mutter und erwies
ihr Liebe bis zum Ende. Über die letzten Momente, bevor Jesus am Holzpfahl
starb, berichtet Johannes: „Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den
Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist
dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von
der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich" (Johannes 15, 26-27). Jesus erwies
hier seiner Mutter die letzte Fürsorge, indem er sie für die Zeit nach seinem
Tode in die Obhut seines Jüngers Johannes gab.
Zu einem Zeitpunkt, an dem die Gedanken jedes anderen Menschen mit sich
selbst beschäftigt gewesen wären, dachte Jesus noch immer an das fünfte Gebot
und zeigte Liebe und Ehrerbietung gegenüber der Frau, die ihn geboren und als
Kind genährt hatte, die ihn in der Schrift unterwiesen hatte und die nun an
diesem entsetzlichen Ort stand und – ohne sich dessen zu schämen – über seinen
nahen Tod weinte. Denken Sie an das vollkommene Vorbild Jesu Christi! „Du sollst
deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das
dir der Herr, dein Gott, geben wird" (2. Mose 20, 12).
Das sechste Gebot
Unsere Zeit ist geprägt von Hass und Gewalt. Es ist eine
Zeit unerbittlichen Konkurrenzkampfes, zwischenmenschlicher Streitigkeiten und
Spannungen. Die Nationen der Welt – und die Menschen, die in ihnen wohnen –
gewöhnen sich allmählich an die Wahrscheinlichkeit einer bevorstehenden
Massenvernichtung und den möglichen Selbstmord der Welt. Natürlich wirkt sich
diese Haltung auf die moralischen Grundsätze und sittlichen Ideale der Menschen
verheerend aus. Die Folgen sind schon jetzt zu spüren – sogar während Sie diese
Broschüre lesen. Wir haben gesehen, dass Segen die Folge von Ehrfurcht und
Hochachtung vor dem einen, wahren Gott ist, die Folge von Respekt vor seinem
Namen und seiner Herrschaft, die Folge der Heilighaltung seines Sabbats, den man
in der Kenntnis des wahren Gottes begeht und die Folge dessen, dass man seine
Eltern ehrt, deren Aufgabe direkt Gottes Vaterschaft und Liebe für seine
Schöpfung widerspiegelt. In allen diesen Geboten erkennen wir Liebe Weisheit und
Segen, und ebenso verhält es sich auch mit dem sechsten Gebot.
Der Berg Sinai bebte, und durch Donner und Blitze erschallte die Stimme
Gottes, die das sechste Gebot verkündete: „Du sollst nicht morden"
(2. Mose 20, 13; Übersetzung der Jewish Publication Society).
Bibelfachleute stimmen darin überein, dass „morden" eine treffendere Übersetzung
des ursprünglich inspirierten hebräischen Wortes ist, als „töten". Es ist
nämlich durchaus möglich, zu töten, ohne zu morden. Dabei ist es wichtig, zu
verstehen, dass dem Israel des Altertums nur der Buchstabe des Gesetzes Gottes
gegeben war, während wir Christen nicht nur nach dem Buchstaben, sondern auch
nach dem Geist und der vollen Bedeutung dieses Gesetzes leben müssen, so wie
Christus es selbst erläutert hat. Nach dem Buchstaben des Gesetzes war das
vorsätzliche Töten, also Mord, verboten. Erinnern wir uns, dass in demselben
„Buch des Bundes", das Israel gegeben wurde, Gott geboten hatte, Menschen zu
töten, die schwere Verbrechen begangen hatten (2. Mose 21, 12-17). Die
Anweisungen in 4. Mose 35, 9-34 zeigen zudem, dass unbeabsichtigte Tötung nicht
als Mord angesehen wurde. Dennoch war allerdings die fahrlässige Tötung ein
schwerwiegendes Vergehen – und der fahrlässige oder „unabsichtliche" Totschläger
musste sich möglicherweise viele Jahre in einer Freistadt verborgen halten, bis
der amtierende Hohepriester starb. So wie Gott unter dem Buchstaben des Gesetzes
die Todesstrafe für schwere Verbrechen angeordnet hatte, so wurden auch die
befohlenen Kriege Israels nicht als Völkermord angesehen, sondern als
Vollstreckung des göttlichen Willens durch menschliche Werkzeuge. In 5. Mose 7,
1-2 lesen wir, dass Gott dem Volk Israel befahl, die heidnischen Stämme im Land
Kanaan auszurotten. Hier handelte es sich nicht um einen Krieg, der von Menschen
geplant wurde oder persönlicher Rache oder Bosheit diente. Es war der
ausdrückliche Wille des allmächtigen Gottes, der das Leben gibt – und der allein
das Recht hat, es zu nehmen.
Außerdem zeigt die Geschichte jener Zeit, dass die Völker, die damals in
Kanaan lebten, durch und durch böse waren – sie verbrannten sogar ihre
eigenen Kinder bei lebendigem Leibe als Menschenopfer für ihre heidnischen
Götzen. Dies war ein Teil der Gründe und Erwägungen, warum der Schöpfer zu jener
Zeit ihre Ausrottung befahl. Beachten Sie, dass Menschen in allen Fällen, wo
Gott es zuließ, dass andere Menschen getötet wurden, nur als Vollstrecker seines
ausdrücklichen Willens handelten. Gottes eigentliche Absicht war, dass der
Mensch lernt, andere Menschen nicht zu töten. Und obwohl dem fleischlichen,
unbekehrten Volk Israel das Töten in gewissen Fällen erlaubt war, werden wir
doch sehen, dass Gott in seinen aus Geist gezeugten Kindern die Fähigkeit
entwickelt, zu lieben, zu dienen und Leben zu erhalten – nicht zu zerstören.
Der Ursprung des Lebens
„Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, in
unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen ..." (1.
Mose 1, 26; rev. Elberfelder Übersetzung). Der Mensch erhielt das Leben von
seinem Schöpfer, hat es sich nicht selbst gegeben. Also darf er weder sein
eigenes Leben noch das Leben eines anderen nehmen. Das Leben des Menschen ist
heilig, weil Gott es geschenkt hat. Jeder Mensch ist nach dem Ebenbild Gottes
erschaffen. Von allen physischen Geschöpfen besitzt nur er einen Verstand, der
dem Verstand Gottes ähnelt. Gott ist der Herrscher über alles, was existiert.
Doch aus fleischlichen Menschen bildet er sich buchstäbliche Gotteskinder heran,
die eines Tages an dieser Herrschaft beteiligt sein sollen. Darum sagte Gott:
„Sie sollen herrschen ...". Der Mensch muss Erfahrungen sammeln, um den
Charakter zu entwickeln, den Gott in uns sehen möchte. Erfahrungen zu sammeln
erfordert Zeit, und es ist die Lebensspanne eines Menschen, die diese Zeit zur
Verfügung stellt. Gott gab dem Menschen das Leben einzig und allein zu dem
Zweck, ihn darauf vorzubereiten, für immer die Stellung eines Sohnes in Gottes
Reich, in der Familie Gottes, einzunehmen. Das Leben, der Atem, und seine
einzigartigen Fähigkeiten sind jedem Menschen von Gott gegeben. Sie sind die
wundervollsten Geschenke, die der Mensch kennt. All das aber endet, wenn man
Leben zerstört. Grausam und unerwartet werden alle Hoffnungen, Träume und Pläne
eines Menschen zunichte gemacht, der nach dem Ebenbild des Schöpfers erschaffen
wurde. Der Zerstörer von Leben maßt sich ein Vorrecht an, das nur Gott selbst
gebührt, der allein Leben geben kann und das Recht besitzt, es zu nehmen (Hiob
1, 21). Deshalb ist jede Form von Mord ein Verstoß gegen eines der
zehn Hauptprinzipien des göttlichen Gesetzes. Mord zerstört die größte Schöpfung
des allmächtigen Gottes! Letztendlich ist es der Versuch, die Absicht des
großen, erhabenen Lenkers des Universums zu durchkreuzen. Der Spender allen
Lebens ist Gott. Kein nichtiger, sterblicher Mensch ist befugt, Gottes
größte Gabe in irgendeiner Weise anzutasten!
Die Bedeutung des Gebots im persönlichen
Alltag
Jesus Christus kam in diese Welt, um Gottes Gesetz
„herrlich und groß" zu machen (Jesaja 42, 21). Er nahm die Zehn Gebote praktisch
„unter die Lupe" und zeigte deren wahre, geistliche Bedeutung für das Leben
eines Christen. Jesus sagte: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: ‚Du
sollst nicht töten’; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich
aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer
aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer
aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig" (Matthäus 5,
21-22). Hier wird Mord auf seine Ursache zurückgeführt – Hass und Wut. Christus
lehrte, dass jeder Mensch, der Wut gegen einen anderen empfindet, bereits des
Gerichts schuldig sei. Wenn solche Wut zu Verbitterung und Verachtung gegenüber
dem Mitmenschen führt, dann ist man „des Hohen Rats" schuldig – verdient die
Strafe Gottes. Wenn aber jemand gar voller Hass zu einem anderen sagt: „Du Narr
[du Gottloser; rev. Elberfelder Übersetzung]", dann ist er des höllischen Feuers
schuldig. Das ist die Erklärung des sechsten Gebots für uns. Wenn
wir in unserem Herzen Hass und Zorn Raum geben, hegen wir in uns einen Geist des
Mordens. Dem Gedanken folgt die Tat. Ein Mörder denkt zuerst an den Mord, bevor
er ihn ausführt! Der Geist Christi leitet uns nicht nur darin, unsere Handlungen
unter Kontrolle zu halten, sondern bereits unsere Gedanken und Einstellungen.
Zum Teil zeigt sich hier bereits, wie Gott im Neuen Bund sein Gesetz in unsere
Herzen und Sinne schreibt (Hebräer 8, 10). Durch Paulus mahnte Gott: „Die Rache
ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr" (Römer 12, 19). Der Mensch ist
unfähig, in wirklicher Weisheit und Gerechtigkeit gegenüber allen Beteiligten
Strafen zu verhängen. Gott allein besitzt die Weisheit, die Macht und das Recht,
an Menschen seine Strafen zu vollstrecken – bis zur Hinrichtung, wenn es
notwendig ist.
Wahre Christen müssen lernen, dass Gott eine Realität ist – und dass sein
Schutz und seine Züchtigung ebenso real sind! Wie sollten Sie also mit Ihren
Feinden umgehen? „’Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib
ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt
sammeln’. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit
Gutem" (Verse 20-21). Es erfordert echte Charakterstärke, einem anderen Menschen
zu helfen und zu dienen, wenn dieser versucht hat, einem zu schaden! Man braucht
göttliche Weisheit, um zu erkennen, dass es sich um einen Mitmenschen handelt,
der nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde und nur gerade in seinen Gedanken und
Taten fehlgeleitet war.
Das größte Verbrechen der Menschheit
Wohl das größte internationale Verbrechen der Menschheit
ist die Kriegführung. Millionen von Menschen, erschaffen nach dem Ebenbild
Gottes, wurden über die Jahrhunderte erbarmungslos hingemetzelt in nutzlosen,
sinnlosen und wahnwitzigen Kriegen, deren vorgeblichen Zweck sie zumeist gar
nicht erfüllten! Der tiefere Sinn des Gesetzes Gottes, den Jesus Christus
deutlich machte, steht im völligen Gegensatz zu jeder Form des Krieges! Fast
alle wirklich großen Staatsmänner und Kirchenführer der Welt haben erkannt, wie
absolut sinnlos Kriege sind. Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erklärte
der damalige Papst Pius XII: „Alles wird durch Frieden gewonnen, nichts durch
Krieg". Einer der angesehensten Staatsmänner und Militärführer seiner Zeit,
General Douglas MacArthur sagte: „Von Anbeginn aller Zeit hat der Mensch den
Frieden gesucht. [...] Militärpakte, das Gleichgewicht der Kräfte, der
Völkerbund, alle haben versagt, und übrig blieb nur der Weg über die Feuerprobe
des Krieges. Doch die absolute Vernichtungskraft eines Krieges in heutiger Zeit
schließt diese Alternative aus. Insofern haben wir unsere letzte Chance gehabt.
Unser Harmagedon steht vor der Tür, wenn wir nicht ein größeres und gerechteres
System entwickeln. Das Problem ist im Grunde theologischer Natur und bedingt
eine geistige Erneuerung und Besserung des menschlichen Charakters im Sinne
einer Gleichstellung mit unserem fast beispiellosen Fortschritt in
Naturwissenschaft, Kunst, Literatur und in allen materiellen und kulturellen
Entwicklungen der vergangenen zweitausend Jahre. Es muss durch den Geist
geschehen, wenn wir den Leib retten wollen". Die „letzte Chance" der Menschheit
ist es, die Sünde des Krieges zu bereuen, bevor die Selbstvernichtung der
Menschheit alles Leben von diesem Planeten ausradiert! General MacArthur
erkannte, dass wir ein theologisches Problem haben – es ist ein christliches
Problem und hängt mit der Erkenntnis des wahren Gottes zusammen! Er erkannte
ebenfalls, dass dies eine Notwendigkeit erfordert, den „menschlichen Charakter
zu verbessern".
Der größte Staatsmann aller Zeiten war Jesus Christus selbst. Er war
Sprecher der Regierung Gottes, des Reiches Gottes. Christus sagte: „Ihr habt
gehört, dass gesagt ist: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind
hassen’. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch
verfolgen. Segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet
für die, die euch beleidigen und verfolgen" (Matthäus 5, 43-44). Unter der
Bezeichnung „Christentum" finden wir heute überall in der Welt sehr viel
kultiviertes und hoch gebildetes Heidentum. Doch kann selbst dieses verfeinerte
Heidentum die klaren Worte Jesu Christi zur Kenntnis nehmen, ohne zugeben zu
müssen, dass das Wesen des Krieges im krassen Gegensatz zum Leben, den Lehren
und dem Geist Christi steht? Die Geißel des Krieges hat im Verlauf der
Geschichte mehr Menschenleben vorzeitig ausgelöscht, mehr Familien zerstört und
auseinander gerissen, mehr Leiden verursacht und mehr Zeit und Güter
verschwendet, als irgendetwas anderes! Noch nie aber hat der Krieg die Probleme
der Menschen gelöst oder einen dauerhaften Frieden geschaffen. Stattdessen
führte Krieg immer zu noch mehr Krieg! „Denn wer das Schwert nimmt, der soll
durchs Schwert umkommen" (Matthäus 26, 52).
Die Lehre der Bibel
Jesus Christus kam als ein Bote der Regierung Gottes in
diese Welt. Er nahm an den politischen und kriegerischen Geschehnissen seiner
Zeit nicht teil. Selbst bei der Verhandlung vor Pontius Pilatus, als es um sein
eigenes Leben ging, sagte er: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein
Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden
nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt"
(Johannes 18, 36). Wie wir bereits festgestellt haben, steht das Recht zu töten
allein Gott zu, der alle Leben gegeben hat. Also hat auch nur Gott das Recht,
Kriege zu führen! Und wie Jesus lehrte, will Gott in diesem Zeitalter nicht,
dass seine Diener in diesem Zeitalter Kriege für ihn führen. Jesus sagte, seine
Diener würden kämpfen, wenn sein Reich von dieser Welt wäre – das ist es aber
nicht. Gott zeigte durch den Apostel Jakobus, dass Krieg das Ergebnis einer
bestimmten Gesinnung ist, die im Gegensatz zu der Einstellung steht, die Gott
von einem Christen erwartet. „Woher kommt der Kampf unter euch, woher der
Streit? Kommt’s nicht daher, dass in euren Gliedern die Gelüste gegeneinander
streiten? Ihr seid begierig und erlangt’s nicht; ihr mordet und neidet und
gewinnt nichts; ihr streitet und kämpft und habt nichts, weil ihr nicht bittet"
(Jakobus 4, 1-2).
Gottes Regierung wird allen Kriegen ein Ende
setzen
Jesus Christus kam, um die gute Nachricht vom Reich
Gottes, von der Herrschaft Gottes, zu verkünden. Diese Herrschaft beruht auf den
Zehn Geboten – Gottes geistlichem Gesetz. Jesus erklärte die erweiterte
Bedeutung dieses Gesetzes im Sinne seiner geistlichen Tragweite und Absicht. Er
lehrte, dass wir im geistlichen Sinn bereits zum Mörder werden, wenn wir einen
Mitmenschen hassen! Weiterhin zeigte Jesus, dass der Mensch Gottes Gesetzen
gehorchen und sich auf sein kommendes Reich vorbereiten soll, indem er seine
Gesinnung nach Gottes Gesetzen – die seinen Charakter aufzeigen – ausrichtet und
diese verinnerlicht. Wenn nun bald Gottes Regierung auf dieser Erde anbricht,
wird sein Gesetz das Verhalten aller Völker bestimmen (Micha 4, 1-2). Zu jener
Zeit wird Gott alleine in seiner vollkommenen Weisheit und Gerechtigkeit Krieg
führen, um rebellische Nationen zurechtzuweisen. Was werden die Völker der Welt
danach tun? „Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie
werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen" (Vers 3). Kriegführung
beinhaltet immer auch, dass Menschen lernen, einander zu hassen und zu töten.
Junge Menschen werden dann nicht mehr gezwungen, eine Einstellung zu
verinnerlichen, die Gottes Gesetz der Liebe völlig zuwider läuft. Der ehemalige
amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower sagte: „Die Hoffnung der Menschen
auf Frieden in der Welt stützt sich nicht auf bewaffnete Lager, die einander
gegenüberstehen, sondern auf eine Idee. Diese Idee ist das Konzept einer
allgemein gültigen Rechtsordnung, die dem Zweck dient, Meinungsverschiedenheiten
zwischen souveränen Staaten beizulegen". Wenn auch unbewusst, so hat dieser
Staatsmann doch damit auf die Tatsache hingewiesen, dass Konflikte zwischen
einzelnen Personen und zwischen Nationen nur unter der Herrschaft Gottes und auf
Grundlage seiner Gesetze gelöst werden können! Bis dahin aber müssen alle wahren
Christen persönlich an Gottes Friedensreich mitwirken und dafür beten. Wir
müssen erkennen, dass der Geist des Krieges ein Geist des Mordens ist, den wir
mit aller Kraft meiden müssen.
In einer Rede vor dem Völkerbund formulierte der amerikanische Geistliche
Dr. Harry Emerson Fosdick vor vielen Jahren auch diesen Gedanken, und zwar auf
sehr eindrucksvolle und noch heute zutreffende Weise: „Wir können Jesus Christus
und den Krieg nicht in Einklang bringen – das ist das grundsätzliche Problem und
die Herausforderung, die das Gewissen der Christenheit wachrütteln sollte. Krieg
ist die schwerste und zerstörerischste gesellschaftliche Sünde, in die der
Mensch verstrickt ist. Krieg ist absolut und ausnahmslos unchristlich; in allen
seinen Methoden und Auswirkungen bedeutet er alles, was Jesus nicht meinte und
nichts von dem, was er meinte. Krieg ist eine noch viel offenkundigere
Verneinung aller christlichen Lehren über Gott und den Menschen, als alle
theoretisierenden Atheisten auf Erden sich ausdenken könnten. Sollte es nicht
der Mühe wert sein, dass sich die christliche Kirche dieses größten moralischen
Anliegens unserer Zeit annimmt? Wenn sie wieder, wie es früher einmal der Fall
war, entschieden gegen das Heidentum dieser Welt aufstehen und sich weigern
würde, ihr Gewissen auf den Wink Krieg führender Staaten hin zu ignorieren? Wenn
sie das Reich Gottes höher stellen würde, als nationale Interessen und die Welt
zum Frieden aufriefe? Das wäre keine Verneinung von Patriotismus, sondern dessen
höchste Form".
Jesus Christus ist grundsätzlich gegen den Geist des Mordens in jeglicher
Form. Er ist gegen Krieg – und eines Tages wird er ihm für immer beenden! Er ist
gegen jegliche Bosheit, gegen Neid und Hass. Jesus Christus lehrte, dass das
menschliche Leben – geschaffen „nach dem Bilde Gottes" – einen ihm innewohnenden
Wert hat und unantastbar ist. Und der allmächtige Gott, der Vater Jesu Christi,
der von seinem Thron im Himmel das Universum regiert – dieser Gott gebietet in
einem Zeitalter der Gewalt und Rebellion: „Du sollst nicht morden".
Das siebte Gebot
Ist es das wichtigste in der Ehe, dass die Partner auf
sexueller Ebene „zueinander passen"? In unserer Zeit, die durch zerrüttete
Familien, Jugendkriminalität und moderne Psychoanalyse geprägt ist, werden viele
diese Frage mit „ja" beantworten. Tatsache ist jedoch, dass Scheidungsraten in
die Höhe schnellen und immer mehr kleine Kinder dazu verurteilt sind, ohne die
Stabilität in einem glücklichen Elternhaus aufzuwachsen, je mehr diese
„modernen" Theorien über Ehe und Partnerschaft umgesetzt werden. Es ist eine
traurige Tatsache, dass inzwischen fast jede dritte Ehe vor dem
Scheidungsrichter endet. Die Ehe hört dann auf – nicht aber Leid und Kummer. Für
die Kinder aus solchen zerbrochenen Ehen beginnen dann erst die Jahre der
Frustration und inneren Leere. Gibt es eine tiefer gehende Bedeutung der Ehe,
die Männer und Frauen unserer Zeit erst wieder verstehen müssen? Hat Gott
Gesetze und Prinzipien vorgegeben, die eine christliche Ehe schützen und zu
einer erfüllten und glücklichen Lebensgemeinschaft machen können?
Der Wortlaut des siebten Gebots
Gott der Schöpfer hat zwei seiner zehn großen,
geistlichen Gesetze – der Zehn Gebote – dem Schutz der Beziehungen in Heim und
Familie gewidmet. Das erste davon haben wir bereits besprochen: „Du sollst
deinen Vater und deine Mutter ehren ...". Das andere Gesetz, das Heim und
Familie unmittelbar betrifft, ist das siebte Gebot: „Du sollst nicht
ehebrechen" (2. Mose 20, 14). Der allmächtige Gott hat dieses Gebot
erlassen, um die Ehre und den heiligen Charakter der Ehe zu schützen. Direkt
nach dem sechsten Gebot, in dem die Unantastbarkeit des Lebens deklariert wird,
gibt uns Gott dieses Gesetz, um die wertvollste aller zwischenmenschlichen
Beziehungen zu schützen. Ehe und Familie sind nämlich die Grundlage jeder
geordneten Gesellschaft. Das siebte Gebot verbietet ausdrücklich den Ehebruch,
die Verletzung der geheiligten Rechte in der Institution Ehe. Der Geist dieses
Gebots besagt, dass jede voreheliche Beziehung ein Unrecht gegenüber der
zukünftigen Ehe darstellt; Unkeuschheit vor der Ehe ist also in demselben Maße
eine Übertretung des Gebots wie Ehebruch während einer bestehenden Ehe. Das
siebte Gebot deckt somit im Prinzip auch alle anderen unerlaubten sexuellen
Handlungen ab, einschließlich männlicher und weiblicher Homosexualität – was
heute zu einer enormen Sünde in der westlichen Welt geworden ist.
Die Ehe ist in Gottes Augen so wertvoll, gerecht und geheiligt, dass sie
keinesfalls geschändet werden darf! Ihre Bedeutung und ihr Zweck im Rahmen von
Gottes Plan müssen in unserer Zeit unglücklicher Ehen und zerbrochener Familien
dringend wieder erfasst werden.
Der Zweck der Ehe
Es ist unmöglich, die wahre Bedeutung der Ehe zu
verstehen, wenn man nicht zuvor begriffen hat, dass Sexualität und Ehe von Gott
gegeben und angeordnet sind. Gott dabei aus dem Spiel zu lassen – wie das heute
allgemein üblich ist – bedeutet, die Ehe auf eine Ebene zu degradieren, die der
Partnerschaft unter Tieren gleichkommt. Beachten Sie die Absicht Gottes
bei der Erschaffung von Mann und Frau: „Und Gott der Herr sprach [nachdem er
zunächst nur den Mann erschaffen hatte]: Es ist nicht gut, dass der Mensch
allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei" (1. Mose 2, 18).
Gott wusste, dass der Mann alleine unvollständig wäre, und so entschloss er
sich, für ihn eine „Gehilfin" zu schaffen, die zu ihm passen würde
– die ihn ergänzen würde und mit der er wirklich sein Leben teilen könnte. Der
erste und wichtigste Zweck der Ehe ist also, Mann und Frau zu vervollständigen,
denn ohne den anderen ist jeder von ihnen unvollständig.
Der Mann allein konnte den Zweck nicht erfüllen, zu dem Gott ihn erschaffen
hatte – war nicht in der Lage, seinen Charakter so zu schulen, wie Gott es
beabsichtigte. Deshalb schuf Gott die Frau als „Gehilfin" des Mannes und zeigte
schon bei deren Erschaffung, dass Mann und Frau „ein Fleisch" werden sollten –
alles in diesem Leben miteinander teilen sollten, damit ihr Leben sinnvoll und
erfüllt sei (zumindest auf der physischen Ebene). Der zweite Zweck von
Sexualität und Ehe ist die Zeugung und Erziehung von Kindern, denn Gott hatte
Mann und Frau aufgefordert: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde
und machet sie euch untertan ..." (1. Mose 1, 28). Mit der Geburt von Kindern
beginnt die Verantwortung, diese zu schützen und zu erziehen. Ein stabiles und
glückliches Zuhause sind für die richtige Erziehung und Förderung eines Kindes
unerlässlich. Und Gott gebietet: „Erziehe den Knaben seinem Weg gemäß, er wird
nicht davon weichen, auch wenn er älter wird" (Sprüche 22, 6; rev. Elberfelder
Übersetzung). Heim und Familie bilden die Basis jeder geordneten Gesellschaft!
Die richtige Charakterschulung im Elternhaus – Geduld, Verständnis,
Freundlichkeit – führt zu Eigenschaften, die der Mensch nach dem Willen Gottes
für alle Ewigkeit besitzen soll, und die Beziehungen in einer Familie sind einer
der besten Gelegenheiten, wo diese Eigenschaften gestärkt werden können! Auch
Anstand, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein haben ihre Wurzel in
einem glücklichen, harmonischen Elternhaus. Der dritte große Zweck von
Sexualität und Ehe ist also neben den beiden ersten Aufgaben – gegenseitige
Vervollkommnung von Mann und Frau sowie die Fortpflanzung und Erziehung von
Kindern – die Charakterbildung durch familiäre Beziehungen. Gottes Reich und
Gesetz beruhen auf Liebe. Jesus sagte: „Geben ist seliger als nehmen"
(Apostelgeschichte 20, 35). Um Gottes Ehegesetz zu befolgen, müssen Mann und
Frau sich in jeder Phase und in jedem Bereich ihres Lebens buchstäblich einander
geben.
Die Ehe versinnbildlicht Christus und seine
Kirche
Wie Gott es angeordnet hat, ist die Ehegemeinschaft
heilig. Sie ist sogar so heilig, dass der allmächtige Gott die Ehe in seinem
Wort als Sinnbild für die Gemeinschaft Christi mit seiner Kirche gebraucht! Wir
lesen in Epheser 5, 22-24: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem
Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das
Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die
Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern
unterordnen in allen Dingen" (Epheser 5, 22-24). An dieser Stelle zeigt Gott,
dass sich die Frau in einer christlichen Ehe ihrem Mann als Familienoberhaupt
unterordnen muss, ebenso wie sie lernen muss, sich für alle Ewigkeit Christus
unterzuordnen! In dieser geheiligten Beziehung lernt die Frau, beständige Treue
zu entwickeln!
Dann werden die Ehemänner angesprochen: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie
auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben.
[...] So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer
seine Frau liebt, der liebt sich selbst" (Verse 25.28). Jesus Christus dient,
hilft, leitet und beschützt seine Kirche und gab sogar sein Leben für sie.
Ebenso müssen auch Ehemänner ihre Frauen beschützen, versorgen, führen,
ermutigen, lieben und sich ihnen ganz geben! Ein christlicher Ehemann soll das
Oberhaupt seiner Familie sein. Aber er soll diese Aufgabe und Stellung dazu
benutzen, seiner Frau und Familie Schutz, Führung und Glück zu geben. Der
allmächtige Gott zieht ihn letztlich zur Verantwortung, ob er seine Autorität
als Familienoberhaupt richtig eingesetzt hat! Wegen dieser großen Bedeutung der
Ehe sagt Gott: „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner
Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein" (Vers 31). In der
Gemeinschaft der Ehe werden Mann und Frau eins. Ihre Verbindung soll ein Abbild
der ewigen, liebenden und dienenden Beziehung Christi mit seiner Kirche sein.
Nichts soll zwischen sie treten. Durch die Ehe sollen wir ewige Treue zu Jesus
Christus, unserem Oberhaupt, lernen! Sich von seinem Ehepartner zu trennen, mit
dem uns Gott selbst verbunden hat, würde bedeuten, dass wir die Lektion der
Treue nicht gelernt haben, die Gott uns durch die Ehe lehren will. Jede
Ehescheidung ist eine Beleidigung des allmächtigen Gottes, weil man durch sie
seine Weisheit in Zweifel zieht, mit der er die Ehe zu dem Zweck stiftete, dass
wir mit unserem Ehepartner „ein Fleisch" werden! Wie können wir dem lebendigen
Gott für alle Ewigkeit treu sein, wenn wir uns selbstsüchtig weigern, unserem
Ehepartner die Treue zu halten, mit dem wir doch nur für ein paar kurze Jahre
verbunden sind, und wenn wir nicht bereit sind, Geduld, Freundlichkeit,
Selbstbeherrschung, Liebe und Treue in der geheiligten Institution der Ehe zu
lernen?
Die Lehre Jesu Christi
Nun wird zunehmend deutlicher, warum Jesus Christus die
absolute Verbindlichkeit des Eheversprechens hervorhob. Als er von den
heuchlerischen Pharisäern gefragt wurde, warum Mose zur Zeit des Alten
Testaments Scheidungen erlaubt hätte, antwortete er: „Mose hat euch wegen der
Härtigkeit eures Herzens erlaubt, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber
ist es nicht so gewesen. Ich sage euch aber: Wer seine Frau entlässt, es sei
denn wegen Unzucht, und eine andere heiratet, der bricht die Ehe; und wer eine
Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe" (Matthäus 19, 8-9;
Schlachter-Übersetzung). Scheidung fördert Scheidung! Noch vor 50 Jahren war
eine Ehescheidung etwas durchaus Ungewöhnliches. Damals warnten
Religionsgelehrte, dass die Scheidungsraten jede damals vorhergesagte Grenze
sprengen würden, wenn man sie erst einmal tolerieren würde. Heute sehen wir, wie
Recht sie damit hatten. Wir erleben das traurige Schauspiel, dass in manchen
Gegenden schon bis zur Hälfte aller Ehen zerbrechen und vor Scheidungsgerichten
enden! Und was geschieht nach der Scheidung? Statistiken zeigen, dass sich die
meisten Geschiedenen einen neuen Partner suchen, und viele finden dann auch noch
einen dritten oder vierten Partner, mit dem sie ein Verlangen stillen, das nach
dem Willen Gottes in der heiligen Ehe mit ihrem ersten Partner befriedigt,
kanalisiert und erfüllt werden sollte – und das geschieht, während der erste
Partner zum Zeitpunkt der Wiederverheiratung noch lebt. Es ist ein jämmerliches
Schauspiel und eine Schande von nationalem Ausmaß!
Auch wenn Gott die Scheidung unter bestimmten Umständen erlaubt,
ist es für beide Ehepartner weitaus besser, wenn sie lernen, einander zu helfen,
zu dienen und zu vergeben, um somit den heiligen Bund der Ehe zu
bewahren. Der berühmte von Jesus angeführte Ausnahmefall „es sei denn wegen
Ehebruchs [griechisch: porneia]" (Matthäus 19, 9) sollte nur
als allerletzter Ausweg gebraucht werden, und auch dann nur nach intensiven
Gebeten, Beratungen und ernsthaften Versuchen, die Ehe zu retten. Dasselbe gilt
auch für den Fall, wo der Apostel Paulus einem Christen erlaubt, sich wieder zu
verheiraten, wenn er von seinem unbekehrten Ehepartner verlassen
wurde (1. Korinther 7, 15).
Die Ehe ist von Gott zusammengefügt
Wir wissen also jetzt, dass die Ehe nicht im Verlaufe
der kulturellen und geistigen Entwicklung des Menschen entstanden ist. Vielmehr
wurde sie von Gott dem Schöpfer eingesetzt. Er schuf die Ehe als eine heilige
Gemeinschaft, die die ewige Treue zwischen Christus und seiner Kirche
versinnbildlicht! Und jede Form des Ehebruchs ist so verwerflich und übel, weil
die Ehe in den Augen des allmächtigen Gottes heilig und unantastbar ist.
Ehebruch ist nicht nur ein Unrecht gegenüber dem betroffenen Ehepartner, sondern
auch gegenüber dem ganzen familiären Umfeld und besonders den Kindern. Darüber
hinaus wird dadurch die Gesellschaft geschädigt – weil Ehebruch die Familie als
Grundlage der Gesellschaft zerstört. Vor allem aber ist Ehebruch ein Unrecht
gegen Gott selbst und gegen die Institution der Ehe, die er eingesetzt hat.
In der heutigen westlichen Welt sucht eine Gott ablehnende Gesellschaft nur
allzu oft ein romantisches Ideal in der Ehe, das von Hollywoodfilmen geprägt
ist. Dadurch werden Männer und Frauen auf subtile Art ermutigt, die Ehe zu
brechen, wenn ihre selbstsüchtigen, sinnlichen Bedürfnisse mit der Ehefrau oder
dem Ehemann ihrer Jugend nicht mehr befriedigt werden. In einem ständigen
Wechsel an Ehepartnern können sie die grundlegenden Charakterlektionen nicht
mehr lernen, die eine Ehe lehren kann und soll, nämlich eine gebende Fürsorge
gegenüber dem Ehepartner, Geduld, Vergebung, Demut, die Bereitschaft zum Dienen
und dauerhafte Treue. Außerdem versagen sie darin, das Leiden und die
Frustration der Kinder aus ihrer vorherigen Ehe zu berücksichtigen – den nicht
wieder gut zu machenden Schaden an ihrer Seele und ihrem weiteren Leben, der
sich sogar bis auf deren Ehen und Kinder auswirkt.
Wenn Gott auch zulässt, dass einige Ehen und Familien durch
Scheidung zerbrechen, so ist es dennoch etwas, das der Schöpfer verabscheut.
„Denn ich hasse Scheidung, spricht der Herr ..." (Maleachi 2, 16; rev.
Elberfelder Übersetzung). Und: „... weil der Herr Zeuge gewesen ist zwischen dir
und der Frau deiner Jugend, an der du treulos gehandelt hast, wo sie doch deine
Gefährtin ist und die Frau deines Bundes" (Vers 14). Es steht also außer
Zweifel, dass Gott Ehescheidungen hasst – auch wenn er sie zulässt. Um die von
Gott beabsichtigten Lektionen aus der Ehe zu lernen, sollten wahre Christen
ihrem Ehepartner tatsächlich mit ihrem ganzen Wesen, mit Leib und Seele
„anhangen". Sie sollten ernsthaft bemüht sein, einander zu verstehen –ihre
Pläne, Hoffnungen und Träume miteinander zu teilen. Und mit Gottes Hilfe werden
sie jegliche vielleicht aufkommenden Gedanken an Ehebruch verwerfen. Die
Verwerflichkeit wollüstiger Begierde außerhalb der Ehe wird verständlicher, wenn
man sich klar macht, dass der allmächtige Schöpfer den rechten Gebrauch der
Sexualität in der Ehe gut und heilig nennt. Der Weg, der zu Ehebruch, Scheidung
und erneuter Heirat führt, beginnt in der Regel „im Herzen".
Lesen Sie, was Jesus Christus dazu sagte, als er das Gesetz Gottes in
seiner tiefer gehenden Bedeutung erläuterte: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist:
‚Du sollst nicht ehebrechen’. Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu
begehren, der hat schon die Ehe mit ihr gebrochen in seinem Herzen" (Matthäus 5,
27-28). Jesus lehrte also, dass man das siebte Gebot schon gebrochen hat, wenn
man Gedanken sexueller Lust gegenüber einer anderen Person als dem eigenen
Ehepartner hegt. Dem Gedanken folgt die Tat. Daher gehört es zur
Charakterentwicklung jedes Christen, dass er lernt, jeden Gedanken der Wollust
außerhalb der ehelichen Beziehung bereits im Ansatz zurückzuweisen.
Film und Fernsehen, die Massenmedien, die durch ihre realistischen,
lebensnahen Darstellungen besonders geeignet sind, gerade junge Menschen zu
beeinflussen und zum Handeln zu bewegen, legen jedoch bei ihren Produktionen
eine immer größere Betonung auf Sex und Gewalt – oder eine Kombination aus
beiden. Und die moderne Gesellschaft zahlt einen schrecklichen Preis für diese
weit verbreiteten Sünden und Gräuel! Immer mehr Familien geraten durch
außereheliche Beziehungen des einen oder beider Ehepartner ins Unglück. Immer
mehr Ehen enden in Scheidung, mehr Kindern wird dadurch die Liebe und der
Rückhalt der Eltern entzogen! Und sexuelle Beziehungen vor der Ehe – von Gott
„Unzucht" genannt – werden von der heutigen Jugend schon beinahe als
Selbstverständlichkeit betrachtet. Dennoch sind alle diese Verhaltensweisen ein
Bruch des siebten Gebots! Junge Menschen, die das Glück ihrer zukünftigen Ehe
durch voreheliche Geschlechtsbeziehungen abwerten und schädigen, beeinträchtigen
damit ihre ganze Zukunft in diesem Leben. Und wenn sie diese schlechten
Gewohnheiten nicht bereuen und ablegen, zwingen sie Gott, sie letztlich von
seinem Reich und einem ewigen Leben in Glück und Zufriedenheit auszuschließen
(1. Korinther 6, 9-10). Gottes Gesetze dienen immer zu unserem Besten und dem
Besten unserer Mitmenschen. Sie sollten befolgt werden. Wir sollten uns davor
fürchten, zu den „Frevlern" und „Unzüchtigen" gezählt zu werden, die im
Feuerpfuhl enden werden, wo sie den zweiten Tod finden (Offenbarung 21, 8)!
Gehorsam gegenüber dem siebten Gebot
Gott gibt denen wichtige Ratschläge, die in Versuchung
der Unzucht oder des Ehebruchs geraten. In unserer Zeit der sexuellen
Reizüberflutung ist es von unschätzbarem Wert, diese Ratschläge zu
beherzigen, wenn wir in Gottes Reich gelangen und ewiges Leben erhalten
wollen. Gott gebietet: „Flieht die Hurerei" (1. Korinther 6, 18).
Er sagt nicht, dass wir unsere Gedanken um sexuelle Gelüste kreisen lassen
sollen. Er sagt auch nicht, dass wir mit dem Ehepartner eines anderen oder einer
unverheirateten Person alleine in einer ungestörten Situation verweilen sollten,
wenn wir dadurch in sexuelle Versuchung geraten. Er sagt auch nicht, dass wir
Filme anschauen oder Bücher lesen sollen, die unser sexuelles Verlangen auf eine
falsche Weise erwecken können. Gott gebietet vielmehr, dass wir uns von solchen
Situationen so weit wie möglich entfernen sollen! Er möchte, dass wir vor der
Versuchung zu sexueller Sünde davonlaufen – fliehen.
Sex ist kein „Spielzeug", mit dem man herumexperimentieren sollte. Gott gab
die Sexualität als Segen für die heilige und unantastbare eheliche Gemeinschaft,
die der Schöpfer selbst eingesetzt hat. Stets sollte sie respektvoll als
Ausdrucksmittel uneigennütziger Liebe in einer christlichen Gemeinschaft
angesehen werden, welche ein Sinnbild für die ewige Treue zwischen Christus und
seiner Kirche ist! Diese Generation muss dringend wieder dauerhafte Treue im
Bereich von Ehe und Familie lernen! Wir müssen sowohl dem Buchstaben als auch
dem Geist des siebten Gebots Folge leisten: „Du sollst nicht ehebrechen" (2.
Mose 20, 14).
Das achte Gebot
Nachdem Gott von der Spitze des Berges Sinai herab mit
donnernder Stimme die Gebote verkündete, die zeigen, wie man ihn richtig anbetet
und wie man die heiligsten zwischenmenschlichen Bereiche – Ehe, Familie und das
menschliche Leben selbst – schützt, erließ er das achte Gebot. Es enthält Gottes
Gesetz zum Schutz von privatem Besitz und Eigentum: „Du sollst nicht
stehlen" (2. Mose 20, 15).
Da die meisten Menschen nicht glauben, dass der Gott, der dieses Gebot
erlassen hat, tatsächlich existiert – und folglich auch keinen Grund sehen,
dieses Gesetz zu befolgen – wird heute mehr gestohlen, als jemals zuvor. Aber
das achte Gebot wird auch noch auf viele andere Arten von Betrug missachtet,
weil unsere Moralvorstellungen verschwimmen. Nach einer Absprache über
fragwürdige Methoden, wie ein Konkurrent oder ein Kunde betrogen werden soll,
sagt ein Unternehmer höchstens „Geschäft ist Geschäft". Und ein Fabrikant
kommentiert die schlechte Qualität seines Produktes oder eine irreführende
Werbung mit den Worten: „Was macht es schon? Wenn ich es nicht tue, tut es ein
anderer".
Auch bei der Abgabe einer „geschönten" Steuererklärung beruhigt man sein
Gewissen gern mit den Worten: „Soll der Staat doch auch mal bluten. Die
Regierung verlangt ohnehin zu viel Geld. Also was soll’s?" – Ja, was soll’s?
Geschäft ist nun mal Geschäft, oder? Nun, unser Verhalten ist zufällig auch
Gottes „Geschäft" – und er hat ein Gesetz in Kraft gesetzt, das besagt: „Du
sollst nicht stehlen". Wenn wir Gottes Gesetz brechen, zerbrechen wir letztlich
selbst daran! Gottes Gesetze sind lebendig und wirksam – wie das Gesetz der
Schwerkraft. Übertreten wir sie, so erfahren wir automatisch die Konsequenzen –
mit absoluter Gewissheit.
Das Recht auf Eigentum
Nach Gottes Wort und Gesetz gibt es nur zwei rechtmäßige
Wege, Eigentum zu erwerben. Entweder bekommt man von einem anderen Menschen oder
von Gott etwas geschenkt – oder vererbt –, oder man erwirbt es durch ehrliche
Arbeit, die ihren Lohn wert ist. Jede andere Art, Besitz zu erwerben, ist
Diebstahl – jemandem etwas wegnehmen, was rechtmäßig diesem gehört.
Das achte Gebot erkennt rechtmäßig erworbenes Eigentum an und verbietet
Diebstahl. Es widerspricht damit grundsätzlich dem kommunistischen Gedanken, der
dem Menschen das Recht auf Privateigentum verwehrt. Auch Diebstahl auf
nationaler und internationaler Ebene, die Zwangsenteignung von Bürgern des
eigenen Landes oder anderer Länder, ist dadurch verboten. Und in dieser
Beziehung haben sich schon alle Nationen schuldig gemacht, Gottes
Gesetz gebrochen zu haben! Gerade junge Menschen lernen heute, im großen Stil
und in organisierter Form zu stehlen. Sie entwenden nicht nur zahllose Artikel
aus Kaufhäusern, Läden, Schulen und sogar Kirchen, sondern entwerfen auch
ausgeklügelte Systeme, wie sie bei Prüfungen und Examen in Schule und
Universität mogeln können. Da dies im Allgemeinen von den Erwachsenen als nicht
besonders alarmierend angesehen wird, breitet sich diese Unsitte immer mehr aus.
Diesen jungen Menschen wurde wahrscheinlich nie gesagt, dass „mogeln" nichts
anderes ist als die Aneignung von Prädikaten oder Titeln, die man nicht
rechtmäßig erworben hat – als Diebstahl. Sie brechen damit ebenso direkt das
achte Gebot Gottes!
Ein Fabrikant oder Händler, der falsche Maße verwendet oder Güter von
minderer Qualität liefert, um damit den Verbraucher zu betrügen, ist der
Übertretung des achten Gebots ebenso schuldig, wie ein gewöhnlicher Dieb! Er
versucht, mehr für sein Produkt zu bekommen, als es eigentlich wert ist. Er
hofft, auf widerrechtliche Weise einen höheren Gewinn herausschlagen zu können.
Dem Grunde nach ist das nichts anderes als Diebstahl! Nur Gott weiß, in wie
vielen Fällen diese Art von Betrug betrieben wird.
Diebstahl durch irreführende Werbung
Eine der am weitesten verbreiteten Sünden in der
heutigen Geschäftswelt ist die übliche Praxis irreführender Werbung. So wird der
Verbraucher zum Beispiel zu der Annahme verleitet, dass eine bestimmte „Pille"
sein Gewicht reduzieren, seine Potenz steigern oder sein schütteres Haar
vermehren könne. In vielen solchen Fällen ist eine derartige Aussage zweifellos
eine glatte und vorsätzliche Lüge. Diese Methoden sind tatsächlich nichts
anderes als Diebstahl an den Menschen, die gutgläubig ihr Geld dafür ausgeben,
das versprochene Ergebnis zu erzielen. Und in vielen Fällen werden die Opfer
solcher groß angelegter Täuschungen damit nicht nur um ihr Geld gebracht,
sondern auch um ihre Gesundheit, ihr Glück und ihren inneren Frieden. Manch
einer der angesehenen Geschäftsleute verdankt seine gesellschaftliche Stellung
und seine Ämter im Gemeinwesen zum großen Teil solchen Betrügereien und
Täuschungsmanövern!
Wir müssen unsere Sinne für solche Angelegenheiten schärfen! Auch wenn eine
Sünde vielleicht nach außen hin „anerkannt" zu sein scheint, so ist Gott immer
noch der eigentliche Richter. Und de Allmächtige sagt dies dazu: „Oder wisst ihr
nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch
nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch [...] Diebe [...] werden das Reich
Gottes ererben" (1. Korinther 6, 9-10). Um kein Missverständnis aufkommen zu
lassen, sei nochmals betont: Gott möchte, dass es seinen Dienern auch materiell
gut geht – solange sie ihr Eigentum ehrlich erwerben und nicht ihr Herz daran
hängen. Der Apostel Johannes schrieb: „Mein Lieber, ich wünsche, dass es dir in
allen Dingen gut gehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gut geht" (3.
Johannes 1, 2).
Schmutziges Geld
Wir müssen erkennen, dass der Reichtum eines
Unternehmers, der durch eine unnötig hohe Sterbequote in seinem Betrieb oder
durch seine Produkte erkauft wurde, ein schmutziger Reichtum ist, und der
Unternehmer gilt im Sinne des Gottesgesetzes dann als Dieb – wenn nicht gar als
Mörder! Im Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird das Prinzip
des achten Gebots ebenfalls ständig verletzt. Jakobus warnte unehrliche
Arbeitgeber: „Siehe, der Lohn der Arbeiter, [...] den ihr ihnen vorenthalten
habt, der schreit, und [...] ist gekommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth"
(Jakobus 5, 4). Ebenso zutreffend ist es gerade unter dem Einfluss von
Gewerkschaften heute, dass viele Arbeitnehmer ihre Arbeitgeber bestehlen, indem
sie zum Beispiel den vollen Lohn einstecken, aber keine volle Arbeitsleistung
erbringen. Auch das ist Diebstahl! Allzu oft sagt ein Arbeiter zum anderen:
„Mach mal langsamer, Kumpel, zu arbeitest zu viel. Wenn du so weitermachst,
müssen wir bald alle mehr arbeiten". Arbeitnehmer, die einen
ungerechtfertigt hohen Anteil ihrer Arbeitszeit für „Kaffeepausen" und
„Zigarettenpausen" verwenden, tragen mit dazu bei, dass ihre Unternehmen auf dem
globalen Markt, den wir heute haben, nicht mehr konkurrenzfähig sind. Dieser
Produktivitätsverlust beeinträchtigt das Wohlergehen der gesamten Gesellschaft!
Das achte Gebot enthält eine Botschaft für Arbeitgeber und für Arbeitnehmer. Für
Arbeitgeber gilt: „Gerechte Entlohnung für gerechte Arbeitsleistung". Für
Arbeitnehmer gilt: „Gerechte Arbeitsleistung für gerechten Lohn". Doch im achten
Gebot wird nicht nur das Prinzip behandelt, seine Mitmenschen nicht zu
bestehlen. Gott hat weitaus mehr Besitz als irgendein Mensch (Haggai 2, 8).
Stehlen von Gott
In Maleachi 3, 8 spricht Gott: „Ist’s recht, dass ein
Mensch Gott betrügt, wie ihr mich betrügt! Ihr aber sprecht: ‚Womit betrügen wir
dich?’ Mit den Zehnten und der Opfergabe". Hier
erhebt Gott Anklage wegen Betrugs an ihm, unserem Schöpfer und an seinem Werk!
Kein Wunder, dass es heute nur noch so wenig wahre Religion auf Erden gibt! Kein
Wunder, dass es so viel Verwirrung und Verfälschung im Namen des Christentums
gibt! Gott sagt weiter: „Darum seid ihr auch verflucht; denn ihr betrügt mich
allesamt. Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass
in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob
ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen
herabschütten die Fülle" (Verse 9-10).
Hier haben wir eine direkte Herausforderung des allmächtigen Gottes! Gott
verspricht, dass er Sie segnen wird, wenn Sie im Glauben an ihn und sein Wort
damit beginnen, den Zehnten zu geben – wie er es geboten hat. Zahlreiche Fälle
könnten angeführt werden, um zu zeigen, dass Gott tatsächlich denen sogar
materiellen Segen zukommen lässt, die den Zehnten geben. Dies geschieht aber
möglicherweise nicht umgehend. Sie werden sich vielleicht eine Zeit lang in
Geduld und Glauben üben müssen. Aber wenn Sie Gott dienen, gehorchen und auf ihn
vertrauen, wird er seinen Teil der Abmachung einhalten. Der Segen ist Ihnen
sicher! Der freudige Brief eines Menschen, der Gottes Versprechen ernst nahm,
belegt dies: „Vor ein paar Wochen war ich finanziell völlig am Boden. Dann
erhielt ich zehn Cent. Ich war versucht, den einen Cent an Zehnten nicht
abzuführen, tat es aber dann doch. Ein paar Tage später erhielt ich einen
Dollar. Wieder war ich in Versuchung, den Zehnten selbst zu behalten, weil ich
so viel brauchte. Nun erhielt ich 40 Dollar und sende Ihnen den Zehnten so
schnell ich kann. Ich war Gott treu und er war mir treu".
Eine positive Anwendung des achten Gebots
Der Brief an die Epheser zeigt klar das positive Prinzip
des achten Gebots: „Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite
und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er den Bedürftigen abgeben
kann" (Epheser 4, 28). Einerseits wendet sich dieser Vers gegen das Stehlen,
andererseits aber ist hier positiv ausgedrückt, dass unsere Grundeinstellung im
Sinne des achten Gebots so sein soll, dass wir arbeiten und mit Bedürftigen
teilen. Eigentum und Besitztümer sollen durch ehrliche Arbeit erworben werden,
aber nicht nur zu dem Zweck, unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu
befriedigen, sondern auch, damit wir von unserem Überfluss denen abgeben können,
die der Hilfe bedürfen. Im eigentlichen Sinne des Gesetzes Gottes stiehlt ein
Mensch also nicht nur, wenn er einem anderen etwas wegnimmt, sondern auch dann,
wenn er sich weigert, zu arbeiten, um zu geben und mit Notleidenden teilen zu
können! Jeder Christ wird aufgefordert: „Nehmt euch der Nöte der Heiligen an.
Übt Gastfreundschaft" (Römer 12, 13).
Als von Gott gezeugte Kinder sollen wir Gott gleich werden (Matthäus 5,
48). Jesus sagte: „Mein Vater wirkt [arbeitet] bis auf diesen Tag,
und ich wirke auch" (Johannes 5, 17). Die positive Lehre, die im
achten Gebot enthalten ist, wird von Jesus Christus auch so zusammengefasst: „Geben
ist seliger als nehmen" (Apostelgeschichte 20, 35). Wenn wir mit Gottes Hilfe
lernen, nach diesem Prinzip zu leben, werden wir den Geist des achten Gebots
erfüllen!
Das neunte Gebot
Wir leben in einer Zeit systematischer Täuschungen,
Halbwahrheiten und doppelter Moral. Es ist die Zeit ehrbar erscheinender
Anwälte, Wirtschaftsbosse, Politiker und Professoren, die noch im Zeugenstand
vor Untersuchungsausschüssen und höchsten Gerichten Meineide schwören. Wir
können beobachten, wie Millionen von Menschen, die an die Evolutionstheorie
glauben, in Kirchen gehen, welche zumindest mit Worten bekennen, dass sie an den
Schöpfergott der Bibel glauben. In der Bibel hat Christus solche Heuchler seiner
Tage entschieden verurteilt. Was würde er zu unserer heutigen Generation sagen?
Eine Gesellschaft, die mit der Lüge lebt
In seinem Buch „Sex, Vice and Business" [Sex,
Laster und Geschäft] spricht der Autor Monroe Fry von der „Bereitschaft vieler
Kommunalpolitiker, das Laster zu dulden, wenn es den angesehenen Geschäftsleuten
ihrer Region zumindest indirekt zu Profit verhilft". Sein Buch zeigt auf, was
Tausende aufgeklärter Erwachsener bereits wissen: „Respektable" Amtsträger in
Staat und Kirche sind oft bereit, Prostitution, Rauschgifthandel und Glücksspiel
zu unterstützen, wenn es ihnen eine finanziellen Vorteil bringt. In der Gemeinde
gelten sie als Säulen der Tugend und des Anstands, doch sie sind bereit, sich
hinter vorgehaltener Hand mit der organisierten Kriminalität zu „arrangieren".
Manchmal benutzen sie sogar ihre Amtsautorität, um das organisierte Laster und
Verbrechen zu decken – solange sie dabei finanziell gut wegkommen. Kurz gesagt,
ist ihr Leben eine Lüge! Die Enthüllungen, wie sehr unsere ganze „christliche"
Gesellschaft sich auf diese Art Heuchelei begründet, sind einfach bestürzend!
Aber wir bezahlen einen hohen Preis dafür – denn wir brechen das neunte Gebot
Gottes. In dieser Broschüre über die Zehn Gebote haben wir bereits gesehen, dass
die umfassendste Sünde diejenige ist, dass wir etwas an die Stelle des wahren
Gottes setzen. Das führt zu Abgötterei, zum Missbrauch des Namens Gottes, zur
Übertretung des Sabbatgebots, zur Respektlosigkeit gegenüber den leiblichen
Eltern, zu Mord, Ehebruch und Diebstahl. Und das gleiche Prinzip gilt auch für
das neunte Gebot Gottes.
Der Wortlaut des neunten Gebots
„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen
Nächsten" (2. Mose 20, 16). Nur durch die Suche nach der Wahrheit und
das Zeugnis der Wahrheit ist der Mensch mit Gott verbunden, denn Gott ist die
Wahrheit! Jesus sagte: „Dein Wort ist die Wahrheit" (Johannes 17, 17), und: „Ich
bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Johannes 14, 6). Was für Fehler und
Schwächen ein Mensch auch immer haben mag, wenn er bereit ist, die Wahrheit zu
sagen, offen und wahrheitsgemäß zu leben, wie er wirklich ist und die Wahrheit
zu akzeptieren, wenn sie ihm gezeigt wird, dann verdient diese Person Respekt
und ihr kann geholfen werden, persönliche Schwächen zu überwinden.
Es ist erstaunlich, wie umfassend das neunte Gebot in seiner geistlichen
Dimension angewandt werden kann. Es gibt einen persönlichen, lebendigen und
allmächtigen Gott in diesem Universum, dessen Wille und Gesetze unumstößlich
feststehen. Daher wird sich eine aufrichtige Person – die bereit ist, die
Wahrheit auszusprechen und anzuerkennen, wenn sie ihr offenbart wird – letztlich
zu dem wahren Gott und seinen Wegen bekehren! Doch ein Mensch, dessen Wort
nichts wert ist und der gewöhnt ist, andere (und sich selbst) zu belügen, ist in
seinem Charakter und seiner Denkweise so verdreht, dass er die Wahrheit Gottes
so niemals verstehen kann, es sei denn er wird zuerst von der Gewohnheit der
Lüge „gereinigt"! Aus diesem Grunde ist es unabdingbar, dass wir alle lernen,
der Wahrheit gemäß zu leben und zu reden – unabhängig davon, dass wir natürlich
berechtigterweise in vielen Bereichen verschiedener Meinung sein können. Wir
leben in einer Gesellschaft, die immer mehr durchdrungen wird von
verschiedensten Formen der Lüge, Heuchelei und Selbsttäuschung. Wenn wir jemals
den Charakter Gottes – die Vorbedingung für das ewige Leben – entwickeln wollen,
dann müssen wir das neunte Gebot in seiner umfassenden Bedeutung begreifen und
lernen, ihm zu gehorchen.
Das neunte Gebot schützt den Menschen auch dadurch, dass es hilft, sein
Ansehen und seinen Ruf zu bewahren. Es gibt vielleicht keine schäbigere Sünde
als Verleumdung, eine absichtlich erfundene Lüge, die verbreitet wird, um einem
anderen Menschen zu schaden. Ein Dieb nimmt sich nur materielle Güter, die im
Allgemeinen ersetzt werden können. Ein Verleumder aber kann einen Menschen
derart um Achtung und Ansehen bei seinen Mitmenschen bringen, dass seine
Chancen, jemals wieder einen guten Ruf zu erlangen, äußerst gering sind.
Der praktische Wert der Ehrlichkeit
Wenn man sich auf das Wort jedes Menschen verlassen könnte, so würde nicht
nur der Ruf anständiger Menschen gewahrt werden und Millionen von Stunden
könnten entfallen, die damit vergeudet werden, jede abgegebene Erklärung und
jeden Bericht mehrmals zu überprüfen, sondern es würde auch verhindert werden,
dass Menschen in verantwortungsvolle Ämter gelangen, die dieser Ämter gar nicht
würdig sind. Alleine das würde unsere Gesellschaft buchstäblich reinigen! Heute
sind oft ganze Nationen von Menschen regiert, die nur deshalb an die Macht
gekommen sind, weil sie es geschafft haben, ihr eigenes Volk zu täuschen und zu
belügen! Immer wieder sehen wir, wie Politiker an die Macht gelangen, indem sie
ihrem Volk leere Versprechungen machen. Mit den Mitteln raffinierter Propaganda
und Manipulation bringen sie das Volk dazu, etwas zu glauben, von dem sie selbst
genau wissen, dass es eine glatte Lüge ist. Danach folgen oft viele Monate oder
sogar Jahre der Ungewissheit, Angst und Enttäuschung, bis letztlich die
Katastrophe hereinbricht und die Wahrheit aus der Situation selbst offenbar
wird.
Selbst in demokratischen Ländern gelangen Menschen oft nicht wegen ihrer
Integrität und Befähigung in hohe Staatsämter, sondern weil es im Interesse der
Parteipolitik gerade „ratsam" erscheint. Die Verantwortlichen in Politik und
Regierung geben ihren Bürgern ein „falsches Zeugnis", wenn sie so etwas
begünstigen! Sie führen ein Leben der Lüge – und unterstützen die Lügen der
anderen. Das gilt auch für den Bereich der Wirtschaft. Was für ungeheure
Vorteile hätte der Verbraucher, wenn jedes Industrieunternehmen tatsächlich die
Wahrheit über seine Produkte sagen würde und ehrlich bestrebt wäre, den echten
Bedürfnissen der Kunden nachzukommen! Die Auswirkungen wären erstaunlich!
Stellen wir uns eine Gesellschaft vor, in der jedes Produkt – etwa eine
Zahnpasta oder ein Waschmittel – nicht nur die Nachahmung oder völlig sinnlose
Abwandlung eines anderen Produkts wäre, sondern das jeweils beste Erzeugnis
seiner Art, wahrheitsgetreu in der Werbung dargestellt und zu einem ehrlichen
Preis verkauft. Wenn dieses Prinzip auf alle Bereiche der Gesellschaft angewandt
werden würde, könnten wir beinahe schon eine Art „Utopia" erreichen. Das ist
keine fantastische, weit hergeholte Vorstellung, sondern es wäre die natürliche
Folge, wenn alle Menschen das neunte Gebot Gottes wirklich ernst nehmen würden!
Wenn Sie ewiges Leben in einer von Gott bestimmten Gesellschaft erhalten wollen,
dann gehorchen Sie dem Gebot desjenigen, der Ihnen mit jedem Atemzug das Leben
schenkt: „Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem
Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind" (Epheser 4, 25).
Wenden Sie das neunte Gebot in Ihrem Leben
an!
Das grundlegendste Prinzip hinter jeglicher Sünde ist
Eitelkeit. „Es ist alles eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel"
(Prediger 1, 2). Der wahre Grund, weshalb die meisten Menschen Gott ablehnen,
ist der, dass sie selbst in ihren eigenen Augen und in den Augen ihrer
Mitmenschen kleine „Götter" sein wollen. Das ist Eitelkeit. Alle von Menschen
begangenen Sünden können auf diese ursächliche Charaktereigenschaft
zurückgeführt werden. So verhält es sich auch mit vielen Formen der Lüge.
Menschen lügen, weil sie mehr auf ihr Selbstwertgefühl und ihr Ansehen
bedacht sind, als auf das Wohlergehen ihrer Mitmenschen. Sie reden und handeln
in Täuschungsabsicht, weil sie die Meinung der Menschen mehr fürchten, als die
Meinung des allmächtigen Gottes! Die Worte und Taten, die wir täglich von fast
allen Menschen mitbekommen, bestätigen immer wieder die Richtigkeit dieser
Beobachtung. Schon Johannes sagte über die religiösen Führer seiner Zeit: „Sie
hatten lieber Ehre bei den Menschen als Ehre bei Gott" (Johannes 12, 43). Oft
schämen sich Menschen, wenn sie etwas als geschäftlichen oder gesellschaftlichen
Misserfolg werten. Deshalb setzten sie alles daran, dieses Versagen zu vermeiden
oder zu vertuschen – und sind auch bereit, zu lügen, zu betrügen und zu
verfälschen.
Wenn man es aber von dem Standpunkt betrachtet, was objektiv richtig ist –
und ewig gültigen Werten entspricht – sollten sie die Sünde mehr fürchten, als
alles andere. Denn schon Paulus schrieb: „Ist Gott für und, wer kann wider uns
sein?" (Römer 8, 31). Jesus sagte: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um
meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn
sie damit lügen" (Matthäus 5, 11). Wir sollten aufhören, uns um die Meinung
unbedeutender, sterblicher Menschen Sorgen zu machen – und viel mehr darauf
bedacht sein, was der allmächtige Gott von uns hält! Nur wenn wir das tun,
werden wir lernen, im beruflichen und sozialen Leben, in der Politik und auch in
Religion und Wissenschaft ohne Heuchelei auszukommen. Viele gerechte Menschen
wurden von dieser Welt verurteilt, empfingen jedoch Gottes Segnungen und sind
nun Anwärter auf das ewige Leben. Vergessen Sie nicht, dass sogar Jesus Christus
ermordet wurde, weil man ihn verleumdete und falsches Zeugnis über ihn abgab!
„Denn viele gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn, aber ihr Zeugnis stimmte nicht
überein" (Markus 14, 56).
Weil viele Menschen aus Eitelkeit glauben wollen, was gerade populär ist,
machen sie sich und anderen etwas vor, indem sie an religiöse und
wissenschaftliche Theorien glauben, die jeder Grundlage entbehren, wenn man die
Fakten betrachtet! Gott warnt uns vor solchen Heuchlern: „Denn Gottes Zorn wird
vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der
Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten" (Römer 1, 18).
Menschen unterdrücken die Wahrheit. Gott verurteilt
diejenigen, die bewusst die Wahrheit über seine Existenz und seinen Plan hier
auf Erden unterdrücken! Er sagt, dass die eitlen Philosophen und Wissenschaftler
dieser Welt „keine Entschuldigung" haben, wenn sie leugnen, dass dieses
Universum tatsächlich von Gott erschaffen wurde und auch jetzt noch durch seine
Macht regiert wird (Vers 20). Die meisten Wissenschaftler und Theologen, die an
die von Satan befürwortete Evolutionstheorie glauben, sollten es eigentlich
besser wissen. Und manche wissen es auch besser! Doch sie halten sich lieber an
das, was die Menschen hören wollen und leben mit der Lüge! Gott sagt dazu, dass
sie „keine Entschuldigung" haben!
Das gleiche gilt für gewisse Geistliche und Bibelgelehrte, die nicht
aufhören, alten heidnischen Aberglauben und unchristliche Bräuche zu lehren und
zu praktizieren, obwohl Gott das in seinem Wort ausdrücklich verbietet. In
vielen Fällen handeln sie wider besseres Wissen! Auch sie haben „keine
Entschuldigung". Die fortwährende Verbreitung von Lügen auf wissenschaftlichem
und geistlichem Gebiet bewirkt, dass der größte Teil der Menschheit blind ist
gegenüber dem Wesen Gottes, seinem Heilsplan und seiner Absicht mit uns
Menschen. Das ist das eigentlich schreckliche Resultat, wenn man falsches
Zeugnis gibt, sich selbst täuscht und Lügen verbreitet. Denn solange die
eigentlich „gebildete" Führungsschicht dieser Welt sich selbst und andere
hinsichtlich der Existenz Gottes, seiner Macht und seines Heilsplans irreführt,
ist die Menschheit zum Untergang verurteilt!
Der Wahrheit gemäß leben
Fangen Sie in Ihrem eigenen Leben an, die Wahrheit zu
sagen, die Wahrheit zu akzeptieren und der Wahrheit gemäß zu leben. Achten Sie
darauf, dass Ihr Leben sich nicht auf Lügen gründet – sei es persönlicher,
politischer, wissenschaftlicher oder religiöser Art. Seien Sie sich dessen
bewusst, dass es die Wahrheit ist, die Sie wirklich frei machen
wird (Johannes 8, 32). Achten Sie auf das, was Sie sagen. Ein Mensch ist so viel
Wert, wie sein Wort. Wenn eine Person zum Gewohnheitslügner geworden ist, ist es
fast aussichtslos, ihr zu helfen, denn alles, was diese Person sagt oder tut,
könnte eine weitere Lüge sein. Eine der Grundeigenschaften Gottes ist die
Wahrheit. Wenn wir uns nicht auf Gottes Wort verlassen könnten, dann wären wir
uns nie sicher, ob unsere Sünden der Vergangenheit wirklich vergeben sind, ob er
uns in der Gegenwart hilft, wenn wir in Not sind, oder ob er in der Zukunft
wirklich einen Lohn und das ewige Leben für uns bereithält.
Gott mag noch so viel Liebe, Weisheit und Macht besitzen – könnte man sich
auf sein Wort und seine Verheißungen nicht verlassen, was würde es dann nützen?
Haben Sie es schon einmal von diesem Standpunkt aus betrachtet? Satan der Teufel
hat einen Charakter, der dem Charakter Gottes genau entgegengesetzt ist. Jesus
Christus offenbarte über ihn: „Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem
Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge" (Johannes 8, 44). Wer
Satan folgt und sich weigert, nach der Wahrheit zu leben, hat ein schreckliches
Schicksal zu erwarten: „Die Feigen aber und Ungläubigen [...] und alle Lügner,
deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist
der zweite Tod" (Offenbarung 21, 8). Es gibt keine „Notlügen" in Gottes Augen.
Halbwahrheiten, Entstellungen und Täuschungen werden überall in der Bibel
verurteilt. Jesus sagte: „Dein Wort ist die Wahrheit" (Johannes 17, 17). Nach
diesem inspirierten Wort sollten wir leben, damit wir das ewige Leben erhalten
in einem Reich, das auf Wahrheit und Recht gegründet ist. Das ist die Botschaft
des neunten Gebots. /P>
Das zehnte Gebot
Wussten Sie, dass die finanzielle Misere der meisten
Familien nicht Ergebnis eines zu niedrigen Einkommens ist? Neuere Umfragen haben
ergeben, dass ein Einkommen, das normalerweise ausreichend ist, oft erst durch
den Erwerb unnötiger Luxusgüter, durch persönliche Liebhabereien und durch
unbedachte Ratenkäufe überlastet wird! „Jetzt kaufen, später bezahlen", so lockt
die Werbung. Aber müssen Sie diesen Artikel wirklich jetzt kaufen? Und sind Sie
sicher, dass Sie ihn „später bezahlen" können?
Ein auf Habgier aufgebautes
Gesellschaftssystem
„Etwas Besseres haben als die Nachbarn" lautet die
landläufige Devise. Eine gezielte Werbung unterstützt diesen Gedanken
unaufhörlich. Es wird als rückschrittlich oder sogar verkehrt angesehen, wenn
jemand nicht danach strebt, das Gleiche zu besitzen wie seine Nachbarn, und so
mit ihnen im Wettstreit zu liegen. Die moderne Vorstellung scheint zu sein:
„Nimm dir, was du kannst, solange du noch kannst". Der unaufhörliche
gesellschaftliche Zwang, voranzukommen – der gewöhnlich bedeutet, dass man immer
mehr Geld und Besitztümer anhäufen muss – ist zu einer Abgötterei geworden.
Millionen von Menschen verlieren darüber den Blick für ein Leben im Sinne
Gottes.
Vor einigen Jahren veröffentlichte eine kanadische Kirchenzeitung einen
ernüchternden Artikel, der die Wirkung dieses Konsumzwangs bis zur Abgötterei
auf junge Afrikaner zeigte, die in die USA und nach Kanada gekommen waren, um
Theologie zu studieren. Einer dieser jungen Männer sagte: „Bevor ich hierher
kam, um zu studieren, war ich ein guter Christ. Ich träumte davon, eines Tages
Missionsarzt zu werden. Jetzt bin ich ein Atheist". „Warum?", fragte der
Journalist. „Seit ich hier bin," bekam er zur Antwort, „habe ich entdeckt, dass
der weiße Mann zwei Götter hat. Einen, über den er uns lehrt, und einen anderen,
den er wirklich anbetet". Zuhause in der Missionsschule wurde uns beigebracht,
dass die Stammesreligion meiner Vorfahren, die Fetische anbeteten und an
Zauberei glaubten, falsch und geradezu lächerlich sei. Aber hier betet man viel
größere Fetische an – Autos und Elektronik. Ich kann da, offen gesagt, keinen
Unterschied feststellen".
Überrascht Sie das? Es sollte nicht überraschen – doch die meisten Menschen
haben sich schon so an ihre Sünden gewöhnt, dass sie diese gar nicht mehr als
Sünden erkennen können. Wir leben in Gesellschaften, die sich als „christlich"
bezeichnen, die aber in Wahrheit auf Lust und Habgier nach immer mehr
materiellen Gütern begründet sind. Der zwanghafte Drang, sich hinsichtlich
materieller Güter mit anderen zu messen und sie zu übertrumpfen, ist nicht nur
die Quelle der meisten finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch die
eigentliche Ursache vieler körperlicher und seelischer Krankheiten, zerbrochener
Familien und persönlicher Enttäuschungen. Was aber am schwerwiegendsten ist:
Diese Form der Abgötterei lässt uns praktisch keine Zeit und Kraft oder auch nur
den Wunsch, jemals den wahren Gott kennen zu lernen – dessen lebendige Gesetze
und Wege alleine echten inneren Frieden und Freude bringen können.
Der Wortlaut des zehnten Gebots
Die meisten Menschen erkennen nicht, dass die Zehn
Gebote ein lebendiges, wirksames und aktives Gesetz darstellen – ebenso wie das
Gesetz der Schwerkraft. Sie wirken automatisch. Wenn man sie bricht, zerbricht
man selbst daran! So verhält es sich auch mit dem letzten Gebot in Gottes
„Grundgesetz". Auch wenn es gebrochen wird, ohne dass irgendjemand anderes das
merkt, folgt die Strafe für seine Verletzung mit absoluter Sicherheit! „Du
sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren. Du sollst nicht begehren die
Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, weder sein Rind, noch
seinen Esel noch irgendetwas, was deinem Nächsten gehört" (2. Mose 20,
17; rev. Elberfelder Übersetzung).
Von allen Geboten bezieht sich das zehnte am deutlichsten auf die
zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Nachdruck liegt in diesem Gebot auf den
Worten „deines Nächsten ... deines Nächsten ... seinen ... seine ... sein ...
seinen ... deinem Nächsten". Das ist ein siebenfacher Schutz der
Interessen des Mitmenschen. Es ist natürlich nicht verkehrt, sich rechtmäßig
eine Frau, einen Angestellten oder Tiere zu wünschen. Doch wenn das Objekt der
eigenen Wünsche außerhalb der Legalität liegt und die Bewunderung dessen, was
ein anderer besitzt, in den Drang mündet, es selbst zu besitzen, dann bricht man
das zehnte Gebot. Das zehnte Gebot regelt offensichtlich im Wesentlichen die
materiellen Eigentumsverhältnisse der Menschen untereinander, aber seine
geistlichen Forderungen sind vielleicht noch umfassender, als bei den
vorangegangenen Geboten. Sogar den menschlichen Gedanken und Sehnsüchten werden
durch dieses Gebot Grenzen gesetzt. Die meisten Menschen glauben, Sünde sei
stets eine äußerlich wahrnehmbare Handlung. Sie vergessen dabei, dass auch die
Gedanken völlig rein und gottähnlich werden sollen, wenn man Gottes heiligen und
gerechten Charakter entwickeln will, den Gott in uns sehen möchte. Dem Gedanken
folgt die Tat. Man ist, was man denkt. Wenn wir insgeheim Gottes Normen und Wege
ablehnen und im Herzen nach dem gelüsten, was wir rechtmäßig mit Gottes Segen
nicht in Besitz nehmen können, dann wird diese innere Rebellion – früher oder
später – zu einer sündhaften Handlung führen. Die eigenen Handlungen orientieren
sich dann immer weniger am Willen Gottes – man wird Gottes Gesetz brechen – weil
man es in Gedanken schon lange getan hat!
Dieses Gebot entlarvt jedes oberflächliche Christentum und deckt auf, ob
ein Mensch seinen Willen wirklich seinem Schöpfer untergeordnet hat! Dieses
Gebot stellt unbequeme Forderungen. Aber wenn wir jemals das ewige Leben und die
Herrlichkeit in Gottes Reich erlangen wollen, dann müssen wir lernen, diesem
Gebot zu gehorchen. „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus
war" (Philipper 2, 5; rev. Elberfelder Übersetzung). Mit Hilfe des uns
innewohnenden Geistes Gottes müssen wir den Kampf des Glaubens führen – unsere
fleischlichen Gewohnheiten ablegen – und letztlich dahin gelangen, „gefangen [zu
nehmen] alles Denken in den Gehorsam gegen Christus" (2. Korinther 10, 5). Das
ist das höchste Ziel bei der Charakterentwicklung eines Christen – und mit der
Auferstehung ist es schließlich erreicht.
Doch wir müssen schon in diesem Leben damit beginnen, gottähnliche
Charakterzüge zu entwickeln. Wir müssen lernen, „mit Gott zu wandeln", wie
bereits Henoch, Noah, Abraham und andere Diener Gottes. Dazu müssen wir seine
Wege gehen – tun, was er tut – denken, wie er denkt. Der Sinn des Menschen ist
normalerweise erfüllt mit Selbstsucht, Eitelkeit, Konkurrenzdenken, Neid, Hass
und Begierde. Dadurch ist er von den Wegen und Gedanken Gottes abgeschnitten
(Jesaja 55, 8-9). Deshalb betonte Jesus, wie wichtig es ist, dass wir unseren
Sinn ändern, uns bekehren und reinigen, als er sagte: „Selig sind, die reinen
Herzens sind, denn sie werden Gott schauen" (Matthäus 5, 8).
Wo stehen wir?
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Leben in der
westlichen Welt besonders rastlos geworden. Wir haben es eilig, mehr Geld zu
verdienen, suchen ständig nach Spaß und Abwechslung, damit wir aus dem Leben
alles herausholen können, was irgendwie möglich ist. Von allen Seiten wird uns
eingeredet, wir müssten mit unseren Mitmenschen mithalten hinsichtlich sozialer
Anerkennung und materiellen Besitztümern. Heute sind viele Menschen förmlich auf
Luxusgüter versessen, die vor zwei oder drei Generationen noch gar nicht bekannt
waren. Wir werden gedrängt, mehr auszugeben, als wir verdienen – und mehr zu
tun, als wir sollten. „Das sind Sie sich schuldig", heißt es dazu in der
Werbung, die uns damit zu verstehen geben will, dass es dumm wäre, keinen
größeren Wagen zu kaufen, nicht in teureren Restaurants zu speisen und nicht
noch ausgedehntere, teurere Reisen zu unternehmen. Die Betonung liegt darauf,
sich zu nehmen, was man selbst haben will. Es ist dieselbe Grundeinstellung, die
Völker dazu bringt, sich gegenseitig zu bekämpfen und zu töten. „Woher kommt der
Kampf unter euch, woher der Streit? Kommt’s nicht daher, dass in euren Gliedern
die Gelüste gegeneinander streiten? Ihr seid begierig und erlangt’s nicht, ihr
mordet und neidet und gewinnt nichts; ihr streitet und kämpft und habt nichts,
weil ihr nicht bittet" Jakobus 4, 1-2).
Nur allzu oft begehrt ein Unternehmer mehr Gewinn, als er bei Bezahlung
angemessener Löhne erzielen kann. Also beraubt er seine Angestellten, indem er
sie unzureichend entlohnt und nicht genug zur Verbesserung der
Arbeitsbedingungen und für Sicherheitsmaßnahmen investiert. Ebenso „begehrt" der
Angestellte von heute – oft durch skrupellose Gewerkschafter dazu gedrängt –
mehr Lohn, als er berechtigterweise für seine Arbeit erzielen kann. Er übt
organisierten Druck auf den Arbeitgeber aus und glaubt, er könne etwas ohne
Gegenleistung bekommen.
Warum schreiben so genannte „Schriftsteller" billige Schundromane voller
Obszönitäten und jungendlicher Torheiten? Warum veröffentlichen Verlage solche
degenerierten Geschichten, die menschliche Gefühle von Liebe, Freundlichkeit und
Idealismus in den Schmutz ziehen? Wenn Sie sich mit offenen Augen umsehen,
werden Sie schnell Hunderte von Beispielen für solche Habgier in
unserer Gesellschaft entdecken. Aber behalten Sie auch Ihre eigene
Habgier im Auge! Seien Sie bereit, diese zu bereuen und bitten Sie Gott um die
Liebe und die Kraft, sie zu überwinden. Gerade unsere heutige Generation gehen
die folgenden Worte des Gottessohnes besonders an: „Seht zu und hütet euch vor
aller Habgier; denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat" (Lukas 12, 15).
Haben Sie das begriffen? Christus sagte, dass Ihr Glück und Erfolg
im Leben nicht davon abhängen, wie neu und leistungsstark Ihr Wagen ist, in was
für einem Haus Sie wohnen, welche Kleidung Sie tragen oder was Sie essen. Glück
ist ein Gemütszustand, der sich erreichen lässt, wenn Sie den Geist und die
Gesinnung Christi in sich haben. Jesus sagte: „Die Füchse haben Gruben, und die
Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er
sein Haupt hinlege" (Lukas 9, 58). Die Liebe, die Freude und der Friede, die
Jesus uns vorlebte, kamen durch seine Gesinnung des Gebens und Dienens – nicht
durch materielle Güter, die Jesus besaß. Jesus, der Menschensohn, konnte
menschlicher Eitelkeit und Habgier widerstehen, weil er den Dienst für Gott weit
über alles andere stellte. Nachdem er geschildert hatte, wie die Unbekehrten
hauptsächlich nach vergänglichen Gütern und Vorteilen trachten – und sich
darüber Sorgen machen – gebot er: „Trachtet zu erst nach dem Reich Gottes und
nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen" (Matthäus 6, 33).
Die Gebote fügen sich zu einer Einheit
zusammen
An diesem Punkt nun schließt sich das letzte Gebot an
das erste an, denn was immer Sie entgegen dem Willen Gottes erstreben, ist
Begierde. Wenn Sie insgeheim einen größeren Wunsch haben, als Ihrem Schöpfer zu
gehorchen und in der Folge seine Segnungen zu empfangen, dann wird das, was Sie
sich so sehr wünschen, zu Ihrem Gott. „Habsucht [ist] Götzendienst" (Kolosser 3,
5). Was Sie auch begehren, Sie setzen es an die Stelle des wahren Gottes und
brechen damit das erste Gebot: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir"
(2. Mose 20, 3). Der Apostel Paulus sagte: „Wisst ihr nicht: wem ihr euch zu
Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und müsst ihm
gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit"
(Römer 6, 16).
Wenn Sie vergängliche Dinge begehren, dann „dienen" Sie ihnen. Sie wenden
Ihre Zeit, Ihre Kraft und Ihr Geld dafür auf, sie zu erlangen. Somit haben Sie
weder Zeit noch Energie, wirklich die Bibel zu studieren oder eine Stunde im
tiefen Gebet vor dem zu verbringen, der Ihnen das Leben geschenkt hat. Sie
werden mit dem Geld geizen, das Sie eigentlich Ihrem Schöpfer schulden, damit
seine Wahrheit verkündet werden kann. Durch diese logische Abfolge werden die
materiellen Dinge, die Sie begehren, zu Ihrem „Gott". Denn Sie dienen ihnen
tatsächlich und beten sie an – und finden deshalb wenig Zeit, Kraft und
Vermögen, um dem wahren Gott von ganzem Herzen und mit aller Kraft zu dienen.
Wir sehen also, welche schlimmen Folgen Habgier hat – sie schließt uns von
der Gemeinschaft mit dem großen Gott im Himmel aus und bringt uns um den Segen
und die Liebe dessen, der alles gemacht hat, was existiert – und der wollte,
dass die Güter seiner materiellen Schöpfung in seinem Dienst und zu seiner Ehre
verwendet werden sollten. Im alltäglichen Leben verletzt Habgier das
grundlegende Prinzip der Lebensweise, die in den Geboten Gottes und durch das
Leben Jesu Christi verdeutlicht ist. Jesus fasste dieses Prinzip so zusammen:
„Geben ist seliger als nehmen" (Apostelgeschichte 20, 35).
Wenn Sie gelernt haben, sich für das Wohlergehen Ihrer Mitmenschen zu
interessieren, ihnen mit Liebe und aufrichtiger Hilfsbereitschaft zu begegnen,
und wenn Sie dem wahren Gott dienen und ihn ehren, dann werden Sie echte
Erfüllung finden und Freude am Leben haben. Und in der Welt von Morgen wird
Ihnen ewiges Leben und Herrlichkeit zuteil in einer göttlichen Regierung, die
sich auf die Zehn Gebote stützt – den wahren Weg der Liebe, des Gebens und des
Dienstes gegenüber Ihren Mitmenschen sowie der Anbetung und Verherrlichung des
lebendigen Gottes, der diese Gebote zu unserem ewigen Wohl erlassen hat.
Die neuen Gebote Jesu
Einige Menschen lehren, dass Jesus Christus das Gesetz seines Vaters durch
etwas wie „neue" Gebote ersetzt hat. Was ist die Wahrheit? Müssen
wir den Zehn Geboten noch gehorchen?
Wir leben in einer Zeit der Auflehnung gegen jegliches Gesetz
und alle eingesetzte Autorität. Nationen und Regierungen werden gestürzt und in
Schulen und Familien finden wir chaotische Zustände, weil Rebellion
in vielerlei Form um sich greift.
Vor einigen Jahren enthüllte ein Pastor in den USA im Bundesstaat Ohio die
Scheinheiligkeit des Menschen in unserer Zeit, wenn wir beten „dein Reich komme,
dein Wille geschehe". Er schrieb: „Wir meinen es nicht wirklich so. Wir
mögen keine Autorität und werden uns ihr nicht so einfach unterwerfen,
selbst wenn es um den König des Himmels geht ... Es ist nur allzu deutlich, dass
die meisten Menschen zu den meisten Zeiten des Jahres ernstlich beten: ‚dein
Reich komme nicht, mein Wille geschehe’".
Wurden die Zehn Gebote abgeschafft?
In den vorangegangenen Kapiteln dieser Broschüre haben
wir untersucht, wie sich die Zehn Gebote als lebendiges und aktives
Gesetz in positiver Weise auf alle Aspekte unseres persönlichen Lebens
auswirken. Doch heutzutage verkünden viele, die sich Pastoren und Bibelgelehrte
nennen, zu unrecht, dass die Zehn Gebote „abgeschafft" seien – wie sie sich
ausdrücken – oder dass sie durch die „neuen" Gebote Jesu ersetzt wurden.
Worum handelt es sich bei diesen „neuen" Geboten? Ersetzen sie die Zehn
Gebote oder widersprechen sie ihnen? Was sagt die Bibel über dieses wichtige
Thema?
Betrachten wir zunächst einmal eine der wichtigsten Absichten, die zur
Menschwerdung von Jesus Christus auf dieser Erde geführt haben. Jesaja
prophezeite über Jesus, „dass er sein Gesetz herrlich und groß
mache" (Jesaja 42, 21). Wir sehen also, dass Jesus nicht kam, um
das Gesetz aufzuheben, sondern um es „groß" zu machen.
Etwas groß zu machen bedeutet das genaue Gegenteil davon, dass man etwas
verändert oder aufhebt. Es bedeutet, auch noch das kleinste Detail offen zu
legen – wie bei einem Vergrößerungsglas. Leben und Lehre Jesu haben genau diese
Funktion im Hinblick auf das Gesetz des Vaters erfüllt.
Jesus sagte: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin,
das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen,
aufzulösen, sondern zu erfüllen" (Matthäus 5, 17). Und Jesus tat genau, was
diese Worte ausdrückten. Er erfüllte das Gesetz durch die Art, wie er
lebte und was er lehrte. Er machte es durch sein persönliches Vorbild groß,
brachte das Gesetz zu seiner ganzen Fülle, indem er über den
buchstäblichen Gehorsam hinausging und sogar die kleinste geistliche Absicht
hinter dem vollkommenen Gesetz des Vaters befolgte.
Diejenigen, die ihn als Lehrer kannten, konnten ihm niemals vorwerfen, die
Gebote Gottes gegen Menschengebote ausgetauscht zu haben. Er gehorchte
den Zehn Geboten in Wort und Tat. Er lehrte sie und lebte nach ihnen als dem
vollkommenen Weg des Lebens.
Er sagte: „Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die
Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und
lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich" (Matthäus 5, 19).
Natürlich sollten wir danach streben, in Gottes Reich „groß" zu sein. Wir
sollten den Wunsch haben, so viel von unserer fleischlichen Gesinnung zu
überwinden, wie möglich, damit wir die Gelegenheit bekommen, zu dienen so gut
wir können! Dafür sollten wir ernsthaft und engagiert darauf bedacht sein, auch
die „kleinsten" Gebote Gottes zu befolgen und zu lehren. Halten Sie das
Sabbatgebot für das „kleinste"? Wenn ja, dann wäre es gut, den Sabbat Gottes
einzuhalten und zu lehren, wie Gott es geboten hat, indem Sie
Christi vollkommenem Beispiel nachfolgen und den siebten Tag
heilig halten – und nicht den „Tag der Sonne"!
Der Weg zum ewigen Leben
Als ein junger Mann zu Jesus kam und ihn nach dem Weg
zum ewigen Leben fragte, sagte dieser: „Willst du aber zum Leben eingehen, so
halte die Gebote" (Matthäus 19, 16-18).
Der junge Mann fragte: „Welche?"
Jesus antwortete: „Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen ..."
und fuhr fort, einige der Zehn Gebote aufzuzählen. Jesus kannte
den Weg zum Heil! Er sagte, dass dieser Weg im Gehorsam gegenüber dem
Gesetz Gottes des Vaters und in der Hingabe an seinen Willen besteht.
Jesus erklärte zudem: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!,
in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines
Vaters im Himmel" (Matthäus 7, 21).
Weit davon entfernt, die Zehn Gebote abzuschaffen, gehorchte
Jesus ihnen umso mehr (Johannes 15, 10). Christus war das „Licht", das Gott in
die Welt gesandt hat, um den Menschen zu zeigen, wie sie leben
sollten. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung sandte Christus die Apostel mit
folgendem Auftrag aus: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie
auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie
halten alles, was ich euch befohlen habe" (Matthäus 28, 19-20).
Die Apostel waren dabei gewesen, als Christus zu dem jungen Mann sagte:
„Halte die Gebote". Sie hatten gehört, wie er die Gebote Gottes in der so
genannten Bergpredigt erweiterte (Matthäus Kapitel 5-7).
Die Apostel konnten bezeugen, dass Christus die Zehn Gebote einhielt und
wussten, dass er ihnen darin ein vollkommenes Vorbild gab. Als Jesus sie
mit dem Auftrag aussandte, die Völker alles zu lehren, was er ihnen
befohlen hatte, gab es für sie also keinen Zweifel, dass das die Zehn Gebote
mit einschloss.
Gehorsam gegenüber den Zehn Geboten war also das Fundament der Lehren
Christi und seiner ursprünglichen Apostel. Aber wie steht es mit den „neuen"
Geboten Jesu? Haben sie denn nicht die Notwendigkeit für ein buchstäbliches
Einhalten der Zehn Gebote, die im Alten Testament offenbart wurden, verändert
oder sogar abgeschafft?
Ein „neues" Gebot
Tatsächlich gibt es, ungeachtet dessen, was viele
denken, nur eine Stelle in der gesamten Bibel, wo Jesus sagte, dass er ein
„neues" Gebot gab. Die anderen Hinweise – die von dem Apostel Johannes stammen –
beziehen sich, wie wir sehen werden, auf das darin enthaltene Prinzip.
„Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie
ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird
jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe
untereinander habt" (Johannes 13, 34-35).
Jesus gab dieses „neue" Gebot in der letzten Nacht seines irdischen Lebens.
Er hatte – durch Lehre und Beispiel – seinen Jüngern bereits gezeigt, dass das
Einhalten der Gebote Gottes nichts anderes als ein Ausdruck der Liebe
ist.
Wir zeigen echte Liebe Gott gegenüber, wenn wir ihn wirklich anbeten und
ihm gehorchen, wenn wir nicht dulden, dass andere „Götter", Idole, Bildnisse
oder irgendetwas anderes seinen Platz einnehmen, und wenn wir
immer seinen Namen ehren und den Siebenten-Tages-Sabbat heilig halten, den er
geheiligt hat und den Jesus und die Apostel immer eingehalten haben! Und wir
erweisen unseren Mitmenschen Liebe, wenn wir gewissenhaft die letzten sechs
Gebote einhalten.
Christus hatte Gottes Gesetz bereits in den zwei großen Geboten
zusammengefasst: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem
Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. [...] Du sollst deinen Nächsten
lieben wie dich selbst" (Matthäus 22, 37.39). Tatsächlich zitiert Jesus den
Schlussteil dieser Zusammenfassung von Gottes Gesetz direkt aus dem Alten
Testament (3. Mose 19, 18)!
Was war dann also „neu" an Jesu Gebot, unseren Nächsten zu lieben?
Die Antwort liegt auf der Hand. Das Gebot der Nächstenliebe war
nicht neu, wohl aber die Erweiterung dieses Gebots durch Jesus in
seinem eigenen, vollkommenen Leben, die ein völlig neues Licht auf
die geistliche Absicht und Tiefe dieses Gebots warf.
Beachten Sie Jesu Betonung – „... wie ich euch geliebt habe,
damit auch ihr einander lieb habt".
Jesu eigenes, vollkommenes Beispiel der Liebe und des
Dienens war die größte und bedeutungsvollste Erweiterung der
Nächstenliebe, die Gott geboten hatte. Und in seinem eigenen Leben demonstrierte
er, wie diese Art der Nächstenliebe sich im täglichen Leben
tatsächlich auswirkt.
Wie man seinen Nächsten liebt
Dreimal durchbrach die göttliche Stimme die gewöhnliche
Stille des Himmels, indem sie Gottes Wohlgefallen am Lebenswandel Jesu kundtat.
Selbst der römische Statthalter Pontius Pilatus erklärte, „... dass ich keine
Schuld an ihm finde" (Johannes 19, 4).
Der Grund war, dass Jesus ein Leben des Gebens führte. Ob er nun die
Menschen lehrte, Kranke heilte, die hungrige Menge speiste oder in Demut den
Jüngern die Füße wusch, immer gab er sein Leben für andere.
Dieser liebende und von sich gebende Jesus Christus sagte aber auch zu den
religiösen Führern seiner Tage: „Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr
der höllischen Verdammnis entrinnen?" (Matthäus 23, 33).
Klingen diese Worte seltsam aus dem Munde eines Mannes der Liebe?
Keineswegs. Vielmehr sind sie Ausdruck dessen, wie vollkommene Liebe
manchmal etwas zum Wohl einer anderen Person sagt oder tut, auch wenn diese
Person es in dem Moment nicht so empfinden kann.
Jesus liebte die Pharisäer! Es geschah aus Liebe, dass er ihnen
diese Worte entgegenschleuderte – um sie aus ihrem Leben in
religiöser Heuchelei und Verkehrtheit aufzuwecken, mit dem sie ihre Seelen in
Verdammnis führten. Vergessen wir nicht, dass Jesus auch für eben diese
Pharisäer starb. Und er betete für diese Menschen wie auch für
andere in ihrer Situation: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was
sie tun" (Lukas 23, 34).
Aus dieser vollkommenen, verständnisvollen Liebe heraus entzog sich Jesus
gelegentlich auch der Menge, um auszuruhen, zu meditieren und zu beten. Denn er
wusste, nur dadurch, dass er dem Vater ständig nahe blieb und ein Werkzeug in
seiner Hand war, konnte seine menschliche Gegenwart und seine Lehre das Leben
anderer bereichern.
Jesus tat nicht nur so, as liebte er andere. Er liebte sie
wirklich, mit vollkommener Liebe. Erfüllt von Gottes heiligem Geist
wünschte er von Herzen, seine Mitmenschen zu lieben und ihnen zu ihrem
Besten zu dienen.
Er lebte tatsächlich nach den Worten, die Paulus von ihm wiedergab: „Geben
ist seliger als nehmen" (Apostelgeschichte 20, 35). In diesem Licht ist sein
Gebot, einander zu lieben, „wie ich euch geliebt habe", in der Tat ein
„neues" Gebot, das noch viel tiefer in zwischenmenschliche Beziehungen
eingreift.
Gehorchte Jesus den Zehn Geboten auch dem
Buchstaben nach?
Viele religiöse Menschen glauben, dass Jesus eine Art
sentimentaler „Liebe" im Herzen trug, dass er aber nicht wirklich die Zehn
Gebote dem Buchstaben nach befolgte.
Die Wahrheit ist, dass Jesus Christus jedes einzelne der Zehn Gebote dem
Buchstaben und dem Geist nach einhielt – so wie seine Nachfolger
es heute tun sollten. Er sagte selbst von sich, wie wir schon gesehen haben,
dass er die Gebote seines Vaters gehalten hat (Johannes 15, 10).
Um es ganz deutlich zu sagen: Jesus hatte nie einen anderen Gott
neben dem wahren Gott. Nie beging er Götzendienst und nie hat er
Gottes Namen gelästert. Er hielt den Sabbat heilig, den Gott
heilig gemacht hatte und nahm an diesem Tag oft am Gottesdienst in der Synagoge
teil, wie es seine Gewohnheit war (Lukas 4, 16).
Jesus ehrte seine Eltern, ermordete nie jemanden, beging
keinen Ehebruch, stahl nicht, gab kein falsches Zeugnis ab und begehrte nie, was
ihm nicht zukam. In allem war er uns ein Vorbild, dem wir
nachfolgen sollten (1. Petrus 2, 21).
Heute ist ein wahrer Christ ein Mensch, der Gott so ergeben ist,
dass Christus tatsächlich sein Leben durch den heiligen Geist in ihm lebt. Denn
der Apostel Paulus schrieb: „Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern
Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in
dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich
dargegeben" (Galater 2, 20; Lutherbibel 1912).
Ein wahrer Christ sollte nicht nur an Christus glauben, sondern
sogar durch Christi eigenen Glauben leben, der ihm durch den
heiligen Geist eingegeben ist. Christus sollte – durch den heiligen Geist –
tatsächlich in dem wahren Christen leben und durch ihn wirken. Und
wohlgemerkt: Christus wird in Ihnen dasselbe vorbildliche Leben
wie vor fast 2000 Jahren leben. „Jesus Christus gestern und heute und
derselbe auch in Ewigkeit" (Hebräer 13, 8).
Im Fleisch ist Jesus „versucht worden [...] in allem wie wir,
doch ohne Sünde" (Hebräer 4, 15). Er wurde versucht, aber er gehorchte
den Zehn Geboten in seinem irdischen Leben. Und so, wie er jetzt durch den
heiligen Geist in seinen Nachfolgern wohnt, wird er auch in ihnen die Gebote
halten.
Es ist die Liebe Christi, seine Kraft in uns, die uns
ermöglicht, das geistliche Gesetz Gottes einzuhalten. Denn Jesus Christus war
und ist dem Vater gehorsam.
Gab Johannes ein „neues" Gebot?
In einem Brief des Apostels Johannes – des Apostels, den
Jesus liebte – finden wir auch einen Hinweis auf ein „neues" Gebot.
„Meine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte
Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr
gehört habt. Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, das wahr ist in
ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt.
Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der
Finsternis" (1. Johannes 2, 7-9).
Hier weist der Apostel seine Herde zuallererst auf das „Wort" Gottes hin,
das sie von Anfang an gehört hatten. Dann aber erwähnt er etwas „Neues" und
erklärt weiter, dass es sich dabei um die tiefe, geistliche Liebe handelt, die
Geschwister in Christus füreinander haben sollten. In dieser Liebe ist einfach
kein Platz für Hass, Neid oder Bosheit.
Schafft dann diese christliche Liebe die Zehn Gebote ab,
oder ändert sie diese?
Natürlich nicht!
Sie betont und erweitert nur die Liebe, die Christen ihren
Mitmenschen entgegenbringen sollen. Diese Liebe geht wesentlich weiter als das,
was nach dem Buchstaben der Zehn Gebote nötig wäre – aber es ersetzt diese
Gebote keineswegs!
Ebenso schrieb Johannes in seinem zweiten Brief: „Und nun bitte ich dich,
Herrin – ich schreibe dir kein neues Gebot, sondern das, was wir gehabt haben
von Anfang an –, dass wir uns untereinander lieben. Und das ist die Liebe, dass
wir leben nach seinen Geboten; das ist das Gebot, wie ihr’s gehört habt von
Anfang an, dass ihr darin lebt" (2. Johannes 1, 5-6).
Hier definiert Johannes die christliche Liebe als ein Leben nach den
Geboten, also unter Einhaltung der Gebote!
Wir sollten nicht nur Gott und Christus als Personen lieben, sondern
auch ihre Lebensweise – ihren Charakter – so wie es in den
Zehn Geboten zum Ausdruck kommt. Christus lehrte nicht nur den
Gehorsam gegenüber den Geboten, er lebte auch in diesem
Gehorsam!
Und so fügt Johannes hinzu: „Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der
Lehre Christi, der hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat den Vater
und den Sohn" (Vers 9).
Was die „neuen" Gebote wirklich lehren
Wenn wir die positive Seite der „neuen" Gebote
betrachten, stellen wir fest, dass sie die alten Gebote nur bekräftigen und noch
verbindlicher machen! Sie umreißen den Weg der Liebe, des
Gebens und des Dienens, den wir nur gehen können, wenn Christus
selbst in uns lebt.
In vollkommener Uneigennützigkeit sollen wir lernen, unsere Mitmenschen so
zu lieben, wie Jesus uns liebt. Das ist die
neutestamentliche Lehre! Sie ist noch viel verpflichtender
als der Buchstabe der alttestamentlichen Gebote.
Aber diese werden dadurch nicht ersetzt. Vielmehr werden sie
um ihren geistlichen Sinngehalt erweitert. Und diese „neuen" Gebote selbst
weisen auf ihre endgültige Verherrlichung im Leben Jesu hin. Und Jesus
gehorchte den Zehn Geboten buchstäblich und im Geiste. Er ist
somit unser „Licht", unser Vorbild.
Indem der Apostel Paulus das Prinzip beschrieb, wie wir unseren Nächsten
lieben sollten, stellte er fest: „So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung"
(Römer 13, 10). Denn Gottes geistliche Liebe kommt in den Zehn Geboten zum
Ausdruck.
Weil Jesus den Zehn Geboten in jeder Hinsicht vollkommen gehorchte,
war sein ganzes Leben ein strahlendes Vorbild an Liebe – und Liebe ist die
Erfüllung des Gesetzes. Das „neue" Gebot, das er erließ, lenkte die
Aufmerksamkeit auf sein Vorbild des vollkommenen Gehorsams gegenüber dem
Vater und der vollkommenen Güte und des Dienens gegenüber allen
Menschen.
Millionen von Menschen, die sich zum Christentum bekennen, wurde
beigebracht, dass alles, was sie zu tun hätten, sei, „Jesus zu lieben" oder „die
Liebe Gottes" zu haben. Was ist diese „Liebe"? Wie sagt Gott selbst uns, dass
wir seine Liebe zum Ausdruck bringen sollen? Noch am Ende des apostolischen
Zeitalters, Jahrzehnte nach Jesu Auferstehung, inspirierte Gott den Apostel
Johannes (Jesu engsten Freund unter den Aposteln) zu den Worten: „Das ist die
Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer"
(1. Johannes 5, 3).
Erinnern wir uns, dass Jesus in allem, was er dachte, sagte und tat nach
Gottes Gesetz lebte. In diesem irdischen Leben wird niemand von uns Gottes
Gesetz auf vollkommene Weise einhalten. Doch Gottes Gesetz muss zur Richtschnur
unseres Lebens werden. Uns wird geboten: „Wachset aber in der Gnade und
Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus" (2. Petrus 3, 18). – Unser
Leben soll sich von Jahr zu Jahr immer mehr nach dem Leben Christi ausrichten.
Möge Gott uns allen helfen, dem Vorbild seines Sohnes nachzufolgen und
seinem Gesetz zu gehorchen. Mögen wir durch zunehmende Ergebenheit und
wachsenden Gehorsam den Charakter Gottes in uns entwickeln. Dann können wir
aufgrund der Gnade Gottes, des Opfers Christi und durch die uneingeschränkte
Bereitschaft, Christus sein gehorsames Leben durch den heiligen Geist in uns
leben zu lassen, letztlich ewiges Leben in Gottes Reich empfangen!
