Viele von Gottes Volk erleben schwere Prüfungen.
Manche haben gerade eine solch schwere Zeit durchgemacht,
andere befinden sich vielleicht kurz vor einer Zeit großer Herausforderungen.
Wie können wir mit unseren Prüfungen umgehen?


Viele von Gottes Volk erleben schwere Prüfungen. Manche haben gerade eine solch schwere Zeit durchgemacht, andere befinden sich vielleicht kurz vor einer Zeit großer Herausforderungen. 

Wie können wir mit unseren Prüfungen umgehen? 

Wir leben in den letzten Tagen – einer Zeit, von der Christus sagte, "weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten". Bei einem anderen Anlass stellte er die Frage, "wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?" – und wies damit darauf hin, wie herausfordernd diese Zeit sein wird (Matthäus 24, 12; Lukas 18, 8). 

Wie können wir diesen außerordentlich schwierigen Zeiten entgegentreten? Welchen Weg werden Sie wählen? Was ist Ihre Einstellung, wenn Sie schwere Prüfungen treffen? 

Beachten wir das Vorbild des Apostels Paulus. Er wurde wieder und wieder von den schwersten Prüfungen heimgesucht, vielleicht mehr als irgendjemand anderes, von dem wir in der Bibel lesen, außer Jesus Christus. Doch Paulus klagte Gott nie deswegen an. Er hatte immer eine positive Einstellung. Er versank auch nie in Selbstmitleid und hörte nie auf, auf Gott zu vertrauen. 

Wie hat er das geschafft? Was war sein Geheimnis?

Die Bekehrung des Apostels Paulus

Saulus von Tarsus sollte auf seinem Weg nach Damaskus eine sehr wichtige Lektion lernen. Er hatte sich mit einem bestimmten Zweck auf den Weg gemacht: "Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester" (Apostelgeschichte 9, 1). Dies geschah kurz nachdem Saulus der Steinigung von Stephanus beigewohnt hatte, und sich an denen erfreute, die Gottes treuen Diener ermordeten. Saulus bat um Briefe vom Hohenpriester, die er den Synagogen in Damaskus vorlegen wollte, falls er dort irgendwelche Leute fände, die "Anhänger des neuen Weges" waren. 

Saulus plante, jeden Christen, den er finden würde, es seien Männer oder Frauen, gefesselt nach Jerusalem zu bringen. Aber dann geschah etwas Dramatisches. "Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich?" (Apostelgeschichte 9, 3-4). 

Dies muss ein sehr intensives Licht gewesen sein. Wir können uns vorstellen, wie es Saulus buchstäblich zu Boden riss, wie ein Blitz. Dies war etwas sehr Tiefgründiges und Machtvolles. Hier war dieser Mann, Saulus, der niemanden fürchtete, und plötzlich wurde er sehr tief zu Boden geworfen. "Er aber sprach: Herr, wer bist du?". Stellen Sie sich vor, wie Saulus sich gefühlt haben muss. Er hatte gedacht, er würde Gott einen Dienst leisten, aber dann sagte der, den er verfolgte, "Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel auszuschlagen!" (Vers 5; Schlachterbibel). Beachten Sie die reuevolle und belehrbare Einstellung von Saulus. Zitternd und erschrocken fragte er: "Herr, was willst du, dass ich tun soll?" (Vers 6; Schlachterbibel). Daraufhin gab der Herr ihm Anweisungen. "Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst… Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts" (Verse 6-8). 

Was für ein Schock! Saulus war erblindet. Als dies geschah, wusste er nicht, dass seine Blindheit nur drei Tage andauern würde; sie hätte auch für den Rest seines Lebens sein können! "Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus" (Vers 8). Wie demütigend, herumgeführt werden zu müssen, ohne selbst etwas zu sehen. "Und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht" (Vers 9). Bald danach geschah ein weiteres dramatisches Ereignis. Er wurde erfüllt von Gottes Geist, und der Mann, der somit zu Paulus wurde, war demütig geworden. Zum ersten Mal begann er, seine Schwachheit zu erkennen (2. Korinther 12, 9-10).

Kraft wird in der Schwachheit vollkommen

Paulus lernte eine sehr wichtige Lektion, die in 2. Korinther 12 dokumentiert ist. Diese half ihm, mit den schwierigsten Problemen des Lebens auf positive Weise umzugehen. Und wie es bei Paulus der Fall war, kann Gottes Kraft auch in uns nur dann vollkommen zur Wirkung gelangen, wenn wir wirklich schwach sind – und unsere Schwachheit anerkennen. Bedenken Sie die Parallele beim Muskelaufbau. Wenn wir trainieren, bringen wir tatsächlich unsere Muskeln an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Für eine Zeitlang sind sie schwächer, aber unser Körper baut sie wieder auf, jedoch in einer Weise, dass sie dann stärker sind, als zuvor. 

Etwas Ähnliches geschieht, wenn wir geistlich wachsen. Wenn wir unsere Schwachheit anerkennen, kann Gott uns seine Stärke verleihen. So können wir von Prüfungen profitieren. Erfreuen Sie sich also Ihrer Schwachheit, anstatt Ihrer Stärke und Errungenschaften? Wenn Sie wie die meisten von uns sind, ist die ehrliche Antwort wahrscheinlich: "Nicht sehr oft!" Doch Christus zeigte Paulus, dass wir genau das tun müssen, und Paulus machte dies zu einem Teil seiner Wesensart. Er zweifelte nicht an Gottes Weisheit. Wie Jesaja uns erinnert: "So viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken" (Jesaja 55, 9).

Das Leiden des Apostels Paulus

Paulus sagte, es habe Dinge gegeben, die er tun wollte, aber nicht tat, und dass er andere Dinge tat, die er nicht tun wollte (Römer 7, 15-20). Er litt auch unter den Herausforderungen durch Kirchenmitglieder, die ihn verunglimpften und sich mit anderen Kirchenmitgliedern zusammentaten, um ihn herabzuwürdigen – "was, dieser kann unmöglich ein Apostel sein! Sieh nur all die Prüfungen, die er erlebt! Und hat er jemals eine Vision gehabt? Er ist ein dreister Hochstapler!" 

Angesichts solcher Anschuldigungen, jedoch von Gott zum Dienen berufen, musste Paulus solchen Angriffen entgegentreten: "Da viele sich rühmen nach dem Fleisch, will ich mich auch rühmen" (2. Korinther 11, 18). Was sagte Paulus zu seiner Verteidigung? "Sie sind Hebräer – ich auch! Sie sind Israeliten – ich auch! Sie sind Abrahams Kinder – ich auch! Sie sind Diener Christi – ich rede töricht: ich bin's weit mehr! Ich habe mehr gearbeitet, ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geißelhiebe weniger einen" (2. Korinther 11, 22-24). 

Während manche seiner Kritiker es geschafft hatten, sich im Verborgenen zu halten, erlitt Paulus fünf Mal die angeordnete Geißelung. Diese war eine schreckliche Strafe, so brutal, dass sie manchmal sogar den so Verurteilten tötete. Sie war so schwerwiegend, dass die Verantwortlichen sorgfältig darauf bedacht waren, sich nicht zu verzählen, und obwohl das Urteil immer auf 40 Hiebe lautete, hörten sie bei 39 auf, um ganz sicher nicht über das angeordnete Maß hinaus zu gehen. 

"Ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr unter Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße" (2. Korinther 11, 25-27). 

Wie sich die Zeiten geändert hatten! Paulus hatte viele Jahre seines Lebens damit verbracht, die Kirche Gottes zu verfolgen, diejenigen "des neuen Weges", und nun war er selbst ein Christ und dieselben Menschen, in Damaskus, die er gefangen nehmen und sogar töten wollte, versteckten ihn nun in einem Korb und ließen ihn durch ein Fenster an der Stadtmauer herunter, um sein Leben zu retten! (2. Korinther 11, 32-33).

Die Visionen und Offenbarungen von Paulus

Wie reagierte Paulus auf die Anschuldigung, dass er, anders als andere frühe christliche Führer, keine Visionen gehabt habe? Wir wissen, dass er eine Vielzahl von Visionen erhalten hatte, doch er entschied sich, nur eine zu beschreiben. Er sagte: "Gerühmt muss werden; wenn es auch nichts nützt, so will ich doch kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren – ist er im Leib gewesen? Ich weiß es nicht; oder ist er außer dem Leib gewesen? Ich weiß es auch nicht; Gott weiß es –, da wurde derselbe entrückt bis in den dritten Himmel" (2. Korinther 12, 1-2). 

Paulus fand dieses Erlebnis erstaunlich. "Für denselben will ich mich rühmen; für mich selbst aber will ich mich nicht rühmen, außer meiner Schwachheit. Und wenn ich mich rühmen wollte, wäre ich nicht töricht; denn ich würde die Wahrheit sagen" (Verse 5-6). Diese Vision war so lebhaft, dass er kaum unterscheiden konnte, ob er nicht tatsächlich zu Füßen von Gottes Thron gewesen war; es war absolut unglaublich. "Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe" (Vers 7). 

Dieser "Pfahl im Fleisch" beeinträchtigte Paulus so sehr, dass er Christus dreimal gebeten hatte, ihn zu entfernen. Und was war Christi Antwort? "Gott selbst hat dafür gesorgt, dass ich mir auf die unbeschreiblichen Offenbarungen, die ich gesehen habe, nichts einbilde. Deshalb hat er mir ein quälendes Leiden auferlegt. Es ist, als ob ein Engel des Satans mich mit Fäusten schlägt, damit ich nicht überheblich werde. Dreimal schon habe ich Gott angefleht, mich davon zu befreien. Aber er hat zu mir gesagt: »Meine Gnade ist alles, was du brauchst! Denn gerade wenn du schwach bist, wirkt meine Kraft ganz besonders an dir.« Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft Christi an mir. Und so trage ich alles, was Christus mir auferlegt hat — alle Misshandlungen und Entbehrungen, alle Verfolgungen und Ängste. Denn ich weiß: Gerade wenn ich schwach bin, bin ich stark" (2. Korinther 12, 7-10; Hoffnung für Alle). 

Was für eine inspirierende Einstellung!

Die Schwachheit des Apostels Petrus

Der Apostel Petrus war geradeheraus, und er scheute sich nicht, Klartext zu reden. Er war ein Mensch und wir können uns gut mit seiner Menschlichkeit identifizieren. Sein Beispiel hat uns auch heute noch viel zu sagen. 

Christus warnte vor seiner Kreuzigung, dass alle seine Jünger zurückweichen würden. Doch Petrus prahlte Christus gegenüber, dass er nicht von ihm weichen würde, selbst wenn alle anderen es tun (Markus 14, 27-31). 

Jesus Christus, der Sohn Gottes, hatte vorausgesagt, dass Petrus in der Nacht, in der Christus verhaftet werden würde, seinen Erlöser dreimal verleugnen werde, noch bevor der Hahn zweimal kräht. Doch Petrus hielt sich für sehr stark, und so prahlte er weiter, dass er niemals so etwas tun würde. Petrus hatte keinen Zweifel, dass er entschlossen war, fest zu Christus zu stehen, dass er für seinen Freund und Erlöser in die Bresche springen würde (Markus 14, 31). Doch Petrus' Stärke verflog schnell, als in jener Nacht bedrohliche Ereignisse eintraten. 

Christus wurde in das Haus des Hohenpriesters gebracht und Petrus folgte ihm. Petrus war so mutig, Christus in dieser Situation zu folgen und zu beobachten, was geschah. "Und Petrus war unten im Hof. Da kam eine von den Mägden des Hohenpriesters; und als sie Petrus sah, wie er sich wärmte, schaute sie ihn an und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus von Nazareth. Er leugnete aber und sprach: Ich weiß nicht und verstehe nicht, was du sagst. Und er ging hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähte" (Markus 14, 66-68). 

Petrus verleugnete Christus noch ein zweites Mal und ein drittes Mal. Und wieder hörte Petrus einen Hahn krähen. Da erinnerte er sich an die Worte Christi. Christus drehte sich um und sah zu Petrus, ihre Blicke trafen sich. Stellen Sie sich vor, wie er seinem Erlöser "Auge in Auge" blickte, den er gerade verleugnet hatte, trotz aller Prahlerei, es niemals zu tun. Petrus ging hinaus und weinte bitterlich (Lukas 22, 54-62). 

Würden wir sagen, dass Petrus zu diesem Zeitpunkt sehr stark war? Oder war er sehr schwach? Eindeutig hatte Christus seine große Schwäche bloßgestellt. 

Natürlich wissen wir, dass Gottes Geist nur wenige Tage nach diesen Ereignissen über Petrus kam, und am Pfingsttag war er ein anderer Mann. Ja, Gottes Geist war gegenwärtig, aber noch etwas anderes hatte stattgefunden. Petrus hatte sich auf eine Weise gesehen, wie er sich nie zuvor gesehen hatte. 

Nachdem Petrus wirklich schwach geworden war – und seine bisherige, hohe Meinung von sich selbst ablegen konnte – konnte Gott beginnen, seine Stärke in ihm wirken zu lassen, und so wurde Petrus zu einem starken Verteidiger des Glaubens. Er war dynamisch – ein großartiger Redner, ein fähiger Diener Gottes und ein wunderbarer Apostel, der später auch sein Leben für Christus hingab. 

Wiederum sehen wir die Bedeutung der Worte, die Christus zu Paulus gesagt hatte: "meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" (2. Korinther 12, 9).

Mein eigenes Leben

Vor einigen Jahren, nachdem ich meine Stelle als Pastor der Weltweiten Kirche Gottes aufgegeben hatte, suchte ich eine neue Arbeit. Ich suchte und suchte, aber nichts kam dabei heraus. Die Zeiten waren hart. Ich setzte mich mit einigen Arbeitsvermittlungsagenturen in Verbindung. Bei einer von ihnen sagte der Direktor zu mir: "Wissen Sie, Herr Shumway, Sie haben einige gute Fähigkeiten, aber ich kenne keine Firma, die einen Ex-Pastor sucht". Das war nicht sehr ermutigend! 

Schließlich boten sich mir doch drei Stellen gleichzeitig an – ein Teilzeitjob als Lehrer, eine Stelle als Verkaufsmanager und eine Stelle als Trainer der Baseballmannschaft an einer Schule. Meinem Herzen nach wollte ich die Stelle als Lehrer oder Trainer annehmen, aber das Gehalt hätte nicht ausgereicht, um unsere Familie zu ernähren, und so sagte ich diese Angebote ab und nahm die Stelle als Verkaufsmanager an, die ein deutlich höheres Einkommenspotenzial versprach. 

Nach dem ersten Tag in dieser "Management"-Position – die in Wahrheit beinhaltete, Waren an der Haustür zu verkaufen – fragte ich mich: "Was in aller Welt tust du hier?" Aber ohne eine alternative Stelle und mit der Verheißung einer besseren Zukunft entschied ich mich, durchzuhalten. In der ersten Woche tat ich also, was der Regionalmanager mir sagte. Ich kontaktierte mehr Leute per Telefon als irgendjemand anderes im Büro. Aber kein Verkaufsabschluss. Mein Manager sagte: "Oh, Paul, Sie machen das großartig. Machen Sie weiter so, irgendwann kommt der Durchbruch!" Aber was geschah in der folgenden Woche? Dasselbe. Ich machte viele Überstunden, aber kein einziger Abschluss. Und ich arbeitete nur auf Provisionsbasis! 

Und so betete ich mit ungewöhnlicher Intensität. Für Tage, ja sogar Wochen beinhaltete mein Bibelstudium 2. Timotheus 1, 6-7. Ich ging dabei auf die Knie und las diese Verse vor Gott. Dann, nach einer Weile, fügte ich meinen Gebeten weitere Verse hinzu. Immer wieder sprach ich Philipper 4, 6 und sprach mit Gott darüber. Ich wollte unbedingt, dass Gott meine Bemühungen segnete. 

Die dritte Woche kam und ging, ohne einen Verkaufsabschluss. Ebenso die vierte Woche. Meine menschliche Schwäche trat mir überdeutlich vor Augen. Ich gelangte an den Punkt, wo ich fragte: "Gott, wo bist du?" Ich begann, meine Schwachheit deutlicher zu erkennen, als jemals zuvor. 

Das war es. Nachdem ich einmal meine eigene Schwachheit erkannt hatte, begannen die Dinge, sich zu ändern. Ich gewann einige Wettbewerbe und wurde zum Managementassistenten befördert. Nach einer Weile wurde mir die Leitung einer Filiale angeboten. 

Zu diesem Zeitpunkt wurde mir wieder bewusst, dass ich diesen Job nicht langfristig ausüben wollte. Also kündigte ich. Ich wechselte in den Einzelhandel und nahm auch eine Stelle in Nachtarbeit für den United States Postal Servicean. Während der Woche hatte ich somit zwei Vollzeitstellen, acht Stunden am Tag und acht Stunden während der Nacht. 

Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass man im Stehen einschlafen kann. Nachts sortierte ich Briefe, und einmal begann ich plötzlich, umzufallen. Doch ich konnte mich noch abfangen, bevor ich auf den Boden aufschlug. Ich blickte heimlich um mich, um zu sehen, ob mein Vorgesetzter mich beobachtet hatte. Zum Glück sah ich niemanden. Nach einer Weile begannen meine Knie, nachzugeben, sodass ich einfach zusammensackte, mich aber auch wieder auffangen konnte. Ich fiel nie auf den Boden, aber ich schlief ein, während ich im Stehen Post sortierte! 

Dies war wirklich eine sehr schwierige Zeit für mich. Sie dauerte drei Jahre. Am Sabbat fuhren wir jeweils über 150 Kilometer zur Versammlung, und so war ich dankbar, dass meine Frau fuhr, während ich schlafen konnte. Als ich schließlich von der Global Church of God eingestellt wurde, war dies einer der glücklichsten Tage meines Lebens. Die vorangegangenen drei Jahre waren absolut miserabel. Aber rückblickend bin ich froh, diese schwierigen Zeiten erlebt zu haben. Ich würde mich nicht mehr dafür entscheiden, so etwas zu tun, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich für diese drei Jahre dankbar bin, da sie ermöglichten, dass Gott etwas in diesem halsstarrigen Israeliten, der ich war, bewirken konnte, was ich heute sehr zu schätzen weiß. 

Inwiefern? Weil ich seine Stärke erkennen konnte, die in meiner Schwachheit wirkte. Dafür danke ich Gott sehr. Wir haben alle unsere Prüfungen, Schwierigkeiten und Probleme. "Wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsal Ausharren bewirkt" (Römer 5, 3). Dieses Ausharren in Geduld baut unseren Charakter auf, während wir unsere Prüfungen erdulden.

Ausharren baut Charakter auf

Viele langjährige Mitglieder der Kirche Gottes dürften sich daran erinnern, dass Herr Armstrong oftmals sagte, es gibt eines, was Gott nicht auf übernatürliche Weise durch ein göttliches "es werde…" erschaffen kann: heiligen, gerechten Charakter. Tatsächlich ist Charakter etwas, in dem wir alle wachsen müssen. Charakter bedeutet, das Richtige zu wählen, wenn man uns sagt, dass wir das Falsche tun sollen. Und es ist nicht immer so, dass wir sagen können: "Gar keine Frage – dies ist der Weg, den ich gehen soll, und es ist leicht, ihn zu gehen". Manchmal weiß man tief im Inneren, welchen Weg man gehen sollte, aber der andere Weg scheint einfach so viel leichter zu sein, oder mehr Spaß zu machen, oder der Weg zu sein, den die eigenen Freunde einem empfehlen. "Meine Freunde gehen auch diesen Weg, und ihnen scheint es dabei gut zu gehen, und so sehe ich keine schlechten Ergebnisse darin, jedenfalls jetzt noch nicht. Also sollte ich diesen Weg vielleicht auch gehen?" 

Aber wenn wir Charakter aufbauen, werden wir uns sagen: "Nein, ich werde nicht den einfachen Ausweg suchen. Ich werde das Richtige tun, weil Gott es so sagt". Je mehr wir uns darin üben, desto mehr wachsen wir, und so bringen unsere Prüfungen und Probleme Ausdauer hervor, die dazu führt, dass wir heiligen, gerechten und vollkommenen Charakter aufbauen. Und ein weiterer Aspekt ist, dass wir auch mehr Hoffnung bekommen, während wir an Charakter wachsen. Während wir Prüfungen durchleben, bauen wir nicht nur Ausdauer auf, wir bekommen auch mehr Hoffnung, was wiederum unser Ausharren und unser Wachstum fördert. 

Wir verstehen nicht immer die Wege Gottes. "Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr" (Jesaja 55, 8). Aber wir können auf Gott hoffen und vertrauen, auch wenn er viel von uns verlangt. Uns wird gesagt: "Meine lieben Brüder, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallt" (Jakobus 1, 2). Dies bedeutet nicht, dass wir "den Kopf in den Sand stecken" und so tun, als seien Prüfungen eine Art Segen. Wir sollten realistisch bleiben. Und wenn wir der Realität ins Auge blicken, können wir begreifen, dass jede Prüfung eine Gelegenheit ist, etwas zu lernen. Wir können dann lernen, zu sagen, wenn uns eine Prüfung trifft: "Danke Gott, ich freue mich darauf, zu sehen, wie du mich hier herausführst, denn für mich sieht es unmöglich aus". 

Wenn eine Prüfung schwer aussieht, können wir fest glauben, dass wir sie aus eigener Kraft überwinden können. Aber wenn dies unmöglich erscheint, wissen wir, dass wir keinen anderen haben, an den wir uns wenden können, außer Gott. Während wir wachsen, während wir Prüfungen durchleben und lernen, auf Gott zu schauen, können wir zuversichtlich sein, dass er uns herausführen wird. "Wisst, dass euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt. Die Geduld aber soll ihr Werk tun bis ans Ende, damit ihr vollkommen und unversehrt seid und kein Mangel an euch sei" (Jakobus 1, 3-4). 

Gott liebt uns so sehr, dass er möchte, dass wir wie er werden. Er will, dass wir seinen Charakter haben, und so erlaubt er, dass wir durch schwierige Zeiten hindurchgehen. Er weiß, wie sehr es schmerzt, aber er weiß auch, wie viel es uns bringt, um zu wachsen. So können wir also selbst in den schwierigsten Prüfungen lernen und wachsen. Und während wir damit umgehen, sollten wir besonders um Weisheit beten (Jakobus 1, 5).

Wie man Prüfungen begegnet

Ich danke unserem himmlischen Vater, dass ich lerne, schwierigen Prüfungen auch mit einem Gefühl der Freude zu begegnen, auch wenn diese von Zeit zu Zeit schmerzhaft sind. Dies war ein langsamer Prozess, das muss ich zugeben. Manche von Ihnen, die diesen Artikel lesen, erleben gerade jetzt eine schwere Prüfung, und ich kann mit Ihnen mitfühlen. Und Sie wissen, dass Gott auch mit Ihnen mitfühlt. Und Sie können sicher sein, dass Gott damit etwas in Ihrem Leben bewirkt – etwas sehr tiefgründiges und bedeutsames. Vergessen wir niemals Christi bestärkende Worte: "meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" (2. Korinther 12, 9). 

Während wir erkennen, wie schwach wir wirklich sind, ist Gott fähig, uns zu zeigen, wie stark er ist. Nicht nur, wie stark er ist, indem er so viele enorme Wunder vollbringt, um das riesige Universum zu erhalten, sondern wie er auch ganz machtvoll und dynamisch in Ihrem persönlichen Leben eingreifen kann. Es ist wunderbar, dieses zu erfahren. 

Aber bei alldem sollten wir nicht die Bedeutung des Fastens vernachlässigen. Wenn wir fasten, entscheiden wir uns freiwillig, uns schwach zu machen. Wenn wir regelmäßig fasten, kann Gott seine Stärke in uns noch besser erweisen, was uns wiederum stärker macht. Petrus sagte dazu: "Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit" (1. Petrus 5, 5-6). Wenn wir diesen innigen Kontakt zu Gott haben, ist es ebenfalls eine wunderbare Erfahrung.

Christi Vorbild

Jesus Christus sagte, er könne "nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn" (Johannes 5, 19). Was der Sohn tut, ist ein Vorbild für das, was wir tun sollen. Wir können wie er sein. Paulus schrieb: "Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir" (Galater 2, 19-20). Paulus konnte dies sagen, weil Christus sein Leben in ihm lebte und ihm damit half, uns ein beeindruckendes Vorbild zu geben. Und wenn wir diesem Beispiel folgen, wird Christus auch sein Leben in jedem von uns leben. 

Gott hat uns nicht berufen, weil wir so stark sind. Vielmehr hat er die Schwachen der Welt berufen. Doch wenn wir unsere Schwachheit bekennen, kann Gott seine Stärke in uns wirken lassen. Und dann können wir wirklich stark werden, denn diese Stärke ist dann nicht unsere eigene – sondern Gottes – Stärke durch Christus, der sein Leben in uns lebt. 

Mit diesem Wissen können wir lernen, uns in Prüfungen zu freuen. Wir können Gott für sie danken, für das, was sie in uns bewirken. Wir können ihm danken für das, was er in uns tut, denn seine Kraft ist in unserer Schwachheit mächtig.


SIS, Januar 2015
© 2015 Living Church of God
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Englischer Titel:  Strength Through Weakness
Diese Broschüre darf nicht verkauft werden!
Sie wird von der Living Church of God kostenlos der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Biblische Verweise und Zitate sind, soweit nicht anders angegeben,
der revidierten Lutherbibel 1984 entnommen.
© 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart