



















|

Tief greifende Veränderungen finden in Europa statt.
Nationale Zusammenschlüsse, die seit Jahrzehnten eingefroren zu sein schienen,
tauen nun auf und geraten in Bewegung. Starke Mächte arbeiten an einer
Neuordnung der geopolitischen Landschaft auf diesem geschichtsträchtigen
Kontinent, doch viele scheinen zu beschäftigt zu sein, um diese zu erkennen. Und
noch weniger verstehen, warum dies geschieht und wohin uns diese
dramatischen Ereignisse führen! Und warum ist es überhaupt wichtig, was mit
Europa geschieht?
Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister beobachtete, dass „das
Auftreten eines vereinten Europas eines der revolutionärsten Ereignisse
unserer Zeit ist" (Does America Need a Foreign Policy? [Braucht Amerika
eine Außenpolitik?], Seite 47). Die ehemalige britische Premierministerin
Margaret Thatcher erkannte, dass „der Trend zu einem bürokratischen Superstaat
Europa ... enorme Auswirkungen auf die Welt als Ganzes hat. Doch ich bin
auf meinen Reisen außerhalb Europas immer wieder überrascht, wie wenig man dort
davon versteht" (Statecraft [Die Kunst der Staatsführung], Seite 324).
Richard Leone, Präsident der Century Foundation, schrieb: „Wir leben in
einem ungewöhnlichen Zeitalter im Hinblick auf die Beziehungen der USA mit dem
neuen Europa" in dem der Prozess der Integration europäischer Nationen „von
vorrangiger Bedeutung ist" (Rethinking Europe’s Future [Europas Zukunft
überdenken], Calleo, Seiten xii-xiii).
Aber warum ist der gegenwärtige Versuch der Vereinigung Europas so
bedeutsam? Warum hat die Geschichte plötzlich „einen Gang höher geschaltet"? Was
bringt die Zukunft? Es überrascht, dass niemand – nicht einmal „Experten" in
internationalen Beziehungen – eine Antwort zu wissen scheinen! David Calleo,
Direktor für europäische Studien an der John Hopkins Universität erklärte:
„Angesichts der Achterbahnfahrt Europas im vergangenen Jahrhundert kann
niemand mit großer Sicherheit voraussagen, was sein Schicksal sein wird ...
Es gibt zu viele unvorhersagbare Elemente" (ebenda, Seite 1).
Doch Calleos Aussage ist nicht richtig! Es gibt Quellen, die erklären,
welche Bedeutung die Ereignisse in Europa haben, warum geschieht, was geschieht,
und wohin diese Ereignisse letztlich führen werden. Diese Quellen wurden von
denen, die heute am meisten darüber debattieren – Medien und Gelehrte –
vergessen oder ignoriert. Dr. Kissinger beobachtete freimütig, dass moderne
Journalisten und politische Führer dazu neigen, sich auf die „augenblickliche
Krise" zu konzentrieren, weil sie „das Produkt eines Bildungssystems sind, das
der Geschichte wenig Beachtung schenkt" (Kissinger, Seite 30). Er beklagte, dass
„das Studium der Geschichte und der Philosophie [Religion], der Disziplinen, die
für eine Vervollkommnung in der Kunst der Staatsführung am geeignetsten wären,
überall vernachlässigt wird." Moderne Generationen, so Kissinger, erkennen
nicht mehr, wie sich gegenwärtige Ereignisse in den Fluss der Geschichte
einfügen – die Leute erkennen und verstehen einfach nicht mehr den
„übergeordneten Zusammenhang" (ebenda, Seiten 30, 286).
Biblische Prophezeiungen, die die Zukunft aufzeigen, werden ignoriert
und biblische Berichte, die den Weltereignissen eine wichtige Perspektive
beifügen könnten, werden verworfen. Doch ist der Höhepunkt der Torheit,
diese essenzielle biblische Dimension gerade dann zu ignorieren, wenn
dramatische Ereignisse unsere moderne Welt umgestalten. Der biblische Bericht
vom Turmbau zu Babel ist ein Beispiel hierfür.
Der Turm von Babel
Der Turmbau zu Babel ist nicht einfach eine fantastische
Geschichte oder eine Erzählung voller mythischer Sinnbilder. Diese Geschichte
ist ein sorgfältig zusammengestellter Bericht, der eine wichtige Lektion für die
Menschheit beinhaltet. Die Konstruktion des Turms war mit einem entscheidenden
Ereignis verknüpft, das den gesamten Verlauf der Menschheitsgeschichte
beeinflusste. Die Stadt und der Turm von Babel waren Teil eines Reichs
(das erste Mal, dass die Bibel diesen Ausdruck gebraucht), das von Nimrod, einem
Urenkel Noahs, in Babylon und Assyrien – was heute dem Gebiet des Irak
entspricht – gegründet worden war. Nimrod errichtete das erste Imperium
nach der Sintflut (1. Mose 10, 10). Die Bibel berichtet von Nimrod: „Der war der
erste, der Macht gewann auf Erden" und „war ein gewaltiger Jäger vor dem
HERRN" (Verse 8-9). Oberflächlich klingt dies gar nicht so schlimm, doch der
Name Nimrod bedeutet „ein Held" und „ein Rebell." Einer, „der
Macht gewann," ist im Hebräischen der Ausdruck gibbor und hat die
Bedeutung „Krieger, starker Mann oder Tyrann." Die Umschreibung der Chaldäer von
1. Chronik 1, 10 liest sich so: „Kusch zeugte Nimrod, der begann, in Bosheit zu
verharren, denn er vergoss unschuldiges Blut und rebellierte gegen Jehova" (The
Companion Bible, Anhang 28). Weltliche Quellen deuten an, dass Nimrod ein
großer, mächtiger Mann war – ein ehrgeiziger Kämpfer, der auf Menschen Jagd
machte und ein Reich durch Plünderung, Eroberung Intrigen und Tyrannei
zusammentrug (siehe The Antiquities of the Jews [Altertumsgeschichte der
Juden], Josephus, Buch 1, Kapitel 4 und Jerusalem Targum). Nimrods
Rebellion war die Brutstätte eines Systems politischer und militärischer
Rivalitäten und Konflikte, das seither den Verlauf der menschlichen Geschichte
gekennzeichnet hat.
Um die Integration der Menschen und die Einheit seines Reichs zu fördern,
veranlasste Nimrod große Bauprojekte – die Konstruktion befestigter Städte und
massiver öffentlicher Gebäude wie den Turm von Babel. Die frühesten von
Stadtmauern umgebenen Städte fand man in dieser Region. Die biblische Aussage
„wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den
Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst
zerstreut in alle Länder" zeigt, dass Nimrods Politik von menschlicher
Eitelkeit geprägt war (1. Mose 11, 4). Der Bau einer beeindruckenden,
befestigten Stadt mit einem riesigen Turm erhöhte das Ansehen der Bauherren. Die
Errichtung eines Reichs aus mehreren Städten ermöglichte es Nimrod, die
umgebende Region militärisch, wirtschaftlich und politisch zu dominieren. Die
Bibel wie auch weltliche Quellen gehen davon aus, dass Nimrod die Errichtung
eines Weltreichs im Auge hatte.
Der Aufstieg von Nimrods Reich war ein bedeutender Wendepunkt in der
Weltgeschichte. Aus Eitelkeit motiviert begann Nimrod damit, grundsätzlich gegen
Gottes Anweisungen zu rebellieren und ein Reich durch Eroberung, Unterwerfung
und Kontrolle zu errichten. Dieses Verhaltensmuster hat sich seither in der
Geschichte fortgesetzt. Deshalb hat Gott beim Turmbau zu Babel eingegriffen und
die Sprachen verwirrt – wodurch die Konstruktion zum Stillstand kam! Doch das
Verhaltensmuster Nimrods hörte nicht in Babel auf. Babylon und Ninive, zwei der
bekanntesten Städte der Welt im Altertum verbreiteten Nimrods Ideen in alle
Richtungen. In der Bibel wird Babylon zum Sinnbild für jede erdenkliche böse
Tat. Babylon und das Land des heutigen Irak stechen in den Endzeitprophezeiungen
besonders hervor. Daher müssen wir klar verstehen, was diese wichtigen
biblischen Berichte bedeuten. Doch was hat das mit dem heutigen Europa zu tun?
Das moderne Europa
Die Architekten der Europäischen Union erkennen die
Parallele zwischen dem Turmbau zu Babel und ihren Bemühungen, ein neues Europa
zu „konstruieren." Der Europarat benutzte ein Poster mit dem Turm von Babel, um
für den Aufbau eines vereinten Europas zu werben. In Rundgängen durch das
Europaparlament in Brüssel werden auf einer Kassette die vielen Sprachen, die
von den Delegierten gebraucht werden, mit einem „modernen Turm von Babel"
verglichen. Von Gegnern wird die EU in einer Analogie mit einem fahrenden Zug
als „Babel Express" bezeichnet, der charakterisiert ist durch hochtrabende
Rhetorik und Schweinestallpolitik. Überraschenderweise gehen die Parallelen
noch viel tiefer.
Die Grundeinstellung, von der die Begründer der Stadt und des Turms von
Babel motiviert waren, war ihr Streben nach Macht und Ruhm. Dieselbe
Motivation finden wir tief verwurzelt in dem Bestreben um die Konstruktion
eines geeinten Europa. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg verlor Europa
seine führende Position in der Welt an die USA und an die Sowjetunion. Die
intellektuelle Elite auf dem Kontinent sah in der Vereinigung den einzigen Weg,
Europas Abstieg umzukehren. Der gegenwärtige Versuch einer europäischen
Integration ist ein Versuch, wieder eine führende Rolle auf der Weltbühne zu
erlangen. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer erklärte es so: „Europa
wird im globalen wirtschaftlichen und politischen Wettbewerb nur die Rolle,
die ihm zusteht, spielen können, wenn wir mutig vorangehen." Margaret
Thatcher beobachtete, dass Europas „Ehrgeiz, sich zu profilieren, ohne Vergleich
da steht. Doch ... seine Versuche, eine Rolle auf der Weltbühne zu spielen,
waren auch allesamt beschämend" (Thatcher, Seite 342). Die Pläne zur Schaffung
einer europäischen Armee werden von tief greifenden politischen Motiven
vorangetrieben – nämlich, Europa einen Sinn für eine gemeinsame Identität
zu geben – und nicht nur von militärischen Überlegungen.
Wie Nimrod große Bauprojekte organisiert hat, um die Völker seines Reichs
zu vereinen, so beinhaltet der Aufbau eines geeinten Europas auch viele
Projekte, die zur gleichen Zeit ablaufen: Die Schaffung einer gemeinsamen
Währung, eine Zentralbank, gemeinsame Gesetze, ein europäisches Gerichtssystem
und Einsatzkräfte der Polizei, eine europäische Armee, eine gemeinsame
Außenpolitik und eine Verfassung. Ein Hauptziel hierbei ist die Eliminierung
individueller Staaten durch den Zusammenschluss (die Aufgabe) nationaler
Souveränitäten zu Gunsten supranationaler europäischer Institutionen. Die
Erbauer glauben, dass der einzige Weg, um den Frieden zu garantieren und
künftige Kriege in Europa zu verhindern, der ist, den Nationalstaat
abzuschaffen, indem man einen europäischen Superstaat schafft. Europäische
Technokraten sehen in kleinen Nationen eine altmodische Organisationsform, die
zu unserer globalisierten Welt nicht mehr kompatibel ist. Jeder, der diese
Notwendigkeit nicht erkennt, so sagen sie, hat sich von der Realität entfernt
und steht dem Fortschritt im Weg.
Aber wie berechtigt sind solche hochtrabenden Bemerkungen? Ist die
Vereinigung Europas die einzige Hoffnung für die Zukunft? Bestätigt die
Erfahrung der Geschichte solch ein ehrgeiziges Unterfangen? Wird das große
Experiment der Errichtung eines größeren und vereinten Europas es schaffen,
einem zersplitterten Kontinent Frieden zu bringen, oder wird es unerwartet
zusammenfallen – wie der Turm von Babel?
Eine dunklere Seite
Die Erbauer des neuen Europa versuchen, die Einheit des
Römischen Reichs wieder herzustellen. Das Reich Karls des Großen und das
mittelalterliche „Heilige Römische Reich" werden als Modelle für Frieden,
Harmonie oder Einheit angeführt. Doch diese Reiche waren nicht gerade Vorbilder
an Frieden, Harmonie und Einheit. Das „Christentum," das vom Römischen Reich
angenommen wurde, war mit dem Heidentum vermischt und Kontroversen in
Glaubensfragen spalteten Kirche und Reich. Karl der Große erweiterte sein
„christliches" Reich durch militärische Eroberungen und Bekehrungen wurden oft
mit dem Schwert am Hals erzwungen. Das mittelalterliche Christentum war von
bitteren Rivalitäten zwischen Päpsten und Kaisern geprägt, die im Herzen Europas
gegeneinander Kriege führten. Napoleon versuchte ebenfalls, Europa unter der
Krone des „Heiligen Römischen Reichs" zu vereinen. Sein Ziel war es, die
Landkarte Europas neu zu zeichnen, ein gemeinsames Gesetzessystem zu errichten
und dem gebeutelten Kontinent durch die französischen Armeen Frieden zu bringen.
Etwas mehr als ein Jahrhundert später machte sich Hitler auf denselben Weg,
diesmal mit deutschen Streitkräften.
Die Lehre der Geschichte ist, dass es keinem dieser Versuche gelang, diesem
von Kriegen zerrissenen Kontinent dauerhafte Einheit und Frieden zu bringen.
Tatsächlich sind diese immer wieder auftretenden Bemühungen, ein einzelnes Reich
unter einem Herrscher und einer Religion zu errichten, einer der Gründe für
Europas blutbefleckte Vergangenheit. Das sind die wahren Früchte eines Systems,
das auf Eroberung, Vorherrschaft und Kontrolle basiert, und das Nimrod beim
Turmbau zu Babel begonnen hat. Die Folgen davon füllen nunmehr die Geschichte
von über 4000 Jahren!
Der vielleicht überraschendste Aspekt bei dem gegenwärtigen Versuch einer
Vereinigung Europas ist der tatsächliche Ursprung der Begriffe, Pläne und
Ideen, die bei der Konstruktion dieses neuen Europa Verwendung finden. Obwohl
Historiker anerkennen, dass Nazis und Faschisten für das Ziel und den Ruhm eines
vereinigten Europas eintraten, widmet man diesem Thema heute nur wenig
Aufmerksamkeit. Doch historische Dokumente weisen auf eine Ähnlichkeit der
Pläne, Ziele und verwendeten Begriffe hin, die absolut erstaunlich ist!
Das „neue" Europa wird nach Plänen konstruiert, die ihren Ursprung im
Deutschland der 1940er Jahre haben. Ein Gelehrter stellte die Frage: „Kann es
sein, dass die noble Konzeption eines vereinten Europas ... mit Ideen
kontaminiert ist, die sich in Dokumenten [Reden und Schriften prominenter
Nazis und Faschisten] wiederfinden, wie sie hier aufgeführt sind? Die
Antwort muss lauten: ja" (Documents on the History of European
Integration [Dokumente über die Geschichte der europäischen Integration],
Lipgens, Seite 53). Dieser Gelehrte bemüht sich, zu erklären, dass diese
erstaunliche Ähnlichkeit „nichts mit irgendeiner intellektuellen oder gar
moralischen Verbundenheit zu tun hat" (ebenda). Doch das ist kaum anzunehmen, da
die deutschen Pläne zur Vereinigung Europas von einer „Generation
deutschsprachiger Intellektueller erstellt wurden, die für die Sache der Nazis
eingetreten waren" (The Rebirth of the West [Die Wiedergeburt des
Westens], Duignan & Gann, Seite 2).

Wenn man die Dokumente aus der Zeit des zweiten
Weltkriegs über detailgenaue Pläne für eine neue Ordnung in Europa liest,
bekommt man ein seltsames Gefühl, als würde man einen Nachrichtenbericht von
heute lesen. Sogar die Wortwahl ist dieselbe! Mussolini verkündete: „Europa
kann wieder das Ruder der Weltzivilisation an sich nehmen, wenn es ein
Mindestmaß an politischer Einheit erreichen kann" (The Tainted Source
[Die verdorbene Quelle], Laughland, Seite 47). Hitler redete von der
Notwendigkeit, „die Anhäufung kleiner Nationen" zu eliminieren und davon, dass
„nur die Deutschen Europa wirklich organisieren können ... wonach der Weg zur
Weltherrschaft praktisch sichergestellt ist" (Lipgen, Seite 10). In den
Plänen der Nazis sollten Deutschland und Italien den „harten Kern" der Einheit
auf dem Kontinent bilden, sowie die „Achse Europas, um die sich der Rest des
Kontinents von selbst sammeln wird" (ebenda, Seite 10). Heute besteht der
harte Kern aus Deutschland und Frankreich und die Achse des neuen Europa
verläuft zwischen Paris und Berlin. In der Vision der Nazis sah man Europa als
„riesigen Bauplatz," auf dem eine herrliche Zukunft zusammengebaut wird (ebenda,
Seite 56). Und auch heute spricht man wieder vom Erbauen und Konstruieren des
Gebäudes eines neuen Europa. Den Nazis nahe stehende deutsche Gelehrte
entwickelten detaillierte Pläne, um die Landkarte Europas neu zu gestalten und
eine Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit einer gemeinsamen Währung und einer
gemeinsamen Landwirtschaftspolitik zu schaffen (ebenda, Seiten 123-162). Die
Nazipropaganda zeigte ein visionäres Europa im Frieden, wo Konflikte der
Vergangenheit angehörten. Dieselben Themen werden heute angesprochen.
1940 triumphierte Josef Goebbels: „Wir haben die Chance, Europa neu zu
organisieren ... das größte historische Drama, das die Geschichte je gesehen
hat, wird in diesem Moment aufgeführt" (ebenda, Seiten 73-74). Er warnte davor,
dass es „keiner einzelnen europäischen Nation gestattet werden kann, dem Prozess
der Organisation im Wege zu stehen" (ebenda, Seite 75). Ein offizieller Sprecher
der Nazis verkündete mit einem Hinweis auf das alte Babylon (vgl. 1. Mose 11,
3-4; Daniel 4, 28-30), dass Berlin „zur mächtigsten und schönsten Stadt der
Welt" werde ... „zum Gravitationszentrum Europas ... einem Magneten" im Herzen
Europas (ebenda, Seite 98). 1990 beschrieb Joschka Fischer „die einzigartige
Gelegenheit, unseren Kontinent zu vereinigen," und sagte, dass ein Kerneuropa
ein Gravitationszentrum wäre, das wie ein Magnet im Herzen Europas
wirken würde. Er sprach davon, eine neue Ordnung in Europa zu schaffen und
warnte, dass Nationen, die sich nicht vereinigen wollen, „die anderen nicht
davon abhalten können sollen."
1941 verkündete Hitler: „Die Zukunft gehört nicht dem lächerlichen, halb
zivilisierten Amerika, sondern einem neu aufgestiegenen Europa" (Lipgens, Seite
89). Nazigrößen sprachen von der „Mission Deutschlands," die Völker Europas zu
vereinigen. In den 1950er Jahren erklärte der deutsche Bundeskanzler Konrad
Adenauer: „Deutschland hat eine göttliche Mission, Westeuropa zu retten."
Helmut Kohl erklärte später: „Die Zukunft gehört den Deutschen ... wenn wir das
Haus Europa bauen" (The Principality and Power of Europe [Die
Vorherrschaft und Macht Europas], Hilton, Seite 39). Nazis und Faschisten
gebrauchten antiamerikanische und antibritische Parolen, um Werbung für ihr
neues Europa zu machen. Führende Nazis waren eifrig bemüht, ihre wahren Ziele
einer Vorherrschaft in Europa nicht offen zuzugeben. Genau dasselbe geschieht in
Europa heute. Die Nazis logen immer wieder im Bezug auf ihre Absichten.
Nachforschende Reporter haben ein ähnliches Verhaltensmuster in der EU gefunden;
ein Buch über die EU trägt den Titel The Castle of Lies [Das
Lügenschloss] (Booker & North, 1997).
Auch wenn die heutigen Architekten Europas die Verbindung ihrer Ideen mit
den Plänen der Nazis und Faschisten in den Kriegsjahren nicht mögen, so zeigen
doch die Aussagen mehrerer aufeinander folgender europäischer Staatsmänner, dass
diese Ideen der Nazizeit bis heute lebendig geblieben sind! Das Schweigen der
Gelehrten und moderner Befürworter der europäischen Einheit hinsichtlich dieser
offensichtlichen Überschneidung von Ideen ist bemerkenswert – und besagt nichts
Gutes. Die Bibel offenbart, dass die grandiosen Vorhaben, andere durch
Waffengewalt oder Geheimpläne zu dominieren und zu kontrollieren, ihren Ursprung
bei Nimrod und dem Turmbau zu Babel haben. Bei dieser Herkunft sollte uns deren
Zukunft nicht überraschen.
Künftige Probleme
Die Einheit Europas ist ein alter Traum mit einer
farbenfrohen aber befleckten Vergangenheit. Sie ist auch eine Idee, die ansteckt
– und sie hat eine prophetische Bedeutung. Heute sind viele Europäer von dieser
verlockenden Idee begeistert, obwohl die Geschichte „reichlich gezeigt hat, wie
vergeblich und gefährlich solche Versuche sind, die Staaten Europas einer
einzelnen Zentralmacht unterzuordnen" (Calleo, Seite 343). Doch die Bauherren
Europas scheinen den Lektionen der Geschichte gegenüber blind zu sein,
die Prophezeiungen vergessen zu haben und schnell dabei zu sein, die
Warnungen von Kritikern zu verwerfen. Das sind keine guten Vorzeichen für die
Zukunft.
 |
Das europäische Haus ist eine wackelige Konstruktion, erbaut auf
einem schwankenden Fundament von Illusionen, Vermutungen und
Fehleinschätzungen. Die Architekten Europas nehmen an, dass die Vereinigung,
Verhandlungen, das Bilden von Mehrheiten und Erklärungen gegen
Feindseligkeiten Kriege von diesem Kontinent verbannen werden.
|
Doch „das auffälligste gemeinsame Merkmal" dieser
pazifistischen Vermutungen ist „ihr beinahe völliges Versagen, den Lauf der
Geschichte zu beeinflussen" (The Question of Europe [Die Europafrage],
Gowan, Seite 99). Die Bibel sagt eindeutig, dass die Menschheit den Weg des
Friedens nicht kennt (Jesaja 59, 8). Die populäre Vorstellung, dass
demokratische Nationen nicht gegeneinander in den Krieg ziehen, ist eine weitere
naive Vermutung (Calleo, Seiten 5, 357). Der Versuch europäischer Nationen, mit
einer gemeinsamen Irakpolitik aufzutreten, erzeugte ernsthafte
Auseinandersetzungen. Während Integration als ein Weg zu Wohlstand und
Vollbeschäftigung begrüßt wird, hat die Arbeitslosenquote in Europa eine
bedenkliche Höhe erreicht. Der „Wohlstand," für den die europäischen
Wohlfahrtsstaaten bisher gesorgt haben, wird zunehmend durch eine überalternde
Bevölkerung gefährdet, die von immer weniger jungen Arbeitskräften versorgt
werden muss.
Erklärungen, dass die Vereinigung Europas unvermeidlich ist – und von
unserer globalisierten Wirtschaft sogar verlangt wird – treten diejenigen mit
Skepsis gegenüber, die sich noch daran erinnern, wie deutsche Theoretiker, die
sich in den 1930er und 40er Jahren mit Geopolitik befasst haben, von den „Gesetzen
des Lebensraums" gesprochen haben. Sie verkündeten damals, dass „die Vereinigung
Europas eine unvermeidbare Entwicklung im Hinblick auf das eiserne
Gesetz der Geschichte" darstellt (Lipgens, Seiten 95, 111). Der holländische
Historiker Peter Rietbergen kommentierte: „Wenn die Vergangenheit uns
irgendetwas lehren kann, dann ist es, dass Ideen, von denen behauptet wird, dass
sie absolute Gültigkeit hätten, immer gefährlich sind"(Europe: A Cultural
History [Europa: Eine Kulturgeschichte], xxiii).
Während europäische Planer sich eine Art Vereinigte Staaten von Europa
vorstellen, sehen andere darin eine „gefährliche Illusion" (Gowan, Seite 84).
Der „gewagte" deutsch-französische Vorstoß, engere Bindungen voranzutreiben,
wird auch als „großes Glücksspiel" und als „Projekt, das sehr wahrscheinlich
schief geht" angesehen (ebenda, Seite 123). Margaret Thatcher bezeichnete den
Versuch der Vereinigung Europas als „ein klassisches utopisches Projekt, ein
Monument der Eitelkeit von Intellektuellen, ein Programm, dessen
unvermeidbares Schicksal das Scheitern ist ... . Ich sage voraus, ... dass ein
solch unnötiges und irrationales Projekt ... in späteren Jahren vielleicht als
die größte Torheit der Moderne bezeichnet werden wird" (Thatcher, Seiten
359, 410). Sogar der Papst erklärte, dass Versuche, Europa auf einem weltlichen
Fundament aufzubauen, „innerhalb eines Jahrzehnts zusammenbrechen würden" (The
Economist, 24. August 2002, Seite 43). Die Bibel erklärt: „Wenn der HERR
nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen" (Psalm 127, 1).
Sowohl die Geschichte, als auch die Bibel zeigen, dass in dem neuesten
Versuch, die Nationen Europas zu vereinen, nichts Neues oder Unvermeidbares
steckt. Während Gelehrte erklären, dass man „die Zukunft nicht kennen kann,"
offenbaren biblische Prophezeiungen, was vor uns liegt. Die Bibel beschreibt ein
modernes Babylon, das Teil eines endzeitlichen, militärisch-wirtschaftlichen
Systems mit globalen Verbindungen sein wird. Diese mächtige und gleichzeitig
zerbrechliche Struktur (in Daniel 2, 40-43 mit einer Mischung aus Eisen und Ton
verglichen) wird direkt vor der Rückkehr Jesu Christi auf der Weltbühne
in Erscheinung treten. Nach außen hin wird dieses System von materiellem
Reichtum und Macht gekennzeichnet sein, aber im Innern wird es böse, korrupt und
ausbeuterisch sein. Es wird aus zehn Staatsoberhäuptern bestehen, die ihre
Souveränität für die kurze Zeit von dreieinhalb Jahren an einen politischen
Führer abtreten werden. Doch wie schon Nimrods Turm von Babel wird dieses modern
babylonische System einen katastrophalen Zusammenbruch erleben (Offenbarung
17-18). Diese letzte Wiederauferstehung eines grandiosen, von Menschen erdachten
Plans wird durch Gottes direktes Eingreifen beendet werden, wenn Jesus Christus
zurückkehrt, um das Reich Gottes zu errichten. Vor fast 2500 Jahren erklärte der
Prophet Daniel dem babylonischen König Nebukadnezar einen Traum, in dem
offenbart wurde: „Zur Zeit dieser [10] Könige wird der Gott des Himmels ein
Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird." Daniel erklärte auch: „Der
Traum ist zuverlässig und die Deutung ist richtig" (Daniel 2, 44-45). Der
beschleunigte Ablauf der Geschichte, den wir heute miterleben, zeigt an, dass
wir uns der Endzeit schnell nähern. Erkennen Sie, was auf uns zukommt? Werden
Sie bereit sein?
ETB, Juli 2003
© 2003 Living Church of God
Alle Rechte vorbehalten.
Englischer Titel: Europe: A Modern Tower of Babel
Diese Publikation darf nicht verkauft werden!
Sie wird von der Living Church of God kostenlos der Öffentlichkeit zur Verfügung
gestellt.
Biblische Verweise und Zitate sind, soweit nicht anders angegeben,
der revidierten Lutherbibel 1984 entnommen.
© 1985 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

|